Magna Steyr über Elektromobilität und neue Marktchancen

Im Gespräch mit Roland Prettner, President Magna Steyr

Für die aktuelle Folge des Elektroauto-News Podcast hatte ich das Vergnügen, ein ausführliches Gespräch mit Roland Prettner, dem Präsidenten von Magna Steyr, zu führen. Dabei ging es um die Rolle und Bedeutung des Unternehmens in der Automobilindustrie. Prettner stellte sich und Magna Steyr vor und betonte, dass das Unternehmen, das vor 65 Jahren gegründet wurde, heute einer der größten Automobilzulieferer weltweit ist, mit 350 Standorten und 180.000 Mitarbeiter:innen.

Eine interessante historische Perspektive brachte Prettner ebenfalls ein: „Wir feiern heute 125 Jahre Mobilität an diesem Standort. 1899 hat Johann Puch ein Werk gegründet in Graz.“ Diese lange Tradition bildet die Grundlage für die heutige Stärke und Flexibilität des Unternehmens. Prettner erklärte, wie Magna Steyr in den Wandel zur Elektromobilität involviert ist und welche Bedeutung die Produktion des Jaguar I-Pace im Jahr 2018 hatte.

Für unseren Podcast wollte ich von ihm wissen, wie tief Magna Steyr in die Entwicklung solcher Autos involviert ist und Prettner erläuterte, dass sie verschiedene Geschäftsmodelle anbieten: „Wir bieten reine Produktion an. Wir bieten auch reine Entwicklung für Automobilhersteller, die von uns Entwicklungspakete haben wollen an. Und wir bieten Komplettpakete an, wo wir sowohl das Fahrzeug entwickeln als auch produzieren." Spannend war der Fakt, dass Magna Steyr bereits in den späten 80er-Jahren den ersten Fiat Panda Electro entwickelt hat.

Ein zentrales Thema unseres Gesprächs war die Anpassung der Mitarbeiter:innen an die neuen Technologien. Prettner betonte: „Ich glaube, es ist ganz entscheidend, die Mitarbeiter da mitzunehmen und abzuholen.“ Diese Herangehensweise ist besonders wichtig, da der Übergang von Verbrennern zu Elektroautos auch eine Veränderung der erforderlichen Expertise bedeutet.

Die aktuelle Marktentwicklung stellt natürlich auch Herausforderungen dar. Prettner bestätigte, dass sich das Unternehmen stets an die Produktionsschwankungen anpassen muss: „Das war in der Vergangenheit so, das ist auch heute noch so und wir gehen auch davon aus, dass es auch in der Zukunft so sein wird.“ Diese Flexibilität ist entscheidend, besonders in Zeiten, in denen Projekte wie der Jaguar E-Pace und I-Pace auslaufen und neue Projekte wie die elektrische G-Klasse von Mercedes anlaufen.

Wir sprachen auch über die geopolitischen Aspekte und die Chancen, die sich aus den aktuellen Handelsbedingungen ergeben könnten. Prettner berichtete: „Sehr viele chinesische potenzielle Kunden zu uns kommen, wir zu ihnen kommen, die sich mit uns austauschen möchten.“ Diese potenziellen Partnerschaften könnten Magna Steyr helfen, die Produktionskapazitäten optimal auszulasten.

Zum Abschluss unseres Gesprächs wollte ich wissen, was die Zukunft für Magna Steyr bereithält. Prettner zeigte sich optimistisch: „Wir haben vor, noch weitere 125 Jahre hier erfolgreich zu sein.“ Das Gespräch hat einen tiefen Einblick in die dynamische und vielseitige Welt eines der größten Automobilzulieferer gegeben und verdeutlicht, wie wichtig Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der heutigen Industrie sind. Im Detail hörst du dir dies natürlich am besten selbst an.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto News Pro Night Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Roland Prettner zu Gast, seines Zeichens Präsident von Magna Steyr. Und wir haben uns gemeinsam ein Stück weit über den weltweiten Pkw-Markt unterhalten. Welche Auswirkungen, Risiken wie auch Chancen das Ganze für den Automobilzulieferer, Fahrzeugfertiger und auch Entwickler im Bereich Gesamtfahrzeuge das eben hat, mit sich bringt. Wir haben einen Blick drauf geworfen, wo kommt man her, wie gestaltet Magna Steyr aus Graz heraus die Mobilität der Zukunft mit. 2020 hat man im Unternehmen als Jahr des Mobilitätswandels sozusagen ausgerufen, war 2018 mit dem I-Pace relativ weit vorne mit dabei gewesen. bei der Entwicklung und Produktion eines reinen E-Autos und ist da eben auch im Moment derzeit recht aktiv. Nicht nur hier in Europa, auch in China, wie wir von Herrn Prettner erfahren. Und ich würde sagen, wir gehen einfach direkt rein ins Gespräch mit ihm und nehmen einiges an Wissen mit aus 125 Jahren Mobilität aus Graz. Hallo Herr Prettner, vielen Dank, dass Sie heute die Zeit nehmen, dass wir uns ein wenig über Magna Steyr unterhalten. Ja, einem der wichtigsten Automobilzulieferer weltweit. Und auch in Phasen des Antriebswandels spielt die eine entscheidende Rolle, weil eben ihr ja E-Mobilität auch auf die Straße bringt. Vielleicht nicht direkt, aber zumindest für eure Kunden dann sozusagen. Bevor wir da allerdings tiefer eintauchen und ein wenig mehr über Magna Steyr erfahren, stellen Sie sich doch gerne mal selbst vor und welche Rolle Sie bei Magna Steyr einnehmen.

