Early Majority: Was E-Auto-Käufer:innen jetzt erwarten

Im Gespräch mit Wolfgang Philipp, Marketing-Stratege für Automobilhersteller

In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich erneut Wolfgang Philipp von Phantasia zu Gast. Ein Jahr nach unserem ersten Gespräch haben wir uns diesmal über die nächste große Hürde der Elektromobilität unterhalten: den Übergang vom Early Adopter zur Early Majority. Wolfgang, ein erfahrener Marketing-Stratege für Automobilhersteller, hat diesen Wandel nicht nur beobachtet, sondern auch analytisch durchdrungen – mit dem Technology Adoption Lifecycle als Kompass.

Die zentrale Erkenntnis unseres Gesprächs: Die Käuferschicht verändert sich – und mit ihr die Anforderungen an das Produkt Elektroauto. Während Early Adopters bereit waren, Ladeprobleme, App-Chaos und fehlenden Service in Kauf zu nehmen, verlangt die Early Majority ein ganz anderes Nutzererlebnis. „Jetzt kann man die Autos nicht mehr wie Handys verkaufen, sondern muss sie wieder wie Autos verkaufen“, brachte Wolfgang es auf den Punkt.

Besonders spannend fand ich seinen Hinweis auf die sich verschiebenden Marktanteile: Während Tesla mit seinem Online-Direktvertriebsmodell Marktanteile verliert, rücken Hersteller wie Volkswagen wieder stärker in den Fokus. Denn die neue Käufergruppe möchte das Auto anfassen, Probe fahren – und einen menschlichen Ansprechpartner haben. Die Schwächen der etablierten Hersteller werden plötzlich zu Stärken. Mein eigenes Erlebnis mit einem Tesla Model 3 hat mir gezeigt, wie frustrierend fehlender Service im Problemfall sein kann – und dass ich mir genau deshalb einen echten Kontakt zum Hersteller wünsche.

Ein Thema, das Wolfgang besonders wichtig ist: der Wiederverkaufswert. Für viele Käufer der Early Majority ist das Elektroauto keine Spielerei, sondern eine langfristige Investition. Unsicherheiten bei der Batterielebensdauer oder Marken mit unklarem Servicenetz (Stichwort Fisker) schrecken ab. Auch beim Thema Laden sprach Wolfgang klare Worte: „Die Leute wollen nicht mehr über Ladeplanung nachdenken. Die wollen einfach einsteigen, fahren und laden – so wie beim Verbrenner tanken.“ Damit spricht er vielen potenziellen Käufer:innen aus der Seele. Plug & Charge, klare Tarife und funktionierende Software sind keine Kür mehr, sondern Pflichtprogramm.

Datenschutz war ein weiteres Thema, das im Gespräch an Bedeutung gewann. Während Early Adopters oft wenig Augenmerk darauf legten, wird es für die neue Käuferschicht zum zentralen Vertrauenskriterium. „Das ist jetzt eine Riesenchance für europäische Marken. Wer hier glaubwürdig Transparenz zeigt, kann wirklich punkten.“ Eine Aussage, die mir besonders im Kopf geblieben ist – und sicher nicht nur für die hiesige Industrie relevant ist.

Und wie geht es weiter? Wolfgang sieht uns mitten in der Early Majority-Phase, die sich über Jahre strecken wird. Danach folgt die Late Majority, die nochmals einfacher abgeholt werden muss. Erst dann wird das Elektroauto wirklich zum neuen Standard. Aber: Wer jetzt überzeugt, gewinnt die Märkte von morgen. „Diese Käuferschicht sind die zukünftigen Ambassadors. Wenn es bei denen gut läuft, folgen andere. Wenn nicht, wird’s schwierig.“ Und ich bin mir sicher: Da kommt noch einiges auf uns zu. Jetzt aber genug der Vorrede – lasst uns direkt ins Gespräch einsteigen.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Wolfgang Philipp:

