Claus Moehlenkamp, CEO Freudenberg im Interview

Freudenberg und die Brennstoffzelle

Die Freudenberg Sealing Technologies (FST) entwickelt einen Brennstoffzellen-Stack, der zukünftig in Bussen der Firma FlixMobility zum Einsatz kommen sollen. Aus diesem Anlass waren wir von Elektroauto-News.net zum Pressegespräch über die Brennstoffzellen-Entwicklung für Busse und schwere Nutzfahrzeuge geladen.

Mit am Start waren CEO Claus Möhlenkamp und Brennstoffzellenexperten Dr. Manfred Stefener. Mit Claus Möhlenkamp haben wir uns über die aktuelle Strategie von Freudenberg, die Konzentration auf die Brennstoffzelle im Bereich der Heavy-Duty Anwendungen sowie den Wandel vom Komponenten- zum Systemlieferanten unterhalten.

Aber hör doch am besten selbst rein, was Claus Möhlenkamp zu berichten hat. Quasi, Informationen aus erster Hand über die Zukunft von FST.

Shownotes:

Edit speaker mapping

Change displayed names for speaker IDs in this transcript.

Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Herzlich willkommen bei einer neuen Podcast-Folge von elektroauto-news.net. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du auch diese Woche wieder eingeschalten hast, wenn es darum geht, dass wir uns dem Thema E-Mobilität aus verschiedenen Ansätzen Richtung nähern und diese genauer betrachten. E-Mobilität spielt sowohl bei uns im Portal als auch im Podcast eine entscheidende Rolle. Kann man beinahe schon ableiten, wenn man den Namen elektroauto-news.net liest. Aber was noch wichtiger ist, E-Mobilität ist für uns nicht beschränkt auf die batteriebetriebene E-Mobilität. Auch der Einsatz von Brennstoffzellen ergibt durchaus Sinn, auch wenn man es dann natürlich wieder auf die einzelnen Bereiche betrachten muss. Im PKW sehen wir hier die Verwendung eher nicht gegeben, zumindest zum aktuellen Zeitpunkt, aber bei sogenannten Heavy-Duty-Anwendungen wie beispielsweise E-LKWs, E-Kreuzfahrtschiffe, E-Busse usw. kann die Brennstoffzelle durchaus von Vorteil sein. Im heutigen Podcast wird die Brennstoffzelle auch ein prägendes Thema sein oder ein prägender Punkt von der ganzen Geschichte. Denn ich hatte die Möglichkeit zu Beginn bzw. Mitte der Woche bei Freudenberg vorbeizuschauen. Freudenberg hat sich auf die Fahne geschrieben, den Wandel der Mobilität mit der Brennstoffzelle federführend zu begleiten. Freudenberg hat sich hierbei schon klar ausgerichtet und sagt, Pkw-Bereich zunächst nicht, sondern Heavy-Duty-Anwendungen. Sprich Lkw, Busse, Kreuzfahrtschiffe, normale Schiffe. All das werden Anwendungen sein, wo die Brennstoffzelle bzw. das Brennstoffzellensystem von Freudenberg zum Einsatz kommt. Ich könnte jetzt einfach wieder unseren Artikel wiedergeben, den ich im Nachgang an das Pressegespräch bei unserem Portal veröffentlicht habe. Den werde ich dir allerdings in die Shownotes verlinken und möchte vielmehr in das Gespräch, welches mit Claus Möhlenkamp, dem CEO von Freudenberg Sealing Technologies, geführt habe, einbinden. Doch vorab ein paar Worte einleiten dazu. Direkt zu Beginn habe ich einen kleinen Fauxpas begangen. Ich bin davon ausgegangen, dass Claus Möhlenkamp in Anführungsstrichen gerade erst einmal 14 Jahre im Unternehmen ist. Es waren dann doch aber weit über 25 Jahre, die Möhlenkamp schon bei Freudenberg tätig ist. Hat er aber auch dann direkt richtiggestellt. Ansonsten haben wir uns sehr offen und ehrlich über die Entwicklung, die angestrebte zukünftige Entwicklung von Freudenberg, insbesondere im Bezug auf die Brennstoffzelle und die Ausrichtung des Unternehmens unterhalten. Ich denke, die Einblicke, die du bekommen wirst, sind... äußerst interessant und vor allem aus erster Hand. Und wer sollte besser wissen als Möhlenkamp selbst, was in seinem Unternehmen passiert. Von daher würde ich einfach empfehlen, lausche auf und zugehört. Denn wie Möhlenkamp selbst zu verstehen gibt, ist der Wandel, den wir aktuell erleben, einfach ungeheuer. Und auf diese kleine Reise in den nächsten 10-15 Minuten möchte ich dich einfach mitnehmen. Wir hören uns nach dem Podcast-Interview nochmal. Also bis dahin und wie gesagt, lausche auf Herr Möhlenkamp, erstmal vielen Dank für das Interview. Ich habe die Möglichkeit, Ihnen ein paar Fragen zu stellen zur Strategie von Freudenberg. Sie sind seit mittlerweile 14 Jahren im Unternehmen, acht davon als Geschäftsführer, CEO, so wie ich das gesehen hatte, und durften sich ja schon einigen Herausforderungen und Problemen im beruflichen Alltag stellen. Doch aktuell ist der Wandel größer denn je in der Automobilindustrie oder generell im Bereich der Mobilität. und scheint auch ganz neue Dimensionen zu erreichen. Wie ist da Ihre Meinung dazu, Ihre Auffassung aktuell?

