Was die Automobilbranche von der CES 2025 lernen kann

Im Gespräch mit Thilo Stier, Daniel Baek und Christian Walter

Auf der CES 2025 in Las Vegas bot sich eine beeindruckende Vielfalt an Technologien und Trends, die von Branchenexperten in dieser Podcast-Folge beleuchtet wurden. In einem gemeinsamen Gespräch reflektierten Thilo Stier, Vertriebsleiter von Acro-Plastik, Daniel Baek, CEO von Acro-Plastik USA, und Christian Walter, ein erfahrener Mobilitätsexperte, ihre Eindrücke und Erkenntnisse.

Thilo betonte die Vielfalt an Innovationen auf der CES, darunter ein KI-unterstützter Spiegel, der Gesundheitsdaten wie Blutdruck und Schlafqualität analysiert. „Solche Technologien könnten in naher Zukunft auch in hochwertigen Automobilen integriert werden,“ erklärte er. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der Möglichkeit, übergreifende Technologien wie künstliche Intelligenz in neue Anwendungsbereiche zu übertragen. Insofern gilt es nicht immer nur auf das Auto an sich zu blicken, sondern eben auch Technologien aus anderen Bereichen zu transferieren.

Christian hob die globale Bedeutung der CES hervor: „Hier kann man nicht nur Technologien erleben, sondern auch wertvolle Kontakte knüpfen und Geschäfte anstoßen. Solche Events sind entscheidend, um zu verstehen, wo wir uns als Industrie hinbewegen müssen.“ Er sieht die CES als Weckruf, besonders für die deutsche Automobilindustrie, sich schneller und flexibler anzupassen.

Daniel zeigte sich überzeugt, dass die Zeit der lang anhaltenden Technologieführerschaft vorbei ist. Er erklärte: „Die CES verdeutlicht, wie schnell sich die Welt verändert. Unternehmen müssen ihre Strukturen und Prozesse überdenken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Bei Acro-Plastik werden KI-gestützte Modelle bereits eingesetzt, um Produktionsprozesse zu optimieren und Materialeinsparungen zu erzielen. Ein Beispiel aus der Praxis: Durch KI-basierte Modellierungen konnten die Kupferanteile in Busbars um 30 Prozent reduziert werden, ohne Leistungseinbußen hinzunehmen. Ein klarer Kosten- wie auch CO₂-Vorteil für den entsprechenden Automobilhersteller.

Christian ergänzte, dass die Geschwindigkeit und Flexibilität neuer Marktteilnehmer wie Tesla oder Lucid als Benchmark dienen sollten. Er betonte: „Wir haben hervorragende Ingenieure, aber unsere Strukturen hemmen uns. Es ist Zeit, diese zu überdenken.“

Die CES zeigte, wie der Einsatz von Technologien wie 3D-Druck und KI die Zukunft der E-Mobilität gestalten kann. „Die Messe hat uns klar gemacht, dass wir über bestehende Lösungen hinausdenken müssen,“ so Thilo. Er und Daniel waren sich einig, dass die schnelle Umsetzung neuer Technologien entscheidend für den Erfolg in der Branche ist. Davon kannst du dich aber gerne selbst in der nachfolgend eingebetteten Podcast-Folge überzeugen.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute mit am Start bist, wenn wir Thilo, Daniel und Christian zu Gast haben, mit denen ich mich über die CS 2025 in Las Vegas ausgetauscht habe. Wir tauchen ein Stück weit aus der Sicht von Zulieferern ein, betrachten, was dort gezeigt wurde, was wir davon wahrscheinlich auch im E-Auto oder im Auto an sich sehen werden und was wahrscheinlich auch gar nicht. Von daher gehen wir direkt rein in diese Sonderfolge. Viel Freude damit. Servus zusammen, schön, dass ihr heute hier im Podcast seid. Bei mir zu Gast Thilo, Daniel und Christian. Wir unterhalten uns ein Stück weit über die CES 2025, was wir dort gesehen haben, was wir erlebt haben und was wir vor allem für die Welt der E-Mobilität, der alternativen Antriebe mitgenommen haben. Bevor wir da allerdings einsteigen, stellt euch doch gerne mal selbst vor und Thilo, fang du doch gerne mit an.

