Grüner Urlaub in Südtirol – wie das Hotel Hohenwart vorangeht

Im Gespräch mit Franz Mair, Junior-Chef Hotel Hohenwart

Ich hatte die Gelegenheit, mit Franz Mair zu sprechen – dem Junior-Chef des Hotel Hohenwart in Schenna, Südtirol. Ein Gespräch, das nicht nur von regionaler Verwurzelung und generationsübergreifendem Engagement geprägt war, sondern auch eindrucksvoll zeigt, wie sich Nachhaltigkeit im Tourismus konsequent und glaubwürdig umsetzen lässt.

Franz führt das familiengeführte Wellnesshotel in dritter Generation gemeinsam mit seiner Cousine. Was zunächst nach klassischer Gastfreundschaft klingt, ist in Wahrheit viel mehr: „Wir arbeiten für Menschen mit Menschen“, bringt Franz die Philosophie des Hauses auf den Punkt. Dabei geht es nicht nur um den Gast, sondern auch um Mitarbeitende, lokale Partner und die Region selbst.

Schon der Großvater legte den Grundstein für ein technikorientiertes und zugleich umweltschonendes Handeln – damals noch ohne das Label „Nachhaltigkeit“. Wärmerückgewinnung, Regenwassernutzung, Brauchwasserspülungen oder ein eigens entwickeltes Hausleitsystem gehören seit Jahrzehnten zum Standard im Hotel Hohenwart. Heute wird das Ganze mit messbaren Kennzahlen hinterlegt – und mit Verantwortung weiterentwickelt. So liegt der CO₂-Fußabdruck pro Übernachtung bei 10,6 Kilogramm – inklusive Scope-3-Faktoren wie Anreise und Müllaufkommen. „Im regionalen Vergleich sind wir damit Marktführer“, sagt Franz, nicht ohne Stolz.

Das Thema Nachhaltigkeit lebt das Team nicht nur intern. Gäste erhalten bei Anreise eine wiederbefüllbare Edelstahlflasche, um den Kauf von Einwegplastik zu vermeiden. Regionale Bauern und Handwerker werden bevorzugt, auch wenn es mal teurer wird. „Für uns zählt die Beziehung – nicht der günstigste Preis.“ Sogar bei Details wie Tischwäsche wird bewusst abgewogen, was sinnvoll ist, was den Gästen wichtig ist – und wo Verzicht machbar ist.

Auch bei der Mobilität geht das Hohenwart mit gutem Beispiel voran. Seit über einem Jahrzehnt sind E-Autos im Einsatz, aktuell etwa ein Audi Q4 e-tron, den Gäste auch ausleihen können. „Wir haben fünf Ladepunkte im Haus, zusätzlich gibt’s Schnelllader im Ort – das reicht für einen entspannten Urlaub mit dem E-Auto.“ Der Strom stammt zu 100 Prozent aus Ökostrom und eigener PV-Erzeugung, die gerade noch weiter ausgebaut wird.

Stillstand gibt es im Hohenwart nicht: Das energetisch veraltete Stammhaus aus den 70ern soll nun umfassend saniert und mit Passivkühlung ausgestattet werden – natürlich unter Wahrung seines Charmes. Dabei entstehen Herausforderungen, etwa bei der Materialbeschaffung oder Zertifizierung. „Aber genau das macht den Prozess spannend“, erklärt Franz.

Beeindruckt hat mich auch, wie offen im Hohenwart über Fehler und Anpassungen gesprochen wird – sei es bei Kommunikationsmaßnahmen, internen Workshops oder bei Reaktionen auf Gäste-Feedback. Franz bringt es auf den Punkt: „Wenn jeder Bereich ein bisschen besser wird, dann erreichen wir schon sehr viel.“

Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt ins Gespräch mit Franz Mair einsteigen.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des EHN-Podcasts. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute mit am Start bist. In der aktuellen Folge habe ich Franz Mair zu Gast, seines Zeichens Juniorchef des Hotel Hohenwart in Schenna, Südtirol. Und wir haben uns über Unterhalten, über E-Mobilität beim Reisen, in der Touristik, wie man damit auch ein Hotel aufwerten kann, Mehrwert schaffen kann, das alles auch im Zusammenspiel mit Nachhaltigkeit, die eben auf unterschiedlichste Art und Weise gelebt werden kann. Wir tauchen am besten direkt ein in das Gespräch mit Franz. Familien geführt mit Weitblick, nachhaltiger Genuss und umweltengagiert. Das sind so drei Schlagwörter, die ich gefunden habe, wenn ich mich auf die Recherche über das Hotel Hohenwart begeben habe, Franz. Wie würdest du euer Haus beschreiben? Gerne auch ein bisschen ausführlicher, ein Stück weit einordnen, was wir im Hotel Hohenwart erwarten.