  3. Roland Prettner:

    Guten Tag, Herr Henssler. Es freut mich sehr, dass Sie mich eingeladen haben. Das ist mein erster Podcast, den ich hier mit Ihnen machen darf. Ich bin schon sehr gespannt, wie wir es hinbekommen, aber wir werden das einfach ganz unbelastet angehen. Ich stelle mich vielleicht auch mal zuerst vor. Roland Prettner, ich bin der Präsident der Magna Steyr. Das ist die Gesamtfahrzeuggruppe der Magna International. Wenn man die Magna vielleicht nicht so gut kennt, die Magna ist einer der größten Automobilzulieferer der Welt. Wir sind vor rund 65 Jahren gegründet worden. Das ist ein Unternehmen, das global aufgestellt ist. Wir sind auf 350 Standorten, produzieren wir Produkte für unsere Kunden, haben ca. 180.000 Mitarbeiter und über 40 Milliarden Umsatz. Die Magna Steyr als Gruppe davon, wir sind zuständig für Gesamtfahrzeug. Wir sind rund 12.000 Mitarbeiter, haben ungefähr 5,5 Milliarden Umsatz und produzieren Fahrzeuge hier in Europa, in Graz, aber auch in Xinjiang, in China mit unserem Joint-Venture-Partner BJW.

  4. Sebastian:

    wie schon eingangs von mir erwähnt und auch von Ihnen jetzt gestützt durch Zahlen, Daten und Fakten, kein kleiner Player am Markt und ein wichtiger Player vor allem im Gesamtfahrzeugmarkt, wie Sie es ja ausgeführt haben. Das heißt aber, gerade Graz ist ja dann doch ein entscheidender Markt für euch sozusagen oder entscheidender Standpunkt, weil er aus dem ja schon Jahrzehnte heraus die Mobilität treibt. Wie hat das denn begonnen? Wie hat man sich entwickelt zu dem Player, dem man heute am Markt ist?

  5. Roland Prettner:

    Das ist eine gute Frage. Die Magna Steyr, hat es ja schon als Puchwerke noch viel länger gegeben als die Magner. Wir feiern heute 125 Jahre Mobilität an diesem Standort. 1899 hat Johann Puch ein Werk gegründet in Graz und hat es die Puchwerke Graz genannt. Und das ist ein Mobilitätsunternehmen, das viele Mobilitätsprodukte produziert hat. Fahrräder, wir haben bis zu 400.000 Fahrräder im Jahr produziert. Mopeds, kleine Motorroller, bis zu 270.000 Stück im Jahr. Und auch Motorräder, rund 60.000 Stück. Aber natürlich auch Autos. Der erste Volterrette war ein Puchwagen, der als erster herausgekommen ist, das war 1906. Also durchaus ein Vorreiter auch in der Automobilindustrie. Und mittlerweile haben wir hier auf diesem Standort vier Millionen Fahrzeuge produziert. Das sind jetzt unterschiedliche Fahrzeuge für unterschiedliche Kunden und mehr als 30 Modelle, die wir hier produziert haben für elf unterschiedliche Kunden. Und hier hat natürlich auch immer eine Rolle gespielt, sehr flexibel zu sein und auf diese neuen Anforderungen im Markt schnell agieren zu können. Und dazu gehört zum Beispiel auch, dass wir einer der ersten Spieler waren, die Elektromobilität produziert haben hier im Standort. Zum Beispiel der I-PACE Elektrofahrzeug für Jaguar haben wir hier schon in 2018 produziert.