  3. Thilo Stier:

    Ja, mein Name ist Thilo Stier von Acro-Plastik und ich bin verantwortlich für den Vertrieb weltweit.

  4. Christian Walter:

    Christian? Christian Walter, ich freue mich hier zu sein. Vielen Dank für die liebe Einladung, vor allen Dingen dann auch nochmal die CES für uns zu reflektieren. Ich in meiner Person bin seit über 20 Jahren im Bereich der Mobilität tätig, mit verschiedenen Firmen, mit verschiedenen Funktionen. Der in Klammern geschrieben ist bei mir immer das Thema, Produkte fertig für die Serie zu designen und in die Serie zu bringen.

  5. Sebastian:

    Daniel, magst du auch was zu dir verlieren? Ein paar Worte?

  6. Daniel Baik:

    Ja, gerne. Danke für die Einladung. Mein Name ist Daniel Baek. Ich arbeite mit dem Thilo schon seit mehreren Dekaden auch in der Automobilindustrie und sind auch jetzt seit vier, fünf Jahren auch sehr stark in der E-Mobilität unterwegs. Ich leite im Moment unser Unternehmen Acroplastik hier in den USA, bin hier als CEO eingestellt und lebe in Houston.

  7. Sebastian:

    Also quasi direkt vor der Haustür, nicht ganz, der hat ja trotzdem auch drei Stunden Flug nach Las Vegas, aber für dich näher als für uns drei anderen dann. Wie waren denn so die ersten Eindrücke von euch? Was habt ihr denn mitgenommen von der CES, jetzt vielleicht auch gar nicht fahrzeugbezogen, sondern was ist euch direkt ins Auge gesprungen, als ihr da durch die Stände auch gelaufen seid? Was ist so hängen geblieben?

  8. Thilo Stier:

    Also erstmal ist mir hängen geblieben, dass das so unendlich groß ist, dass man das fast in vier Tagen nicht schaffen kann. Wir haben es nicht ganz geschafft. Uns ist aufgefallen, dass also die ganz großen Themen, also sicherlich Gesundheit und künstliche Intelligenz absolut überwältigend ist und in ganz vielen Ausprägungen, dass man dort Kleinstfirmen sieht, die Besonderheiten herstellen, ob es besondere Motoren sind, ob es besondere Technologien sind. Vielleicht ein Beispiel an der Stelle, was mich persönlich total begeistert, das war ein Spiegel, in den man reinschaut. Und dieser Spiegel macht dann über 30 Sekunden Bilder von einer Person und kann dadurch den Blutdruck ablesen, den Gesundheitszustand werten und auch einen... einen Puls und viele Gesundheitsdaten generieren und dann auch über die Faltentiefe-Messung eine Aussage treffen, wie gut man geschlafen hat. Und da kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass sowas in naher Zukunft auch Zusatzfunktionen in wertigen Automobilen sein können.

  9. Sebastian:

    Spannend. Was war es denn bei dir, Christian, was du mitgenommen hast?

  10. Christian Walter:

    Ja, für mich ist die CES, ich bin ja seit mehreren Jahren auch auf der CES unterwegs, kann ich übrigens auch jedem auch nur, der an dem Thema Innovationen interessiert ist, sehr ans Herz legen, die CES zu besuchen, weil es ist der Wahnsinn, wie viele Menschen, wie viele interessierte, aufgeschlossene Menschen du dort triffst. Du hast am Tag im Schnitt locker zehn Termine zusätzlich zu den Technologien hinaus, wo du Kontakte knüpfen kannst, wo du Geschäfte vorantreiben kannst, wo du Geschäfte anbahnen kannst. Also das ist für mich das eine wahnsinniges Networking, was du dort hast und natürlich dann auch Technologien wie Holo-Displays, solche Geschichten, die du hast oder vielleicht auch jede Menge asiatischen Firmen aus der E-Mobilität, wo es einfach ganz klar für jemanden wird, auch so als Weckruf zu sehen, neben einer Vielzahl von Technologien. Wir müssen uns bewegen in Deutschland. Wir müssen raus in die Welt. Wir müssen gucken, wo wir noch dabei sein können, beziehungsweise dabei sein können ist ja viel zu wenig, sondern was können wir denn in Zukunft dominieren? Wie können wir denn eine AI, wie können wir denn ein Chat-GPT einbauen in ein Auto? Wie können wir denn eine Kombination machen aus allen Technologien, dass wir irgendwo wieder spitze werden? Das schaffen wir nur, wenn wir in die Welt gehen und dann auch solche Orte wie die CES besuchen.

