Kumpan electric: "E-Mobilität darf nicht mehr erklärt werden!"

Im Gespräch mit Patrick Tykesson

"E-Mobilität darf nicht mehr erklärt werden!", so die Aussage von Patrick Tykesson, einem der drei Gründer von Kumpan electric. Gefallen ist diese in der aktuellen Folge des Elektroauto-News.net Podcast, als Patrick mir die Möglichkeit gegeben hat ein wenig hinter die Kulissen des mittlerweile über zehn Jahre alten Unternehmens zu blicken, welches er mit seinen beiden Brüdern Daniel und Philipp von Grund auf aufgebaut hat. Neben gelebten "Start-Up Klischees" erfährt man aber vor allem wie früh die Drei ihre Vision von Nachhaltigkeit bereits ausgelebt haben.

Eine Vision, welche die Brüder in den vergangenen Jahren angetrieben hat und auch die kommenden Jahren antreiben wird, wie Patrick zu verstehen gab. Dabei zeigt er aber auch auf, dass sich Visionen verändern können und teilweise gar müssen. Das hörst du dir aber am besten selbst an.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du auch diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mal mit einem etwas anderen Thema der E-Mobilität beschäftigen und zwar der E-Mobilität im Bereich der Zweiräder. Zu Gast hatte ich Patrick Tykesson im Gespräch, der einen Einblick hinter die Kulissen von Kumpan Electric gegeben hat. Kumpan Electric vertreibt auf dem deutschen Markt, aber auch europäischen Markt und darüber hinaus E-Roller. Mittlerweile vier verschiedene Modelle, die man da auf die Straße gebracht hat. Seit neuestem auch ein 100 kmh Roller mit Wechselakkus. Sprich, Akkus können entnommen werden, können daheim an der heimischen Steckdose geladen werden und dann wieder dem Roller eingeführt werden, um dann eben auch wieder flexibel zu sein. Die Reichweite richtet sich je nach Modelle unterschiedlich, hat uns Patrick im Gespräch aber auch erklärt. Das Besondere an dem Unternehmen, es war schon relativ früh im Bereich der E-Mobilität tätig, 2010 ist es an den Start gegangen. Die Idee kam damals 2009 auf, als die ersten E-Bikes auf die Straße gekommen sind oder so langsam dieser E-Bike-Hype aufgekommen ist. Zu diesem Zeitpunkt haben sich Patrick und seine zwei Brüder im Gedanken darüber gemacht, dass man ja auch die klassischen Verbrenner-Zweiräder, also Roller, Mower und so weiter auch elektrifizieren könnte. und hat dann auch relativ kurzfristig danach den ersten E-Roller auf die Straße gebracht. Das Besondere daran, was man nicht unerwähnt lassen sollte, was aber leider im Gespräch ein wenig untergegangen ist, die E-Roller von Kumpan Electric werden in Deutschland produziert, also auch mit entsprechend hohen Qualitätsstandards. Mehr zum Unternehmen an sich, zu der Idee, zur Vision, zur weiteren Entwicklung, jetzt aber direkt im Gespräch mit Patrick. Viel Spaß! Hi Patrick, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir gemeinsam hinter die Kulissen von Kumpan Electric schauen. Üblicherweise ist es bei uns auf der Plattform so, so wie ich dir im Vorgespräch auch erklärt habe, dass wir uns zwar auch im Feld der E-Mobilität bewegen, aber dann doch eher im Bereich der vierrädrigen Fahrzeuge. Ihr seid im Bereich der Zweirad-E-Mobilität unterwegs. Bevor wir uns der allerdings widmen, wäre es vielleicht ganz gut, wenn du dich unseren Zuhörern mal vorstellst, dass die auch wissen, mit wem wir es da jetzt im Gespräch zu tun haben.

  3. Patrick Tückerson:

    Ja, hallo Sebastian. Vielen Dank für das Gespräch und es freut mich, dich kennenzulernen auf diesem Wege. Ich bin Patrick Tykesson, einer von drei Brüdern, die Compile Electric 2010 ins Leben gerufen haben. Und bei uns im Hause verantworte ich für die Produktion und Entwicklung und insbesondere das Business Development. Zu mir selbst, ich bin... Ja, verliebt in Technik und Innovation. Und das ist auch der Grund, weshalb ich mich in den Bereich kümmern darf. Und meine zwei anderen Brüder, die verantworten mit ihren Kompetenzen die Bereiche Vertrieb und Marketing. Das macht der Philipp bei uns. Und der Daniel kümmert sich um die finanzielle Kontrolle.

