Linda Boll, Fastned über deren Pläne für das Deutschlandnetz

Im Gespräch mit Linda Boll, Country & Public Affairs Manager Germany bei Fastned

In dieser Folge des Elektroauto-News.net Podcast habe ich mich mit Linda Boll, Country & Public Affairs Manager Germany bei Fastned, über deren Pläne für Deutschland ausgetauscht. Begonnen haben wir bei der Gründung des Unternehmens im Jahr 2012 in den Niederlanden sowie der reine Fokus auf Schnellladetechnologie. Wobei sie stark herausarbeitet, dass die Definition von "Schnellladen" einen deutlichen Wandel erfahren hat.

Statt 50 kW-Lader werden 400 kW-Lader zum neuen Standard. Möglich ist dies, da Fastned alle Fäden in der Hand behält. Ohne Bindung an Energieversorger oder Automobilhersteller kann das Unternehmen selbstgesteuert agieren. Das Unternehmen ist mittlerweile in neun europäischen Ländern aktiv und baut sein Schnellladenetzwerk sukzessiv aus, indem es neue Standorte akquiriert und bestehende Stationen betreibt und erweitert. Eine Herausforderung für sich, wie Linda ausführt.

Im Kontext des Deutschlandnetzes, einer Initiative des Bundesverkehrsministeriums zur flächendeckenden Abdeckung mit Schnellladestationen, konnte Fastned sowohl an Autobahnen als auch in regionalen Bereichen Lose gewinnen. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, seine Präsenz in Deutschland signifikant auszubauen, indem es zahlreiche neue Ladestationen errichtet, die teils vom Bund finanziell unterstützt werden.

Linda erklärt, dass eine Fastned-Station mehrere Ladepunkte umfasst und die Anzahl der Ladepunkte je nach Standort variiert, abhängig von der erwarteten Nachfrage. Fastned setzt dabei auf die neueste Technologie und hat bereits 400 kW Ladestationen in Betrieb genommen, um den Kunden das bestmögliche Ladeerlebnis zu bieten. Dies steht im Einklang mit den Anforderungen des Deutschlandnetzes, im Laufe der Zeit solche leistungsfähigen Ladestationen zu installieren. Die Niederländer gehen hier mit dieser Entscheidung entsprechend in Vorleistung.

Zusätzlich zu den Ladestationen experimentiert Fastned mit Serviceangeboten wie selbstreinigenden Toiletten und plant die Eröffnung eigener Shops, um den Kundenkomfort zu erhöhen. Bisher setzt das Unternehmen in Deutschland nicht auf Batteriespeicher zur Glättung von Lastspitzen, sondern nutzt Softwarelösungen und ist aufgrund der Netzkapazitäten in anderen Ländern jedoch offen für zukünftige Implementierungen. Beziehungsweise setzt dort teilweise schon auf entsprechende Batteriespeicher.

Beim Thema Preissetzung strebt Fastned Stabilität an und vermeidet komplexe Preisstrukturen, um die Elektromobilität nicht zusätzlich zu verkomplizieren. Transparenz in der Preisgestaltung wird als wichtig erachtet, insbesondere im Hinblick auf die neue EU-Regulierung. Dynamisches Pricing steht hierbei zwar zur Diskussion, wird derzeit aber im Alltag keinen Einzug finden. Mehr Details gibt es wie immer im Podcast selbst. Also gerne hineinhören.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen ERN-Podcast-Folge. Es geht mal wieder um das Thema E-Mobilität, um genau zu sein, um das Thema Ladeinfrastruktur. Ich habe Linda Boll zu Gast. Sie ist verantwortliche Country-Managerin für Deutschland, für das Unternehmen Fastned. Aus den Niederlanden kommt, ist das Unternehmen mittlerweile in neun Ländern aktiv, baut dort Schnellladeinfrastruktur auf und hat im Rahmen des Deutschlandnetzes gearbeitet. Drei lose gewonnen, zwei im regionalen Umfeld, eins im Umfeld der Autobahn und darüber habe ich mich mit ihr unterhalten, welcher Ansatz gewählt wird, wie schnell geladen werden soll vor Ort, welche Rolle Service spielt und ob dynamisches Pricing auch bei Fastned Einzug halten wird. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Linda. Viel Spaß damit. Hallo Linda, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns wenig über das Thema E-Mobilität, in eurem Fall speziell Ladeinfrastruktur unterhalten. Du bist heute für Fastned hier am Start. Bevor wir da allerdings tiefer drauf eingehen auf die verschiedenen Punkte, die wir uns ja zuvor rausgesucht haben, stell dich doch gerne mal selbst vor und verliere auch mal ein paar Worte über Fastned für diejenigen, die davon heute zum ersten Mal hören.