  3. Claus Möhlenkamp:

    Also vielen Dank fürs Gespräch zunächst einmal. Ich bin tatsächlich schon über 25 Jahre im Unternehmen, aber das geht dann vielleicht verloren. Der Wandel, den wir erleben, der ist ungeheuer. Einen solchen Wandel habe ich tatsächlich in der Form, in der Intensität und Durchdringung noch nicht erlebt. Aber ich bin sehr dankbar dafür, das belebtes Geschäft. Wir befinden uns in einem unglaublichen Transformationsprozess von der klassischen Verbrennungstechnologie hin zu batteriebetriebenen Fahrzeugen oder Hybriden oder Brennstoffzellenfahrzeugen in der Zukunft und das ist eine sehr, sehr große Herausforderung und ein spannendes Thema zugleich.

  4. Sebastian:

    Und das dann aber auch über alle Sparten hinweg, so wie Sie gesagt haben, eben nicht nur auf Pkw beschränkt, sondern auch Heavy Duty Bereich, wo wir auch gleich nochmal zu sprechen kommen.

  5. Claus Möhlenkamp:

    Wir befinden uns in einer sehr glücklichen Lage als Dichtungshersteller, dass wir knapp die Hälfte unseres Geschäftes in nicht-automobilen Sektoren tätigen. Und das ist zunächst mal sehr stabil und gibt auch das Vertrauen, dass man das durchstehen kann, ohne in Panik zu verfallen. Und was den Mobilitätssektor anbelangt, Sie haben völlig recht, wir sprechen über PKWs, LKW, Bussegmente, Happy-Duty-Applikationen komplett durchgehend.

  6. Sebastian:

    Okay. Heute ging es ja im Speziellen auch bei dem Pressegespräch, also auch jetzt in der Berichterstattung der letzten Tage von Freudenberg um die Brennstoffzelle, die eine wichtige Rolle einnimmt, schon seit einigen Jahren. Ihr beschäftigt euch schon seit Mitte der 1990er Jahre damit, also seid ja schon enger in der Entwicklung und Forschung dran. Spielt aber auch zumindest in den Medien und auch bei anderen Herstellern, Lieferanten immer eine wichtigere Rolle, auch für Freudenberg. Ihr habt euch das jetzt als Leitprojekt, sage ich mal, außer Korn, gerade im Heavy-Duty-Bereich und würde mich da einfach freuen, wenn Sie mal einen kurzen Abriss davon geben, was Freudenberg plant, insbesondere mit der Brennstoffzelle, wohin der Weg geht und was man aktuell vielleicht schon erreicht hat auf dem Weg dorthin.

  7. Claus Möhlenkamp:

    Ja, zunächst mal mit der Brennstoffzelle beschäftigen wir uns tatsächlich seit 20 Jahren plus und zwar mit Komponenten einer Brennstoffzelle, eines Brennstoffzellen-Stacks und sind dort technologisch, meine ich, wirklich in einem sehr hohen Reifegrad. Die Brennstoffzelle hat nie den Durchbruch geschafft aufgrund von Infrastrukturthemen, Kostenthemen, möglicherweise auch von validen Alternativen. Aber es zeigt sich jetzt, dass wir natürlich am langen Ende mit allen Varianten und Optionen planen müssen. Und dazu gehört auch wieder die Brennstoffzelle. Und es zeigt sich auch, dass die Brennstoffzelle, mittlerweile extreme Kostenfortschritte gemacht hat, wettbewerbsfähig zu sein scheint und insbesondere auch in der Kombination mit Batterien als Hybridvariante nahezu an die Kosten eines klassischen Verbrennungssystems heranreichen kann. Wir konzentrieren uns hier auf tatsächlich wiederum Heavy-Duty-Segmente, also Bus, LKW, auf den Schiffssektor, Kreuzfahrtschiffe insbesondere, aber auch auf die Eisenbahn oder andere Themen. Und hier sind wir nicht nur getrieben durch Emissionsgesetze, sondern tatsächlich auch durch den TCO-Gedanken, durch das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Und unsere Kunden bestätigen uns, dass das natürlich auf der Emissionsseite keine Frage Riesenvorteile bringt, aber auch auf der Kostenseite mittlerweile ein ernstzunehmendes Thema ist.