  3. Franz Mair:

    Also das Hotel Hohenwart ist ein Wellnesshotel in Schena mit insgesamt 94 Zimmern, drei Häuser direkt oberhalb der Kurstadt von Meran gelegen. Unser Fokus ist ganz klar einerseits Wellness, aber andererseits sollen die Gäste einfach die Umgebung genießen. Für uns ist ganz wichtig, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Also wir sind ein Dienstleistungsunternehmen. Unsere Dienstleistung ist einfach eine schöne Zeit, die wir den Gästen bieten möchten. Und da sind die Menschen ganz klar im Vordergrund. Die Gäste, unsere Mitarbeiter und wir als Familie. Wir sind ein familiengeführtes Hotel. Wir sind natürlich in der Zwischenzeit ein sehr großer Betrieb. Wir haben 200 Gäste, 100 Mitarbeiter und sind von der Familie noch circa 10 Personen, die da sind. Aber wir versuchen das so familiär wie möglich zu gestalten. Jeder soll sich wohlfühlen, jeder soll ein Plätzchen finden. Und wir arbeiten eben für Menschen mit Menschen.

  4. Sebastian:

    Das ist so schön gesagt, für Menschen mit Menschen. Und das sieht man ja auch, wir durften ja auch hier zu Gast sein und haben ja dann wahrscheinlich die Großmutter, die das war, die noch im Buffet unterwegs ist, der Vater, der gestern Abend auch begrüßt hat oder Onkel sozusagen. der dann auch alle gestern Sonntagabend war, das für die Einordnung der ZuhörerInnen da war, dann auch nochmal darauf verwiesen hat, was man macht, hat sich darüber gefreut, dass Scheller 4-0 gewonnen hat und sozusagen den Abstieg vermieden hat, wenn ich es richtig mitbekommen habe. Also man merkt einfach, es ist hier definitiv Herzblut mit drin. Aber ihr seid nicht einfach nur hier für Wellen des Unmenschen, für Menschen, sondern ihr achtet auf... dementsprechend auch auf eure Umgebung. Du hast mir im Vorgespräch gesagt, es gibt hier über 260 Betriebe in Schenna. Ich kann es gleich auch nochmal ergänzen, mit 200.000 Übernachtungen im Jahr, obwohl die Stadt an sich vom Kern her nur so 3.000 Einwohner hat. Also es ist auch schon wichtig, dass man es ein Stück weit von der Masse abhebt, oder?

  5. Franz Mair:

    Das ist natürlich sehr wichtig. Also Schenna ist eine sehr kleine Ortschaft, sehr überschaubar mit 3.000 Einwohnern. eben oberhalb von Meran gelegen und damals die Gründergeneration hat in den 50er Jahren unter anderem mein Großvater eben hier begonnen. Es war ein sehr ärmliches Dorf, bäuerliches, geprägtes Dorf und die haben mit der Gästevermietung begonnen, hatten damals dann ein bisschen auch das Glück, dass der deutsche Wirtschaftsmarkt sehr nahe ist und sehr stark nach dem Krieg explodiert ist und eigentlich das Geschäft sehr gut gestartet ist und so hat eigentlich jede kleinbäuerliche Struktur in Schenna begonnen, Betten zu vermieten und das hat sich über die Jahre eben so entwickelt, dass wir heute eben so viele Betriebe in Schenna haben, die eben sehr gut nebeneinander, miteinander auch noch arbeiten können und da ist uns als Familie auch jetzt vor allem Uns in dritter Generation, das bin ich und meine Cousine, die das jetzt führen und übernehmen, sehr wichtig, dass wir auch was zurückgeben können, dass wir einerseits die Umwelt schützen, unsere Mitarbeiter etwas bieten können und auch dem Dorf etwas zurückgeben können und einfach die Dorfentwicklung auch aktiv mitgestalten können.

  6. Sebastian:

    In dem Zusammenhang sind auch immer die Wörter ressourcenschonend und klimaschutzorientiert gefallen und sowas entwickelt sich ja auch jetzt. Du hast gesagt, ihr seid in der dritten Generation, ihr seid nicht so gestartet, wie ihr heute dasteht. Das ganze Thema wird ja aber auch eins zu eins auf das Nachhaltigkeitsverständnis zu übertragen sein. Mit dem Verständnis, mit dem ihr heute arbeitet, seid ihr auch damals nicht gestartet, da ist eine Entwicklung vorhanden. Kannst du uns das ein Stück weit einordnen, wie sich Nachhaltigkeit für das Hotel an Relevanz gewonnen hat über die letzten Jahre, Jahrzehnte hinweg?