  6. Sebastian:

    Das ist richtig, das ist ja das erste E-Auto von Jaguar, was ja bei denen auch sozusagen auf dem weißen Blatt Papier entstanden ist. Wie kann man sich das dann vorstellen, wenn wir jetzt mal exemplarisch bei diesem Modell bleiben? Seid ihr in dem Sinne dann reiner Auftragsfertiger, der eine Blaupause hingelegt bekommt und dann heißt, hier produziert mal, dort kommt die Schraube hin, dort wird gelötet, geschweißt? Oder bringt ihr aufgrund eurer Erfahrung, Sie haben es eben gesagt, 125 Jahre Erfahrung aus Graz heraus, bringt ihr euch da aktiv mit ein, geht ihr in die Entwicklung mit rein und bringt sozusagen auch da nochmal einen größeren Mehrwert für die OEMs mit rein?

  7. Roland Prettner:

    Herr Henssler, wir haben unterschiedliche Geschäftsmodelle. Wir bieten an, reine Produktion herzustellen. Machen wir. Wir bieten auch an, reine Entwicklung für Automobilhersteller, die von uns Entwicklungspakete haben wollen. Wir haben auch Elektrofahrzeuge entwickelt. Wenn man sich vorstellt, in den späten 80er Jahren haben wir den ersten Fiat Panda Elektro entwickelt für unseren Kunden. Die sind in Produktion gegangen dann bei uns. Und wir bieten an, Komplettpakete, wo wir sowohl das Fahrzeug entwickeln, als auch produzieren. Das heißt, und das ist uns natürlich auch ein Geschäftsmodell, das uns sehr, sehr zugute kommt.

  8. Sebastian:

    Das leuchtet ein und da könnt ihr wahrscheinlich auch am ehesten eure Stärke ausspielen, weil ihr dementsprechend natürlich wisst, was für Maschinen haben wir da, wie können wir fertigen, was können wir machen und ihr habt ja bestimmt auch einiges gelernt, wenn sie eben gesagt haben, 30 verschiedene Modelle, die sie in den letzten Jahrzehnten gefertigt haben dort am Standort, dann nimmt man ja auch einiges an Know-how dann doch mit.

  9. Roland Prettner:

    Das stimmt. Das ist natürlich eine lange Reise der Mobilität, die wir hier schon hinter uns haben. Sehr viele schöne Projekte hier entstanden. Und ich glaube für uns, wo wir uns ja gerade jetzt in dieser großen Transformation der Automobilindustrie befinden, kommt uns dieses Know-how, diese Erfahrung, aber auch unsere Flexibilität sehr zugute, die jetzt absolut notwendig ist.

  10. Sebastian:

    Da gehe ich auch stark davon aus, der Markt, Sie haben es eben angesprochen, der ist ja in einem größeren Wandel, wie er glaube ich zuvor noch nie war, zumindest so gefühlt, wenn man das beobachtet von außen auch und da doch die eine oder andere Insight bekommt. Ihr habt ja auch in eurer Timeline auf eurer Webseite dann stehen, das Jahr 2020 als das Jahr des Mobilitätswandels ist es beschrieben. Wie kann man sich das vorstellen? War das dann auch das Jahr, wo Magna gesagt hat, okay, wir lassen uns da jetzt vollkommen drauf ein. Ihr habt ja vorher schon 2018 den Schritt mit dem I-Pace getan. Wahrscheinlich lief ja parallel schon was hinter den Kulissen sozusagen dann auch weiter. Also wie kann man das nochmal ein Stück weit einordnen, wenn ihr dann eben dieses Jahr so markant markiert in der Timeline?

  11. Roland Prettner:

    Natürlich 2020 ist einmal eine sehr runde Zahl, muss man dazu sagen, die sich dafür gut anbietet. Wir befinden uns ja in diesem Wandel, jetzt in welchem Jahr das begonnen hat, aber es ist rund um 2020 diese Transformation hin zu softwaredefinierten Fahrzeugen, die Elektrifizierung, die im Markt richtig stattfindet, ist das schon eine gute Zahl und 2020 war natürlich auch, Erinnern Sie sich zurück, das Jahr der Pandemie, wo wir die Produktion stoppen mussten, dann wieder hochgefahren sind. Ein sehr spezielles Jahr, wie wir dann wieder die Produktionen aufgenommen haben in all unseren Standorten. Und wir haben uns in diesem Jahr auch bekannt zur Nachhaltigkeit, auch ein wichtiger Meilenstein für uns. Wir haben uns auch bekannt zu Diversität und Inklusion bei unseren Mitarbeitern, ein weiterer wichtiger Schritt. Erinnern Sie sich zurück, 2021 haben wir einen neuen CEO bekommen mit dem Swami Kotaliri und auch das ist natürlich ein neuer Anstoß für neue Ideen und neue Produktbereiche, die wir angehen.