  3. Linda Boll:

    Ja, hallo Sebastian. Vielen Dank, dass ich heute hier sein darf. Ich glaube, das ist schon mein zweites Mal, dass ich hier im Podcast sein darf. Vielen Dank dafür. Ja, mein Name ist Linda Boll. Ich leite hier in Deutschland für Fastned unser gesamtes deutsches Team. Und das bedeutet, ich schaue von vorne bis hinten zu, dass bei Fastned alles gut funktioniert, gemeinsam mit einem mittlerweile 25-köpfigen Team zusammen. Das bedeutet, ich schaue mit dem Team, welche neuen Standorte wir akquirieren, wie wir die umsetzen und wie wir die auch weiter betreiben und stehe dazu natürlich auch eng im Kontakt mit unseren Kollegen in unserem Headquarter in Amsterdam. Ich mache das mittlerweile seit drei Jahren.

  4. Sebastian:

    Stimmt, hast du richtig erkannt. Du warst tatsächlich schon mal bei uns zu Gast, aber dennoch darfst du für die neuen ZuhörerInnen dann auch noch mal ein paar Worte über Fastned verlieren. Wer seid ihr? Was macht ihr?

  5. Linda Boll:

    Natürlich, sehr gerne. Also Fastned wurde 2012 in den Niederlanden gegründet und ist eines der ersten Unternehmen auf der ganzen Welt, würde ich fast sagen, das sich ausschließlich dem Thema Schnellladeinfrastruktur verschrieben hat. Und 2012 bedeutete Schnellladen noch 50 kW. Mittlerweile sprechen wir da von ganz anderen Dimensionen. Und Fastned, ja, wie gesagt, ist ein unabhängiges Unternehmen, wir machen nur Schnellladen, wir machen nichts anderes, wir sind kein Energieversorger, wir gehören nicht zu einem Autobauer und das macht uns, machte uns relativ einmalig in diesem Markt und das bedeutet auch, in allem, was wir tun, sind wir nur unseren Kundinnen und Kunden verpflichtet und das macht uns, glaube ich, auch als Marke aus.

  6. Sebastian:

    Das auf jeden Fall. Und eure Optik macht euch ja auch ein Stück weit aus, muss ich ganz ehrlich sagen. Daran erkennt man euch ja auch ganz gut. Ihr seid ja immer an der Autobahn an den gelben Dächern zu erkennen.

  7. Linda Boll:

    Das stimmt. Also klar, Marketing ist für uns unglaublich wichtig als Marke, die sich auch neu etablieren musste in den Niederlanden, aber auch in all den neuen Ländern, die jetzt mit dazukommen. Wir sind mittlerweile in neun europäischen Ländern vertreten. Und da ist es ganz wichtig, dass wir einen starken Markenauftritt haben. Der wird stark durch unsere gelben Dächer widergespiegelt. Also die sind nicht nur gelb, die bestehen aus Holz und aus gelbem Metall und den Solarpanels, die da auch noch oben drauf sind. Und das soll ganz genau diesen Signaleffekt auch haben für die Kundinnen und Kunden, die vorbeifahren. Persönlich war es bei mir genau der gleiche Effekt. Ich habe in den Niederlanden gelebt und habe irgendwann mal gegoogelt, was sind denn eigentlich diese gelben Dächer entlang der Autobahn? Und wir hoffen, dass dieser Effekt auch andere Leute dazu bewegt, sich mit der Elektromobilität auseinanderzusetzen und vielleicht dann auch mal Kunde oder Kundin bei uns zu werden.