  7. Franz Mair:

    Die ersten Jahre ging es natürlich zuerst mal da rein zu finden. Das Hotel ist sehr schnell gewachsen. Die große Entwicklung war eigentlich schon in den 70er Jahren und wir sind eigentlich schon seit 30, 40 Jahren auf einer Größe, die wir heute haben. Wir entwickeln uns qualitativ sehr bewusst, keine großen Sachen, immer schrittweise. Und das Thema Nachhaltigkeit war bei meiner, bei der älteren Generation, das ist meine Tante, meine Mutter, mein Vater eben, das war nie bewusst im Vordergrund, aber sie haben es eigentlich immer vorgelebt. Der Vater war immer sehr, sehr technisch versiert und hat im Haus hier sehr viele, heute würde man sagen, das sind umweltschonende Maßnahmen. Er hat das einfach aus Technik, Faszination, aber auch einfach umgekehrt. Ganz einfach gesagt, Geld zu sparen. Ganz klar, es geht um Energieeffizienz. Wir haben zusammen mit einer Partnerfirma ein Hausleitsystem entwickelt, das wir seit 30 Jahren hier einsetzen. Wir haben Toilettenspülung seit 30 Jahren, die mit Brauchwasser funktioniert. Wir haben eine große Gartenanlage, die braucht sehr viel Wasser, können aber alles mit Regenwasser umsetzen. bewässern. Da haben wir zum Beispiel sehr große Kapazitäten an Tanks, die sind alle miteinander verbunden. Das ist ein sehr kompliziertes System, wird man heute nicht so machen, aber das ist einfach aus dem Spaß an der Technik, Spaß an der Verbindung entstanden. Und so sind ganz viele Sachen im Haus, kleine Sachen, Wärmerückgewinnung, die wir eigentlich schon hatten, aber nie groß kommuniziert hatten. Und wie ich hier eingestiegen bin, ich komme eigentlich aus dem Landwirtschaftsstudium und das war eigentlich gleich eines der ersten Themen, das ich hier aufgreifen wollte und durfte. Ich durfte das dann auch auf Destinationsebene übernehmen und eben hier im Hotel. Und jetzt sind wir knapp vier Jahre dabei, wo wir das auch ganz bewusst machen. den Schritt gehen. Einerseits natürlich eine Zertifizierung, dass man auch eine sichtbare Anerkennung hat, die auch validiert ist, aber noch viel wichtiger für uns einfach Schritt für Schritt das ganze Team, unsere Gäste mit einzubinden bei allen Maßnahmen, die wir machen und da einen positiven Impact zu bringen.

  8. Sebastian:

    Ich glaube, das ist ja auch gut so oder es ist definitiv gut so. Tu Gutes spricht darüber dann am Ende auch. Und dass das erstmal monetär getrieben ist, ist ja auch nicht verkehrt. Aber es zeigt ja, dass zum einen Geld sparen, Geld verdienen mit grünem Leben, nachhaltigerem Leben auch funktionieren kann. Und dass das gar nicht so aussticht. Das ist ja ein schönes Beispiel. Und das alles zahlt ja auch positiv auf euren CO2-Fußabdruck ein. Da habe ich gesehen, 10,6 Kilo pro Übernachtung. Gebt ihr an im Branchenvergleich. Jetzt ist 10,6 Kilo natürlich so eine Zahl. Das kann viel, das kann wenig sein. Wenn man es nicht kennt, kannst du es mal einordnen für uns.

  9. Franz Mair:

    Also das ist natürlich eine Zahl, wir berechnen das jetzt seit drei Jahren und müssen auch ganz offen und ehrlich sagen, wir feilen jedes Jahr, um auch die Daten noch besser zu bekommen, noch mehr. Wir berechnen seit diesem Jahr auch Scope 3, das heißt die Gäste anreisen, die Mitarbeiter anreisen, haben wir alles drin. Beim Essen haben wir nochmal nachgeschärft, beim Müll haben wir jetzt wirklich alle Recyclingquoten mit eingebracht. Also die Zahl verändert sich jedes Jahr. Und ist daher relativ für uns immer wichtig, der Vergleich. Und wir haben da ein ganz tolles Tool vom örtlichen Gastwirteverband, der das zusammen mit der internationalen Firma entwickelt hat, wo man auch Benchmarkingarten hat. Das heißt, man wird immer mit lokalen Betrieben verglichen und dann bekommt man ein bisschen ein Gefühl, was die Zahl heißt. Da sind wir im Moment regionaler Marktführer. Wir haben sehr gute Werte. Das hat einerseits damit zu tun, dass wir 100% Ökostrom haben. Vielen Dank. Alles, was wir zukaufen, ist Ökostrom. Dann produzieren wir noch 87 Kilowatt Peak Photovoltaik. Ist gerade noch im Ausbau. Reicht natürlich nicht für die Hausgröße. Und die Sonne scheint auch in Südtirol nicht den ganzen Tag über. Das ist ganz klar. Und dann haben wir noch drei große Blockheizkraftwerke, wo wir intern Wärme und Energie machen können. Und dadurch haben wir da einen relativ kleinen energietechnischen CO2-Abdruck. Gerade was die Lebensmittel betrifft, versuchen wir sehr viel lokal anzubieten. Und gerade im Thema Müllrecycling sind wir sehr gut im Trennen. Deswegen haben wir da im Moment im regionalen Vergleich bei den Betrieben, die da auch mitmachen, sehr gute Werte.