  4. Sebastian:

    Vielen Dank erstmal für den Einblick und deine Vorstellung. Kumpan Electric, ich hatte es schon erwähnt, ist im Bereich der Zweirad-E-Mobilität unterwegs. Vielleicht kannst du auch da nochmal unseren Hörern kurz umreißen, was ihr da genau macht, beziehungsweise am Markt aktuell anbietet.

  5. Patrick Tückerson:

    Ja, gerne. Wir bieten einen voll elektrischen Gefährten und das machen wir mit der Marke Kumpan und der Marke Spruzer. Und insbesondere bei dem Kumpan gibt es bei uns heute vier unterschiedliche Modelle, nämlich ein Inspire, Ignite, Iconic und Impulse. Es handelt sich dabei immer um zwei Räder mit einem Top Speed bis zu 100 Kilometer, je nachdem, für welche Modellvariante ich mich entscheide. Und das Tolle bei unseren Produkten ist, dass wir entnehmbare Akkus haben, die es einem Nutzer ermöglichen, die Akkus mit in die Wohnung zu nehmen, dort zu laden. Also ich bin komplett unabhängig von der Infrastruktur. Und nicht nur das, wir haben... in unseren Produkte technische Features eingebaut, die vor allen Dingen das tägliche Handling nochmal erlauben oder vereinfachen. Und dazu gehört logischerweise eine App, mit der ich vieles Go habe. Ich habe ein TFC-Display, mit dem ich also über Touch auch ganz einfach meine einzelnen Dinge ansteuern kann übers Display. Und ja, der Hintergrund war, dass ihr neben der Mobilität dem Kunden die Möglichkeit geben wollten, dass er ein ganz einfaches Produkt hat, wo er eigentlich gar nicht mehr nachdenken muss. Und ich vergleiche das immer sehr gerne mit wenn du es noch kennst von früher, so ein Tamagotchi. Das Tamagotchi hat einem immer gesagt, wenn es Hunger hat oder Durst hat, und dann musste man es entsprechend füttern. Und das ist so ein bisschen unsere Vision. Wir sagen, unser Kumpan, der muss auch so ähnlich wie ein Tamagotchi funktionieren. Die Elektromobilität darf nicht mehr erklärt werden, sondern das Produkt selber muss sagen, was es braucht und es dem Anwender so einfach machen wie nur möglich in der Nutzung. Das versuchen wir mit unseren Kumpanen und arbeiten da täglich dran.

  6. Sebastian:

    Ja, vielen Dank erstmal dafür. Das Abholen ist ein schöner Vergleich. Natürlich kenne ich das Tamagotchi noch und auch deine Aussage, E-Mobilität darf nicht mehr erklärt werden. ist, denke ich, auch wichtig, einfach, dass wir es mal als normal ansehen und nicht mehr das von außen so betrachten, so was ist denn das, sondern es einfach als gegeben nehmen. Und ich meine, da tragt ihr ja dann echt mit dazu bei, dass ihr diese Einstiegshürden so weit nach unten nehmt. Kann man festhalten, dass ihr für alle eure vier Modelle von Kumpan eben innehmbare Akkus mitbringt, die App-Nutzung und das Touch-Display oder beschränkt sich das dann eher auf die höherpreisigeren Varianten?

  7. Patrick Tückerson:

    Nein, die Features gibt es bei allen vier Modellen. Sie unterscheiden sich eigentlich wesentlich in ihrem Top Speed oder aber in der Anzahl an Akkus, die ich mitnehmen kann, beziehungsweise die im Gesamtsystem integriert sind. Und ansonsten ist es aber so, dass genau diese genannten Funktionen bei allen drei vorhanden sind, bei allen vier vorhanden sind.

  8. Sebastian:

    Okay, das heißt, du hast jetzt gesagt, entnehmbare Akkus oder die Akkus an sich sind auch nochmal unterschiedlich, die ich bei den Modellen dann unterbringen kann. Das wirkt sich ja dann auch dementsprechend wieder auf die Reichweite aus. Jetzt gehe ich mal davon aus, wenn ich da zwei Akkus drin habe, ist es dann auch so, dass beide auch direkt am System angeschlossen sind? Oder muss ich als Fahrer dann irgendwie, wenn die Reichweite des ersten Akkus erreicht ist, da umstöpseln? Wie geht denn das in der Praxis vonstatten?