  8. Sebastian:

    Definitiv ein optischer Anknüpfungspunkt, der dann eben ja vielleicht dazu anregt, auch mal vorbeizuschauen bei euch eben an den Ladeplätzen. Du hast es eben gesagt, ihr seid aus den Niederlanden gestartet, seid mittlerweile in neuen Ländern aktiv, mittlerweile auch in Deutschland gestartet und im Rahmen des Deutschlandnetzes bzw. in der Ausschreibung dafür habt ihr ja auch losergattern können. Vielleicht magst du da ein paar Worte dazu verlieren, weil das wird ja der nächste größere Schritt sein, um dann eben hier auch in Deutschland noch publik zu werden.

  9. Linda Boll:

    Ja, auf jeden Fall. Also wir sind bereits seit 2018 in Deutschland aktiv. Da haben wir uns in Deutschland firmiert. Wir sitzen hier in Köln, da sitzen wir auch weiterhin und haben dann auch relativ schnell unsere erste Station eröffnet an der A3 in Limburg. Die funktioniert auch immer noch sehr gut und da sind wir sehr stolz drauf. Die haben wir auch letztes Jahr sogar noch erweitert. Und unsere Herangehensweise in Deutschland war bisher die, dass wir Stück für Stück uns, Grundstück für Grundstück, In anderen Ländern war das so, dass wir oft mit einem Wurf, mit einer großen Ausschreibung oft seitens der Regierung direkt mal 20, 30, 40 Standorte auf einen Schlag bekommen haben. Das war bisher in Deutschland nicht so. Und deswegen waren wir da wie die fleißigen Eichhörnchen unterwegs und haben uns unsere Standorte abseits der Autobahn, oft entlang von Autobahnausfahrten einzeln gesichert. So, und jetzt kam dann vor mittlerweile zwei, drei Jahren fast, das Deutschlandnetz ins Spiel. Und das wurde vom Verkehrsministerium, Bundesverkehrsministerium ins Leben gerufen, mit dem Ziel, eine flächendeckende Abdeckung Deutschlands mit Schnellladestationen herzustellen. Und dieses Deutschlandnetz hat sich in zwei Teile aufgeteilt. Das eine, da geht es um eben Standorte entlang der Autobahn an unbewirtschafteten Rastplätzen und der andere Teil des Deutschlandnetzes bezieht sich auf die sogenannten Regionallose. Da geht es um über 900 Suchräume, die sich über ganz Deutschland verteilen und innerhalb dieser 900 Suchräume sollen in den nächsten Jahren dann auch 900 Schnellladestationen entstehen. Und ja, du hast es schon gesagt, Fastned war in beiden dieser Ausschreibungen erfolgreich. Ich kann sagen, da ist ganz schön viel Arbeit reingeflossen. Unsererseits ein kleines Team und haben da sehr viel Arbeit reingesteckt, dass wir da mit erfolgreich sein können. Denn für uns bedeutet das, Deutschlandnetz ist ein Startschuss, wirklich nochmal ein neuer Startschuss. Für Schnellladeinfrastruktur in Deutschland. Es wurde bisher sehr, sehr viel aufgebaut. Wir haben ein Netzwerk von knapp 40 Stationen errichtet auf die Eichhörnchenart und Weise, wie ich es gerade erwähnt habe. Und andere CPOs, Chargepoint Operators, haben auch sehr viel investiert und mit dem Deutschlandnetz wird jetzt dann nochmal weitergehen. Ja, was draufgesetzt. Und ja, wir sind da unglaublich stolz, dass wir in der Regionallos-Ausschreibung zwei Lose ergattern konnten. Und das sind insgesamt 92 Suchräume, meistens, also hauptsächlich im Westen und Südwesten Deutschlands verteilt. Und da sind wir jetzt fleißig dabei, Standorte zuzuordnen. auch weiterhin zu sichern, denn da ist die Aufgabe weiterhin bei uns, die Standorte zu sichern. Wir werden dann im Bau und Betrieb finanziell vom Bund unterstützt. Und letzte Woche, also im Februar, wurde dann jetzt auch bekannt, dass wir im Rahmen der Autobahnausschreibung auch ein Los ergattern konnten. Und das bedeutet, dass wir 34 Standorte entlang der Autobahnen, hauptsächlich im Norden Deutschlands, mit schnellerer Infrastruktur ausstatten dürfen.