  10. Sebastian:

    Ja, sehr spannend, das dann auch nochmal in Zahlen ausgesucht zu sehen, was man da eben auch hinter den Kulissen bewirkt oder was ihr eben auch alles schon gemacht habt. Und du hast es eben auch schon aufgegriffen, ihr greift auf lokale Händler zurück, lokale Bauern, wo ihr eure Lebensmittel bezieht, auch für das Hotel hier, für die Hotelgäste. Beim Bau auch lokale Handwerker, die eben zum Einsatz kommen, ist ja an sich auch nicht so normal. Lokal ist ja auch nicht immer das Günstigste. Es wirkt sich natürlich positiv auf den CO2-Fußabdruck aus, aber das zählt wahrscheinlich auch zu der Philosophie, wie du es ja eingangs erwähnt hast, man möchte auch was zurückgeben.

  11. Franz Mair:

    Also das ist sehr wichtig und das sind die Wurzeln, wo wir herkommen. Mein Großvater kommt auch aus der Landwirtschaft, hatte damals nicht viel und die Bodenständigkeit haben wir eigentlich über die Generationen immer erhalten. Wir sind so erzogen worden, wir haben das große Glück, dass wir jetzt kein Ferrari zum Leben brauchen. Wir sind da ganz gut verwurzelt und haben ein gutes, schönes Leben hier, aber müssen jetzt keine Millionen Umsätze für uns aufs Schweizer Bankkonto bringen. Für uns ist es einfach schön, wenn wir das, was wir erwirtschaften, von unseren Gästen zurückgeben können. Und so wie unsere Gäste über Jahre, Jahrzehnte schon zu uns kommen, sind auch unsere Partner über Jahrzehnte unsere Partner. Wenn wir hier lokal jemanden haben, die Qualität passt, die Leistung passt, dann werden wir das auch nicht wechseln. Günstigere Angebote gibt es immer. Das ist ganz klar, aber für uns muss ganz klar auch das Zwischenmenschliche passen und das ist angenehm, so kann ich angenehm arbeiten und wenn am Ende des Jahres noch was übrig bleibt, ist ganz klar, das muss sein. So ein Betrieb muss finanziert werden, der muss leben können, aber ich brauche keine Rekordergebnisse mehr. Die Familie sind die Aktionäre, gehört alles uns und wir müssen keine Rekordgewinne ausweisen und so können wir auch das erreichen. in der lokalen Umgebung zurückgeben. Die wächst mit uns mit, denen geht es auch gut. Die empfangen unsere Gäste herzlich und wir haben alle was davon.

  12. Sebastian:

    Was ja auch eine Form von Nachhaltigkeit dann schlussendlich ist, wenn man das dann eben so lebt, wie du es jetzt eben gesagt hast, sowohl für den Betrieb als auch für die angebundenen Unternehmen. Dieses Nachhaltigkeitsbewusstsein, was jetzt so in den letzten drei, vier Jahren, seitdem du eben auch mit drin bist, nicht entwickelt, aber zumindest nach außen trägt. Ist das auch was, was bei den Gästen mittlerweile nachgefragt wird, dass die da gezielt drauf schauen?