  9. Patrick Tückerson:

    Ja, also grundsätzlich sind die Akkus identisch. Das heißt, austauschbar. Und in einem Fahrzeug passen bis zu drei Akkus rein. Jetzt ist das wirklich ein modellspezifisches Thema. Denn ich kann in einem... Fahrzeug mit einem Akku nur fahren, mit zwei Akkus fahren oder mit drei Akkus fahren und muss grundsätzlich nichts tun. Das heißt also, das Fahrzeug erkennt einfach, wie viele Akkus ich habe und entlädt somit die Akkus dann parallel oder aber auch einzeln, je nachdem, wie ich das konfiguriere. Und somit kann ich wirklich für meinen einzelnen Use Case das Fahrzeug individuell einstellen. Ein bisschen vergleichbar mit dem Fahrersitz bei einem Auto. Wenn ich da meine Einstellung einmal konfiguriert habe, dann weiß das System, wie es funktioniert und entsprechend agiert dann auch das Fahrzeug mit den Akkus.

  10. Sebastian:

    Vielen Dank schon mal für die Erläuterung. Das leuchtet ja auch ein, dass man das dann eben an den Use Case bzw. den Nutzer anpasst bzw. anpassen kann, dass der dann seine Vorlieben sozusagen mit reinbringt. Jetzt sind wir schon ein bisschen vorgeprescht in die Modelle. Ich wollte jetzt nochmal zurückgehen kurz auf die Geschichte. Du hast jetzt vorhin gesagt, du hast das mit deinen zwei Brüdern gegründetes Unternehmen. Ihr teilt euch das auch. ganz gut auf von den Bereichen, so weit oder so, wie du jetzt auch eingangs erwähnt hattest. Aber wie kam es denn dazu, dass ihr euch 2010 war das ja ungefähr, wo ihr das Unternehmen gegründet habt, dass ihr euch da schon der E-Mobilität beziehungsweise den zwei Rädern verschrieben habt?

  11. Patrick Tückerson:

    Die Idee war in 2009 und Wir haben alle drei schon immer ein Faible gehabt für Technik oder insbesondere Automotive und haben uns damals wirklich überlegt, was ist so das Neue, was kommen wird. Die ersten Elektrofahrräder kamen damals auf den Markt und wir haben eigentlich gedacht, naja, dass es in Form von Elektromobilität bei Fahrrädern gibt, das müsste man doch auch in Form eines Motorrads oder Rollers umsetzen können und haben damals in uns hingesetzt, den Businessplan geschrieben und sind dann zur Bank und ich erinnere mich noch wie heute daran, wie unser Vater damals sagte, wenn ihr es schafft, die Bank zu überzeugen, dass ihr euch einen Kredit gebt, dann gibt es von mir 25.500 Euro und das war dann unser Startkapital und dann ging das doch recht schnell, denn man hat dann irgendwann die Verteidigung unterzeichnet und dann war man beim Notar und wurde es ernst und Dann hieß es zu Hause wieder einziehen, die Garage fit machen und aus dem Wohnzimmer heraus wirklich die Firma gegründet und in der Garage geschraubt und zu dritt dann wirklich von Null angefangen und der Vision jetzt über Jahre mittlerweile hinterhergelaufen und immer eigentlich der Leidenschaft hinterher, was verändern zu wollen, das nachhaltig. Und dass sich dies immer wieder in einem Produkt widerspiegelt, mit dem wir uns vor allen Dingen identifizieren können. Und es gibt nichts Schöneres, als einen Kumpan auf der Straße zu sehen und Man wird nie den ersten Moment oder den ersten Kumpan vergessen, dem man auf der Straße begegnet ist. Und so ist es bis heute. Wenn ich einen Kumpan oder wir einen Kumpan auf der Straße sehen, dann wird ein Foto gemacht und in die WhatsApp-Brudergruppe geschickt. Weil das ist das Schönste zu sehen, dass das Produkt, was man wirklich mit Leidenschaft nach vorne bringt von anderen Leuten, geliebt wird, gelebt wird und den Menschen Freude bringt, nicht nur in ihrer Mobilität, sondern auch einfach beim Fahrspaß.

