Nicole Heinrich über chargeBIG das Corporate Startup von MAHLE

Im gemeinsamen Gespräch mit Nicole Heinrich, verantwortlich für Sales und Marketing bei chargeBIG, habe ich mich über das Corporate Startup von MAHLE unterhalten.

chargeBIG ist Anbieter eines intelligente Ladesystems für Tagesparker und den Anwendungsbereich 20 bis 100 oder mehr Ladepunkte. Durch den Ansatz Design-to-Cost werden Investitionsmaßnahmen in die Erweiterung der Netzanbindung verhindert sowie Kosten und Zeit im Aufbau der Ladeinfrastruktur eingespart.

Über ein dynamisches, phasenindividuelles Lastmanagement wird die verfügbare Ladeleistung durch eine zentrale Steuereinheit auf die parkenden Fahrzeuge verteilt. chargeBIG reagiert dabei flexibel auf andere Verbraucher im Netz und nutzt die Elektrofahrzeuge als regelbare Last. Dies ermöglicht eine optimale Nutzung des verfügbaren Stromnetzes.

Und eben genau darüber hat Frau Heinrich einiges zu erzählen gewusst. Erste Praxis-Projekte sind bereits am Laufen, weitere in der Planung und Umsetzung. Die Ansätze hierbei sind äußerst flexibel, wie man im Gespräch erfährt. Aber weißt du was, hör doch einfach selbst rein.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcasts. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du auch diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn es rund um die Themen Elektroautos, E-Mobilität und alternative Antriebe geht. Diese Woche habe ich ein Interview geführt mit Nicole Heinrich von MAHLE, um genauer zu sein von einem Corporate Startup von MAHLE, ChargeBig. die sich als Anbieter eines intelligenten Ladesystems für Tagesparker und den Anwendungsbereich von 20 bis 100 oder mehr Ladepunkte am Markt etabliert haben, festgesetzt haben und dort eben auch weiterentwickeln. Das System von ChargeBig oder das ChargeBig verfolgt, ist es möglich, Kosten und Zeit im Aufbau der Ladeinfrastruktur einzusparen, Unternehmen oder Interessierten einfach eine einfache Lösung an die Hand zu geben, wie man viele Ladepunkte schaffen kann und dennoch dynamisch im Alltag reagieren kann. Phasenindividuelles Lastenmanagement wird durch eine zentrale Steuereinheit ermöglicht und auf die parkenden Fahrzeuge verteilt. Dabei reagiert ChargeBig flexibel auf andere Verbraucher im Netz und nutzt die E-Fahrzeuge als regelbare Last. Und das führt eben dazu, dass es zu einer optimalen Nutzung des verfügbaren Stromnetzes führt, was dann natürlich auch wieder dementsprechend sich positiv auf das Netz auswirkt. Aber wie das Ganze im Detail vonstatten geht, was chargeBIG oder wie es dann sich eben auch im Alltag gestaltet, welche Einsatzmöglichkeiten es gibt, welche Projekte schon umgesetzt wurden, welche Projekte im Raum stehen und wo die Reise hingehen wird bei dem Corporate Startup aus dem Mahle-Konzern. Das wird das Gespräch mit Nicole Heinrich, die für Sales und Marketing verantwortlich ist, schon näher bringen, bin ich mir ganz sicher. Und jetzt ohne weitere große Einleitung geht es direkt ins Gespräch. Viel Spaß damit. Hallo Frau Heinrich, vielen Dank, dass es geklappt hat, dass wir uns heute ein bisschen über ChargeBig unterhalten, ein Corporate Startup, das aus dem Hintergrund von MAHLE entstanden ist. Vielleicht können Sie sich eingangs kurz vorstellen, was Sie eben für eine Rolle bei ChargeBig einnehmen und was ChargeBig eigentlich auch ist oder was sich dahinter verbirgt.