  13. Franz Mair:

    Es ist ganz interessant, weil wir haben am Anfang ganz bewusst gesagt, wir starten gerade, was das Thema Kommunikation ist. Wir haben uns eine externe Beratung geholt, haben uns mal angeschaut, das auch alle, weil Der Begriff ist sehr weitläufig, auch kontrovers diskutiert und auch in der Familie haben wir das diskutiert. Passt das zu uns? Wir sind ein Wellnesshotel, wir haben sieben Saunen, wir haben drei Pools, wir heizen im Winter den Außenpool. Das ist ja im ersten Moment jetzt nicht besonders nachhaltig, wenn man es jetzt nur von der Warte aus sieht. Wir haben Buffets, so ein Hotel verschlingt eigentlich viel Ressourcen. Soll es ja auch, weil man soll den Urlaub genießen und man darf da auch mal ein bisschen mehr Ressourcen verschwenden, aber immer in einem gewissen Rahmen und haben lange diskutiert und dann, wie wir mit dem Berater das Erstgespräch geführt haben und mal geschaut haben, was wir machen, hat er eigentlich gesagt, ja unbedingt eben tu Gutes und rede darüber, weil wir eigentlich schon sehr viel hatten und eigentlich nie darüber gesprochen hatten. Und dann haben wir da aber bewusst ganz langsam gestartet, auch unsere langjährigen Stammgäste. Unser Zielpublikum ist auf jeden Fall 50 plus, also ein älteres Publikum, das auch mit dem Begriff vielleicht noch kontroverser umgeht als jetzt eine jüngere Zielgruppe. Bei 20-Jährigen habe ich da heute vielleicht Nicht mehr so die Hemmschwelle, aber wenn ich da jetzt an das Publikum gehe und nur mehr über Nachhaltigkeit rede, dann sagen die, die spinnen ja komplett. Und wenn ich dann nicht mal was umstelle, dann ist das ja auch nicht glaubwürdig. Und so haben wir ganz langsam begonnen und das jetzt über drei, vier, fünf Jahre. hier aufgebaut, ich hatte das große Glück, meine Partnerin war bei der IDM, also der Destinationsentwicklung für Südtirol im Bereich Nachhaltigkeit längere Zeit zuständig und ich konnte die dann abwerben und im Hotel hat das Projekt praktisch übernommen und ist da federführend und so kommt man das auch, wir haben dann unsere Kommunikationsleute auch geschult dahin, also die Green Claims Directive, dass man da auch gut unterwegs ist und das bewusst immer mehr und immer mehr eingebunden und das Feedback war eigentlich sehr viel positiver als gedacht. Wir kommunizieren jetzt auch regelmäßig an wirklich die treuen Stammgäste, auch per Newsletter, was los ist, was wir gerade gemacht haben, was wir umstellen und holen von denen immer Feedback ein, was sie gut finden, was sie nicht gut finden. Wir hatten zum Beispiel auf Tischwäsche eine Zeit lang komplett verzichtet. Wir haben sehr viele Gäste, die schätzen das, dass sie abends auf einer schönen weißen Tischdecke essen. Den Versuch haben wir dann wieder abgebrochen und haben jetzt zum Beispiel abends, da haben wir unser Gourmet-Menü, da gibt es dann Tischdecke und tagsüber eben nicht. Und so versuchen wir eben das zu finden, okay, wo können wir wirklich reduzieren, wie weit können wir gehen und machen das schrittweise. Wir möchten natürlich unsere Gäste, unsere langjährigen Stammgäste mitnehmen und sagen, okay, das ist sinnvoll, das können wir im Moment umsetzen und das kann vielleicht noch einen Moment warten und priorisieren einfach. Genau.

  14. Sebastian:

    Ja, aber das ist ja ein schönes Beispiel dafür, wie man das eben auch, diesen Wandel langsam und trotzdem nachhaltig auch gestalten kann schlussendlich und vor allem dann auch die Gäste mitnehmen. Und wenn es dann in Anführungsstrichen auch nur so Kleinigkeiten sind, wie eben die Tischdecken, die aber in der Masse von so einem Haus ja dann doch entsprechend was ausmachen wahrscheinlich.

  15. Franz Mair:

    Genau, es ist natürlich sehr viel Wäsche, es sind sehr viele Tische bei uns im Haus und das Volumen macht natürlich auch gewisses aus und jede Kleinigkeit sind ganz viele Stellschrauben und wenn man überall ein bisschen besser ist, dann hat man schon sehr viel erreicht. Ich glaube, man denkt immer ins Große. Es sind oft die kleinen Sachen, wo man auch die Gäste überraschen kann oder die Mitarbeiter. Wir haben die Mitarbeiter auch jetzt sehr stark mit eingebunden machen oder haben geplant jetzt auch jährliche Workshops und wir haben es dieses Jahr gesehen. Also wenn die alle zusammenkommen und wirklich konkret an dem Thema arbeiten, da kommt so viel Input, den müssen wir jetzt erstmal aufarbeiten. weil jeder hat so in seinem Bereich so Anliegen, wo er sieht, okay, jetzt sind zum Beispiel noch sehr viele Einweghandschuhe im Einsatz, können wir da was anderes machen, da fällt sehr viel Müll an, da ist das und das versuchen wir jetzt Schritt für Schritt abzuarbeiten und wenn die Mitarbeiter das dann aktiv mitleben, wenn ich das vorgebe, du musst den Müll jetzt trennen oder das nicht machen, dann wird da nicht sehr viel passieren und wenn das von innen rauskommt, ist das eine Entwicklung und die Gäste das aufnehmen und das sind so Kleinigkeiten wie zur Zeit die Wasserflaschen, die wir im Zimmer haben, wir haben sehr gute Wasserqualität, zum Glück Trinkwasserqualität kommt aus jedem Hahn, kann ich wunderbar trinken und wir sehen immer noch, wir haben selbst keine Einwegplastikflaschen, aber unsere Müllsäure sind sehr gefüllt damit, weil die Gäste einfach, sei es bei der Anreise, aber auch hier lokal, wenn man im lokalen Geschäft reingeht, das erste was ist, sind zwei Paletten Plastikflaschen, Naturwasser und das ist einfach schade, dass die Gäste das kaufen, sie geben viel Geld dafür aus, wir haben den Plastikmüll und hätten eigentlich Wasserqualität und so bekommt jeder Gasbahnreise eine schöne Edelstahlflasche, wo er mit dem Hinweis, dass er die auffügen kann und so kann er die praktisch während dem Urlaub nutzen und dann natürlich mit nach Hause nehmen und hat gleichzeitig noch eine kleine Erinnerung an uns.