  12. Sebastian:

    Ja, also der Antrieb ist nachvollziehbar auf jeden Fall. Ich fand jetzt auch schön, wie du dieses Start-up-Klischee dann ausgepackt hast oder wo es auch tatsächlich gelebt hat. Aus dem Wohnzimmer heraus dann angefangen, ist nachvollziehbar. Klar, man hält das Geld zusammen, guckt, dass man nach vorne kommt und investiert natürlich eher ins Produkt. Du hattest in dem Zusammenhang auch gesagt, seitdem seid ihr eurer Vision hinterhergelaufen oder nachgeeifert. Kannst du deine Vision für uns auch einfach, oder nicht deine Vision, eure Vision nochmal in Worte zusammenfassen? Was die Vision von Kumpan Electric war, ist oder auch wird, hat die sich geändert?

  13. Patrick Tückerson:

    Also eine Vision, die verändert sich mit der Zeit. Das ist eine Sache, die auch ganz spannend ist, denn man verändert sich als Unternehmer, auch als Person. Die ursprüngliche Vision war es, jedes Zweirad, welches noch heute Benzin betrieben ist, von der Straße zu verdrängen und durch unseren Roller den Kumpan zu ersetzen. Und dieser Vision halten wir bis heute fest. Wir haben ganz klar das Ziel, dass wir eben nicht mehr diese Verbrenner auf der Straße sehen möchten, sondern wir möchten eine unseren Kumpanen auf der Straße sehen. Aber diese Vision ist mittlerweile viel weiter, denn, das hatte ich eben ja schon mal erwähnt, die Elektromobilität ist eben nicht nur ein Ja, ein Ersatz für die Mobilität. Die Elektromobilität gibt uns die Möglichkeit, die Mobilität als solche auf ein ganz anderes Level zu führen. Ich denke, das sieht man im Automotive-Bereich auf vier Rädern bei Tesla. Denn es gibt ganz andere Gimmicks, ganz andere Möglichkeiten, die die Technologie heute erlauben. Und genau das ist das, was wir auch tun. Wir möchten wirklich... Ja, der Tesla auf zwei Rädern sein und den Leuten, die mitreißen und von der Technologie überzeugen und nicht nur ein Ersatz für die Verbrenner sein, sondern einfach nachhaltige Mehrwerte bieten.

  14. Sebastian:

    Okay, also der Tesla auf zwei Rädern ist ja schon ein Anspruch, mit dem man erstmal gerecht werden muss. Aber ich finde, gerade wie du ja auch eingangs eure Modelle beschrieben hast oder mit den Möglichkeiten, mit denen ihr daherkommt, entnehmbare Akkus, die App, Touch-Display, das ist ja schon mal eine gute Ausgangsbasis. Insbesondere eben der Faktor entnehmbare Akkus hat mich da schon überzeugt, auch im Vorfeld, wo ich mich schlau gemacht habe, weil du das Thema Ladeinfrastruktur, was du ja immer so als negativ oder negativ Negativpunkt Bottleneck bei E-Mobilität im E-Auto-Bereich hast, einfach wegnimmst, weil, wenn ich es richtig verstehe, die Akkus kannst du nehmen und steckst sie einfach daheim an die Steckdose, ne?

  15. Patrick Tückerson:

    Genau, also wir haben eben nicht das Problem, ähm, Denn wir sind komplett unabhängig. Jede 220-Volt-Steckdose ist unsere Ladeinfrastruktur. Der Akku wiegt genau 9,7 Kilo und somit nicht mehr als eine Einkaufstüte. Es ist handlich, einfach zu tragen und es ist eigentlich nur ein Griff. Ich nehme ihn aus dem Fahrzeug raus, trage ihn in meine Wohnung, stecke ihn ans Ladegerät und in wenigen Stunden ist er voll. Das ist komplett individuell und unabhängig und der Riesenvorteil der Zweiradmobilität.