    Servus und herzlich willkommen bei der neuen Folge der ERN Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du wieder mit am Start bist. Am Start ist auch Wolfgang Philipp von Phantasia. Phantasia ist das Unternehmen von Wolfgang, in dem er als Marketingstratege, der sich auf Markendifferenzierung und Produktkonzepte für Automobilhersteller tätig ist. Mit ihm habe ich mich ein wenig über die aktuelle Entwicklung des E-Automarktes ausgetauscht, weil wir hier doch eine wichtige Grenze im vergangenen Jahr oder in den vergangenen Monaten überschritten haben. Und das erfährst du am besten direkt im Gespräch mit Wolfgang. Ich empfehle dir aber vorher für ein besseres Verständnis die erste Folge mit ihm aus dem vergangenen Jahr zu hören, die wir natürlich auch bei uns in den Shownotes verlinkt haben, beziehungsweise die du unter dem Titel Warum stagniert der E-Automarkt und was kann man machen auch in deinem Podcast Player deiner Wahl findest. Und nun direkt rein in die Folge mit Wolfgang. Viel Spaß damit. Servus Wolfgang, heute bist du wieder zurück nach fast einem Jahr, wenn ich hier auf dem Kalender schaue. Am 28. Juli 2024 ist die erste Folge mit dir online gegangen. Wir nehmen am 31.07. die Folge heute auf. Ausgestrahlt wird sie natürlich ein bisschen später. Das Thema ist aber aktueller denn je. Wir sind im Marktsegment oder wir sind weitergekommen in der Entwicklung des sogenannten Technology Adoption Cycles. Das heißt, Wir bewegen uns bei den Käuferschichten voran, spüren Veränderungen im Markt der E-Mobilität und genau darüber möchte ich mich mit dir austauschen. Wo sind wir? Wie sind wir da hingekommen?

  3. Sebastian:

    Wo sind wir heute? Ja, Herr Sebastian an der Stelle freut mich wieder dabei sein zu dürfen. Ein Jahr später, ich glaube letztes Jahr waren wir ja bei 14%. Bei dem Marktanteil der BFV-Aussätze ist es bei 18%. Und das ist genau eigentlich am Ende des Chasms von dem Technology Adoption Lifecycle. Aufmerksame Zuhörer werden sich noch erinnern können, der Technology Adoption Lifecycle, der besagt, wie neue Technologie aufgenommen wird in der Gesellschaft. Es gibt in der Gesellschaft verschiedene Gruppen, vereinfache ich jetzt mal einfach, die Technologie gegenüber unterschiedlich eingestellt sind. Das heißt, es gibt die Innovators, die immer das Neueste haben wollen, die auch eine neue Technologie mitformen wollen. Dann kommen die Early Adopters, die quasi aus dieser Technologie ein, die damit einen visionären Verwendungszweck sehen. Das war jetzt beim BfV zum Beispiel emissionsfreies Fahren. Das ist ihnen total wichtig und die sind dann aber auch bereit, dafür, die Unzulänglichkeiten in Kauf zu nehmen. Das heißt, den Leuten hat es nichts ausgemacht, in einem Ladeflickenteppich zu fahren und mit 50 Ladekarten durch Deutschland zu reisen. Und jetzt kommen wir aber in die Early Majority und das sind Leute, die der Elektromobilität ganz anders eingestellt sind. Und das wäre jetzt eben ein Trugschluss zu glauben, dass es jetzt, wenn man jetzt so weitermacht wie bisher mit der Elektromobilität, also die genauso vermarktet wie bisher, dann einfach so durch den Markt pflügen könnte. Also jetzt sind einfach, das ist eine ganz andere Gruppe am Start, die hat ganz andere Erwartungen, Anforderungen, Ängste, die entsprechend angesprochen werden müssen, damit die Elektromobilität der neue Standard auch werden kann.

  4. Wolfgang Philipp:

    Du hast ja beim Vorgespräch auch schon gesagt, man merkt das eben nicht nur von dem Schritt von 14 auf 18 Prozent Marktanteil der Elektroautos beim Absatz, sondern eben auch an der Veränderung der Modelle, die nachgefragt werden, dass wir eben uns in einem anderen Part des Lifecycles befinden.

  5. Sebastian:

    Ja genau, also das sieht man jetzt auch, dass auf einmal Volkswagen ganz vorne dabei ist bei den Verkaufszahlen und Tesla da weiter nach hinten rutscht. Und das hat nur bedingt was mit Elon Musk zu tun, sondern das hat vor allem damit zu tun, dass jetzt auch ganz andere Erwartungen an das Elektroauto am Start sind. Und das fängt schon beim Kauf an, wenn man... sich das Verkaufsmodell von Tesla ansieht, D2C, das ist jetzt nicht so die Sache der Early Majority, die wollen das Auto im Laden sehen, die wollen am Test fahren, die wollen einen echten Ansprechpartner haben und das kann ein Newcomer dann halt nur bedingt erfüllen. Also jetzt sind die vermeintlichen Schwächen der traditionellen Hersteller, die ja dafür lange geprügelt worden sind, Und die sind eigentlich jetzt die Stärken der Early Maturity, weil die natürlich auch den Erwartungen dann entsprechen.