  8. Sebastian:

    Also das ist dann auch einer mit der, ich sag mal, großen Vorteile für eure Kunden, dann eben diese Total Cost of Ownership, wo ihr runterbringen könnt, wo ihr dann auch sagt, okay, wir bringen euch nicht nur den Vorteil mit emissionsarmer oder emissionsfrei mit, sondern tatsächlich spart dabei auch noch gutes Geld und tut Gutes.

  9. Claus Möhlenkamp:

    Ganz genau. Also wir brauchen gar nicht so sehr zu überzeugen. Das System überzeugt an sich. Und wir schaffen auch bei den Heavy-Duty-Systemen Reichweiten, die attraktiv sind. Und insofern ist es aus meiner Sicht ein sehr attraktiver Ansatz.

  10. Sebastian:

    Okay. Was da auch ein Thema spielt, Thema Kosten, kommen wir nochmal mit drauf zurück. Haben Sie schon gesagt, da hat sich schon was entwickelt in den 20, 25 Jahren plus, die ihr dran arbeitet. Ihr überzeugt da jetzt aber auch am Markt mit Recycling-Konzepten, die ihr patentiert habt. Ging es beispielsweise im Pressegespräch um die Platin-Wiederverwendung, die bis zu 99 Prozent, wenn ich es richtig aufgeschnappt hatte, wieder einfließen können. Wie wirkt sich sowas aus? Also ist das tatsächlich ein spürbarer Vorteil gegenüber eurem Wettbewerb dann?

  11. Claus Möhlenkamp:

    Definitiv. Und ich meine die Kombination aus diesen Elementen wie beispielsweise Recyclingfähigkeit des Platins von über 99 Prozent, aber auch das Herstellen eines eigenen Katalysators, das Auftragen von Platin in einem patentierten Verfahren, welches deutlich effizienter und kostengünstiger ist, trägt dazu bei, dass wir die Gesamtkosten einer Brennstoffzelle in völlig neue Bereiche bringen. Aber auch die Effizienz einer Brennstoffzelle. Wir spezialisieren uns darauf, sehr hohe Reichweiten zu erreichen. Wir haben uns als Ziel gesetzt, 35.000 Stunden. Das heißt, wir können sehr, sehr lange Lebensdauerzyklen abdecken. Und insofern ist auch ein Zwischenaustausch von Systemen nicht notwendig. Also die Gesamtkosten insofern übers Recyceln, über das Design und die Robustheit der Brennstoffzelle gehen zusammen.

  12. Sebastian:

    Okay, also es ist einfach der Gesamtansatz, sage ich mal, dass ihr da nicht sagt, ihr nehmt euch nur einen einzelnen Teil raus, sondern was ja auch rausgekommen ist, ihr legt bei Freudenberg Wert auf die Wertschöpfungstiefe auf, den gesamten Überblick über das Segment und wollt es da eben auch zum Tragen bringen.

  13. Claus Möhlenkamp:

    Ganz genau. Ich glaube, das ist einer der Stärken von Freudenberg. Wir haben klassischerweise in unserem Geschäft eine Wertschöpfungstiefe von 70 Prozent. Also wir gestalten, wir verarbeiten von Grund auf und haben damit natürlich auch die kostentreibenden Faktoren selber in der Hand.