  10. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns das schon mal abgeholt hast und auch eben nochmal diesen wichtigen Unterschied zwischen Autobahn nah als auch dann eben regionalen Dosen erläutert hast. Vielleicht magst du uns noch ausführen, was das mit den Standorten auf sich hat. Du hast eben von 34 Standorten gesprochen, da sind dann aber nicht eben nur 34 Ladepunkte, sondern da können dann pro Standort auch eben unterschiedlich viele Ladepunkte, Lademöglichkeiten vorhanden sein.

  11. Linda Boll:

    Genau, also wenn Fastned von einem Standort oder einer Ladestation spricht, dann beinhaltet diese Station immer mehrere Ladepunkte oder Ladesäulen. Das ist natürlich die Terminologie, ist gut, dass du das klärst. Ein Standort hat auf jeden Fall mindestens vier oder sogar acht oder sechs Ladepunkte. Das heißt vier bis acht oder entsprechend zwölf, im Rahmen des Deutschlandnetzes teilweise auch 16 Autos können dann gleichzeitig bei uns laden.

  12. Sebastian:

    Das macht ihr eben aber eh abhängig dann je nach Standort sozusagen, eher im urbanen Raum, wo jetzt vielleicht nicht so viel Ladebedarf ist wie an der Autobahn im Vergleich dazu, wird da eben dann auch abgestuft bei euch.

  13. Linda Boll:

    Wenn es, ja sowieso, genau, das schauen wir uns dann ganz individuell an, wie viel Ladeinfrastruktur pro Standort benötigt wird. Im Rahmen des Deutschlandnetzes werden dazu aber auch relativ klare Vorgaben gemacht. Also da wurde seitens des Bundes eine Bedarfsanalyse ausgeführt und da wurde hochgerechnet, wie viel Bedarf an Ladeinfrastruktur da ist. für die nächsten 10, 20, 30, 40 Jahre sein wird. Und da wird uns dann auch vorgegeben, wie viele Ladepunkte wir dann an welchem Standort zu errichten haben.

  14. Sebastian:

    Aber habt ihr dann trotzdem auch die Möglichkeit, so wie du es ja vorhin an dem ersten Standort Köln A3 genannt hattest, den auch im Nachgang dann nochmal zu erweitern? Wenn ihr selbst seht, okay, aufgrund der Zahlen, Daten, Fakten, die vorliegen, es würde sich anbieten, dass wir noch ein paar Ladepunkte hinmachen, dass ihr die dann eben auch errichtet.

  15. Linda Boll:

    Ja, also abseits der Autobahn und im Rahmen der Regionallose ist das auf jeden Fall möglich. Und natürlich ist es auch im Interesse des Bundes und der Autobahn GmbH, dass sich da keine Schlangen bilden und dass die Leute weiterhin Vertrauen in diese Ladeinfrastruktur haben. Von daher hat man da auch, ich meine, das ist ja im Markt mittlerweile fast gängige Praxis, dass man Ladeinfrastruktur dann auch erweitert und zusätzliche Ladepunkte hinzufügt. Also das wird auf jeden Fall auch weiter so sein. Und so sind wir bei Fastned auch schon lange verfahren. Das eine ist natürlich wirklich die physische Erweiterung einer Station. Das haben wir jetzt in Limburg so gemacht. Da haben wir noch einen Teil ans Dach rangefügt und haben dann noch weitere Pflasterfläche errichtet und dann eben zusätzliche Ladesäulen aufgestellt. Man kann natürlich auch einen Standort erweitern, indem man schnellere Ladesäulen aufstellt. Denn je schneller man lädt, desto schneller sind die Autos wieder weg. Und das ist die andere Art und Weise, auf die wir dann unsere Stationen upgraden.