  12. Sebastian:

    Es ist die eine Sache dann eben zu sagen, wir nehmen uns das an, wir treiben das auch voran, wir lassen uns darauf ein. Wie nimmt man die Mitarbeiter bei so einer Geschichte mit? Weil ich sage mal, es wird ja auch eine andere Art der Expertise benötigt in einem Unternehmen, wenn wir jetzt mal von dem klassischen Verbrenner hin zu einem E-Auto gehen.

  13. Roland Prettner:

    Ja, absolut richtig. Ich glaube, das ist ganz entscheidend, die Mitarbeiter da mitzunehmen und abzuholen. Sie werden das ja vielleicht im Markt auch beobachtet haben. Automobilindustrie war ja immer ein sehr, sehr attraktiver Bereich, wo man arbeiten möchte. Tolle Autos, schnelle Autos machen viel Lärm, sind toll, man kommt überall damit hin. Das hat ja durchaus... Am Image müssen wir auch daran arbeiten, dass wir diese individuelle Mobilität, die für uns alle, für die Menschen, extrem wichtig ist, dass wir die so gestalten, dass sie sicherer wird und sauberer wird und nämlich so, dass sie nicht zulasten dieses Planeten geht. Und um das tun zu können, müssen wir natürlich auch Technologien verändern. Und so das Interesse der Mitarbeiter gewinnen, dass sie an neuen Technologien, an neuen Antriebssträngen dort beitragen möchten, um bessere Autos zu machen, die sicherer sind und sauberer sind.

  14. Sebastian:

    Die Mitarbeiter, also die lassen sich auch darauf ein, die lassen sich auch davon überzeugen, weil ich kenne das von dem einen oder anderen Automobilhersteller. Ich komme auch selbst von einem Automobilzulieferer, wo ich lange Jahre gearbeitet habe. Es ist ja die eine Sache zu sagen, okay, es ergibt Sinn, es ist nachhaltiger, es ist sicherer. Aber es gibt ja dann doch immer noch die Verfechter, dasjenigen, was man kennt und was man eben weiter vertreten möchte. Gelingt das? Gibt es da eben dann auch diesen Change-Prozess? Wird der von euch begleitet, um dann eben auch nachhaltig den Wandel voranzutreiben.

  15. Roland Prettner:

    Das ist ein guter Punkt. Ich denke, natürlich gibt es immer ein gewisses Festhalten an alten Dingen. Es ist auch nicht immer ein Entweder-oder, sondern oft ein Und. Es ist ja auch heute so, dass wir weiterhin Fahrzeuge produzieren mit Verbrennermotoren. Wir produzieren auch Fahrzeuge, die hybrid angetrieben sind. Und wir produzieren reine Elektrofahrzeuge, auch heute. Und diese Die Geschwindigkeit, wie schnell sich jetzt die gesamte Industrie auf Elektrofahrzeuge umstellt, ist ja noch unbekannt. Muss man auch ein bisschen abwarten. Ich glaube, wir sind sehr überzeugt davon, dass der Anteil der Elektrofahrzeuge stetig zunehmen wird. Aber in welcher Geschwindigkeit ist ja auch uns noch nicht bekannt.

  16. Sebastian:

    Das stimmt. Ich glaube, das ist fairerweise keinem am Markt so richtig bekannt, auch weil da ja die Richtlinien, die Leitlinien gerade von der politischen Seite her dann doch immer noch ein bisschen schwammig sind. Und dass ja dann auch die Hersteller und auch Zulieferer ein Stück weit in der Sicherheit ihres Investments dann einbremst. Weil ich meine, man investiert jetzt keine Milliarden in eine Technik rein, die sich ja dann vielleicht doch wieder verschiebt. Das heißt aber für euch, Sie haben es eben gerade ausgeführt, Anstatt entweder oder gibt es eben auch dieses und. Sprich, Verbrenner, E-Autos, Hybride, Plug-in-Hybride laufen jetzt parallel bei euch von den Bändern aktuell. Und das wird wahrscheinlich auch noch dementsprechend lange sein, solange die Nachfrage für die verschiedenen Antriebsarten vorhanden ist.

