E-Mobilität-Experte über Crash der Ladeinfrastruktur

Im Gespräch mit Mathias Knauer, Experte für Ladeinfrastruktur

In der aktuellen Podcast-Folge habe ich Mathias Knauer zu Gast. Mittlerweile teilt er zum vierten Mal seine Expertise im Umfeld der Elektromobilität, im Speziellen im Umfeld der Ladeinfrastruktur, mit uns. Seit zehn Jahren ist er selbst sehr aktiv in diesem Bereich. Schwerpunkt unseres heutigen Austauschs ist das Thema "Ladeinfrastruktur vor dem nächsten Crash", welches er mitgebracht hat.

Die Besonderheit, er hat befreundete Unternehmer und mich in der Nähe von Heidelberg besucht. Idealer Aufhänger, um ein paar Worte über die Ladeeindrücke von München nach Heidelberg zu verlieren. Als Tesla Model Y-Fahrer sah er aufgrund des Supercharger-Netzwerks hier keine Herausforderung. Zudem hat er hervorgehoben, dass sich die Ladeinfrastruktur insgesamt positiv entwickelt hat, mit einem Anstieg der Ladepunkte von etwa 85.000 Anfang 2023 auf über 100.000 Ende Februar 2024. Dies entspricht einem Wachstum von 31 Prozent. Die Ladeleistung ist ebenfalls um etwa 36 Prozent gestiegen, was das Laden schneller macht und längere Reisen erleichtert.

Jedoch gibt es immer noch Herausforderungen, wie die Barrierefreiheit der Ladeinfrastruktur und die Zuverlässigkeit von Ladestationen. Viele Menschen, besonders die, die sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigen wollen, halten es für schwierig, Zugang zu Ladestationen zu bekommen, und es gibt Probleme mit nicht funktionierenden Ladepunkten. Matthias betont die Notwendigkeit einer verbesserten Kommunikationstechnologie zwischen Ladestationen und deren Betreibern, um den Zustand der Ladestationen effektiver überwachen und proaktiv warten zu können.

Ein weiteres Thema ist Plug and Charge, eine Technologie, die das Laden von Elektroautos vereinfacht, indem das Fahrzeug automatisch erkannt wird und der Ladevorgang ohne zusätzliche Schritte wie Apps oder Karten startet. Gemeinsam diskutieren wir über die technischen und organisatorischen Herausforderungen, diese Technologie flächendeckend einzuführen.

Abschließend betont Matthias die Wichtigkeit von Investitionen in moderne Technologien für die Ladeinfrastruktur, um die Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit zu verbessern und langfristig eine solide Grundlage für die Elektromobilität zu schaffen. Er warnt vor den Risiken, die entstehen, wenn alte Technologien verwendet werden, und betont die Notwendigkeit eines Umdenkens bei Herstellern und Betreibern von Ladestationen. Denn die Ladestationen, die heute errichtet werden, werden für einige Jahre stehen und sollten dann auch entsprechend dafür ausgelegt sein. Im Detail hörst du dir dies am besten im Podcast selbst an. Viel Freude damit.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des elektroauto-news.net Podcast. Ich habe heute Matthias Knauer zu Gast, mittlerweile zum vierten Mal bei uns im Podcast und wir unterhalten uns mal wieder über das Thema Ladeinfrastruktur. Heute lässt er uns an seiner Erfahrung von über zehn Jahren in der Welt der E-Mobilität teilhaben. Wir unterhalten uns über die Herausforderungen, die es aktuell am Markt gibt. Und was heute angegangen werden muss, dass wir auch künftig noch den Rollout der E-Mobilität im größeren Maß standhalten können. Weil auch da gilt es auf Ladeinfrastrukturseite nicht nur Ladesäulen aufzubauen an der richtigen Stelle, sondern auch mit der richtigen Technologie. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Matthias. Servus Matthias, vielen Dank, dass du heute wieder mit am Start bist, mittlerweile zum vierten Mal im elektroauto-news.net-Podcast. Es freut mich natürlich sehr, dass du hier bist. Wahrscheinlich gibt es trotzdem den einen oder anderen Zuhörer, ZuhörerInnen, die noch nichts von dir gehört haben. Verlier mal kurz ein paar Worte zu deiner Person, bevor wir uns dem Thema Ladeinfrastruktur annehmen.