  14. Sebastian:

    Das ist ein großer Vorteil am Markt. Um diese Kostenvorteile aufgreifen zu können, ist das Thema oder das Schlagwort Skaleneffekte des Öfteren gefallen. Da habt ihr natürlich eine andere Basis dafür, wenn ihr jetzt in die Heavy-Duty-Bereiche reingeht, weil ihr da natürlich mit viel mehr Produktmasse zu tun habt, als wenn ihr euch im PKW-Geschäft bewegt. Da war unter anderem das Thema Kreuzfahrtschiffe. Muss ab 2021 wohl auch ein... Leuchtturmprojekt gibt es, nenne ich es jetzt einfach mal, das da nach vorne kommt. Und da hatte ich in der Pressemeldung gelesen, dass ihr mit einem Kreuzfahrtschiff so viele Brennstoffzellen quasi abbilden, produzieren könnt, wie sie für 50.000 Pkw im Raum stehen. Also wie realistisch ist es ja schon, das Projekt steht im Raum, dass es angegangen wird, aber In welchem Zeitraum bewegen wir uns da? Was sind da die weiteren Pläne jetzt an dem konkreten Beispiel Kreuzfahrtschiff?

  15. Claus Möhlenkamp:

    Ja, sehr gute Frage. Das Kreuzfahrtschiff-Projekt ist real. Es ist vielleicht ein, zwei Wochen zu früh, um konkret darüber zu reden. Aber wir werden ab 1. Oktober ein gefördertes Projekt haben. Einer Schiffswerft spezialisiert auf Kreuzfahrtschiffe und einen großen Kreuzfahrtschiffbetreiber und uns zusammen eine Brennstoffzelleneinheit von 500 kW in 2021 aufs Schiff zu bringen. Das wäre dann eine Prototypen-A-Phase. Nach deren Validierung sprechen wir von durchaus 5 Megawatt. Und nach deren Validierung ist das Ziel, tatsächlich ein Kreuzfahrtschiff komplett emissionsneutral auszurüsten. Und ein Kreuzfahrtschiff hat heute Größenordnung 60 bis zu 60 Megawatt Leistung an Bord. Das teilt sich auf in Antriebsleistung 50 Megawatt und 10 Megawatt ist die Hotelpower. Und diese Hotelpower zu ersetzen ist der erste Schritt, aber im weiteren Schritt natürlich auch die Antriebsleistung. Und das ist der ganz klare Fahrplan. Und auch hier sprechen wir wiederum nicht nur von Emissionsvermeidung als Motivation, sondern wir sehen auch hier ein TCO-Model. was für den Kreuzfahrtschiffbetreiber deutlich interessanter ist als herkömmliche Antriebsweisen. Und dann haben Sie völlig recht, das ist ein Äquivalent von 50.000 bis 60.000 PKW an A 100 Kilowatt. Und dadurch kommt ein Skaleneffekt, der sich aus unserer Sicht, wenn wir diese großen Projekte abwickeln können, auch natürlich durchschlägt auf andere Bereiche wie Bus, LKW, PKW.

  16. Sebastian:

    Klar, bietet ja dann auch wieder den Ansatz, um da eben entsprechend zu skalieren und größer zu werden. Erklärt dann auch, warum man sich auf den Heavy-Duty-Bereich erstmalig konzentriert und nicht dann im PKW-Bereich sozusagen erst mit einsteigt, im kleineren Segment da jetzt in dem direkten Vergleich sozusagen. In der aktuellen Pressemeldung war oder in dem Interview, das die Frau Reich mit zugesendet hatte, hat man sich auch darüber ausgelassen oder informiert, dass China als Weltmarktführer der E-Mobilität gilt. Ist aktuell zumindest bei Batterie betriebenen Pkw, sage ich mal, der Fall. Bei der Brennstoffzelle sind sie da nicht der Meinung, beziehungsweise insbesondere für schwere Nutzfahrzeuge, Busse, Schiffe und so weiter. Sehen Sie da die Möglichkeit, oder soweit ich das jetzt auch mitbekommen habe in unserem Gespräch, sehen Sie für Freudenberg die Möglichkeit, sich da noch zu positionieren und die Frage zu bekennen und sich an erster Stelle zu setzen?

  17. Claus Möhlenkamp:

    Also ich würde das nicht wagen zu sagen, dass China bei der Brennstoffzelle nicht führend ist. Ich glaube, dass eine ganze Reihe von Aktivitäten in China stattfinden und möglicherweise auch zielführend und wegweisend sind. Es ist für mich schwer zu beurteilen. Die Frage ist immer die, wie robust ist das System und wie gut ist das System. Es macht wenig Sinn, einen Brennstoffzellenbus auf die Straße zu bringen, der nach einem Jahr ausfällt. Also insofern glaube ich, dass wir technologisch in der westlichen Hemisphäre da definitiv mithalten oder vielleicht sogar die besseren Systeme haben. Aber natürlich müssen wir an diesem Markt teilnehmen. Das ist gar keine Frage. Wir haben viele Beispiele, wo wir auch nicht über den Systemansatz, sondern über die Brennstoffzellenkomponente schon heute in den chinesischen Markt hineinliefern.