  11. Sebastian:

    Das würde ich mal sicher so unterschreiben, dass du recht oder auch beide recht. Thilo hat ja auch schon ein schönes Beispiel da schon gebracht mit diesem Spiegel, wo man vielleicht auch mal von anderen Industrien sich inspirieren lassen kann, um da was mitzunehmen. Das macht ihr wahrscheinlich in eurem Feld genauso. Also auch du jetzt, Daniel, um da vielleicht mal den Shift zu dir zu bringen von Acro-Plastik. Ihr seid ja als Zulieferer auch in der Automobilindustrie tätig. Was sind denn da so Impulse, die ihr vielleicht auch mitnehmen könnt für euch? Oder wo seht ihr dann auch künftige Projekte? in denen ihr eventuell aktiv werden könnt, eintreten könnt mit euren Lösungen dann?

  12. Daniel Baik:

    Ja, aus meiner Sicht, denke ich, ist es wichtig, auch mal so ein bisschen über den Tellerrand zu schauen. Also wir haben uns auch Innovationen angeguckt, die nicht sofort mit Kunststoff was zu tun haben, aber wurden davor sehr stark inspiriert. Man kann hier noch sehr viel erwarten, weil ich hatte so ein bisschen das Gefühl, dass die CES wie Legoland ist oder wie so eine Apple-Maus, wo man einfach nur... auch viele bestehende Entwicklungen einfach nur clever zusammensetzt. Man hat heute ja die Möglichkeit, das, was in den ganzen AI passiert ist, in der künstlichen Intelligenz, was vorentwickelt ist, schon zu nutzen und dann mit einem kleinen Aufwand es sehr spezifisch auf seine Applikation zurückzuschrauben. Wir haben jetzt Gehäuse gesehen, wo auch Kunststoff eingesetzt wird. wo man jetzt auch hingeht, okay, die Leiteranlagen werden jetzt auf geringere Distanz reduziert, sodass man also kompakter und günstiger bauen kann, sodass also diese Sensorik dann auch für Roboter eingesetzt werden können. Wir haben... Viele Innovationen auch im Elektrofahrzeug, da gab es dann Amorphis Metall, was dann ausgestanzt wurde und dann wieder zu einem Statorbauteil gemacht wurde, was dann eine Effizienz um fast 20 Prozent erhöht hat.

  13. Thilo Stier:

    Ein Stator für den Elektromotor.

  14. Daniel Baik:

    Ein Stator für den Elektromotor, ja. Es gab sehr viel von den Sachen, wo man sagen kann, okay, es sind Module, man nimmt etwas, setzt Ideen clever zusammen und generiert etwas Neues. Und das ist das Spannende und das Aufregende, dass man sagt, okay, was bringt die Zukunft? Und daher waren auch die kleinen Stände auf der CES sehr interessant.

  15. Sebastian:

    Meistens sind es ja gerade diese kleinen Stände, die du auch gesagt hast, auf die man da besonders achten sollte sozusagen, um da eben auch Blick zu riskieren. Mit Christian war ich ja zusammen auch bei einem Stand, die so ein kleines Add-on fürs Handy, fürs Smartphone gemacht haben, die dann entweder Telefongespräche oder auch Meetings aufzeichnen können und dir dann über KI, über JetGPT oder Cloud das Ganze gleich direkt zusammenfassen können und ausspielen. Das sind ja auch so Themen, die jetzt nicht direkt fürs Auto zu denken sind. Aber wenn wir dann eben JetGPT im Fahrzeug sehen oder so Themen, künstliche Intelligenz, muss man ja auch als Hersteller vielleicht mal kreativer werden, um das einzustellen. Und da frage ich mich halt immer, auch gerade wenn man die Marktbegleiter dort weltweit sieht, Kriegen wir das denn überhaupt hin in der deutschen Automobilindustrie? Da scheitert es ja manchmal schon in Anführungsstrichen an der normalen Software und da jetzt dann abstraktes Denken mit reinzubringen. Wie seht ihr das denn auch aus Sicht der Zuliefererindustrie? Ist man denn offen in der deutschen Zuliefererindustrie oder in der europäischen für solche Veränderungen auch mal da eben deutlich über den Tellerrand hinaus zu denken und das dann auch in die eigenen Produkte oder in die eigene Produktentwicklung mit einzubringen?