  16. Sebastian:

    Ja, das auf jeden Fall. Jetzt hast du gesagt, du nimmst ihn aus dem Fahrzeug an sich raus. Habe ich auch die Möglichkeit, ihn im Roller zu laden? Oder ist es eben nur diese Plug-and-Play-Lösung, dass ich sage, ich muss ihn tatsächlich rausnehmen und muss ihn dann auch woanders laden? Es könnte ja jetzt auch sein, dass ich den Roller bei mir in der Garage stehen habe, wo ich auch direkt nebendran eine Steckdose habe. Da wäre es ja komfortabler für mich als Nutzer, wenn ich das irgendwie direkt an das Fahrzeug dran bringen könnte.

  17. Patrick Tückerson:

    Ja, du wirst lachen. Gerade in den ersten Jahren haben wir nur festverbaute Akkus verbaut, da es einfach technologisch noch nicht darstellbar war. Und wir mussten natürlich schnell feststellen, ein Produkt, was im urbanen Umfeld ja eigentlich hauptsächlich genutzt wird, das braucht ernehmbare Akkus. Trotz alledem gibt es genau die Kundengruppe, wie du es gerade sagst, die Haus haben, eine Garage haben oder aber vielleicht auch irgendwo an einer Ladesäule mal laden möchten, die brauchen natürlich auch die Möglichkeit und die Bequemlichkeit an der Stelle, dass sie auch von außen laden können. Und das ist bei uns auch, bis auf ein Einstiegsmodell, bei allen anderen möglich. Somit habe ich einfach die Möglichkeit, meinen Stecker vorne dran zu stecken und dann lädt er automatisch alle drei Akkus gleichzeitig. Und bin somit nicht gezwungen, die Akkus rauszunehmen, wenn ich die Lukas an der Arsche habe.

  18. Sebastian:

    Ja, das passt. Also aber auch die Erläuterung von deiner Seite aus, im Bereich der urbanen Mobilität, wo eure Roller eben auch oder hauptsächlich eben zum Einsatz kommen, ist es natürlich so, da ist es wahrscheinlich einfacher, den Akku zu entnehmen und dann an der Steckdose daheim zu laden. Im Bereich der Urbanmobilität, um das auch nochmal aufzugreifen, seid ihr auch im Bereich Sharing unterwegs. Das heißt, eure Roller sind auch in dem Bereich am Start, sprich, die haben dann nicht einen Besitzer, sondern können wahrscheinlich über die App dann auch zugänglich gemacht werden. Wie läuft das ab? Kannst du dazu ein paar Worte verliehen, wie ihr da mit euren Kumpanrollern umgeht?

  19. Patrick Tückerson:

    Also Sharing-Markt ist ein Markt, der in den letzten drei Jahren boomt. Egal, wo auf der Welt ein neues Mobilitätskonzept, individuelle Mobilität wird da ganz stark nach vorne gebracht. Da sind wir natürlich auch mit unseren großen Rollern, nämlich den Kumpan, vertreten. Oftmals denken die Leute ja dann immer nur an die Tretroller. Das Gleiche gibt es aber auch mit den Rollern und Rollern. Du kannst es dir so vorstellen, du meldest dich bei dem entsprechenden Share an, hast deinen eigenen Account, da legst du deinen Führerschein und sonstige Dokumente und kannst dann die Fahrzeuge buchen. Du siehst auf deiner App, wo sich Fahrzeuge in deiner Umgebung befinden, buchst die, springst drauf, lässt los. Ein sehr einfaches und einfaches. angenehmes Konzept für den Alltag und vor allen Dingen für den, der vielleicht nicht regelmäßig eine Strecke fährt, sondern einfach immer spontan sagt, ich möchte eine Tour machen oder kurz einen Kaffee holen oder ein Brötchen holen am Sonntag. Es wird immer mehr genutzt und für uns ganz klar mittlerweile ein sehr großer Bereich der ja, imposant wächst und neben dem B2B-Bereich Delivery einen ganz wichtigen Schwerpunkt hat. Und ja, es ist nicht nur B2C, es ist mittlerweile ganz klar B2B und neben dem Endkunden bedienen wir halt mittlerweile auch genau diese Sharing-Partner und Delivery-Unternehmen.