  3. Mathias Knauer:

    Ja, danke Sebastian, dass ich mal wieder hier sein darf und dieses Mal nicht online und nicht in meinem Büro sozusagen, sondern bei euch hier im Büro. Finde ich richtig cool. Vielen Dank für die Einladung. Kurz zu mir. Ich bin 40, wohne eigentlich in München und beschäftige mich seit über zehn Jahren mit dem Thema Ladeinfrastruktur. Da bin ich zuletzt bei Total Energies für das Deutschlandgeschäft zuständig gewesen, vor allem für den Vertrieb und das Produktportfolio.

  4. Sebastian:

    Und daher kennen wir uns ja auch, da waren wir zuletzt im Austausch, das war eben bei dir in München im Büro, heute bist du im Raum Heidelberg unterwegs, hast also auch extra eine lange Fahrt auf dich genommen, hast dich da auch wieder mit dem Thema Ladeinfrastruktur beschäftigen dürfen sozusagen. Wie war denn die Reise, hat es denn geklappt mit dem Laden hierher?

  5. Mathias Knauer:

    Ah super, ich bin elektrisch hergekommen, wie ich immer fahre. Ich fahre Tesla und alle, die Tesla fahren, haben in der Regel mit der Tesla-Infrastruktur sehr gute Erfahrungen. Ich habe persönlich sehr wenig schlechte Erfahrungen gemacht mit Tesla-Infrastruktur. Hat super funktioniert, an der Autobahn geladen, Kaffee geholt und weggebracht. Das hat astrein funktioniert.

  6. Sebastian:

    Und da haben wir ja schon die Thematik, mit Tesla funktioniert und klappt es. Wenn man dann auf andere Ladenetzwerke, Ladeangebote guckt, ist es dann doch immer nicht so astrein. Und da hattest du ja jetzt auch das Thema, wo wir uns vorab abgestimmt haben, so Ladeinfrastruktur vor dem nächsten Crash mitgebracht. Bevor wir darauf eingehen, vielleicht einfach mal der Blick zurück aufs vergangene Jahr. Da sind ja auch aktuelle Zahlen gerade jetzt Ende Februar rausgekommen. Magst du mal ein Stück weit einordnen, ist die Ladeinfrastruktur schon eingebrochen oder haben wir Wachstum gesehen im vergangenen Jahr?

  7. Mathias Knauer:

    Also wir haben, was die Ladeinfrastrukturseite angeht, muss ich sagen, hat sich das sehr positiv entwickelt. Das letzte Jahr oder seit 1.1.2023, muss man sagen, sind die Ladepunkte hochgeschnellt, kann man sagen, von ungefähr 85.000 Ladepunkten Anfang 2023 zu aktuellen Zahlen Ende Februar zu über 100.000 Ladepunkten. Das heißt, da haben wir wirklich einen sprunghaften Anstieg. ehrlich gesagt eine sehr schöne Entwicklung, die ich mir auch bei den Zulassungszahlen der Elektrofahrzeuge wünschen würde.

  8. Sebastian:

    Das stimmt tatsächlich. Also plus 31 Prozent war es knapp das Wachstum, was wir hatten, eben bezogen auf AC, DC, HPC, Schnellladeinfrastruktur sozusagen. Aber auch, was ich spannend fand in dem Zusammenhang, die Ladeleistung, also mit welcher Ladegeschwindigkeit geladen werden kann, ist gestiegen um knapp 36, 37 Prozent, was einfach auch nichts anderes ausdrückt, als dass mein E-Auto schneller geladen werden kann, wenn ich auf der Strecke unterwegs bin, was es dann auch wiederum einfacher macht, spontan von München nach Heidelberg zu fahren, weil ich eben auch nicht so lange an der Ladeinfrastruktur stehe. Und dennoch gibt es das Dilemma Ladeangst. Also wir kennen das alles noch, Reichweitenangst war so 2015, komme ich überhaupt von hier nach Heidelberg, Mannheim sozusagen. Und mittlerweile ist es eher so Ladeangst. Und da nicht unbedingt steht genügend Ladeinfrastruktur zur Verfügung, sondern funktioniert sehr. Vielleicht magst du dazu ein paar Worte verlieren.