  16. Sebastian:

    Da bringst du ja auch schon den guten Übergang für uns jetzt her. Mit der schnelleren Ladeinfrastruktur, da geht ihr eben auch den Weg, dass ihr jetzt auch, ich sage mal, euch an der oberen Grenze positioniert. Wird das für, also kannst du uns erstmal gerne ausführen, was da der Ansatz ist, den ihr verfolgt und ob der Ansatz eben für all diese Standorte verfolgt wird oder ob ihr da auch eben nochmal abstuft, je nach Regionalität und Bedarf.

  17. Linda Boll:

    In der Tat, also ich sagte eben schon zur Einleitung, wir sind ein Schnellladeunternehmen und das, was als schnelles Laden definiert wird, hat sich natürlich in der Zwischenzeit, in den letzten 10, 12 Jahren sehr verändert und mittlerweile sind wir uns glaube ich alle einig, dass eine 50 kW Ladesäule nicht unbedingt mehr zu den schnellsten im Markt zählt und Deswegen war für uns immer klar, dass wir weiterhin zu den Pionieren zählen wollen, was schnelles Laden angeht. Und deswegen haben wir bereits vor über einem Jahr angefangen, mit 400 kW Ladesäulen zu experimentieren. Wir haben verschiedene Pilotprojekte gemacht, denn natürlich ist so eine neue Technologie, Funktioniert ja vielleicht auch nicht direkt auf Anhieb und da haben wir uns verschiedene Modelle auch angeschaut und haben dann im Laufe von 2023 auch die ersten 400 kW Ladesäulen aufgestellt. Zum Beispiel haben wir in unserem Ladepark Kreuzhilden Auch in der Nähe von Düsseldorf haben wir die ersten 400 kW Ladesäulen dann auch installiert und wollen einfach unseren Kundinnen und Kunden immer das beste Ladeerlebnis bieten und dazu gehört eben auch das schnellste Ladeerlebnis. Plus zusätzlich wurde auch oder wird auch im Rahmen des Deutschlandnetzes gefordert, dass man vielleicht nicht direkt zu Beginn, aber im Laufe der Vertragslaufzeit 400 kW Ladesäulen oder Ladesäulen, die bis zu 400 kW gleichzeitig an zwei Ladepunkten hergeben können, dann auch installiert. Und dem wollten wir dann auch vorgreifen und sehen uns. Für uns ist das eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass wir versuchen, immer die beste Technologie und die Technologie, die auch am wenigsten störungsanfällig ist, unseren Kundinnen und Kunden dann auch anzubieten.

  18. Sebastian:

    Du hast es ja eben auch erwähnt gehabt, das liegt ja in eurer DNA, Schnellladeinfrastruktur aufzubauen, diese zu betreiben. Und dann ist es ja an sich auch nur konsequenter, eben auch auf die schnellste Schnellladeinfrastruktur zu setzen. Nochmal die Frage, um es aufzugreifen, du hast nicht so ganz klar darauf geantwortet. Werden die 400 kW dann überall gesetzt an den Standorten oder wird eine Abstufung stattfinden?

  19. Linda Boll:

    Achso, Entschuldigung, den Teil habe ich vergessen. Im Rahmen des Deutschlandnetzes werden die an allen Standorten aufgestellt werden.