  6. Wolfgang Philipp:

    Das heißt ja, um das jetzt auch nochmal ein Stück weit greifbarer zu machen, Tesla bietet ja hauptsächlich seinen Kauf eben online an. Ich kann mir das durchkonfigurieren, wie ich mir halt gefühlt auch bei Amazon was in den Warenkorb legen kann und kriege das dahin. Jetzt sind wir aber mittlerweile eben in der Käuferschicht angekommen. wo halt der Wille oder der Bedarf schon da ist, oh, ich muss dieses Produkt spüren, ich muss es erleben, ich muss es fahren, ich muss da auch Mensch-zu-Mensch-Kommunikation mal betreiben mit einem Verkäufer, Verkäuferin, um eben auch ein sicheres Gefühl zu haben, wenn ich mich dafür entscheide. Schlussendlich geht es ja auch um ein paar 10.000 Euro, die da in der Regel über den Dresen laufen.

  7. Sebastian:

    Genau, also jetzt kann man die Autos nicht mehr wie Handys verkaufen, sondern jetzt muss man die Autos wieder wie Autos verkaufen für diese Gruppe. Und das hat nur was bedingt, was mit Modernität zu tun. Also ich glaube, da ist in den letzten Jahren auch der Eindruck entstanden, dass das Altbackene vorbei ist. Das ist eine Welt von gestern. Aber eigentlich, das ist zumindest mein Eindruck, war das vor allem eine Käuferschicht, die aus Innovators und Early Adoptern bestanden hat. die natürlich mit dem Smartphone in der Tasche ganz andere Anforderungen hatten oder die das natürlich super fanden, wenn sie sich ihr Auto online konfigurieren und dann abholen können. Aber auch die haben ja dann im weiteren Verlauf ihres Nutzererlebnis entdeckt, dass es nicht so einfach ist, wenn man keinen Ort hat, wo man sein Auto warten kann, wenn das ein Problem hat oder so. da irgendein Unfall ist und dann das Auto für ein paar Wochen nicht verwendbar ist und auch kein Ersatz ist und so weiter und so fort.

  8. Wolfgang Philipp:

    Also das kleine 1x1, was wir eben schon abgedeckt haben, will und ich habe das ja selbst erlebt. Wir haben Tesla Model 3 gehabt, letztes oder vorletztes Jahr, wo das war, ist die 12-Volt-Batterie ausgefallen und das war dann auch so, ja, Stoch an dem Nebel, beziehungsweise halt der reine Blackbox. Du wusstest nicht, was Sache ist, du konntest niemand anrufen, hast das nur über die App geringfügig nachverfolgen können, was passiert. Und ich hätte mich jetzt schon als Early Adopter auch bezeichnet. Muss aber auch sagen, da habe ich jetzt doch meine Early-Maturity-Seite dann entdeckt bei der ganzen Geschichte, weil ich habe schon lieber auch einen Ansprechpartner an der anderen Seite oder am anderen Ende des Telefons, um dann Dinge auch tatsächlich geregelt zu bekommen.