  17. Roland Prettner:

    Ich denke schon, eine Zeit lang wird es noch so sein. Und es ist für uns natürlich gut, dass wir ein Unternehmen sind, das gelernt hat, sehr flexibel zu sein. Also wir sind... das erste Unternehmen gewesen, dem es möglich war, auf einem Montageband Elektrofahrzeuge, Hybride und auch Verbrenner zu bauen. Und diese Flexibilität ist natürlich jetzt sehr gut, wo es natürlich unbekannt noch ist, wie genau wird sich das Verhältnis ergeben zwischen den Verbrennern, den Hybriden und den Elektrofahrzeugen. Und das kommt uns hier natürlich etwas zugute.

  18. Sebastian:

    Offen gesprochen ist es Ihnen egal, ob es Verbrenner oder E-Autos sind. Jetzt mal rein von der Produktion betrachtet, Nachhaltigkeit mal außen vor, da setze ich einfach voraus, dass man sagt, okay, da geht man auf den nachhaltigeren Antrieb sozusagen. Aber macht das einen Unterschied für euch? Ist das eine besser, das andere schlechter?

  19. Roland Prettner:

    Also in der Fertigung, in der Herstellung selbst gibt es natürlich ihre Unterschiede, aber wir können beides und es ist uns beides recht in der Produktion. Zumindest auf unserem Standort hier in Graz, in unserem Standort in China, dort produzieren wir reine Elektrofahrzeuge. Dort auf Verbrenner noch eine Flexibilität reinzubringen, das wäre schon mit einem gewissen Aufwand auch verbunden. Nicht, dass es nicht möglich wäre, aber das ist dort nicht die Idee. Dort bauen wir Elektrofahrzeuge, dafür sind wir dort auch aufgestellt. Und in Europa können wir beides tun oder alle drei Varianten machen.

  20. Sebastian:

    Das liegt in Europa an der Historie, dass man, Sie haben eben gesagt, schon 125 Jahre Mobilität sozusagen aus Graz heraus und China wird ja entsprechend nachgelagert, erst aufgebaut worden sein, wo man sich dementsprechend auf die Technologie der Zukunft dann wahrscheinlich eingerichtet hat.

  21. Roland Prettner:

    Genauso ist es. Wir sind genauso lange, wie es uns gibt, trainiert worden, flexibel zu sein, weil wir natürlich unterschiedlichste Kunden haben mit unterschiedlichsten Anforderungen und Ideen und das haben wir ganz gut gelernt.

  22. Sebastian:

    Jetzt haben Sie das Wort flexibel schon zum zweiten Mal mit reingebracht. Jetzt ist die Frage, wie flexibel ist man denn bei Stückzahlen? Ist das dann eben nur der große OEM, die ja auch bekannt sind im Markt, die von euch bedient werden oder können auch kleinere Startups, Scale-Ups bei euch eben Kunden werden und dementsprechend am Markt Fuß fassen?

  23. Roland Prettner:

    Ich denke schon, dass wir hier uns sicher leichter tun als vielleicht ein traditioneller OEM, auch niedrigere Stückzahlen gut darstellen zu können. Es bleibt natürlich trotzdem für jedes Unternehmen, gibt es einen Business Case dann, wie viele Fahrzeuge muss ich verkaufen, um die Entwicklungskosten von einem Fahrzeug, um das überhaupt zu entwickeln, dann auch umsetzen zu können in einem Preis, den man verkaufen kann. Und ich glaube, das ist eher das Limit, als unsere Flexibilität nach unten, wie klein die Stückzahl ist, so dass wir es noch gut darstellen können. Da sind wir schon sehr gut aufgestellt.

  24. Sebastian:

    Wenn wir aktuell auf den Pkw-Markt blicken und jetzt nicht mal unbedingt nur E-Mobilität, die ja zumindest in Deutschland dieses Jahr schon stark rückläufig ist im Vergleich zu den Vorjahren, aber auch der gesamte Pkw-Markt, wenn man jetzt mal von 2024 auf 2019 blickt, ist ja auch um gut eine halbe Million Fahrzeuge zurückgegangen in ganz Europa. Also da sind ja schon Einschnitte hinzunehmen. Wie nehmt ihr als Zulieferer, als Auftragsfertiger, als Partner, der mitentwickelt und das Ganze vorantreibt, die aktuelle Situation am Markt wahr? Und wie spiegelt es das auch bei euch im Geschäft wider?