  16. Sebastian:

    Das ist eine schöne Sache, wir haben es auch genutzt, wir waren ja dann auch in Maran unterwegs und haben die auch direkt mal in den Wanderrucksack, der eben auch im Schrank hing, mit reingepackt und so wie du sagst, man muss halt die Gäste auch vielleicht erstmal belehren, ist das falsche Wort, aber so in diese Richtung unterrichten, darauf hinweisen, hör mal zu, das Wasser, was du hier aus dem Hahn trinken kannst, ist im Endeffekt nichts anderes als Plastikflaschen, aber Du musst nicht mal Plastikflaschen rumschleppen, sondern hast es schon auf dem Zimmer. Das ist echt schön und zeigt ja doch, wie man das verbinden kann. Aber eure Hotelgäste profitieren ja auch, wenn wir jetzt den Schwung zur E-Mobilität vielleicht mal ein Stück machen. Auch für unser Publikum nochmal interessant, dass ihr auch mittlerweile Ladeinfrastruktur hier habt. Das heißt, ich kann auch beruhigt mit meinem E-Auto anreisen. Was unter anderem wahrscheinlich auch daran liegt, wie ich gesehen habe, dass ihr selbst E-Autos im Einsatz habt. Wann hat der Wandel stattgefunden hin zur E-Mobilität und wie lebt ihr denn aktuell?

  17. Franz Mair:

    Genau, wir haben selbst vor 14 Jahren damals so für eine kleine norwegische Firma gearbeitet. so ein ganz kleines Auto angekauft, weil sie uns einfach interessiert haben. Wir haben einen relativ großen Fuhrpark hier im Haus, weil wir Shuttle-Services anbieten, weil wir noch Landwirtschaft dabei haben und noch ein paar Häuser. Und weil wir sehr viel Kurztransporte gerade hier im Dorf haben, Abholungen unterwegs sind. Und damals haben wir den sehr kleinen, ich weiß die Firma nicht mehr, ich glaube die gibt es gar nicht mehr, War ein sehr spannendes Auto, hat gereicht, hier zu fahren. Das hatten wir für ein paar Jahre und dann vor zehn Jahren haben wir den VW Up elektrisch angekauft. Den haben wir heute noch im Fuhrpark und ist einfach super angenehm. Das haben wir seit zehn Jahren. Die Bremsen haben wir dreimal getauscht, weil es bei uns viel abwärts geht und der ein bisschen mehr braucht. Aber sonst hat man nie Probleme damit. Der fährt in Ruhe rum, hat jetzt knapp 100.000 Kilometer. Und vor vier Jahren konnte man dann noch einen Audi Q4 e-tron fahren. die wir jetzt auch an die Gäste verleihen. Also wir haben natürlich auch Anreisen mit Flieger, Zug, Bus, die ohne Auto eben ankommen. Und für die ist das einfach eine Sicherheit, dass sie vor Ort nochmal eine Möglichkeit haben, sich vorzubewegen. Der Großteil fährt mit dem Bus. Man hat ja den Südtirol-Gestpass, mit dem man die öffentliche Mobilität kostenlos nutzen kann. Deswegen, das ist eigentlich so attraktiv, dass man bei uns hier weniger ein Auto braucht, aber wenn man mal eine spezielle Tour hat, haben wir das Auto eben im Angebot, auch für unsere Gäste und ansonsten machen wir eben die Abholungen vom Bahnhof, Flughafen und so weiter damit. Das ist sehr schön. Uns macht die E-Mobilität Spaß. Wir versuchen jetzt vorzu unsere Flotte, einfach wenn wir es austauschen, auf E-Mobil umzustellen und haben auch die fünf Ladestationen hier im Haus, wo jeder Gast ganz unbekümmert dann sein Auto laden kann. Ansonsten gibt es im Dorf alternativ auch drei Schnellladesäulen, wenn es mal ganz schnell gehen muss. Aber ansonsten eben nachts über, wenn man das Auto normalerweise nicht braucht, kann das von Ruhe in der Garage laden bei uns und dann geht es morgens wieder vollgeladen los.