  16. Christian Walter:

    Also generell gesprochen würde ich sagen, wir sind einfach zu langsam in Europa. Also ich will jetzt nicht Tier Ones absprechen, dass sie sich nicht verändern wollen oder auch OEMs, dass sie sich nicht verändern wollen. Aber ich glaube, wir haben alle zusammen, um jetzt mal generell zu sprechen, eine wahnsinnige Komplexität mittlerweile in den ganzen Organisationen, in Berichtsstrukturen, in Organisationen. Ja, Lastenheften irgendwo angehäuft, wo wir einfach keine Geschwindigkeit auf die Straße bekommen. Und ich schaue, wie schnell ein Entwicklungszyklus ist in China von einem Auto, in den USA ist von einem Auto, von den, ich sage mal, von den neuen EV-Brands oder so, neue sind sie ja gar nicht mehr, von Tesla, von Lucid, von dem Rivian. dann kommen wir da einfach nicht mehr mit, mit unserer Arbeitsweise. Und ich glaube, das ist das Entscheidende, dass wir unsere Arbeitsweisen adaptieren müssen und schauen müssen, was können wir dort schneller, was können wir dort besser, weil Deutschland kann was. Und Deutschland hat auch hervorragende Ingenieure. Ich glaube, wir haben es nur einfach ein bisschen die Geschwindigkeit vergessen durch die ganzen. Jeder, mit dem du sprichst, wird von seiner Organisation zehn Punkte kennen, was seine individuelle Organisation langsam macht. Aber es wird nicht verändert. Und das ist das, was uns hemmt und eventuell auch dann aus dem Markt schmeißt. Und das, was du erwähnt hast, dieses Start-up mit dem kleinen Aufsteckmodul fürs Handy, Plout heißt das Start-up, das ist der Wahnsinn. Du klickst es halt aufs Handy drauf und machst ein Transkript und bringt das Gesprochene im Telefongespräch oder aber was wir miteinander besprechen in einem Transkript in in ein Protokoll rein, was du dann wieder mit ChatGPT verbinden kannst und kannst dir Stichpunkte oder ein Mindmap erzeugen lassen. Und das kriegst du vorgestellt und dann sagst du, oh, das ist interessant, was kostet es? Und dann bekommst du von einer jungen Dame gesagt, ja, du kannst es gleich kaufen für 140 Dollar. Und das ist begeisterungswürdig, dass die Produkte nicht nur da entwickelt werden und es ist nicht irgendein Showcase und ein Showauto und irgendwas, sondern es in der Vielzahl gesagt wird, nee, hier ist es, Kreditkartenzahlung, 140 Dollar, nimmst dir gleich mit. Und das hat mich beeindruckt.