  20. Sebastian:

    Vielen Dank für die Ausführung, weil das macht ja auch nochmal einen Unterschied vielleicht zu Marktbegleitern von euch, die da einen anderen Ansatz wählen. Aber natürlich spart ihr euch in Anführungsstrichen auch den RR im Nachgang nochmal nachzurüsten, wenn dann eben die Forderungen aus dem Deutschlandnetz, aus den Losen wahrgenommen werden müsste.

  21. Linda Boll:

    An unseren regulären Fastned-Standorten schauen wir uns das natürlich auch genau an, was wir denken, dass die erforderliche Ladesäulenkapazität dann auch ist. Und da kommt es natürlich auch vor, dass wir dann jetzt auch an der neuen Station nicht unbedingt direkt überall 400 kW Lader installieren. Und wir haben auch teilweise noch Standorte, wo langsamere Lader auch installiert sind. Das ist hauptsächlich an unseren Supermarktstandorten, wo wir einfach merken, dass die Aufenthaltsdauer sich reduziert. ja auch in der Ladeschnelligkeit dann wiederfinden kann und soll. Denn für uns ist es wichtig, dass unsere Ladesäulen ausgelastet sind und deswegen setzen wir die 400 kW Ladesäulen hauptsächlich an Stationen erstmal mit sehr hoher Auslastung ein, wo wir auch dann sicherstellen wollen, dass die Leute schnell wieder losfahren können.

  22. Sebastian:

    Das ist ja auch vollkommen verständlich, dass man diesen Ansatz dann da fährt. Du hast es jetzt vorhin auch erwähnt, als wir es über die Optik sozusagen hatten, hattest du mit reingebracht, ihr habt PV-Anlage auf dem Dach drauf. Wird diese PV-Anlage für den Strom der Schnelllader genutzt oder greift ihr da auf Grünstrom zurück und der Strom von der PV-Anlage wird dann eher für Beleuchtung beispielsweise verwendet?

  23. Linda Boll:

    Letzteres, also wir beziehen 100 Prozent Ökostrom über unsere Stromverträge, über unsere Trafos. Und natürlich reicht die PV-Anlage nicht aus, um die Menge an Strom und die Geschwindigkeit auch zu liefern, die wir dann im Endeffekt auch benötigen, um unsere Kunden zu bedienen. In der Tat nutzen wir aber natürlich den Strom, der da hergestellt wird. Zum Beispiel haben die Ladesäulen ja auch einen Eigenstromverbrauch. Der wird dann teilweise auch über die PV-Zellen gedeckt. Wir haben auch Kameras an den Stationen. Wir haben verschiedene kleinere technologische Themen, die dann eben durch den Strom aus der PV-Anlage gedeckt werden, ja.

  24. Sebastian:

    Und wie schaut das im Hinblick auf Service aus, wenn wir jetzt mal klassisch einfach PC denken oder auch ein kleiner Shop? Gibt es sowas an euren Standorten? Ist sowas angedacht?

  25. Linda Boll:

    Absolut. Je nach Standort gibt es das auch schon. Meist dann nicht, also bisher noch nicht durch Fastned selber zur Verfügung gestellt, sondern durch Standortpartner, Bäckereien, Fastfood-Restaurants, die dann in der Nähe sind. Und wir haben an einigen Standorten, wo das eben nicht der Fall ist, auch jetzt in den letzten Monaten mit WC-Anlagen pilotiert. Wir haben an unserer Station in Aschaffenburg die erste selbstreinigende Toilette auch aufgestellt, was für uns auch ein Experiment ist. Man glaubt gar nicht, wie teuer solche Toiletten sind. Und wir müssen uns das natürlich auch gut durchrechnen, wie sich das dann im Gesamt-Business-Case für so eine Station dann auch wieder reinholen lässt. Und auch im Rahmen des Deutschlandnetzes, aber auch unabhängig davon, ist in der Planung, dass wir im Laufe dieses Jahres dann auch die ersten Fastned-Shops wirklich auch eröffnen werden. Also da laufen gerade die Vorbereitungen auf Hochtouren.