  3. Nicole Heinrich:

    Ja, hallo Herr Hensler, vielen Dank für die Möglichkeit, heute ChargeBig vorzustellen in Ihrer Podcast-Reihe. Ich bin Nicole Heinrich. Ich bin schon seit 2012 bei Mahle. Ich habe dort ein duales Bildung gemacht und dann ganz klassisch im Motorenvertrieb begonnen und dafür die VW-Gruppe gearbeitet. Ich bin mittlerweile verantwortlich für den Vertrieb und das Marketing im Corporate Startup von Mahle. Mahle ist ja ein großer Automobilverlieferer hier in Stuttgart und das Corporate Startup ist im Rahmen von einem Innovationsprogramm bei Mahle entstanden. Da wurden male Mitarbeiter aufgerufen, eigene Ideen einzubringen, die zukünftig das Geschäftspotenzial darstellen könnten. Und da hat der Leiter vom heutigen Corbett-Startup, Sebastian Ebert, die Idee zum Chart-Speed-Konzept, zur gravierbaren Ladelösung, eingebracht. Und wir haben uns da gegen andere Ideen durchgesetzt und dürfen heute als Corbett-Startup agieren.

  4. Sebastian:

    Das heißt, ihr seid dann aber auch... jetzt dann sozusagen schon ein eigenständiger Geschäftszweig, der auch weiterhin bestehen bleibt und auch dementsprechend verfolgt wird von Seiten MAHLE?

  5. Nicole Heinrich:

    Genau, zunächst gab es diese Inkubationsphase, die war ein halbes Jahr lang. Das war von Ende 2017 bis Mitte 2018 natürlich. Da hatten wir diese Inkubationsphase, wo wir auch nur part-time im Projekt waren und gleichzeitig noch unsere alten Geschäftstätigkeiten und Jobs erledigt hatten. Da gab es dann zwei Geschäftsführungspits, Vorstellungen der Ideen. Nach diesen zwei Pits, also seit Mitte 2018, arbeiten wir alle Vollzeit in dem Projekt. Unser Team ist da auch gewachsen. Wir sind mittlerweile elf Teammitglieder zusammen. Zunächst sind wir mit drei zu dritt gestartet und seit diesem zweiten Pitch, den wir vor der Geschäftsführung hatten, sind wir auch wirklich in Vollzeit dabei und haben die Freigabe dazu agieren. Wir sind zwar nicht ausgegründet, sondern immer noch Teil der Mutterorganisation MAHLE. Aber derzeit gibt es jetzt keine Überlegungen, das Projekt einzustellen.

  6. Sebastian:

    Das hört sich doch schon mal sehr gut an. Würden Sie mir noch kurz erklären oder unseren Zuhörern, was chargeBIG eigentlich anbietet am Markt und was so eigentlich das Produkt ist, das ihr vertretet oder was ihr auch aktuell dann eben nach vorne treibt?

  7. Nicole Heinrich:

    Genau, also wir haben uns am Markt umgesehen und haben folgende Lösung als nicht vorhanden oder als zu wenig bearbeitet gesehen. Wir haben das Thema Einzelladelösungen für den Heimanwendungsbereich. Da gibt es genug Anbieter, die das tun. Wir haben das Thema DC-Ladeinfrastruktur. für den Bereich Laden an der Autobahn. Da gibt es auch sehr viele Hersteller, die sich da zusammentun. Es gibt auch jemanden wie Ionity, die in großen Konsortien das Thema bearbeiten. Was aber gefehlt hat am Markt, ist das Thema skalierbares Laden, Destination Charging, also dort laden, wo das Fahrzeug parkt, während man pendelt. Und genau dafür haben wir das Thema TouchPick, sind wir das Thema TouchPick, diese TouchPick-Lösung angegangen. Das heißt, wir setzen auf das skalierbare Laden an Orten, wo das Fahrzeug lange steht, mit dem Anwendungsbereich 20 oder mehr Ladepunkte zu installieren. Bei uns im Maled-Parkhaus haben wir zum Beispiel 100 Ladepunkte installiert und das ist schon ein ganz großes Stückzahl. Und wir sehen es heute am Markt auch, dass die Bedarfe weiter steigen und dass große Unternehmen sogar Ladeinfrastrukturprojekte mit bis zu 1000 Ladepunkten an einem Ort ausschreiben. Diese zentrale Lösung setzt sich so zusammen, dass wir einen zentralen Ladestand haben, in dem die Elektronik zentralisiert ist. An den Ladepunkten selber haben wir Standsäulen oder Wandhalterungen, an denen ein fest angeschlagenes Typ-2-Ladekabel angebracht ist. Das heißt, der Nutzer muss das auch nicht mehr selber mitbringen. Und da haben wir halt die Möglichkeit, entsprechend zu skalieren und zu erweitern und wirklich ganze Parkflächen und Anlagen zu elektrifizieren.