  17. Thilo Stier:

    Vielleicht dazu zu ergänzen, ich glaube, dass es tatsächlich eine große Herausforderung ist, da die deutsche Automobilindustrie jetzt sehr erfolgreich war in den vergangenen Jahren. Und ja, es ist ja schon das erste Beispiel in der Geschichte, wo man dann so sieht, dass dann halt manchmal sich auf den Erfolg ausgeruht wird. Und dann kommen jetzt viele jüngere Unternehmen her, die im Endeffekt diese komplette... Ja, Neustrukturierung des Autos, das heißt ein Auto, das ganz andere Komponenten hat. Das heißt, man muss jetzt einen stärkeren Fokus auf den Innenraum legen. Das heißt, es kommt das autonome Fahren. Es stellen ja immer noch Personen in Frage. Ich glaube gar nicht, dass das in Frage zu stellen ist. Es wird definitiv kommen. Und die Sensorik, die dadurch auch auf dieser Messe ausgestellt wurde, wo viele Komponenten verbessert wurden, wird das auch ganz klar unterstützen. Aber diese Anforderungen in diesen großen Unternehmen, diese abteilungsübergreifenden Änderungen, damit tun sich die großen Automobilisten sehr schwer, weil sie jetzt Entscheidungen für Komponenten treffen müssen, wo man mit einer Komponente auf mehrere Bereiche zugreift und damit Systemgrenzen innerhalb des Automobilisten überspringen muss. Und es dort Tendenz zu schwierigen Übergängen kommt und dadurch zu langsamen Entscheidungen. Also das ist der Punkt, wo die Deutschen sicherlich aufwachen müssen. Aber ich glaube, dieses Alarmglöckchen haben alle gehört. Jetzt ist die Frage halt nur, wie man damit umgeht. Auffällig war für mich, dass aus Korea hat eine große Firma fast 600 Personen geschickt. Und die sind über die Messe gegangen und haben halt wie ein Schwamm Informationen aufgesaugt. Und dort hat man relativ wenig Vertreter von den großen deutschen OEMs gesehen. Und ich glaube, das ist die einzig große Gefahr. Das heißt, wenn man in einem Zyklus reinrutscht des Sparens, dass es dann natürlich sehr, sehr schwer ist, genug neues Futter zu kriegen, um es wieder aufzubauen. wieder Fahrt aufzunehmen. Und Informationen dazu auf dieser Messe gibt es genug. Und das, was der Daniel gerade eben gesagt hat, dieser Lego-Baukasten, dass man die einzelnen Steine zusammenfügt, mit diesen Sensoren praktisch das autonome Fahren stark zu unterstützen, ist definitiv alles schon da.

  18. Daniel Baik:

    Ja, ich glaube halt auch, dass die Zeit, in der wir heute leben, etwas anders ist in Bezug auf die Haltbarkeit einer Technologieführerschaft. man kann sich heute auf einer Technologieführerschaft nicht mehr so lange ausruhen, wie das vielleicht vor 20 Jahren der Fall war. Es wird sehr schnell, wie auch Christian erwähnt hat, es wird schnell entwickelt. Man hat schon sehr viele Möglichkeiten, vorentwickelte Hardware und auch Software zu nutzen. Wir haben auch Hardware-Module gesehen. Ein großer Trend war auch diese ganzen Mikrocomputer wie Raspberry Pi und Arduino. die dann einfach nochmal ein Level weiter sind und jetzt gar nicht mehr programmiert werden müssen. Und da können dann für die E-Mobilität kann einer seine Idee relativ schnell umsetzen, indem er schon die Hardware in Modulen besitzt, von Chat-GPT oder von künstlicher Intelligenz ein Large-Language-Modul nutzt und dann einfach nur mit seiner Datenbank füttert. Und hat dann schon direkt eine Applikation, die dann in E-Mobilität geht und sicherlich auch beispielsweise für den Aftermarket auch sehr interessant sein kann. Also Technologieführerschaft, das Haltbarkeitsdatum ist definitiv kürzer geworden.

  19. Sebastian:

    Das kann man, denke ich, auf jeden Fall gut festhalten. Und das hat man auch so gesehen. Was ich auch gesehen habe, egal wo du unterwegs warst, Thilo hat es ja auch zu Beginn gesagt, das ist ein Riesengelände oder riesige Messer an sich. Du weißt ja gar nicht, wo du hin sollst und ob du überhaupt alles erreichst. Dennoch festhalten konntest du, an jedem Stand stand irgendwie AI, künstliche Intelligenz. Die Schlagworte waren überall vertreten. Ist es denn... überhaupt sinnvoll, das überall damit anzubringen und das dann auch so ein Stück weit künstlich heraufzubeschwören. Ich habe das bei einem Hersteller für Hundehalsbänder gesehen, wo ich gedacht habe, okay, da bräuchte ich jetzt nicht unbedingt künstliche Intelligenz mit dazu, aber gefühlt macht es dann doch jeder heutzutage. Wird das dann nicht auch in der Außenwahrnehmung für die Gesellschaft dann auch so ein Stück weit entwertet, der Begriff?