  26. Sebastian:

    Wahrscheinlich auch mit dem Hintergrund, dass so ein zusätzliches Serviceangebot in Zukunft eben auch einen Unterschied dafür machen wird, wo der E-Auto-Fahrer, Fahrerin dann auch laden geht.

  27. Linda Boll:

    Na klar, die Konkurrenz schläft nicht und wir sehen ja auch, dass im Markt bereits verschiedene Lösungen bestehen und wir schauen uns das mit sehr großem Interesse an und wollen da auch unsere ersten Schritte selber wagen und schauen ganz genau, was da passiert, denn in der Tat, man soll sich beim Laden wohlfühlen. Und das bedeutet auch, vor allem wenn man lange unterwegs war, natürlich braucht man da eine Toilette, da will man sich mit einem Kaffee oder einer Cola oder einem Snack versorgen. Das sehen wir ganz genauso und für uns geht es jetzt mehr darum, wie wir das dann im Endeffekt umsetzen.

  28. Sebastian:

    Was für mich relevant wäre oder was man auch ab und zu hört, wenn man eben über Aufbau von Schnellladenetzen spricht, sind Batteriespeicher, die mit zum Einsatz kommen. Auf sowas setzt ihr im Moment gar nicht, um da irgendwie, ich sag mal, Lastspitzen zu überbrücken.

  29. Linda Boll:

    Bisher noch nicht. In Deutschland machen wir das hauptsächlich auch über Software, die uns hilft, die im Hintergrund läuft und eben die Lastspitzen versucht auszugleichen, sodass wir da keine Überraschung bei der Stromrechnung am Ende des Monats haben. Wir sehen das mehr und mehr auch zum Beispiel in den Niederlanden, in unseren Nachbarländern gibt es ganz schön große Probleme, was die Kapazität der Stromnetze angeht. Und da werden teilweise schon Anfragen für Netzanschlüsse negativ beschieden, weil die Stromnetze es im Hintergrund nicht mehr schaffen, diesen ganzen Bedarf zu decken. Und da gibt es natürlich für uns dann Anwendungsfälle, was Batterien etc. angeht, ist natürlich auch ein großes Investment. Und deswegen auch das ist ein Thema, wo wir im Laufe dieses Jahres große Schritte nach vorne machen werden. Für Deutschland bisher aber, wie gesagt, noch nicht absolute Priorität. Das ist eher woanders.

  30. Sebastian:

    Du kommst auch immer wieder auf die Kosten zu sprechen, also da achtet ihr ja schon gezielt drauf. Wenn wir jetzt Kosten so ein bisschen rüberbiegen auf die Strom- oder auf die Ladepreise, wird dynamisches Pricing bei euch eine Rolle spielen? Spielt das schon eine Rolle bei Fastned?

  31. Linda Boll:

    Wir haben uns da über die letzten Jahre auch schon sehr intensiv mit auseinandergesetzt. Und um deine Frage nochmal einzufangen. Natürlich spielen die Kosten bei uns eine Rolle. Also wir sind ja ein Unternehmen, wir wollen weiter bestehen. Wir machen das ja nicht aus Spaß, dass wir hier Millionen von Euro investieren, um die Ladeinfrastruktur der Zukunft auszubauen. Natürlich rechnen wir uns das alles gut durch. Klar, die Preise spielen da auch eine Rolle bei. Im Moment sind wir eigentlich ganz froh, dass wir einen relativ stabilen Preis halten können. Zu Beginn des Ukraine-Krieges und vor zwei Jahren ungefähr waren die Strommärkte einiges volatiler als jetzt. Da kamen ja auch die Themen wie Strompreisbremse etc. ins Spiel. Das hat uns sehr viel Sorge gemacht und da mussten wir auch dann unsere Preise mehrmals anpassen, teilweise nach oben, teilweise nach unten. Im Moment sind wir ganz froh, dass es stabil ist und ich glaube auch, derzeitigen Markt ganz gut tut, wenn nicht allzu komplexe Preismodelle vorherrschen, einfach weil doch die Skepsis sehr vieler Leute der Elektromobilität gegenüber noch relativ weit verbreitet ist und wir uns als Branche keinen Gefallen tun, wenn wir die Preisgestaltung noch komplexer machen, als sie sowieso schon ist. Und deswegen sind wir auch ganz froh darüber, dass es zum Beispiel jetzt über die A4, also die neue EU-Regulierung, dann auch paar Einschränkungen gibt oder dass zumindest darauf hingearbeitet wird, dass die Preissetzung um einiges transparenter wird, als sie teilweise jetzt ist. Und deswegen, um deine Frage zu beantworten, klar, wir überlegen öfter mal, was dynamisches Pricing im Endeffekt ja auch bedeutet. Warum macht man das? Macht man das, um mehr Kunden an die Station zu locken oder macht man das, um den Kunden genau den besten Preis zu geben? Da gibt es natürlich auch verschiedene Blickwinkel drauf und das ist auf jeden Fall auch was, mit dem wir uns auseinandersetzen.