  9. Mathias Knauer:

    Ja, also ich glaube, sobald man außerhalb der Tesla-Welt unterwegs ist, man sagt das technisch, ist das proprietär. Das heißt, das ist voll zugeschnitten auf die Tesla-Welt. Wobei auch dort muss man sagen, Tesla hat die Ladeinfrastruktur auch geöffnet. Das heißt, man kann jetzt auch mit der Tesla-App beispielsweise an der Tesla-Ladestation laden, bezahlt dann allerdings auch ordentliche Preise. Also es ist nicht der Tesla-Welt. Aber das ist schon der erste gute Punkt aus meiner Sicht. Das heißt, die gut funktionierende Ladeinfrastruktur von Tesla kann jetzt auch von anderen genutzt werden. Leider nicht einfach mit Kreditkarte, sondern auch dort braucht man eine App. Das heißt, es ist nicht, man nennt das barrierefrei. Und das gleiche Problem habe ich nicht nur bei Tesla, sondern das ist jetzt auch ein Thema, was beispielsweise im Öffentlichen auch passieren kann. Das heißt, ich fahre irgendwie an der Autobahn lang, möchte dort laden oder muss laden vielleicht auch und dann muss ich erstmal irgendwie eine Ladekarte rausholen, um da zu laden. Das ist etwas, das ist das erste große Thema aus meiner Sicht, was die Ladeinfrastruktur heute hat. Ich habe doch noch zu viele, wie nenne ich das, Barrieremöglichkeiten, die einfach da sind, vor allen Dingen für die, die sich nicht unbedingt damit beschäftigen. Also der einfache Hausfrau oder der einfache Hausmann, der sich mit dem Thema einfach überhaupt nicht beschäftigen mag auch. der tut sich schon noch schwer. Der kann nicht einfach ohne Vorbereitung losfahren, das heißt von München nach Heidelberg, sondern der braucht vielleicht eine Ladekarte, die er sich besorgt haben muss. Oder er muss sich irgendwie seine Route auswählen. Das muss ich sagen, das ist schon etwas, was Ausbaubedarf auch hat.

  10. Sebastian:

    Das kann man definitiv so sagen. Wir waren vergangene Woche auch unterwegs, längere Tour in den Norden hoch und dann wieder zurück. Hat für uns wunderbar geklappt mit dem Laden, weil wir entsprechende Lade-Apps bzw. Ladekarten am Start hatten. Hatten dann aber an der Ladestation nebendran auch eine jüngere Frau in unserem Alter mit zwei Kids, 400, 500 da stehen, die sich gefühlt zehn Minuten abgequält hat, um da irgendwie Zugang zu bekommen. Was, wie wir dann auch herausgefunden und unterstützt haben, an der falschen App lag. Es war keine Karte zur Hand. Und dass die Thematik ad hoc zahlen, also mit EC-Kreditkarte ging da auch noch nicht. Man konnte dann aber zumindest über einen QR-Code sich online mit Paypal freischalten lassen dafür. Aber das ist genau die Problematik, wo ich halt auch sehe jetzt, wenn ich wieder an meine Eltern denke, die hätten gar keinen Bock mehr drauf. Und da verstehe ich dann auch, dass das Thema Ladeangst tatsächlich ein Hemmnis für die Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität ist.

  11. Mathias Knauer:

    Ja, absolut. Also super Beispiel. Hatte ich auch schon, allerdings nicht in Deutschland, sondern im Ausland. Da habe ich nämlich genau das gleiche Thema. Ich möchte da laden und brauche erstmal die lokale App. Spreche vielleicht die Sprache nicht. Also mein Italienisch ist nicht so gut. Beispiel. Aber das sind genau die Themen. Das andere Thema neben barrierefreiem Laden, dass ich da überhaupt so wenig wie möglich Hürden habe, ist, ich komme an die Ladestation und die Ladestation geht nicht. Das wird das nächste. Und da habe ich leider zu viele eigene schlechte Erfahrungen gemacht, wo ich einfach an der App gesehen habe, oh, Ladepunkt frei, verfügbar, ich fahre hin. Entweder steht ein Verbrenner auf dem Parkplatz oder sie geht einfach nicht. Laden funktioniert nicht.