  20. Christian Walter:

    Ich finde das nicht, weil ich denke, jede Firma sollte sich wirklich darüber Gedanken machen. Wir sprechen jetzt hier mit der AI-Thematik jetzt nicht über ein Phänomen. Das ist übrigens dasselbe mit autonomem Fahren. Wir sprechen nicht davon, das ist jetzt nicht ein kurzfristiges Strohfeuer. Das haben wir sicherlich... Das haben wir sicherlich in anderen Bereichen, wo wir sagen, das kommt und geht. Aber hier würde ich sagen, jede Firma ist nahezu verpflichtet, jemanden im Unternehmen zu benennen, der sich um das Thema AI kümmert. Wie sind individuell meine Produkte? Wie kann ich meine Produkte voranbringen? Wie kann ich partizipieren von diesem Thema AI in meinem Unternehmen? Bei dem einen ist es ein Unterhaltsband, bei dem anderen ist es irgendwie eine Waage. die mit AI kombiniert ist und beim nächsten ist es halt logischerweise in der E-Mobilität Sachen, wie ich vielleicht meine Batterie, die ich baue, die ich entwickle, effizienter gestalten kann. Also von daher mag es für denjenigen, der jetzt ein Hundehalsband, um bei dem Beispiel von dir zu bleiben, vielleicht trivial sein, aber für jemanden, der aus der Branche ist, ist es natürlich ein super Thema. Um bei dem Bild zu bleiben, was der Daniel gesagt hat, das gefällt mir sehr gut. Du hast die ganzen Lego-Bausteine und so ist es auch in der AI. Du hast verschiedene Systeme und jedes System hat irgendwo Vorteile und Nachteile. Und du baust aus diesen ganzen Puzzlesteinen für dich dein Bild, deine Figur, was zu deinem Unternehmen passt.

  21. Sebastian:

    Das verstehe ich auch und ich sehe das auch so. Ich glaube auch, dass wir hier alle offen sind für dieses Thema, da in diesen Austausch zu gehen oder uns Gedanken über dieses Puzzle zu machen. Wie kann man das für sich bauen? Dennoch kann ich es mir auch vorstellen, dass der ein oder andere Zulieferer oder auch OEM stärker davon oder ein Stück weit überfordert ist. Also ich habe es gemerkt, wir waren bei der Bosch-Pressekonferenz. Die hatten auch das große Thema, ja, wir haben 5000 KI-ExpertInnen am Start bei uns im Unternehmen. und 1.500 KI-Patente. Wo ich mir dann schon wieder gedacht habe, da kommt jetzt wieder die deutsche Wurzel mit raus, dass man sich da über die Patente definiert und dann nicht über Aussagen wie, wir haben unsere Prozesse entsprechend effizienter gestaltet, sind dadurch in der Entwicklung schneller geworden sozusagen, sondern dann eher wieder diese Technologieführerschaft, wie sie Daniel genannt hatte, zu schützen über das Mittel Patente. Wie Wie geht ihr das dann vielleicht bei euch im Unternehmen an? Ist KI da ein Thema? Nutzt ihr das dann auch dafür, um Schritte nach vorne zu gehen, sei es jetzt für die Prozesse, sei es für die Entwicklung neuer Produkte, dass man da vielleicht auch mal mitbekommt, wie man da eben auch mit dem Berufsalltag umgehen kann?

  22. Thilo Stier:

    Also jetzt auch erstmal, um es zu antworten, ich glaube auch, dass das Thema des Schutzes streckenweise auch ein bisschen ein falscher Weg sein kann, weil ich glaube, die Geschwindigkeit, die man jetzt sieht und wenn wir jetzt einfach mal betrachten, wir hatten ein tolles Gespräch, wie ist das eigentlich, dass so ein Chat-GBT von dem Nichts auf einmal in eine Dominanz reingerät und das hat uns ein Ingenieur sehr toll erklärt, sagt er, das ist wie mit einem Kind. Ein Kind, das geboren wird und sehr langsam heranwächst, die Sprache lernt, das Gehen lernt. Und genau das Gleiche ist es beim Chat-GBT. Man musste diese Modelle füttern mit Daten, mit unglaublich schnellen Prozessoren. Es ist gewachsen, gewachsen. Und dann auf einmal nimmt die Geschwindigkeit des Lernens, sobald es die Sprache hat, das Verständnis hat, so extrem zu. Und ich glaube, das ist das, was heute passiert. Und die Welt, die dreht sich und ändert sich so schnell, dass ich glaube, dass teilweise vielleicht ein Patentschreiben gar nicht der beste Weg ist, sondern tatsächlich das Umsetzen ein wichtiger ist. In unserem Unternehmen... haben wir einen ganz starken Fokus auf Qualität. Das heißt also für immer präziser werdende Prozesse, um effizient zu sein und ein gutes Produkt zu entwickeln, muss man immer nah an die Grenzen rangehen können, dass man halt besonders günstig ein Bauteil erstellen kann. Und das heißt, man braucht eine ganz hohe Reproduzierbarkeit von den Produkten, die man dem Kunden liefert. Und da haben wir angefangen, alle Daten, die wir aufzeichnen, jetzt auch in Modelle reinzugeben. Und dort, im Endeffekt sind das ja dann neuronale Netze, die das dann auswerten, welche Daten haben einen Einfluss auf Qualitätsdaten, dass wir so schon eine Qualitätsvoraussage machen. Da geben wir gerade sehr, sehr viel Energie rein. Einfach um diese neuen Möglichkeiten zu nutzen, ein Produkt besser zu machen. Also neben dem normalen Alltagsgeschäft, wo man Chat-GBT natürlich nutzt für Analysen und Recherchen, ist das Gängige, das braucht man nicht groß zu betonen.