  8. Sebastian:

    Das hört sich sehr interessant an. Und so wie ich auf eurer Webseite auch gesehen habe, Stellt ihr euch oder sagt ihr auch, ihr wollt so schnell wie notwendig laden die Fahrzeuge und nicht so schnell wie möglich eben auch? Das ist ja auch der Ansatz dahinter, dass das Ganze gesteuert wird, um dann eben auch auf entsprechende Lastenspitzen einzugehen beziehungsweise das Lastenmanagement des Energieflusses da auch besser zu regulieren. Ganz genau.

  9. Nicole Heinrich:

    Wir setzen bewusst auf geringe Ladeleistungen, weil wir eben an Orte gehen, an denen Fahrzeuge lange stehen und Und für die Pendlerstrecke, wenn man sich das mal wirklich vor Augen führt, in der Regel ist das Fahrzeug eigentlich ein Stehzeug. 23 Stunden am Tag steht das Fahrzeug und eine Stunde wird es bewegt. Und genau diese Stehzeit, die möchten wir nutzen, um das Fahrzeug zu laden. Das heißt, wir setzen Laden gleich Parken. Parken gleich Laden, nicht das Thema Tanken gleich Laden, so wie wir das beim Thema Schnellladen eigentlich eher fokussieren oder wie das eher fokussiert wird. Und gerade um diese Pendlerstrecke, die man ja auch mit 40 bis 50 Kilometer beziffern kann, um die nachzuladen, reichen geringe Ladeleistungen und längere Stehzeiten aus.

  10. Sebastian:

    Das heißt, wenn ich dann, oder gerade ein Beispiel von eurem Marder-Parkhaus mit den 100 Ladepunkten, die ihr da jetzt eben aufgebaut habt, wenn ich da morgens mein Fahrzeug abstelle, dann sieben bis acht Stunden auf der Arbeit bin und wieder heimfahre, dann reicht das eben vollkommen aus, um diese Strecke dann auch wieder rein elektrisch zurücklegen zu können.

  11. Nicole Heinrich:

    Ganz genau. Und im Moment sind ja auch noch sehr viele Plug-in-Hybride vorhanden. Im Feld und auch die, die Anzahl der Plug-in-Spiele nimmt deutlich zu. Und die Fahrzeuge können auch gar nicht so hohe Ladeleistungen durch ihre Ladegeräte erzeugen. verarbeiten oder damit hohe Ladeleistungen laden. Das heißt, für diese Kombination aus vielen Plug-in-Hybriden, aus langen Stehzeiten, aus Pendlerstrecken, die nicht wirklich von 0 bis 100, sondern vielleicht auch nur von 50 bis 70 SoC, die das vollladen müssen oder nachladen müssen, da ist dieses Konzept das passende.

  12. Sebastian:

    Ja, definitiv. Oder hört sich auch so danach an. Ihr steuert das...

  13. Nicole Heinrich:

    Vielleicht hier noch ergänzend das Thema, wenn wir jetzt hier gerade das Parken beim Arbeitgeber angesprochen haben, da ist natürlich auch besonders von Vorteil, dass wir Photovoltaik integrieren können oder Photovoltaikstrom nutzen können zum Laden der Elektrofahrzeuge, weil die natürlich tagsüber beim Arbeitgeber stehen. Und dann eben auch der Photovoltaikstrom, der dort beim Arbeitgeber produziert wird, direkt zum Laden genutzt werden kann. Und so können wir auch einen Beitrag zur Energiewende im Verkehrssektor zusteuern, weil wir eben wirklich Photovoltaikstrom dann nutzen, wenn er entsteht.