  12. Sebastian:

    Das ist auch eine Thematik und das ist ja auch echt ärgerlich, vor allem wenn du jetzt, wie du, ich und auch andere aus unserem Umfeld, die wir kennen, schon jahrelang in E-Autos unterwegs sind. Bei uns ist ja auch nicht mehr so, dass wir da jetzt mit 25, 30 Prozent Restreichweite rausfahren, sondern... Gefühlt manchmal auch auf 5 oder noch näher an die 0% heruntergefahren, weil man sich ja eigentlich sicher ist, okay, das wird da angezeigt, ich kann da laden und dann kommt sowas und dann fängt auch der erfahrene E-Auto-Fahrer an zu schwitzen.

  13. Mathias Knauer:

    Genau, ist mir auch schon passiert. Ehrlich gesagt, das ist eines der größten Themen aus meiner Sicht. Was die Ladestationsbetreiber-Sicht auch angeht, ist eine große Gefahr aus meiner Sicht, dass zum einen die Kunden dauerhaft vertrieben werden durch zu schlechte Erfahrungen, einfach ohne jetzt einen Betreiber zu nennen. Also ich glaube, jeder von uns hat da vielleicht den einen oder anderen Fall im Kopf. Und wenn du das dauerhaft verbindest mit diesem Betreiber, dann hast du dauerhaft vielleicht keine Lust, bei dem Betreiber zu laden und die Leute merken sich das. Und das ist der eine Grund. Der zweite ist aber auch, jetzt mal aus Geschäftsperspektive für Ladestationsbetreiber, ist das möglicherweise wirklich ein großes Risiko für spätere Margen, die die brauchen, um die Ladestation auch zu betreiben. Kommt ja auch noch dazu.

  14. Sebastian:

    Stimmt, wichtiger Punkt. Und man sieht es ja immer von zwei Seiten, eben von Seiten der FahrerInnen, als auch dann eben von den Betreiber, Chargepoint Operators, du hast es eben gerade angesprochen, die CPOs, die ja auch eine gewisse Grundauslastung voraussetzen, damit sich das Ganze rechnet, der Invest, wo wir ja für so einen Ladepark dann doch deutlich mal über eine Million reden für acht Ladepunkte oder für acht Lader. Also das muss man sich auch vor Augen führen. Aber sind die denn überhaupt in der Lage, an dem Problem was zu verändern? Also können die Einfluss drauf nehmen?

  15. Mathias Knauer:

    Das, ehrlich gesagt, bedingt ja. Allerdings muss man sagen, dass technisch sind die Ladestationsbetreiber, jetzt nehmen wir mal einfach so einen Ladestationsbetreiber der Autobahn, einfach damit wir mal ein Bild im Kopf haben. Der hat an der Autobahn irgendwie einen Ladepark aufgebaut, vielleicht entlang vieler Autobahnen, viele Ladeparks. Und jetzt muss man sich überlegen, der muss ja sehen, wenn eine Ladestation nicht funktioniert. Und das ist bedingt nur machbar bei Ladestationsbetreibern, weil, kurz technischer Einblick, eine Ladestation hat in der Regel mindestens eine SIM-Karte drin, so eine Schnellladestation. Und die kommuniziert dann mit einem IT-System im Hintergrund. Und in diesem IT-System kann ich dann den Zustand der Ladestation sehen. Aber das ist nicht irgend so ein, jetzt mal im Neudeutsch, so ein IoT-Device, wo ich halt ganz genau sehen kann, wie geht es der Ladestationen, Sondern ich sehe sehr rudimentär, ist die Ladestation online, ist sie offline, hat sie einen Defekt, in Klammern, dann kriege ich einen Fehlercode mitgeliefert oder ist sie belegt. Das sind die Zustände der Ladestationen heute, die ich sehen kann als Ladestationsbetreiber. Was ich nicht sehen kann ist, jetzt machen wir ein pragmatisches Beispiel von einem Kunden, kommt an eine Ladestation ran, hält seine Ladekarte ran, denkt er kann laden, nichts passiert. Reagiert nicht, er fährt wieder weg. Für den Ladestationsbetreiber und für den Kunden war die sichtbar als online, aber für den Kunden funktionierte sie nicht. Und das ist das, was am Ende zählt. Und der Ladestationsbetreiber sieht das nicht, möglicherweise, diesen Fehlautorisierungsversuch. Und was kann der jetzt machen? Der kann jetzt sagen, okay, ich mache jetzt einen Algorithmus, wenn drei Tage lang keiner geladen hat, dann muss ja irgendwas sein und ich schicke provisorisch oder prophylaktisch mal einen Techniker hin oder mache einen Neustart der Ladestation. Das kann der Ladestationsbetreiber sicherlich machen, aber das kann ja nicht irgendwie die Lösung sein, so funktioniert es nicht. Viel besser wäre es, wenn er konkret Werte sehen könnte, die darauf hindeuten, wie es der Ladestation wirklich geht. Also State of Health könnte man sagen. Also wie dreht sich der Lüfter, wie ist die Temperatur vom Stecker, von irgendwelchen Kühlflüssigkeitstemperaturen oder Sensoren, die drin sind. Und und und, Kühlflüssigkeitszustand vielleicht auch, also das Level sozusagen der Kühlflüssigkeit. Und das würde dem Ladestationsbetreiber viel besser helfen, im Vorhinein, also präventiv, Entschuldigung, präventiv Techniker hinzuschicken, die dann sagen, okay, der Lüfter ist kaputt oder zu wenig Kühlflüssigkeit drin. Und das hilft einfach, die Uptime der Ladestation hochzuziehen. Und am Ende kommt der Kunde an und kann laden. Und das ist ja das, was alle wollen.