  20. Sebastian:

    Also auch schön breit aufgestellt dann schon mal von der Vertriebsstruktur sozusagen, was ja auch nur von Vorteil ist, um da langfristig am Markt zu überleben, was ihr jetzt aber auch ja schon die letzten 10, 11 Jahre dann tatsächlich auch erreicht habt und hoffentlich dann noch weitere Jahrzehnte erreichen werdet. Aber für euch gibt es ja auch keinen Stillstand, soweit ich das mitbekommen habe. Jetzt hast du ja vorhin schon angesprochen, ihr habt den ersten deutschen 100 kmh Roller, also sprich der erste Roller, der 100 kmh schnell fahren kann. Das ist ja jetzt aktuell, soweit ich es verstanden habe, das Flaggschiff von euch. Magst du dazu mal ein paar Worte verlieren? Was war der Ansatz dafür, in diesen Geschwindigkeitsbereich dann auch vorzudringen? Ging es da einfach nur um die Signalwirkung am Markt? Aufgepasst, wir können das. Oder gab es auch tatsächlich den Bedarf der Kunden sozusagen?

  21. Patrick Tückerson:

    Da kommen, glaube ich, viele Sachen zusammen. Zum einen die Leidenschaft von uns dreien, auch etwas mehr Speed auf die Straße zu bringen. unsere verrückten Ingenieure, die natürlich auch alles Zweirad-Fanatiker sind und natürlich der Bedarf am Markt. Denn gerade jetzt aktuell in der Corona-Zeit merkt man, dass dieser Individualtransport oder Verkehr, das auf zwei Rädern, enorme Wichtigkeit bekommt. Es gibt ja seit März die Möglichkeit, auch seinen Führerschein für die 125cc-Variante, also das Dekondor zu unserem 100 kmh-Roller, in einem Schnellkurs zu durchlaufen. Und Das sind halt alles Signale, die noch dazukamen, die uns ganz klar gesagt haben, wir müssen diesen Weg gehen. Aber am Ende des Tages ist es. Es ist unser Flaggschiff. Es ist unglaublich toll zu fahren. Du hast eine Beschleunigung, die ist gigantisch. Und dazu kommt natürlich auch mit einem solchen Roller, der 100 kmh Spitze fährt, kannst du dich natürlich auch auf einer Bundesstraße entsprechend bewegen. Du kannst... noch besser mit dem Verkehr mitschwimmen. Es gibt keine Ampel, an der du stehst und nicht an den vier Rädern vorbeiziehen kannst. Und es ist einfach nochmal ein ganz anderes Fahrgefühl. Und die Zielgruppe gibt es noch und nücher, insbesondere auch in anderen Ländern. Gerade Frankreich, Spanien, Portugal sind so Länder, wo primär auch die schnelleren Fahrzeuge verkauft werden. Und es gab und gibt nichts Vergleichbares in der Klasse. Und somit wollten wir beweisen, erstens, wir können das und zweitens, wir wollen es auch einfach selbst erleben.

  22. Sebastian:

    Ich denke, der innere Antrieb ist da schon immer der beste. Und wenn das jetzt von deinen zwei Brüdern und dir kommt und dann auch von euren Technikern, die da schon drauf aus sind und der Markt das noch einfordert, ist das ja, glaube ich, die beste Basis, um dann so ein Fahrzeug auch tatsächlich auf die Straße zu bringen.

  23. Patrick Tückerson:

    Auf jeden Fall.

  24. Sebastian:

    Jetzt hatten wir vorhin über die Akkus gesprochen. Jetzt würde mich da auch noch interessieren. Thema Reichweite spielt bei E-Mobilität im Bereich der Autos ja immer eine Rolle. Ich glaube, einen Roller, da fährt man ja nicht so viel Strecke am Stück. Der ist ja eher für den urbanen Alltag gedacht. Aber mit was kann ich denn da rechnen? Wie weit komme ich denn mit eurem Roller? Gehen wir mal von dem... beliebtesten Modell aus, um da gleich mal zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, dass du da einfach mal sagst, was kommt denn am besten bei euch aktuell am Markt an? Also welches von diesen vier Modellen und wie weit komme ich da im Alltag dann damit? Tja,