  23. Daniel Baik:

    Ja, wir stehen aber auch noch am Anfang der Reise und sehen halt auch, dass wir auch lernen müssen, wo können wir eventuell künstliche Intelligenz noch in unserem Unternehmen einsetzen, wo wir es heute noch nicht tun und wo es Sinn macht. Deswegen scheuen wir uns auch nicht, mit Experten zu sprechen, uns auch dort Beratung zu holen und zu sagen, okay, was ist noch alles möglich? Haben wir einen Bereich übersehen, der eventuell sehr wichtig ist? Zur Zeit wird natürlich auch diese gesamten Modulen dazu genutzt, auch intensivere Marktrecherchen zu machen, Segmente herauszusuchen, die für uns interessant sein könnten als Zielgruppen. Aber das ist eher so ein kleinerer Bereich. Ich meine, wir haben schon mal, Thilo und ich hatten schon in einem anderen Leben vor einigen Dekaden schon Rezepturen über künstliche Intelligenz laufen lassen. Und die künstliche Intelligenz hat uns dann errechnet, wie die Rezeptur aussehen muss, damit wir spezifische Werkstoffeigenschaften erzielen können. Ja, und dann haben wir das ausprobiert und es war schon damals sehr akkurat und ich denke, dass da in der Richtung auch noch viel weiter sein kann, also Produktentwicklung, Prozesse in der Produktion, da kann man noch einiges dazu tun.

  24. Thilo Stier:

    Vielleicht noch eine Ergänzung. Ein tolles Beispiel ist auch von unserer Schwester von M-Tech. Die machen im Endeffekt Berechnungsmodelle. Und die haben für Busbars, die im Elektrofahrzeug verwendet werden, haben sie Modelle gebaut, die dann auch über eine multiphysikalische Annäherung ein solches System auslegen. Und da haben die dann geschafft, für einen namhaften OEM... Mit allen Daten an Strom, Temperatur, Wärmeableitung konnte man dort diesen Anteil des Kupfers um 30 Prozent senken bei gleicher Performance der Fahrzeuge. Das heißt also dort, diese Modelle sind auch basierend auf künstlicher Intelligenz zusammengeführt. Und da kann man mal so einem Fahrzeug nicht nur Gewicht rausnehmen, sondern natürlich irre, irre Geld. Und ich glaube, das wird sich auch in dieser Entwicklung für die Unternehmen, die es nutzen, wahnsinnig bezahlt machen und auch sicherlich einen Unterschied zum Wettbewerb geben.