  16. Sebastian:

    Win-win für beide Seiten tatsächlich, so wie du es jetzt ausgeführt hast. Und das ist ja auch genau der Fakt, Oder der Punkt, an dem geschraubt werden muss, weil uns bringt es ja nichts, wenn ich nicht laden kann. Mit viel Glück für die drei Tage später hinaus. Ich habe das auch schon hier in der Umgebung in eigener Erfahrung sammeln dürfen, dass das auch mal gut zwei Wochen dauern kann. Trotz der Tatsache, dass man eine der Hotlines dort anwählt, die eben vorhanden sind, die ja auch, wie wir heute Mittag schon geklärt hatten, mittlerweile auch nur vom Computer bedient werden, was auch vollkommen in Ordnung ist, wenn dann was daraus folgt. Und natürlich hört sich jetzt auch erstmal viel an, was du gesagt hast, all diese Daten da einzufließen, aber es muss sich ja erstmal kein Mensch damit beschäftigen, sondern das fließt einfach rein, wird auch statistisch analytisch ausgewertet und wenn entsprechende Zielwerte nicht im Korridor sind, kommt halt die rote Leuchte und sagt, hier, jetzt schickt mal jemand hin. Wäre denn sowas umsetzbar?

  17. Mathias Knauer:

    Also ehrlich gesagt mache ich mir an der Stelle, ich habe vorhin darüber gesprochen, dass ich mir keine Sorgen mache über die Ladepunktentwicklung. Wo ich mir wirklich Gedanken mache, ist über die eingesetzte Technologie bei den Ladestationsbetreibern. Also wir sehen eine gute Entwicklung, dass die Ladestationsbetreiber mittlerweile Hardware, also Ladestationen, also den Typ der Ladestationen der neuesten Generationen einsetzen. Das finde ich gut, weil da sind die neuesten Power-Module beispielsweise verbaut, aber auch, also die sind einfach stabiler als die alte Technologie, die eingesetzt wird. Allerdings nutzen die die gleiche Kommunikationstechnologie. Das heißt, zwischen der Ladestation und dem IT-System, wo die SIM-Karte dazwischen hängt, ist das gleiche wie vor sieben Jahren. Und da mache ich mir große Gedanken, weil das fällt den Ladestationsbetreibern heute noch nicht auf die Füße. Aber die Stationen, die heute aufgebaut werden, sind ja jetzt für die nächsten fünf bis zehn Jahre im Feld. Und die Technologie, die eingesetzt wird, ist aber die von vor sieben Jahren. Und da mache ich mir schon Gedanken und muss sagen, da muss eigentlich ein viel schnelleres Umdenken stattfinden, weil jetzt wird unfassbar viel investiert. Letztes Jahr war die Bekanntgabe von Deutschlandnetz, von den ... von den vielen tausend Ladepunkten, die aufgebaut werden sollen. Jetzt wurde vor kurzem auch bekannt gegeben, dass die unbemannten Rasthöfe auch mit Ladeinfrastruktur ausgestattet werden. Das heißt, da passiert jetzt unfassbar viel. Auf der anderen Seite ist das die gleiche Technologie, also die Kommunikationstechnologie, die vor sieben Jahren rausgekommen ist. Da mache ich mir schon echt Gedanken.