  25. Roland Prettner:

    Wir als Auftragsfertiger, wir leben natürlich davon, wenn es Kapazitätsengpässe gibt bei unseren Kunden, wäre das eine typische Gelegenheit, die es hier gibt. Oder wenn es Fahrzeuge gibt, die... vom Produkt her nicht so gut bei unseren Kunden hineinpassen und besser bei uns darstellbar sind. Also das sind Spezialserien, auf die sich der Kunde noch nicht so gut eingestellt hat, die er dann lieber bei uns und kostengünstiger bei uns produziert. Diese beiden Themen, an denen arbeiten wir. Und natürlich, wenn unsere Kunden mit Absatzzahlen kämpfen, hat das auch Auswirkungen auf uns. Auf der anderen Seite, wie wir schon gesprochen haben, ergeben sich genau in diesen Zeiten, die so dynamisch sind, auch andere Gelegenheiten, die wir ergreifen und die wir nutzen.

  26. Sebastian:

    Da können wir vielleicht gleich mal drauf eingehen, weil im Vorfeld haben wir uns natürlich auch ein bisschen so angeschaut, wie entwickelt es sich. Und da war gerade auch zum letzten Bericht eben in der kleinen Zeitung, dass eure Absätze ja doch deutlich eingebrochen sind. Das habt ihr auch mit den Quartalszahlen bekannt gegeben, weil eben einzelne Modelle, die eben schon länger am Markt sind, auslaufen. Jaguar E-Pace, I-Pace, bei denen ja auch bekannt ist, Jaguar setzt aufs Verbrenner aus, geht jetzt auch hauptsächlich auf eine neue Elektroauto-Plattform sozusagen über. Fisker war ein Thema und auch Ineos, die ja auch bei euch fertigen lassen wollten. Die Projekte sind ja alle gestoppt oder zumindest mal ein Stück weit pausiert worden. Das trifft euch ja auch schlussendlich. Wie geht ihr damit um? Wie schnell könnt ihr da auch drauf reagieren sozusagen? Weil der nächste Automobilhersteller wird ja nicht gerade ums Eck warten und sagen, hey, wir haben da ein Projekt, könnt ihr das zufällig einflotten? Oder ist das vielleicht auch so?

  27. Roland Prettner:

    Es ist natürlich unsere Aufgabe, dass wir in unserer Kostenstruktur reagieren, wo man immer flexible Kosten hat und aber auch fixe Kosten hat, dass wir hier gut aufgestellt sind und dass unsere Fixkosten so klein als möglich sind, weil wir uns auf diese Produktionsschwankungen immer schon einstellen haben müssen. Das war in der Vergangenheit so, das ist auch heute noch so und wir gehen auch davon aus, das wird auch in der Zukunft so sein. So wie wir das jetzt gesehen haben, wir hatten letztes Jahr mehr Fahrzeuge gebaut im ersten Halbjahr als in diesem ersten Halbjahr. Das ist richtig und das hat natürlich auch damit zu tun, dass ein Programm ausgelaufen ist. Und ein neues gestartet hat und das Neue, das gestartet hat, jetzt leider nicht mehr stattgefunden hat, wie wir das schon in der Zeitung gelesen haben. Also dieses Nachfolgeprojekt hat natürlich eine gewisse Lücke verursacht. Aber mit diesen Stückzahlschwankungen haben wir gelernt, umzugehen und wir müssen das auch weiterhin tun. Das ist Teil unseres Geschäfts.

  28. Sebastian:

    Das ist ja auch schlussendlich eine Marktentwicklung, wo ihr ja auch nur geringfügig Einfluss drauf habt, weil das ja auch durch verschiedenste Themen natürlich getrieben wird aktuell. Und das ist ja auch nochmal unabhängig von dem Antrieb, der schlussendlich dann da gefertigt wird, egal ob das jetzt klassischer Verbrenner oder eben E-Mobilität ist bei der ganzen Geschichte. Nichtsdestotrotz werdet ihr euch ja auch Gedanken darüber machen, wo entwickelt sich der Markt hin? Gibt es da aus eurer Sicht eine Interpretation? Seid ihr auch zuversichtlich für das Jahr 2025, dass mit steigenden CO2-Flottenwerten auch wieder die Produktionslosgrößen steigen werden? Oder was für einen Ausblick habt ihr im Moment auf den Markt? Wo soll da die Reise hingehen aus eurer Sicht?

  29. Roland Prettner:

    Also aus unserer Sicht schätzen wir den europäischen Markt als relativ stabil ein, was ja auch traditionell so war. Also die Stückzahlschwankungen über den gesamten europäischen Markt waren ja immer relativ leichte Schwankungen im Vergleich zu anderen Märkten Nordamerika und China. Wir erwarten uns ein bisschen mehr Wachstum über die Jahre in Nordamerika und in China natürlich auch. Also wir schätzen Europa relativ stabil ein. Wir gehen davon aus, dass sich auch für uns wieder die eine oder andere Gelegenheit im europäischen Markt ergeben wird. Und wir sind natürlich auch, beobachten genau jetzt unsere chinesischen potenziellen Kunden, die sich den Markt ansehen und die auch mit uns Gespräche führen.