  32. Sebastian:

    Dann würde mich jetzt zum Ende hin einfach nur noch interessieren, ab wann geht es los mit dem Aufbau der neuen Standorte? Habt ihr da eine Agenda? Wissen wir schon, okay, 2024 geht es schon in großen Zügen oder seid ihr jetzt erst noch in dieser Planungsphase oder beziehungsweise auch Gründstückallokationsphase, wo ihr quasi auch erst noch die Standorte erstmal in die eigene Hand bringen müsst, bevor ihr dann da planen könnt?

  33. Linda Boll:

    Also der erste Standort im Rahmen des Deutschlandnetzes, den haben wir ja sogar schon eröffnet, das war im Dezember 2023 in Düren. Also von daher, einen von den 92 Standorten haben wir schon. Jetzt sind es nur noch 91, die wir schaffen müssen. Aber in der Tat, für den Großteil dieser Standorte befinden wir uns jetzt erst mal 2024 noch in der Planungsphase. Wir sind dabei, viele Verträge abzuschließen, Baugenehmigungen einzureichen, Netzanschlüsse anzufragen und all die Sachen dauern mehrere Monate auf jeden Fall. Deswegen eine konservative Rechnung. Da erwarten wir die ersten Standorte Anfang nächsten Jahres.

  34. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns abgeholt hast, Linda. Auch vielen Dank für die Einblicke von Fastned hier in Deutschland, wie die Reise weitergeht. Und freue mich, wenn wir uns dann irgendwann demnächst zum dritten Mal hier wieder hören, wenn du dann von dem Erfolg berichtest, wie die verschiedenen Standorte hier in Deutschland besetzt wurden und angekommen sind.

  35. Linda Boll:

    Ja, vielen Dank für die Einladung und ich kann vielleicht noch als letztes sagen, um all das umzusetzen, brauchen wir natürlich noch viele helfende Hände und schlaue Köpfe. Von daher lohnt sich immer ein Blick auf unsere Recruiting-Webseite, wenn ich das hier als kleinen Werbeblock noch mit einbauen darf.

  36. Sebastian:

    Das darfst du auf jeden Fall und wir bringen auch in die Show Notes gerne den Link dazu unter.

  37. Linda Boll:

    Super, vielen Dank.

  38. Sebastian:

    Das war sie also, die aktuelle ERN-Folge mit Linda Boll über das deutsche Netz oder den deutschen Netzausbau von Fastned. Die Pläne dafür, die Rolle von Service bei einem Ladenetz. Und wie man das eben auch in Zukunft selbst angehen will. Und ob man eben über das Thema Dynamisches Pricing nochmal nachdenkt. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Auch zum Ende hin, wo ein bisschen die Bauarbeiten bei meinem Nachbar gestört haben. Aber ich hoffe, dass er das Hörgefühl nicht zu sehr getrübt. Und würde mich freuen, wenn du kommende Woche wieder bei uns einschaltest im E-Ein-Podcast. Mach's gut, bis dahin. Ciao.