  18. Sebastian:

    Gut, aber da zumindest, so wie ich jetzt die Presseinfos gedeutet habe, sehen Sie da zumindest die größere Chance, sich noch zu positionieren am Markt oder im globalen Markt, sage ich mal, als jetzt in dem reinen Batteriebereich.

  19. Claus Möhlenkamp:

    Ja, ganz bestimmt. Und natürlich auch im Hybridbereich, also Kombination von Batterie und Brennstoffzelle.

  20. Sebastian:

    Wenn Freudenberg von der Brennstoffzelle redet, ist es dann meist eher auch in diesem Hybridbereich zu sehen aktuell? Oder habt ihr da noch gar keine Vorstellung, wie sich das dann in einem späteren Zeitpunkt mal aufteilen soll, ob ihr dann eben rein Brennstoffzelle oder Hybrid mit Batterie?

  21. Claus Möhlenkamp:

    Nein, das ist völlig losgelöst voneinander. Wir liefern auch heute in Brennstoffzellen Projekte hinein, die komplett als reine Brennstoffzellen funktionieren. Fahrzeuge ausgelegt sind. Beispielsweise gibt es im Bereich der Gabelstapler, der Forklifts, gibt es heute viele, viele Brennstoffzellenanwendungen, wo Freudenberg Kernlieferant ist an seine Kunden. Und es macht durchaus Sinn, wenn sich eine Hybridvariante anbietet, wie beispielsweise im Transitbusbereich, im Stadtbusbereich, dann ist das eine andere Fragestellung.

  22. Sebastian:

    Okay, jetzt habe ich noch den Umschwung oder würde ich nochmal kurz zurückgehen, da ist mir nämlich wieder eingefallen, was ich noch wissen wollte. Im Pressgespräch kam das Thema Retrofit auf, auch in Bezug auf die Schiffe. Das heißt, aus Ihrer Sicht oder aus Sicht von Freudenberg könnte sich rechnen oder wird sich rechnen, auch für Schifffahrtsgesellschaften zu sagen, okay, wir nehmen unsere Kreuzfahrtschiffe vom Meer runter, rüsten die auf Brennstoffzellensystemen um. um die dann wieder emissionsärmer und kostengünstiger auf das Meer zu bringen. Ist das so richtig?

  23. Claus Möhlenkamp:

    Ja, das ist völlig richtig. Ein Kreuzfahrtschiff hat eine Lebensdauer von bis zu 30 Jahren. Und wenn Sie zurückrechnen wollen, 2050 klimaneutral, das hieße eigentlich ab 2020 nur noch... Diese Form von Technologien, das findet natürlich nicht statt. Insofern wird das Retrofit stattfinden müssen. Aber es muss natürlich passen. Es wird dann stattfinden, wenn das Schiff in die Werft kommt und von der Technologie komplett neu aufgebaut wird. Dann kann man diese Technologien vorhalten und auch da einführen.

  24. Sebastian:

    Das wäre dann aber quasi auch der nächste Schritt, sondern man fängt erst mit an, komplett neue Schiffe auszurüsten, um dann im folgenden Schritt irgendwann auch mal eben die in der Werft vorständigen Schiffe umzurüsten.

  25. Claus Möhlenkamp:

    Ich habe zu meiner Überraschung gelernt bei einem Besuch auf einer dieser Kreuzfahrtschiffwerften, dass die heutige Schiffsgeneration, die neuen Schiffe, schon gebaut werden. mit Räumlichkeiten für eine Brennstoffzellenapplikation und dazugehörige zum Beispiel Methanoltanks. Das wird schon quasi antizipiert.

  26. Sebastian:

    Okay, also ist man da auch der Zeit voraus oder auch wenn es nicht so kommuniziert wird am Markt oder in der Presse, denkt man da eben auch schon die Schritte weiter.

  27. Claus Möhlenkamp:

    Ja, eine sehr reale Lösung kommt da.