  18. Sebastian:

    Was ja auch schön ist, du hast es ja vorhin erwähnt, ihr habt zum einen euren eigenen Strom, den ihr erzeugt, zum anderen kauft ihr 100% Ökostrom zu. Also auch ich als Hotelgast kann dann mit grünem Gewissen sozusagen dann bei euch entsprechend laden.

  19. Franz Mair:

    Wir haben natürlich auch das große Glück, dass die Dürres so viel Wasserkraft hat und unser lokaler Energieanbieter hat eben... die Möglichkeit, den Ökostrom zu machen. Und das haben wir eigentlich schon seit 10, 15 Jahren, dass wir das eben bewusst machen, weil wir einfach sagen, wir haben hier die Wasserkraft, dann kaufen wir auch diesen grünen Strom an und können den dann entsprechend weitergeben.

  20. Sebastian:

    Und dann vielleicht zum Ende hin, dass wir das auch noch mit aufgreifen. Es ist ja kein Stillstand zu sehen bei euch. Das Haus hat sich weiterentwickelt, dritte Generation, wo du jetzt eben auch mehr Verantwortung übernommen hast in den letzten Jahren oder wahrscheinlich noch übernehmen wirst. Wie sind die weiteren Pläne in Bezug auf Nachhaltigkeit? Jetzt nicht mal unbedingt nur auf E-Mobilität gesprochen, sondern Ausbau PV-Anlage hattest du schon erwähnt. Gibt es noch so greifbare Beispiele, die ihr angehen wollt in den nächsten Jahren?

  21. Franz Mair:

    Also im Moment eben das aktuelle Zwischenziel war erstmal die offizielle internationale Zertifizierung. Da hatten wir letzte Woche das Audit, das ist zum Glück sehr gut verlaufen. Das dauert jetzt natürlich ein bisschen, bis der ganze Papier kaum durch ist. Das ist im Monat so für uns ein kleines Zwischenziel, wo wir einfach sagen, okay, jetzt haben wir das, zeigen wir das und dann arbeiten wir mal die ganzen kleinen Inputs ab. Was größere Inputs oder Erweiterungen sind, sind die PV-Anlage, die ist aber verbunden. Also eine PV-Anlage ist heute kein Riesending mehr, aber das Stammhaus, das aus den 70er Jahren stammt, das ist so das letzte große Projekt vom Großvater, das er noch gemacht hat. Und deswegen war das immer so ein bisschen ein Herzstück, das wir versucht haben, auch so zu erhalten, wie es ist. Und da haben wir jetzt einfach das Problem, dass es energietechnisch aus den 70ern ist. Das ist sonst sehr gut, das Haus ist natürlich innen immer renoviert worden, aber da haben wir energietechnisch im Moment das größte Problem. Wir haben es auch noch nicht gekühlt. Also die Sommer sind zum Glück sehr warm in Südtirol, aber werden fast schon zu warm, sagen wir es mal so. Und deswegen haben wir unsere beiden anderen Häuser mit Passivkühlung jetzt ausgestattet über Wasser. Und das möchte man jetzt im Stammhaus eben machen. Und da ist das ganze Haus, wird eben energetisch saniert, renoviert. Aber wir möchten den Charakter beibehalten. Und da sind wir gerade eben beim Ausloten, wie wir das hinbekommen, eben mit Stammhaus. Fortmaterialien so lokal wie möglich und da sind wir gerade mit unseren Partnern im Austausch, die auch so ein bisschen an ihre Grenzen im Moment kommen, weil natürlich auch die ganzen Materialien und alles das bei der Besorgung und Zertifikation nicht ganz so einfach ist, aber ein ganz spannender Prozess, wenn man das dann wirklich ganz bewusst mit aufnimmt.

  22. Sebastian:

    Für die Partner, du sagst es ja auch schon ein Stück weit herausfordernd, aber die machen jetzt einmal die Arbeit mit euch und können ja dann glücklicherweise auch die anderen Betriebe damit unterstützen, wenn die das dann nutzen. Weil gerade diese Scope-3-Betrachtung ist ja schon sehr, also ist ja im Endeffekt der größte Detailgrad, den man da auch schon machen kann. Das höre ich jetzt auch eher zum ersten Mal, dass man schon so tief da reingeht und das so detailliert abbildet, dann auch gerade im Hotelbetrieb.