  25. Patrick Tückerson:

    Mobilität ist individuell unterschiedlich. Das heißt, auch die Modelle sind individuell. Und so ist eigentlich so, dass der Kunde jedes Mal mit seinem Bedarf zu uns kommt und wir empfehlen ihm, was das beste Produkt dafür ist. Der 45er-Roller bei uns ist einfach schon lange im Markt und ganz klar unser Standbein. Das würde ich auch sagen, ist der Absatz am höchsten. Jetzt ist das neue Modell ja erst seit wenigen Monaten im Markt und läuft ihm gerade den Rang ab, was aber wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass es einfach auch keine Alternative im Markt gibt. Wenn wir den 45 kmh Roller angucken, dann liegen wir bei Reichweiten von ca. 50 bis 60 km mit nur einem Akku. Und in dem Moment, wo ich halt jedes Mal Akku hinzunehme, komme ich auf eine Reichweite von bis zu 180 km. Das Empfehlen wir unseren Kunden meist nicht. Wir sagen, man kauft dir den einen Akku und guckt wirklich, wie dein individueller Bedarf ist. Den zweiten kannst du immer noch nachbestellen. Denn 180 Kilometer Reichweite bis zu 180 Kilometer Reichweite bedeutet natürlich auch, du sitzt mehrere Stunden auf deinem Gefährten und dann tut der Popo weh. Das heißt, das ist eher interessant im Bereich der Delivery-Kunden. Die Reichweite grundsätzlich ist natürlich immer in Abhängigkeit, wie auch beim Auto, Außentemperatur, Gegenwind, Gewicht des Fahrers und hat da eine entsprechende Variabilität drin. Bei unseren Fahrzeugen gibt es unterschiedliche Fahrmodi von Eco bis Sport und auch das hat natürlich wieder einen Einfluss auf die Reichweite. Ich zum Beispiel fahre meist eher sportlich und entsprechend ist dann auch mein Verbrauch. Aber wir haben auch die Möglichkeit, durch eine Rekuperation beim Bremsen etwas Energie zurückzugeben. Bei der 100er KMH-Variante liegen wir bei einer Reichweite mit drei Akkus von irgendwo zwischen 80 und 100 Kilometern. Auch das ist wieder abhängig vom Fahrmodus. Aber auch da, wie du schon sagst, ist es beides für die Mobilität im urbanen Raum und damit vollkommen ausreichend. Und ja, bis jetzt sind wir noch nicht so weit, dass wir ein Tourenfahrzeug anbieten können. Aber das Schöne ist, die Akkutechnologie und die Zelltechnologie, die bewegt sich so rasant, dass da auch in der Zukunft... immer schneller höhere Energiedichten, eine immer größere Reichweite mit sich bringen.

  26. Sebastian:

    Ja, vielen Dank für den Einblick. Jetzt hast du gesagt, mit dem 100 kmh-Roller kommt man 80 bis 100 Kilometer weit. Das sind ja auch so die weit über den typischen, ich sag mal, täglichen Strecken, die man zurücklegt, selbst mit einem Auto. Von daher ja mehr als ausreichend. Wie realistisch ist es denn, dass ich diese drei Akkus über Nacht bei mir wieder auf 100 Prozent bekomme? Ist das handelbar oder muss ich dann am Tag darauf mit weniger Reichweite zurechtkommen?

  27. Patrick Tückerson:

    Das ist handelbar. Also die drei Akkus, die kriegst du über Nacht geladen. Das ist ja das Schöne an der Elektromobilität grundsätzlich, dass man immer glaubt, man braucht eine höhere Reichweite, weil man es ja nie schafft, schnell zu laden. Man hat die Nacht, dort wird es ganz entspannt geladen und wenn das einem immer noch zu langsam ist, dann gibt es bei uns auch noch einen Schnelllader, der entsprechend die Akkus, ich glaube, um ein Dreifaches schneller lädt. Somit kann ich also auch diese Angst dann immer den Kunden nehmen. Dies ist natürlich insbesondere wichtig für unser schnelles Fahrzeug, denn da ist es halt wirklich so, dass ich dann auch bei Top-Geschwindigkeiten auch schnell wirklich die drei Akkus leer fahren kann über zwei längere Strecken und die Kunden nutzen dann oft dieses Schnellladegerät. Ob es notwendig ist, muss dann immer jeder selbst entscheiden. Ich tue es nicht, ich lade über Nacht. Und das mit dem langsamen Laden.

  28. Sebastian:

    Da sind wir auch wieder bei dem Punkt, wo du vorhin gesagt hattest, Einordnung nach Bedürfnis. Sprich, der Kunde kommt mit seinen Bedürfnissen an euch heran. Ihr könnt ihm ein Fahrzeug empfehlen, was dann eben seinen Vorlieben entspricht oder auch da ganz gut reinpasst in das Muster, das er eben hat. Und Gleiches gilt ja dementsprechend dann eben auch für das Laden der Fahrzeuge.