  18. Sebastian:

    Das kann man auch nachvollziehen und wenn unsere Folgejahre online geht, sind kurz zuvor zwei Folgen online gegangen, wo wir mit Fastnet und auch mit der BayWa über den Aufbau Deutschlands Netz gesprochen haben, die eben auch Lose erhalten haben dafür, die ja genau auch mit diesem Problem dann irgendwo irgendwann mal in den Folgejahren zu kämpfen haben dann sozusagen. Hat das aus deiner Sicht dann eben was mit dem finanziellen Aspekt natürlich zu tun? Die Uptime ist da dann der ausstattgebende Faktor?

  19. Mathias Knauer:

    Absolut, ja. Also machen wir es mal ganz einfach. Ich habe vorhin das Beispiel gebracht, ich sehe nach drei Tagen oder ich kann einen Algorithmus schreiben, der mir dann rotes Licht aufleuchten lässt, wenn da irgendwie zwei, drei Tage keiner geladen hat, was so ein bisschen untypisch ist vielleicht für diese Ladestation. Das ist zwar nur eine Krücke, aber das hilft schon mal. Aber das bedeutet halt, dass vielleicht zwei Tage keiner geladen hat. Und dann braucht der Techniker ja auch zwei Wochen, bis er da ist, sage ich jetzt mal. Und das bedeutet, dass dieser Ladepunkt einfach wochenlang stillsteht und nichts erwirtschaftet. Und das wiederum hat nachher für die Profite, die die Ladestationsbetreiber brauchen, um einen guten Dienst auch leisten zu können, Hat einfach massive Auswirkungen. Und da mache ich mir dann schon Gedanken, weil das zur Folge hat, dass wir möglicherweise Ladestationsbetreiber sehen, die besser ausgestattet sind mit der besseren Technologie und damit einfach einen echten Vorteil haben gegenüber anderen. Beziehungsweise andersrum, die, die das nicht haben, haben einen Nachteil. Und das bedroht natürlich auch deren Positionen.

  20. Sebastian:

    Ja, schlussendlich wird es so sein, dass es dann einfach Hygienefaktor ist, dass du es brauchst, damit es funktioniert.

  21. Mathias Knauer:

    Genau so wird es sein, ja.

  22. Sebastian:

    Und du hast ja auch die Thematik, wenn ich das richtig verstanden habe, von der Technologie her, kannst du mich auch gerne verbessern, das wäre nicht nur eine Verbesserung in Bezug auf die Uptime, auf das Managing und die Betrachtung der Ladestationen haben, sondern auch der... Also Fahrer, Fahrerinnen haben ja die Vorteile, dass sie zum einen sicher sein können oder sicherer sein können, dass die Ladestation zur Verfügung steht und dann gibt es ja auch noch das Stichwort Plug and Charge, was ja auch da mit rein spielt oder bricht das falsch in Verbindung?

  23. Mathias Knauer:

    Ne, das ist absolut, das gehört da mit rein, also zumindest ist es eine Möglichkeit, die da angeboten wird, aber kommen wir nochmal zu dem Punkt, den du gerade gesagt hast. Am Ende habe ich jetzt gerade sehr viel über den Ladestationsbetreiber gesprochen, weil ich mich da gut auskenne. Auf der anderen Seite muss man den Kunden aber auch mit in Betracht ziehen und das ist ja das, warum die Unternehmen ja ihre Services anbieten, nämlich damit der Kunde eine gute Erfahrung hat. Und nochmal, wie vorhin gesagt, wenn der Kunde dauerhaft irgendwie eine schlechte Erfahrung hat mit einem Ladestationsbetreiber, wird er den vielleicht erstmal meiden. Und das darf nicht passieren. Und am Ende wollen alle, dass das funktioniert. Also davon gehe ich jetzt mal aus.

  24. Sebastian:

    Wir wollen das auch, weil wir wollen die E-Mobilität voranbringen und das kann halt nur funktionieren, wenn das alles schlüssig und bündig ineinander greift und wir eben diese Problemfelder, die man ja eigentlich vermeiden könnte, wenn man sie jetzt dann eben schon umsetzt, auch vermeiden kann für die Zukunft. Kommen wir aber nochmal auf den Punkt Plug & Charge zu sprechen, der ja auch nochmal eine Hürde rausnimmt, weil ich muss mich ja gar nicht mehr großartig mit Apps, Ladekarten, EC, Kreditkarte beschäftigen. sondern habe ja eine andere Lösung. Vielleicht holst du dazu mal aus.