  14. Sebastian:

    Das hört sich gut an. Das war auch noch ein Punkt, wo ich darauf zu sprechen gekommen wäre. Dazu dann auch gleich mal eingehakt noch. Das heißt aber, wenn jetzt der Arbeitgeber, der so ein System von euch installiert, keine Photovoltaikanlage hätte, würde die aber zumindest sicherstellen oder anbieten, dass mit grünem Strom geladen wird, also aus regenerativen Energiequellen.

  15. Nicole Heinrich:

    Vielleicht hier nochmal, hole ich mal nochmal ein bisschen aus. Also wir von Schaustik bieten natürlich nicht nur die Ladehardware an, sondern auch das Thema Projektierung, Installation, Servicewartung und auch den Betrieb von Ladeinfrastruktur an. Und wenn wir CPO, also Betreiber der Ladeinfrastruktur sind, setzen wir natürlich immer auf Grünstrom. Wenn aber der Kunde selbst der Betreiber sein möchte, dann haben wir das nicht immer in der Hand. Aber wenn man sich das mal am Markt vor Augen führt, also sehr viele Betreiber nutzen heute Grünstrom zum Laden von Elektrofahrzeugen, das natürlich auch einen sehr nachhaltigen Ansatz hat und optimal ist. Und Genau, auch wenn man sich die Fördermöglichkeiten auf dem Markt entsprechend anguckt, viele Fördermöglichkeiten setzen voraus, dass man Grünschlumpf im Laden der Fahrzeuge benutzt, um überhaupt diese Förderungen zu erhalten oder bewilligt zu bekommen.

  16. Sebastian:

    Ja gut, das ist ja an sich auch sinnvoll, wenn wir da dem Klimawandel entgegentreten wollen sozusagen, dass wir da dann nicht auf Energie aus Kohlekraft oder ähnlichen setzen dann eben. Jetzt würde ich gerade nochmal den Sprung kurz zurück machen zu dem Laden, wo Sie ja auch gesagt haben oder wo Sie zugestimmt haben, eben so schnell wie notwendig laden. Das heißt aber auch, oder ist es dann richtig, dass wenn ich morgens mein Fahrzeug anschließe am Parkplatz oder am Ladepunkt, dass es dann auch nicht sofort zu laden beginnt, sondern eure Software oder Logik dahinter schaut dann auch, okay, jetzt wäre es sinnvoll, aktuell nicht zu laden, weil das Netz schon zu stark ausgelastet ist. Wir fangen damit eine Stunde später an. Oder wie ist das gesteuert bei euch, auch um eben Schieflasten im Netz dann zu vermeiden?

  17. Nicole Heinrich:

    Also grundsätzlich setzen wir auf einfach die Ladeleistung zwischen 2,3 bis 7,2 kW. Die sind dynamisch, das heißt, das Fahrzeug bekommt immer so viel Strom, wie der Netzanschluss hergibt. Und das ist natürlich davon abhängig, wie viele andere Fahrzeuge momentan auch angesteckt sind. Grundsätzlich ist es so, dass wir auch höhere Ladeleistungen im System integrieren können, also zum Beispiel bestimmte 22 kW Ladepunkte, die für die Besucher oder so zur Verfügung stehen, weil die einfach kürzere Ladezeiten haben und deshalb auch höhere Ladeleistungen brauchen. Und mit diesem System Mit diesen geringen Ladeleistungen stellen wir sicher, dass wir vorhandene Netzanschlüsse optimal auslasten können, weil wir Fahrzeuge auch auf geringeren Ladeleistungen bedienen können. Und bei uns ist es so, dass wir nicht sequenziell laden. Das ist das, was auch andere Anbieter machen oder was Sie gerade erwähnt haben. Also wenn sich bei uns jemand freischaltet und den Ladevorgang startet, dann kriegt er immer direkt Strom. Kommt eben darauf an, wie viele Fahrzeuge auch angesteckt sind oder was das Fahrzeug selber auch ziehen kann, mit welcher Ladeleistung da gestartet wird. Aber unsere Fahrzeuge bekommen immer direkt Strom.

  18. Sebastian:

    Okay.