  9. Sebastian:

    Was dich noch unterscheidet von der Early Majority ist, dass du von der Elektromobilität restlos überzeugt bist und das super findest und dafür bereit bist, sämtliche Probleme hinzunehmen erst mal, um das zum Laufen zu kriegen. Und dann hast du auch eine gewisse Jugendlichkeit am Start mit deinem Handy und du kennst dich aus, das ist alles kein Problem für dich. Aber jemand anderes, der fragt sich, warum soll ich mir das überhaupt antun? Und das... wird oft dann missverstanden, weil die Leute einfach Optionen haben. Die müssen nicht sich ein Auto kaufen und sich damit rumschlagen. Das sieht man jetzt ja auch teilweise bei den Newcomern, wenn dann die Anfangseuphorie ist groß, alles ein vermeintlich super Deal, aber wenn man sich jetzt zum Beispiel Fisker anzieht, die Leute Wird das Netzwerk im Hintergrund abgeschaltet? Was passiert jetzt mit einem Auto, das eigentlich auch mal 60.000 Euro wert war? Wie lange kann ich das noch fahren? Das ist ja alles relevant für Leute, gerade für die Early Maturity auch, die ein Auto jetzt nicht wie ein Handy kauft, sondern die das wirklich so kauft, wie ihr letztes Auto auch und das auch länger behalten will. Also die haben einen größeren Horizont, den sie da jetzt sehen. Und wenn ich mir jetzt ein Telefon kaufe, ein Smartphone kaufe, dann ist mir das egal, wie das in fünf Jahren ist. Da gehe ich davon aus, dass ich das in fünf Jahren vielleicht gar nicht mehr habe. Aber beim Auto sieht das komplett anders aus. Da ist auch das Pricetag ein ganz anderes. Und da ist auch die Erwartungshaltung eine ganz andere. Und einer dieser Problempunkte ist nach wie vor die Batterie. Ich war ja schon mal bei dir. Mit der Standardbatterie hat sich auch einiges getan in der Zwischenzeit. Da sind ja auch schon einige dran jetzt oder versuchen das in solche Bahnen zu lenken. Aber das ist natürlich immer noch der Elefant im Raum, der Wiederverkaufswert von einem Auto, was für diese Zielgruppe ja sehr wichtig ist, weil das ist jetzt die Early Majority, das ist nicht die Late Majority, die sich dann vielleicht auch, einen Gebrauchtwagen kauft, sondern die profilieren sich ja damit, dass sie die ersten sind jetzt quasi in ihrem Häuserblock, die sie jetzt den neuen ID.7 kaufen und die werden den auch wieder verkaufen in vier Jahren und dann werden sie sehen, was das am Konto wieder reinbringt. Und dann, die sind ja auch quasi die Role Models für alle, die danach kommen. Also die Wir sind jetzt ganz bei der Early, Early Majority und wenn die Early Majority eine super User-Erfahrung macht über das ganze Lifecycle von dem Modell, dann werden die zu den Sorry, ich habe hier nur Anglizismen am Start, aber dann werden die zu den Ambassadors quasi. Die sagen, super, das hat funktioniert. Dann wird sich auch jemand, der weiter hinten ist im Technology Adoption Lifecycle, also der Technologie eher skeptischer eingestellt ist, wird dann sagen, schau, bei dem Herrn Meier hat es super funktioniert, kann ich auch kaufen, passt. Aber wenn der Herr Meier ein Problem hat und sich nur rumschlägt und sein Auto die ganze Zeit steht oder nicht in Verwendung sein kann, dann ist er quasi ein Warnschuss für die Nachbarschaft. Und deswegen ist es halt jetzt so extrem wichtig, dass die Hersteller verstehen, dass es hier ums Gesamtprodukt geht. Also es geht nicht nur darum, das Auto zu verkaufen, dass es vom Hof fährt und fertig ist, die Geschichte, sondern jetzt geht es darum, dass der Nutzer wirklich ein tolles Nutzererlebnis hat und bei Problemen, die ja ohne Frage immer vorkommen können und auch werden, dann entsprechend Hilfe bekommt. Also wie du ja auch sagst, dein Erlebnis da, das du gerade geschildert hast, dann geht es natürlich nicht, dass ich dann in der Helpline mit einem Chatbot spreche und fünfmal meine Kreditkarte eingebe und dann fliege ich raus, weil die Dauer überschritten ist. Sondern das muss natürlich super schnell gehen und persönlich und da muss man halt auch das entsprechende Geld in die Hand nehmen. Also das muss jetzt wirklich voll am Schirm sein, der Hersteller, dass das jetzt wirklich extrem wichtig ist für diese Zielgruppe, dass da Menschen sind, dass da auch wie mit echten Menschen gesprochen wird, um da dieses Vertrauen, das man jetzt bekommen hat von diesen Käufern, dass sie mit so einem Auto vom Hof fahren, dass man das auch hält und vertieft.

  10. Wolfgang Philipp:

    Das ist jetzt der Kauf beziehungsweise auch der Service und Verkauf danach. Wie unterscheidet sich jetzt der Anspruch dann auch in der täglichen Verwendung beim Fahren sozusagen? Welche Ansprüche werden dargesetzt?