  23. Franz Mair:

    Genau, wir versuchen da, wir haben sicher noch Luft nach oben, das zu berechnen, aber kann man auch jetzt hier sagen, der Auditor war selbst überrascht, weil das im Hotelbereich eigentlich noch nicht so sehr gesehen hat, weil es nicht, erstens die Berechnung nicht ganz einfach ist, aber ich bin selbst ein Zahlenmensch, mir macht das Spaß. Es ist spannend herauszufinden, wo kommen die Gäste her, wie reisen sie an, wie weit ist es. Es sind ca. 500 km Durchschnitt, was so ein Gast anreist. Wir haben natürlich das große Glück, dass der deutsche Markt sehr nah ist. Wir reisen natürlich viel mehr Auto an, auch E-Auto stärker. Wir sind im Moment bei 6% Anreise mit Elektroautos. Es ist nicht immer ganz voll elektro, weil Hybridfallen da rein, weil die Rezeption erhebt das über die ausgegebenen Ladekarten und dann ist nicht immer die Unterscheidung 100% da, ist ja voll elektrisch, aber das sind ungefähr die 6%, da möchte man natürlich auch nach oben gehen, weil natürlich die Anreise ist bei weitem der größte Unterschied. Imitationsfaktor in so einem Hotel. Danach ist bei uns die Energie und dann die Lebensmittel, das sind die drei grossen Posten, aber die Anreise, die ist überproportional gross natürlich.

  24. Sebastian:

    Und die habt ihr natürlich nur bedingt in der Hand, aber da habt ihr ja, oder hast du ja vorhin auch schon das Beispiel gesagt, man kann bei euch auch mit der Bahn anreisen, ihr holt die Gäste dann dort ab. Also die Möglichkeit bietet ihr schon.

  25. Franz Mair:

    Versuchen wir, ich natürlich auch, gerade die Deutsche Bahn, wir sehen es, die Gäste, die anreisen. Sie machen es meist nur einmal, das ist wirklich schade, weil es einfach nie klappt. Also sei es auf unserer Seite oder auf deutscher Seite oder in Österreich. Es ist sehr schwierig mit der Bahn. Was wir sehr stark versuchen und was uns sehr wichtig ist, wir sind zwar auch ein Wellnesshotel, aber für uns ist die lange Aufenthaltsdauer sehr wichtig. Wir sind da im Durchschnitt bei 6,8 Tagen. Das ist verglichen mit den anderen Wellnesshotels, den großen auch bei uns in der Kooperationsgruppe, die liegen meistens bei 4 Tagen. weil es der klassische Wellness-Kursaufenthalt ist. Das wollen wir eigentlich überhaupt nicht haben oder wollen wir nicht haben. Wir sagen einfach, der Gast soll ankommen, der soll wirklich die Woche genießen, der soll erstmal runterfahren und wirklich ganz entspannt hier bei uns Urlaub machen. Und so sind wir natürlich auch imstande, die Anreisen zu minimieren, weil ich natürlich statt zwei Anreisen die Woche eine Anreise habe, die Gäste sind wesentlich zufriedener, wesentlich entspannter und fahren entspannt nach Hause, weil ich erst am vierten Tag eigentlich richtig ankommen kann und so kann ich auch hier unsere Anlage, wir sind kein Ressort, man soll hier nicht vier Tage in der Sauna sitzen, sondern man soll raus, man soll auch die lokale Wirtschaft unterstützen, wir haben hier Geschäfte, wir haben Hütten, alles mögliche und die dürfen natürlich auch ein bisschen was vom Kuchen essen. beziehungsweise sollen das auch, dass alle was davon haben und nicht, dass die Gäste bei uns hier hinkommen und dann vier Tage im Hohen Wald sitzen. Ist natürlich wunderschön hier, kann man machen. Hammer soll rausgehen und die Umgebung genießen.

  26. Sebastian:

    Wunderschöne Schlussworte. Vielen Dank, Franz, für deine Zeit, für die Einblicke.

  27. Franz Mair:

    Bitteschön, gerne.

  28. Sebastian:

    Das war jetzt natürlich nicht die klassische ERN-Podcast-Folge, die man hier vielleicht erwartet, aber ich denke, du konntest einiges mitnehmen. Und es wurde mal wieder aufgezeigt, Nachhaltigkeit, E-Mobilität und all das funktioniert eigentlich nur im Zusammenspiel. Klassisches Stichwort Sektorenkopplung. Und das geht eben auch im Bereich Touristik, wie du hier gemerkt hast. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Hinterlass uns gerne positive Bewertungen bei Apple Podcasts. Und ich freue mich, wenn du bei der kommenden Folge des ERN-Podcasts wieder einschaltest. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.