  19. Nicole Heinrich:

    und laden nicht virtuell oder pausieren auch nicht während dem Laden. Grundsätzlich steuern wir dann mit einem First-Come-First-Served-Prinzip. Das heißt, wer sich als erstes ansteckt, bekommt zuerst Ladestrom und kommen dann weitere Fahrzeuge hinzu. Dann werden die, die zuerst da waren, auch runterreguliert und die weiteren Fahrzeuge eben in der Ladeleistung hochgezogen.

  20. Sebastian:

    Okay, das hört sich ja logisch an, sage ich mal, von dem Ansatz her dann natürlich auch, dass diejenigen, die zuerst kommen, dann auch mit Strom versorgt werden, weil man ja auch davon ausgehen kann, dass die wahrscheinlich dann auch wieder eher früher gehen. Wenn ich jetzt mal so rein von der Arbeitszeit ausgehe, wenn man da lädt, dann kommt ja derjenige, der früher kommt, wird ja auch wieder früher die Arbeitsstelle verlassen in der Regel. Von daher ist der Ansatz ja vollkommen nachvollziehbar.

  21. Nicole Heinrich:

    Und bei den Nutzern, die zum Beispiel dringlicher wieder weg müssen, gibt es auch die Möglichkeit, in unserer App das Priority-Charging zu wählen. Das heißt, den Button zu drücken, dass man da eine statische 7,2 kW, also die maximale einphasige Ladeleistung entsprechend erhält. Je nach Mandanten und B2B-Kunden, den wir entsprechend bedienen, also je nachdem, an welchem Standort und bei welchem Kunden wir die Infrastruktur aufgebaut haben, haben, kann es aber sein, dass es dann halt eben mehr kostet.

  22. Sebastian:

    Klar. Jetzt der Priority-Button, das hört sich interessant an. Haben Sie da auch schon Erfahrungen aus der Praxis sammeln können, ob der, ich sage mal, auch mit Rücksicht auf die Kollegen dann genutzt wird oder gibt es dann auch so die typischen Nutzer, die jeden Morgen reinkommen und da drauf drücken oder ist das, ja, also für mich hört sich das eher nach einer Erziehungsmaßnahme an, dass man da die Nutzer von so einem System dann auch erstmal da hinbringt und sagt, okay, Der Knopf wird halt auch nur gedrückt, wenn du das tatsächlich brauchst, weil das ja ansonsten vielleicht zum Nachteil der anderen Ladenden gehen könnte.

  23. Nicole Heinrich:

    Ja, ganz genau. Also das ist die richtige Einschätzung. Grundsätzlich haben wir bisher Kundenprojekte immer ohne Freischaltung und Abrechnung umgesetzt im Moment. Also die, die wir alle im letzten Jahr umgesetzt haben, die verzichten auf das Thema Freischaltung, weil sie eigentlich auf dem eigenen Betriebshof sind und es nicht brauchen. Im eigenen Mahle-Parkhaus haben wir das aber schon erprobt und dadurch, dass die Kollegen dort wirklich mehrere Stunden stehen, hat da noch niemand den Priority-Button genutzt, außer er hat es wirklich gebraucht, weil er dann wieder nach ein, zwei Stunden weg musste.

  24. Sebastian:

    Okay, das heißt, es wäre also eher ein Thema für Parkhäuser an Flughäfen oder in Tiefgaragen, die damit ausgerüstet werden, wo dann halt auch nicht nur das eigene Firmenpersonal unterwegs ist, sondern dann eben verschiedenste potenzielle Kunden für euer System, also Kunden, die dort laden wollen eben.

  25. Nicole Heinrich:

    Genau, also da müssen wir dann wirklich auf einen anderen Anwendungsbereich gucken, also eher im öffentlichen Laden oder gerade bei an Orten, wo eben verarbeitete viele verschiedene Nutzergruppen laden möchten. Da wird es wahrscheinlich dann eher genutzt als beim Arbeitgeberladen, wo man eigentlich die normalen Arbeitszeiten und Standzeiten der Fahrzeuge entsprechend hat.