  30. Sebastian:

    Das ist ja auch tatsächlich ein Thema, wo ihr in Anführungsstrichen ja Profiteur seid von der ganzen Geschichte, die jetzt im politischen Rahmen stattfindet. Stichwort Strafzölle auf Elektroautos, die aus China oder in China gefertigt werden und nach Europa kommen. Das könnte man ja wunderbar umgehen, wenn man die dann eben in Graz fertigen lässt sozusagen. Dann fallen diese Strafzölle ja nicht mehr mit an. Sie haben es kurz angerissen, also da ist man auch schon im Austausch mit entsprechenden Playern aus dem dortigen Markt.

  31. Roland Prettner:

    Uns ist diese verstärkte Aktivität, hat vor einem Jahr begonnen, wo sehr viele chinesische potenzielle Kunden zu uns kommen, wir zu ihnen kommen, sie sich mit uns austauschen möchten, weil sie sich eben diesen Markt ansehen. Ich glaube, sie haben sich entschieden, dass sie hier Fahrzeuge verkaufen wollen. Ich glaube, dass wir auch die Intention haben, wie eigentlich alle anderen OEMs auch, dass dort in den Märkten, wo sie signifikante oder relevante Stückzahlen verkaufen, auch Fahrzeuge produzieren möchten. Und so schätzen wir auch die chinesischen Kunden ein, dass sie das tun wollen, unabhängig von Zollthematiken, die sich ergeben. Aber typischerweise hat das noch jeder OEM gemacht. Wenn er in einem Land oder einem Kontinent Autos verkauft in einer gewissen Stückzahl, dann wird er dort auch produzieren wollen. Und ja, Herr Henssler, Sie könnten bei uns im Verkauf tätig werden. Also wir sind natürlich ein idealer Partner, um Kunden da zu helfen. Ich glaube, einerseits können wir den Einstieg erleichtern, weil wir die entsprechend ausgebildeten Arbeitskräfte bereits an Bord haben. Und die Geschwindigkeit des Markteintritts oder deiner möglichen Produktion natürlich wesentlich höher ist mit uns, als wenn man etwas Neues beginnen müsste. Und ich glaube auch, dass die Investitionen um einiges günstiger sind, als wenn man etwas Neues beginnen möchte.

  32. Sebastian:

    Das ist wahrscheinlich nicht von der Hand zu weisen, aber auch da wird schlussendlich dann ja die tatsächliche Stückzahl wieder entscheidend sein, ab was für einem Punkt da eben dann die Entscheidung zu treffen ist, Auftragsfertiger oder wir bauen eben doch eine eigene Produktion. Für mich dann nochmal die Rückfrage zu dem Thema, ist jetzt Magna zufrieden darüber, dass die Politik so stark in den Markt, in die Marktentwicklung eingreift oder sagt ihr, das wäre eh gekommen der Schritt, dass die chinesischen Hersteller bzw. neue Player am Markt den Weg zu euch nach Europa finden?

  33. Roland Prettner:

    Ich denke, es ist immer gut, wenn Regierungen miteinander sprechen und das Beste für die Märkte machen wollen. Wir haben da jetzt wenig politische Meinung dazu. Wir stellen uns darauf ein, wie die Gegebenheiten sind und werden dann unsere Schlüsse daraus ziehen und das Beste daraus machen.

  34. Sebastian:

    Das hört sich doch schon mal sehr gut an und auch sehr zuversichtlich dann doch für die weitere Entwicklung sozusagen des Pkw-Marktes dann hier in Europa. Für mich jetzt noch die Frage, die ich dann zum Ende gerne bringen würde. Wir haben gehört, 125 Jahre seid ihr schon am Standort dort. Werdet ihr auch noch die nächsten 125 Jahre dort sein? Und was darf man denn so in Zukunft von euch erwarten? Gibt es da denn schon entsprechende Meilensteine, die ihr euch auf die Fahne geschrieben habt, die ihr angehen wollt? Was kann man da von MagnaStein noch erwarten?