  25. Daniel Baik:

    Was ich noch gesehen habe, ist auch die künstliche Integration von AI in der Konstruktion von Bauteilen. Auf dieser Messe sind wir rumgelaufen, haben sehr viel über 3D-Druck, Additive Manufacturing gesprochen. Und nach wie vor und vor allen Dingen in der Welt, wo die Varianz der Produkte steigt, täglich wächst und die Anzahl auch der Stückzahlen damit dann auch immer kleiner werden, wird halt auch der 3D-Druck, kommt aus diesem Prototypen, aus der Prototypenwelt und geht jetzt in diese Serienwelt hinein. Und das hat auch bei allen Leuten, mit denen wir gesprochen haben, sehr positives Feedback erzeugt. Nun muss man aber dann im 3D-Druck auch ein bisschen anders konstruieren. Man muss natürlich berücksichtigen, was ein 3D-Drucker drucken kann und was er nicht drucken kann. Und solche Sachen kann man natürlich dann entweder als Experte tun oder auch über künstliche Intelligenz laufen lassen, sodass also dann auch schon ein 3D-gerechtes Konstruieren vorgeschlagen wird von der künstlichen Intelligenz. Und das kann natürlich auch die Entwicklungszeit enorm reduzieren.

  26. Christian Walter:

    Ich denke, man muss verstehen, dass dieses Thema künstliche Intelligenz jede Unternehmensbereiche tangieren wird. Und ich sage mal, jetzt sind wir ja momentan in dem Stadium, wir fragen bei ChatGPT mal irgendwas, bekommen irgendwo eine Antwort. Ich sage mal, das ist jetzt vielleicht noch auf einem relativ einfachen Level. Die Frage ist, wie geht es denn letztendlich weiter? Wie kann ich denn Geschäftskonzepte für mich optimieren? Wie kann ich denn mit dem Thema AI Geld verdienen? Wie kann ich denn Abo-Modelle generieren für meinen speziellen Unternehmenszweck? Wie kann ich denn Prozesse optimieren? Und optimieren, wie kann ich denn eingeben, aktuell habe ich Prozess A und organisieren wir bitte, wie würde denn ein optimaler Prozess aussehen? Also ich denke, das ist ganz wichtig, dass wir uns auch von die Gedankenwelt dahingehend optimieren, zu sagen, in einem Strategieworkshop für ein Unternehmen aus der E-Mobilität als Beispiel. müssen wir auch in Zukunft nicht nur über Marketing und Vertrieb nachdenken, sondern wir müssen auch nachdenken, was macht ChatGPT oder was macht eine künstliche Intelligenz für unser Unternehmen in Zukunft und wie wirkt sich das darauf aus.

  27. Sebastian:

    Wichtige Punkte, die du jetzt nochmal zum Ende mitgebracht hast, aber auch schöne Beispiele, die Thilo und Daniel da mit vorgebracht haben. Jetzt haben wir hier schon knapp 25 Minuten gesprochen, haben glaube ich viele Eindrücke schon mal mitgenommen aus der CES und für mich steht schon mal fest, ich würde gerne mit jedem von euch nochmal im Nachgang einen einzelnen Podcast aufnehmen dann, weil ich glaube, dann kann man nochmal spezifischer in diese Herausforderung, aber auch Chancen der Branche da mit eintauchen und eben mit aufnehmen und Was man denn zukünftig machen kann, um einen Unterschied am Markt zu machen, so wie Thilo vorhin gesagt hat, eigentlich musst du dich als Unternehmen da aktiv mit beschäftigen, um dann eben beispielsweise 30 Prozent Materialeinsatz zu sparen, was ja am Ende vom Tag Gewicht und Geld ist. Und wenn du sowas natürlich mit reinbringst, dann interessiert es deinen Kunden wahrscheinlich auch nicht mehr, ob dann das Bauteil da 5 Cent mehr oder weniger kostet schlussendlich. Ich glaube, den Grundgedanken haben wir jetzt hier alle mitgenommen, dass man viel lernen kann auf so einer CES, wenn man da offen durch die Welt läuft und das mitnimmt. Das hat wir, glaube ich, sehr gut rübergebracht. Von daher nochmal vielen Dank von meiner Seite für eure Einblicke und eure Zeit.

  28. Christian Walter:

    Dankeschön und alles Gute.

  29. Daniel Baik:

    Ja, vielen Dank.

  30. Sebastian:

    Das war es jetzt auch schon wieder, die aktuelle Sonderfolge zur CES 2025 in Las Vegas. War ein wenig anders als die Folgen sonst am Sonntag, aber ich glaube nicht minder interessant, diesen Blick mal abseits der Antriebe, der E-Mobilität zu werfen und zu schauen, was sich auch in puncto Technologie verändert. Ich hoffe, der Eindruck war für dich auch spannend.