  26. Sebastian:

    Klar. Ladeleistung hatten wir ja schon als Thema. Jetzt haben Sie die Erweiterbarkeit des Systems angesprochen, haben gesagt, dass Sie so bei 20 Ladepunkte aufwärts beginnen mit dem System. Das heißt, ich könnte jetzt auch, wenn ich sage, als Arbeitgeber oder als Anbieter von eurem System oder Nutzer eures Systems, dass wir mit den 20 Ladepunkten starten, könnte dann aber auch in einem halben Jahr sagen, okay, ich sehe, das kommt an. Die alternativen Antriebe nehmen vielleicht zu bei uns auch oder die Nutzung davon. Dann könnte man das Ganze auch noch skalierbar oder nach oben skalieren.

  27. Nicole Heinrich:

    Lübsch. Wir haben einen Ladeschrank, also unsere zentrale Einheit, die auch die Unterverteilung darstellt. Also wenn man sich mal das im Vergleich zu klassischen Wallboxen anguckt, da ist es ja auch so, dass wenn man mehrere Wallboxen miteinander vernetzt und an einen Anschluss bringen will, dass man dann eine Unterverteilung braucht. Die ist bei uns in der Bilanzhülle schon inkludiert. Das heißt, das kriegt man bei uns industriell gefertigt mit einem hohen Niveau. Qualitätsanspruch mitgeliefert, diese Unterverteilung. Die hat auch einen Überspannungsschutz und eine Temperaturüberwachung integriert. Und genau diese Unterverteilung, die kann bei uns bis zu 36 Ladepunkten beinhalten. Wenn jetzt ein Kunde starten möchte mit weniger, dann sagen wir in der Regel, dass wir ab 18 oder 20 Ladepunkte das auch für kommerziell als attraktiv ansehen können. Das heißt, weiter runter möchten wir da nicht gehen, weil die zentrale Einheit natürlich auch gewisse Fixkosten mit sich bringt, die dann im Vergleich zu klassischen Wallboxen eben nicht wettbewerbsfähig ist, aber ab 18 Ladepunkte kann man eben diese eine Steuereinheit dann bei uns beziehen und möchte der Nutzer oder besser gesagt der Kunde bei uns später noch mehr Ladepunkte bestellen, dann kann man das System entsprechend um die Anzahl der Ladepunkte erweitern. Und sollte die Anzahl dann höher als 36 sein, dann benötigt er einen zweiten Ladeschrank. Und der kann dann natürlich entweder an den gleichen Netzanschluss angeschlossen werden, wenn der genug Kapazität hat, oder auch an einem ganz anderen Ort positioniert werden.

  28. Sebastian:

    Okay, also das heißt, wenn ich mit den 20 starten würde, hätte ich dann schon mal noch 16 Ladepunkte nach oben frei, ohne dass ich dann nochmal das System sozusagen... aufrüsten müssten.

  29. Nicole Heinrich:

    Genau. Sie können den gleichen Ladeschrank dann für 16 weitere einphasige Ladepunkte nutzen. Bei den dreiphasigen Ladepunkten, die wir auch begrenzt ins System integrieren können, da brauchen wir ein bisschen mehr Bauraum. Das aktuelle Standardprodukt, das wir am Markt verkaufen, das sind 30 einphasige Ladepunkte plus zwei dreiphasige Ladepunkte. Das setzt so ein bisschen den Bedarf Wir haben viele Nutzer, die lange stehen, aber für einzelne Besucher oder zum Beispiel auch die Geschäftsführung, die vielleicht höhere Ladeleistungen möchte, die er dann an diesen bestimmten Ladepunkten und Parkplätzen laden kann.

  30. Sebastian:

    Das hört sich auch gut an und wäre jetzt auch auf meine nächste Frage eingegangen, ob man das eben auch mischen kann, die ganze Geschichte, dass man sagt, wir rüsten den Hauptteil eben mit dem langsam ladenden Ladepunkten aus, bieten dann aber natürlich auch noch die Option, einen Teil davon für die Schnelllader oder für die schnellere Ladung durch Typ 2 Ladeanschlüsse eben im 22 kW Bereich anzubieten.