  35. Roland Prettner:

    Was kann man von uns noch erwarten? Also eines ist einmal sicher, wir haben vor, noch weitere 125 Jahre hier erfolgreich zu sein. Vielleicht nicht alle diese 125 Jahre werden wir selbst begleiten können, aber ein paar davon habe ich mir schon einmal vorgenommen. Und wir blicken, natürlich sind es, wir haben ja gesprochen, es sind sehr dynamische Zeiten, es ist alles nicht mehr ganz so klar planbar, wie wir uns das eigentlich wünschen würden und wie wir das vielleicht aus den 90ern und 2000er Jahren so gewohnt waren. Es ist natürlich vieles dynamischer geworden, aber es ergeben sich auch viele, viele neue Gelegenheiten für uns. Und einige dieser Gelegenheiten werden wir nutzen. Die richtigen werden wir davon auswählen. Und ich denke, es werden noch viele spannende Projekte hier in Karaz entwickelt und produziert werden. Aber auch in China, wo wir uns das genauso vorstellen, dass das noch viele, viele Jahre sehr erfolgreich sein wird. Und dann fehlt natürlich auch noch ein Kontinent mit Nordamerika, den wir uns auch immer wieder ansehen, ob man sich dort die Magna Steyr auch für unsere Kunden interessante Projekte umsetzen kann.

  36. Sebastian:

    Das heißt dann, aber um das nochmal aufzugreifen, auch wenn wir jetzt schon Richtung Ende unterwegs waren, Sie haben gesagt, China wird natürlich auch eine entscheidende Rolle spielen, da laufen auch schon Modelle vom Band. Wird das auch so sein oder ist das vielleicht aktuell schon Thema? Den Einblick habe ich gar nicht, dass jetzt auch Modelle von deutschen, europäischen OEMs, reine E-Modelle in China eben gefertigt werden für den dortigen Markt?

  37. Roland Prettner:

    Also es werden natürlich auch von europäischen OEMs ja in China Fahrzeuge produziert für den chinesischen Markt. Das ist heute schon der Fall, richtig.

  38. Sebastian:

    Und wenn wir da jetzt das ein oder andere Modell auswählen dürften, was jetzt vor allem wahrscheinlich auch demnächst bei euch anläuft, das ist ja auch so durch die Medien gegangen. Man hat es mitbekommen, wenn man ein bisschen zuhört und die Stichwörter Graz und Mercedes fallen. Die elektrische G-Klasse wird ja auch bei euch vom Band laufen, wenn man das richtig eingeordnet bekommt.

  39. Roland Prettner:

    Das ist richtig. Wir hatten unseren Produktionsstart und es ist ein sehr, sehr spannendes Projekt, ein sehr interessantes Fahrzeug. Und wir sind natürlich sehr stolz, dass wir mit diesem Produkt unser Produktportfolio noch ein bisschen erweitern durften. Und ein sehr spannendes Modell, Herr Henssler.

  40. Sebastian:

    Da bin ich schon gespannt, welche Modelle ich demnächst mal auf der Straße sehe oder selbst fahren darf, die eben bei euch aus dem Werk kommen oder aus einem eurer Werke. Vielen Dank, Herr Prettner, für die Einblicke hinter die Kulissen ein Stück weit, dass man das ein wenig greifen konnte. Und ich bin mir sicher, wenn Sie jetzt noch eine Weile dort am Zug sind, so wie Sie gesagt sind, können wir uns ja in dem nächsten oder übernächsten Jahr nochmal austauschen, wie sich der Markt denn dann entwickelt hat, auch für euch. Vielen Dank für Ihre Zeit.

  41. Roland Prettner:

    Sehr schön, Herr Henssler. Vielen Dank und alles Gute.

  42. Sebastian:

    Das war jetzt mal wieder eine sehr spannende und lehrreich folgende von Magna Steyr in Graz mit Roland Prettner, der uns eben ein Blick hinter die Kulissen des Unternehmens gegeben hat, ein Stück weit auf die Geschichte mit uns geblickt hat und wo aber auch die zukünftige Geschichte geschrieben wird eben. Ich fand es insbesondere sehr spannend, welche Rolle man an einem Gesamtmarkt eben einnehmen kann, gerade jetzt in Hinblick auf die aktuelle Strafzollthematik, die Europa ja doch ein Stück weit beschäftigt, natürlich auch den chinesischen Markt, und wie man das auch sozusagen zum Vorteil nutzen kann, wenn man entsprechend dynamisch reagiert, flexibel reagiert, wie das Herr Prettner ausgeführt hat. Dir vielen Dank fürs Zuhören, schalt gerne kommende Woche wieder ein, wenn die nächste Folge des ERN-Podcasts online geht. Mach's gut, bis dahin, ciao.