  29. Patrick Tückerson:

    Genau, also das ist das Allerwichtigste. Ich glaube, als Hersteller von Elektro-Zwei-Rädern, das ist zum einen schon in der Entwicklung total wichtig, zu hören, was der Kunde braucht, aber es ist auch im Vertrieb wichtig, zu hören, was der Kunde braucht, denn Elektromobilität darf man keinem aufschwatzen, dann wird der nur enttäuscht, sondern man muss ganz aufmerksam zuhören, was ist der Bedarf des Kunden und Wie kann man das Paket schüren, damit sein Bedarf gedeckt ist? Und dann hat man auch immer einen glücklichen und zufriedenen Kunden. Und wenn das nicht funktioniert, weil jemand sagt, er möchte Touren fahren, dann sage ich auch unseren Jungs im Vertrieb immer und Mädels, bitte, bitte, dann verkauft auch keinen Kumpan. Denn das sind die Kunden, die müssen aktuell vielleicht noch auf den Benziner zurückfahren.

  30. Sebastian:

    Okay, dann auch da vielen Dank dafür für die Einblicke, Patrick. Das war es jetzt an sich auch von meiner Seite aus. War sehr interessant, den Einblick hinter die Kulissen von Kumpan Electric da eben zu bekommen. Jetzt hast du ja schon angeschnitten, Tourenfahrzeug, aktuell noch keine Option, aber mit Ausblick, wenn wir jetzt mal nach vorne schauen, kannst du vielleicht zum Abschluss noch ein paar Worte mit auf den Weg geben, wohin denn die Reise führen soll und wo ihr euch denn vielleicht in den nächsten zehn Jahren seht oder sehen wollt.

  31. Patrick Tückerson:

    Also was auf unsere Produkte bezogen, wird es sehr spannend, was die Forschung der Technologien geht in den nächsten Jahren. Insbesondere die App und die Kommunikation zum Fahrzeug spielt eine ganz große Rolle. Wir werden da sehr viele Mehrwerte kontinuierlich an unser Bestand und zukünftigen Kunden einbringen und Unabhängig davon gibt es natürlich auch weitere Modelle und Fahrzeuge. Wir hoffen, dass wir da Ende dieses Jahres ein weiteres Modell präsentieren dürfen und so soll es auch die nächsten Jahre weitergehen. sind nicht nur Tüftler, sondern auch Visionäre und wir möchten in den nächsten zehn Jahren ganz klar den Markt der Zahnmobilität bestimmen und das durch Innovation und Technologie, denn das ist unsere Leidenschaft und mit entsprechenden Mehrwerten für die Kunden und ja, let's see where it goes und dann haben wir schon wieder 2030.

  32. Sebastian:

    Ja, hört sich gut an. Dann vielen Dank für deine Zeit, Patrick.

  33. Patrick Tückerson:

    Ich danke dir, Sebastian.

  34. Sebastian:

    Und da soll noch mal einer sagen, dass nur E-Mobilität im Bereich von Autos interessant ist. Also nach dem heutigen Gespräch mit Patrick kann ich definitiv festhalten, dass mich die Zweirad-E-Mobilität auch gefasst hat sozusagen und ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt natürlich mal selbst auf so einen E-Roller von Kumpan Electric steigen möchte, um einfach auch dieses Fahrgefühl zu erleben. Ob es dann direkt die 100 kmh Variante ist, fahre ich zu bezweifeln. Aber wieso nicht erstmal mit dem 45 kmh Strom am Beginn? Ich hoffe, für dich war das Gespräch auch interessant, klärreich, informativ vor allem, um einfach auch mal aufzuzeigen, was denn sonst so alles in Deutschland passiert und wo E-Mobilität in unserem Alltag eben so vorkommt. Ich fand es ganz interessant, würde mich freuen, wenn du nächste Woche auch wieder einschaltest bei der kommenden Folge des Elektroautonews.net Podcast und für die heutige Folge eine positive Bewertung auf iTunes hinterlässt. Hilft uns natürlich, die E-Mobilität weiter in die Massen zu bringen. Und das sollte es doch das Ziel sein, oder? So oder so, vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut, bis zum nächsten Mal. Ciao.