  31. Nicole Heinrich:

    Genau, das ist möglich, was wir natürlich auch machen können. Wir arbeiten mit vielen Partnern zusammen, auch mit anderen Ladeinfrastrukturherstellern, Und wenn dann wirklich auch Bedarfe sind, dass man DC-Ladeleistungen, also Schnellladeleistungen an den Standorten benötigt, dann kann man auch diese Hardware integrieren und trotzdem mit dem Touch-Fix-System kombinieren und auch mit unserer Freischaltung über unsere App entsprechend bedienen.

  32. Sebastian:

    Okay, und jetzt so hauptsächlich seid ihr aktuell Firmenparkhäuser, wo ihr ja selbst ein Ihr habt mal den Startschuss sozusagen gegeben, habt mit euren 100 Ladepunkten im Mahle-Parkhaus. Flughäfen sind angedacht, Parkplätze von Flottenbetreiber stehen auf dem Plan, so wie ich das mitbekommen habe. Und jetzt müsst ihr euch ja eigentlich diese Woche dann mit reingespielt haben, dass das Bundeswirtschafts- und Bundesinnenministerium den Entwurf zum Aufbau von gebäudeintrigierten Lade- und Leitungsinfrastrukturen verabschiedet hat für E-Mobilität. Das heißt, auch neue, große Neubauten sollen künftig mit Ladepunkten ausgestattet sein. Und gerade wenn es dann um Gebäude mit vielen Wohnungen geht oder vielen Parkplätzen, könnte ja auch dort Charge Big zum Einsatz kommen.

  33. Nicole Heinrich:

    Ja, also Neubauprojekte sind natürlich auch ein sehr spannendes Thema bei uns. Gebäudeentwickler, mit denen arbeiten wir auch zusammen. Und natürlich ist dieser Gesetzentwurf grundsätzlich positiv. Nur muss auf jeden Fall sichergestellt sein, dass eben nicht nur irgendwelche Vorrüstungen vorgenommen werden, sondern dass wir da wirklich Ladepunkte schaffen und nicht nur Leerrohre legen. Da habe ich heute ein ganz spannendes Zitat gelesen. Das ist sehr wichtig, dass dieser Gesetzentwurf auch wirklich in der Praxis umgesetzt wird. Grundsätzlich ist es so, dass wir natürlich im WEG größere Herausforderungen haben, auch in Bezug auf den geringeren Netzanschluss, der in der Regel dort leider nur vorhanden ist. Das heißt, in Tiefgaragen, in Wohnkomplexen, Haben wir momentan jetzt auch noch kein Projekt umgesetzt, möchten aber auch in diesen Bereich gehen. Wenn natürlich der Bedarf über 18 Ladepunkten in bestimmten Wohnkomplexen halt eben auch vorhanden ist. Ansonsten gibt es ja andere Ladelösungen, die da vielleicht besser sind, wenn die Ladebedarfe noch geringer sind.

  34. Sebastian:

    Okay, das leuchtet ja auch vollkommen ein. Wenn da die Anzahl der Plätze nicht zur Verfügung steht, wäre euer System ja auch sozusagen überdimensioniert für den dortigen Einsatz. Und da ist natürlich dann das Ausweichen auf Alternativsysteme sinnvoller in dem Fall. Jetzt haben wir ja schon relativ viel zu eurem System erfahren, auch wo ihr schon aktiv seid, was ihr macht. Was steht denn jetzt so in naher bis mittelfristiger Zukunft bei euch auf dem Plan? Wie wollt ihr wachsen? Was habt ihr vor? Stehen konkrete größere Projekte im Raum, die ihr angeht mit eurem System? Was können wir da erwarten?