  11. Sebastian:

    Ja genau, also ein Grundproblem ist ja immer das Laden, also dass das quasi jetzt nicht Continuous ist. Also ich kann jetzt nicht mein Auto wieder so laden, wie ich früher mein Auto getankt habe an der Tankstelle. Das heißt, das muss ich jetzt angleichen. Die Leute werden nicht auf Apps umsteigen und sich dann durch irgendwelchen Ladekartenschungel schlagen, sondern das muss jetzt einfach... so werden, dass es im Idealfall dieses Plug and Charge gibt, dass sich das durchsetzt und dass die Leute dann eigentlich nur noch einen Tarif für das Auto haben, wie beim Handy heute ja auch, und dass ich dann nicht mehr groß darüber nachdenken muss, lade ich jetzt zur richtigen Zeit, finde ich die richtige Station, ist die für mich überhaupt passend und so weiter. Das sind alles Fragen der Vergangenheit. Damit schlagen sich Early Adopter rum und die freuen sich auch, wenn die Preise variieren und sie mal einen guten Deal machen können. Aber das interessiert die Early Maturity nicht. Also die wollen nicht jetzt aus dem Tank einen Ladevorgang, eine Ladeplanung machen. Das ist ja So ein Pain, das gab es nicht davor. Wenn ich mit einem Benziner fahre, mache ich ja auch keine Tankplanung und überlege mir dann, welche Tankstelle ich zu welcher Uhrzeit wie anfahre. Das muss jetzt einfach genau diesem Nutzererlebnis angeglichen werden.

  12. Wolfgang Philipp:

    Schlussendlich heißt das ja aber auch, du hast VW angesprochen mit dem ID.7, der jetzt eben in Absatztagen ganz weit vorne steht. Das Thema Software muss da halt dann jetzt auch einfach funktionieren. Da können wir dann nicht mehr darüber hinwegsehen, dass wir da, ich sag mal, Kinderkrankheiten haben, wie es noch beim ID.3 in der ersten Generation der Fall war. Sondern damit sich das in der Masse durchsetzt, muss auch da abgeliefert werden von den Herstellern.

  13. Sebastian:

    Absolut, aber die Software muss dann auch nicht die neuesten Stunts hier ziehen. Also das muss halt einfach jetzt das können, was die Leute von einem Auto erwarten. Und mich immer Cutting-Edge-Technology, das interessiert die Leute gar nicht oder diese Early-Majority gar nicht. Die wollen Auto fahren und zwar sicher, effizient und so, dass es ihnen Freude macht. Und denen ist im Zweifel... viel, viel wichtiger, was mit ihren Daten passiert. Das ist so ein weiterer Punkt, der hier bisher nicht so im Vordergrund war, weil es den Early Adoptern einfach egal war im Zweifel, weil sie einfach für die Elektromobilität brennen. Aber das sind jetzt alles Punkte, die enorm an Wichtigkeit gewinnen.

  14. Wolfgang Philipp:

    Wie ist das als Hersteller? Muss ich solche Themen dann auch adressieren oder wie gehe ich das am besten an, um dann eben auch meine Käufer, KäuferInnen zu finden?

  15. Sebastian:

    Wie meinst du das jetzt?

  16. Wolfgang Philipp:

    Muss ich oder sollte ich beispielsweise, wenn ich jetzt VW bin, könnte ich ja betonen, okay, Datenschutz ist uns wichtig, deutscher Standard und so weiter. Das wird ja jetzt einer deutschen Marke, die ein gewisses Standing hat, wahrscheinlich auch eher geglaubt als dem chinesischen Counterpart, obwohl die natürlich genau die gleichen Anforderungen haben von der Regulatorik her und ja auch im Endeffekt die gleiche Absicherung betreiben müssen.

  17. Sebastian:

    Das ist auch eine Riesenchance jetzt für Marken. Also wie du sagst, das gibt es ja bei Internetzeiten auch, Server in Deutschland und so weiter und so fort. Genau das sind jetzt die Felder, die wichtig sind. Und ich weiß nicht, wie weit und wie tiefgehend das alles reguliert ist, aber die Marken können ja von sich aus noch deutlich transparenter werden, was mit ihren Daten, was sie damit machen und nicht im Kleingedruckten auf der Seite 30 unten irgendwo mit Schriftgröße 4 dann das Aber-Aber haben, sondern einfach klar sagen, zeigen, was sie mit den Sachen machen, mit den Daten machen und damit schon im Vorhinein das Vertrauen aufbauen und dann aber auch walk the talk, also nicht nur einmal eine Imagekampagne starten und dann gibt es Datenskandale, das gab es ja alle schon und genau das muss man jetzt vermeiden und da auch, wenn das sich jetzt nicht unmittelbar auszahlt finanziell, das sind jetzt die Felder, die extrem wichtig sind. Weil wie gesagt, wir sind jetzt bei der Early-Early-Majority. Wenn die ein gutes Erlebnis haben, dann werden sie zu einem Vorbild. Dann wird sich das durchsetzen. Aber wenn die jetzt ein schlechtes Erlebnis haben, das sind Verstärker eigentlich. Also in allem, was jetzt danach kommt.