  25. Mathias Knauer:

    Ja, genau. Also diese Technologie, die da jetzt dann zum Einsatz kommen kann oder kommen sollte aus meiner Sicht, ermöglicht es, Funktionen zu ermöglichen. Das nennt sich Plug and Charge. Da gibt es noch ein bisschen mehr Technologie, die notwendig ist. Also auch am Fahrzeug muss das verfügbar sein und zwischen Fahrzeug und Ladestationen. Aber das ist die Technik sozusagen. Aber die Funktion ist, das nennt sich Plug and Charge und das ist das gleiche Ladeerlebnis wie bei Tesla. Für alle, die es nicht kennen, einmal kurz erklärt. Ich hinterlege einmal in meiner App von meinem Tesla, hinterlege ich meine Kreditkarte. Dann fahre ich an eine Tesla-Ladestation, stecke das Kabel ran und kann weggehen und er fängt an zu laden. Ich muss nichts mehr irgendwo ranhalten, ich muss keine App zücken, ich muss nicht darauf warten, dass der Ladevorgang startet, ich kann reinstecken, kann weggehen, kann mir einen Kaffee holen, kann auf Toilette gehen, kann mir was zu essen holen oder kann sonst was machen. Und genau das ist das, was auch Plug & Charge ermöglicht. Also genau wie der Name sagt, einstecken und laden. Genau das ermöglicht das. Und das ist aus meiner Sicht eine ganz tolle Funktion für all die, die sich auch nicht mit Ladeinfrastruktur und Ladekarten beschäftigen wollen. Einmal einrichten und dann kann es losgehen.

  26. Sebastian:

    Und das macht es ja dann auch sehr benutzerfreundlich natürlich, weil gehen wir wieder zu meinen Eltern zurück, die müssen eben nicht hier ihre Ladekarte, Portemonnaie ausklappen und schauen, was passt, sondern idealerweise, wenn das Fahrzeug noch gekauft wird, kann man das mit dem Verkäufer direkt einstellen. Ist ja auch eine schöne Upsending-Geschichte, dann wieder für die Händler, für die Hersteller zu sagen, okay, wir verkaufen euch direkt einen Vertrag mit. Ob das dann immer die beste, günstigste Wahl für den Fahrer, Fahrerin ist, sei mal dahingestellt, aber zumindest habe ich das Ladeproblem nicht mehr im Alltag.

  27. Mathias Knauer:

    Ja, absolut. Nee, aber genauso kann es sein, genau wie du sagst, ob das das Beste ist, ist das andere, aber zumindest reduziert das schon mal die Hürde und nicht jeder ist so affin wie wir beide. Oder auch wie viele andere auch, sondern am Ende muss das jetzt der Hausmann, die Hausfrau sein, die sich gar nicht mit dem Thema beschäftigen mag und es muss halt am besten gut wie keine Hürde sein und das hilft natürlich und dann kann man direkt laden und dann gibt es so ein Beispiel nicht, wie du es vorhin gebracht hast mit dem Fiat. Ja, die Dame musste nicht irgendwie noch sich noch eine App runterladen oder ähnliches, sondern einfach zack, rein, fertig und dann kann es losgehen.

  28. Sebastian:

    Jetzt die Frage der Fragen, wie kommen wir da hin?

  29. Mathias Knauer:

    Ja, das ist ehrlich gesagt die größere Herausforderung, weil da sehr viele Parteien verzahnt werden müssen. Zum einen muss die Ladestation technisch in der Lage sein, diesen Standard zu unterstützen. Das nennt sich ISO 15F8, nur dass wir es mal gesagt haben. Und OZBP 201, das ist einmal die Kommunikation zum Fahrzeug und Ladestation und von Schaltkontrolle. Ladestation zum IT-System, um jetzt ganz mal kurz technisch zu werden. Aber wenn das vorhanden ist und all diese IT-Systeme das dann ermöglichen, dann ist das technisch zumindest machbar. Das muss gemacht werden. Allerdings ist das relativ kompliziert, um es mal ganz einfach zu machen. Das ist komplex und unkompliziert zur gleichen Zeit. Das heißt, der Ladestationsbetreiber muss hier was machen, der Autohersteller muss was machen und der Ladekartenanbieter muss das auch machen. Und diese drei Parteien muss es am Ende verzahnt geben.