  35. Nicole Heinrich:

    Aktuell sind wir in der Entwicklung unserer S- und ereigniskonformen Abrechnung. Das heißt, in Deutschland gilt ja das Ereignis beim Laden von Elektrofahrzeugen. Das heißt, es muss nach Kilowattstunde abgerechnet werden. Und dafür setzen wir gerade eine Messeinrichtung auf, die ladefundscharf die Kilowattstunden erfasst und entsprechend auch quasi eine Datenübermittlung erfolgt, dass diese Anzeige, die eigentlich auf den Messzählern zu sehen ist, dass man die über ein Smartphone, das dem Nutzer gehört, entsprechend einsehen kann, dass man dort auch die Tarifierung und Bebreitung des Ladestroms entsprechend einsehen kann und dass man über diese Smartphone-App auch den Ladepunkt freischaltet. Das heißt, ein Ladestecker bei uns, der fest angeschlagen ist, dass die Bedienbarkeit und Nutzerfreundlichkeit deutlich erhöht. Der hat einen QR-Code aufgebracht und dieser QR-Code wird über unsere App, über die Kameraeinstellung entsprechend eingescannt und dann wird man direkt auf die Web-Anwendung oder eben auf die ZBTS weitergeleitet und kann dort durch Eingabe von der E-Mail-Adresse und den Zahlungsdaten den Ladevorgang starten. Bei wiederkehrenden Nutzern ist es so, dass da sogar ein Nutzerkonto hinterlegt ist und genau das eben dann entsprechend relativ schnell innerhalb von wenigen Sekunden der Ladevorgang gestartet werden kann. Beim Thema Ereigniskonformität, da sind wir gerade im Prüfverfahren und stehen dem positiv entgegen, dass wir da die Zertifizierung für die Ereigniskonformität erhalten. Dann haben wir natürlich das Thema Wachstum im Team. Hier gibt es bestimmte Bereiche, vor allem im Vertrieb, möchten wir weitere Personen ins Team holen und den Vertrieb ausbauen. Und im Moment sind wir natürlich noch viel in Deutschland unterwegs mit Projekten. Aber auch da möchten wir gerne auf die Länder, Nachbarländer hier in der Gegend gucken, die natürlich im Thema Elektromobilität vielleicht auch schon etwas weiter sind als wir in Deutschland und wo die Bedarfe eben auch schon sehr hoch sind. Das sind eben Niederlande und Norwegen, wo wir auch explizit schon nach Kunden Ausschau halten und uns dort mit Kunden unterhalten. Genau, und konkrete Projekte, da darf ich jetzt leider noch nichts dazu sagen, aber wir sind mit sehr vielen Kunden aktuell im Gespräch und sehen da auch viele Potenziale für dieses Jahr.

  36. Sebastian:

    Gut, das hört sich auch interessant an. Dann würde ich mal von meiner Seite aus sagen, vielen Dank für das Gespräch. Das war doch ein guter Überblick über ChargePick und wir können uns ja gerne im Laufe des Jahres dann vielleicht nochmal unterhalten, wie sich das Ganze dann entwickelt hat und wo er dann schlussendlich am Jahresende steht.

  37. Nicole Heinrich:

    Okay, ja, sehr gerne.

  38. Sebastian:

    Gut, dann vielen Dank, Frau Heinrich, für das Gespräch.

  39. Nicole Heinrich:

    Ja, vielen Dank, Herr Hensler.

  40. Sebastian:

    Kurz und knapp ist anders, aber ist ja auch überhaupt kein Problem. War ein sehr interessantes Gespräch mit Frau Heinrich, wie ich finde. Wir haben interessante Einblicke bei chargeBIG bekommen, wie das System funktioniert, was man angedacht hat, wohin die Reise geht. Und ich bin mir sicher, da kommt noch ganz Großes auf uns zu, gerade mit wachsender Bedeutung der E-Mobilität im Alltag. Wir werden es auf jeden Fall beobachten, was aus dem Mahle-Konzern heraus geschieht, wie das Team um ChargeBig weiter wächst, die Projekte zunehmen werden und werden uns dazu bestimmt im Laufe des Jahres 2020 nochmal mit Frau Heinrich austauschen. Dir schon mal vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank, dass du auch diese Woche wieder eingeschaltet hast beim Elektroauto News. Und wenn du ihn noch ein bisschen weiter in die Welt verteilen magst mit mir zusammen, hinterlass eine positive Bewertung bei iTunes und sorg somit dafür, dass wir noch mehr Zuhörer erreichen. Vielen Dank, bis zum nächsten Mal. Ciao.