  18. Wolfgang Philipp:

    Bedeutet aber auch, wenn wir jetzt gerade die Diskussion, die es ja auch immer wieder gibt, chinesische, europäische Brands haben, wenn chinesische Brands in dieser Phase auch die Early-Early-Maturity überzeugen, kann sich das eben auch positiv festigen und auch da können dann Marktanteile dazugewonnen werden.

  19. Sebastian:

    Klar, ja, natürlich.

  20. Wolfgang Philipp:

    Wie wird jetzt der weitere Verlauf sein, wenn das eben so nach dem typischen Technology Adaption Lifecycle verläuft? Wie geht diese Kurve jetzt weiter aufwärts? Kannst du uns da mal noch ein Stück weit mitnehmen, so der Ausblick sozusagen, wo wir dann vielleicht in den nächsten Jahren dann ja hoffentlich auch wieder drüber uns austauschen könnten?

  21. Sebastian:

    Also jetzt kommt mal sehr, sehr lange die Early-Majority bis 50 Prozent dieser Käuferschicht. Das ist, glaube ich, auch jetzt da, wo China steht. Also da sind die BFVs knapp unter 50 Prozent, meine ich jetzt. Und dann kommt irgendwann die Late-Majority. Und da musste diese... diese User Experience nochmal einfacher sein. Also das sind dann Leute, die überhaupt nicht bereit sind, sich mit neuer Technik auseinanderzusetzen. Und das muss dann wirklich intuitiv sein. Und die sind aber auch nochmal ein riesen relevanter Markt. Wir sprechen ja auch immer von Skalen bei Batterien und Kosten. Und das sind jetzt die Segmente, die wirklich Stückzahlen bringen. Und deswegen muss man die auch ernst nehmen. Und das lässt sich dann nicht wegignorieren oder schweigen oder was auch immer. Also ich glaube, dieses Standard-Batterie-Thema ist ein riesen, riesen Thema. Also da auch Wiederverkaufswert, ne? Natürlich kann jetzt irgendwann jemand, der sich ein gebrauchtes Elektroauto kauft, erstmal einen guten Deal machen, weil der sagt, okay, der Wertverlust ist so extrem, aber langfristig muss das natürlich gelöst werden.

  22. Wolfgang Philipp:

    Guter Punkt auf jeden Fall von deiner Seite. Ich glaube, jetzt haben wir wieder einen ganz guten Überblick von dir bekommen über die nächste Phase, in der wir uns befinden. Ich hoffe, dass wir uns dann hoffentlich nochmal vorher austauschen, bevor wir in der 50-Prozent-Marke kratzen, weil das wird, so wie du sagst, ja natürlich eine gewisse Zeit jetzt dauern.

  23. Sebastian:

    Das wird nicht nächstes Jahr sein.

  24. Wolfgang Philipp:

    Das glaube ich leider auch. Das wird noch ein paar Jahre dauern, aber wir kommen dorthin, gehe ich von aus. Und wir bleiben einfach im Austausch. Vielen Dank, dass du uns wieder abgeholt hast und hier auch mal den Blick nochmal von der anderen Seite geöffnet hast, ein bisschen mehr eben auf den Markt betrachtet und ein Stück weit weg von der Klassenmodellbetrachtung, die wir ja auch teilweise hier haben. Danke für deine Zeit, Wolfgang.

  25. Sebastian:

    Gerne, Sebastian.

  26. Wolfgang Philipp:

    So schnell sind wir dann auch schon wieder am Ende der aktuellen Podcast-Folge angelangt und wir haben doch einiges lernen dürfen. Zumindest kann ich das von mir behaupten, dass ich hier einiges aus dem Gespräch mit Wolfgang mitgenommen habe. Ich hoffe, bei dir war das auch der Fall und würde mich freuen, wenn du kommende Woche bei der nächsten Folge des ERN-Podcasts wieder einschaltest. Mach's gut, bis dahin, ciao.