  30. Sebastian:

    Und ist man denn auf dem Weg dorthin, das voranzutreiben? Ist zumindest eine Partei in der Geschichte dran oder wie ist da deine Einschätzung aktuell?

  31. Mathias Knauer:

    Also es gibt wenig Parteien, die das wirklich schon können. Also prominentestes Beispiel ist Ionity beispielsweise, die das schon anbieten. Aber da gibt es auch, ich sage mal, ich nenne das mal natürliches Habitat der Automobilhersteller, die da natürlich die Technologie auch direkt implementiert haben. Was ich gut finde, um es mal direkt zu sagen, es ist eine tolle Sache, aber alle anderen machen das noch nicht. Also es gibt ganz wenige, die das implementieren. Technologisch sind wir da einfach noch nicht ganz so weit und das schätze ich, bis das in der breiten Masse ist, vergehen jetzt noch vielleicht zwei bis fünf Jahre irgendwas in der Masse.

  32. Sebastian:

    Aber jetzt zum Ende hin von unserem Gespräch, das hört sich ja trotzdem so an, dass wir noch nicht so ganz vor dem nächsten Crash stehen. Wir haben dann noch die Möglichkeit, was zu machen und gehen erst mal positiv gestimmt raus, damit das Thema ja doch eigentlich bekannt ist und jetzt dann hoffentlich auch angegangen wird, vor allem wenn dann der finanzielle Druck Stück für Stück kommt. Spätestens dann wird ja auch was angegangen, gehe ich von aus, oder?

  33. Mathias Knauer:

    Also das Ding ist, ich habe es ja gerade gesagt, jetzt haben wir gerade einen riesen Rollout bevorstehend mit den tausenden Schnellladepunkten, die aufgebaut werden sollen, HPC, durch das Deutschlandnetz, was ich richtig und gut finde, um hier wirklich eine gute Basis reinzubringen. Auf der anderen Seite, wenn die Ladestationsbetreiber sich jetzt darauf ausruhen, einen Ladestationshersteller zu nehmen, der, ich sag mal, in aller Munde ist in der Branche und auf alte Technologie zu setzen, also Kommunikationstechnologie, dann muss ich sagen, dann bauen wir uns die nächsten 50 kW Triple Charger hin, die am Ende nicht funktionieren. Weil wir müssen echt gucken, dass diese Technologie, die wir jetzt aufbauen, die wird für die nächsten fünf bis zehn Jahre im Feld sein. Und wenn wir davon die alte Technologie wählen, dann werden wir in fünf bis zehn Jahren genau das haben, was wir nämlich nicht haben wollen. Wir kommen an eine Ladestation ran und sie funktioniert nicht zuverlässig. Da muss was passieren. Da müssen die Ladestationshersteller heute reagieren, weil das, was sie jetzt aufbauen, muss das unterstützen. Und da müssen sie jetzt die Weichen stellen. Ansonsten muss ich sagen, habe ich da schon auch Bauchschmerzen damit, obwohl ich muss das einordnen. Ich finde es gut, dass es das gibt. Ich muss sagen, die Zahlen sprechen eine sehr, sehr gute Richtung. Aber aufpassen, da muss auch das Richtige aufgebaut werden, damit auch in fünf bis zehn Jahren das auch noch zuverlässig funktioniert.

  34. Sebastian:

    Vielen Dank nochmal für deine Einordnung, für den Blick auf den Ladeinfrastrukturmarkt und der Ausblick, was uns erwarten kann, wenn man eben nicht rechtzeitig reagiert und was umsetzt. Und ich bin mir sicher, es war heute zwar das vierte Mal schon, wo du zu Gast bist, aber bestimmt nicht das letzte Mal. Vielen Dank für deine Zeit, Matthias.

  35. Mathias Knauer:

    Vielen Dank, Sebastian. Ich komme gerne ein fünftes, sechstes und siebtes Mal wieder.

  36. Sebastian:

    Sehr, sehr gerne.