  28. Sebastian:

    Okay, dann zum Abschluss des Gesprächs. Ich meine, wir haben es jetzt im Gespräch gehört, die Brennstoffzelle bietet viel Potenzial. Ihr verliert jetzt durch den Übergang zum Verbrenner, auch wenn das nicht euer Hauptgeschäft ist, wenn das nur ein Anteil davon ist, den PKW-Bereich, bis zu 70% des Umsatzes wird mitgerechnet ab 2035 bis 2040. Aber so wie ich es jetzt einschätze und so wie Sie es, glaube ich, auch schon gesagt haben, kann man da um ein Vielfaches das mit der Brennstoffzelle übersteigen. Vielleicht können Sie da einfach auch zum Abschluss nochmal einen Ausblick geben, wo da die Reise hingehen kann.

  29. Claus Möhlenkamp:

    Ja, also wir gehen natürlich vor unsere strategischen Planungen vom Worst-Case-Szenario aus, um einfach am Ende auch nicht überrascht zu sein. Die 70 Prozent ist rein rechnerisch, wenn das komplette Geschäft mit Dichtung für Verbrennungsmotore wegfällt. Das sehe ich lange nicht. In 2035 ist es vielleicht auf einem Niveau 30% weniger oder 40% sogar, aber nicht komplett. Es wird weiter Hybridvarianten geben, wo klassische Verbrenner zum Einsatz kommen. Natürlich kleiner, in abgespeckter Form, aber sie werden nicht komplett wegfallen. Und insofern glaube ich, wir können da völlig entspannt sein. Trotzdem haben wir natürlich die Urgency jetzt auch bei den neuen Technologien und den Anspruch auch dabei sein zu wollen. Insofern fahren wir eigentlich eine doppelte Agenda. Wir behalten das klassische Geschäft im Auge, optimieren es weiterhin im Sinne von Operational Excellence und geben Vollgas bei den neuen Technologien. Und am Ende wird es ausgehen und wir werden sicherlich deutlich mehr Geschäft haben als heute.

  30. Sebastian:

    Schön. Dann vielen Dank für die Eindrücke von Freudenberg, für die Zeit für das Gespräch und wir sind gespannt, was noch kommt.

  31. Claus Möhlenkamp:

    Vielen Dank, Herr Henssler.

  32. Sebastian:

    Das war es also, unser Interview mit dem CEO von Freudenberg Sealing Technologies. Ich denke, wir haben ganz interessante Einblicke in die Entwicklung, die angestrebte zukünftige Entwicklung des Unternehmens erhalten und haben interessante Wege aufgezeigt bekommen, was man mit der Brennstoffzelle alles angehen kann und warum es sich doch eher anbietet, mit der Brennstoffzelle in eher schweren Bereichen wie Bus, Schiff und so weiter anzufangen und sich nicht direkt auf den Pkw zu konzentrieren. Des Öfteren sind hierbei die Stichworte Skaleneffekte, Wertschöpfungstiefe gefallen. Freudenberg will also versuchen, mit großen Anwendungen auf den Markt zu kommen und über entsprechende Masse die Kosten nach unten zu drücken und dabei so viel in-house wie möglich zu fertigen, um einfach zum einen den Prozess in der eigenen Hand zu haben, damit die Qualität zu bestimmen, aber um eben auch die Kosten in der eigenen Hand zu haben und dadurch den Weg auf den Markt zu bereiten. Aus meiner Sicht äußerst interessante Ansätze, die man hier verfolgt, die auch sehr vielversprechend klingen. Ich würde mich persönlich darüber freuen, wenn du mir deine Meinung dazu zukommen lässt, was du von der Brennstoffzelle und dem Einsatz im Heavy-Duty-Bereich hältst. Natürlich kannst du dies entweder per Mail oder per Nachricht bei Facebook, LinkedIn machen, als auch einfach direkt unter dem zugehörigen Artikel im Blog zu kommentieren. Den Link dazu, wie auch weiterführende Links, findest du wieder in den Shownotes des Podcasts. Ich bedanke mich nochmal bei Freudenberg, dass ich die Möglichkeit hatte, hier den Blick hinter die Kulissen zu wagen und ein wenig mehr über die Brennstoffzellentechnologie-Ansätze des Unternehmens zu erfahren. Und ich bin mir sicher, wir werden das Ganze noch wenig genauer betrachten, denn spätestens nächste Woche gibt es einen zweiten Podcast dazu, zu dem Pressegespräch, wo wir mit Herrn Steffener zu sprechen oder gesprochen haben. der sozusagen der Brennstoffzellenexperte par excellence bei Freudenberg ist und der das Ganze nochmal aus einem anderen Winkel aufgreifen wird wie Herr Möhlenkamp. So oder so, denke ich, haben wir alle was gelernt bei der heutigen Folge. Ich würde mich freuen, wenn du nächste Woche wieder einschaltest, wenn es heißt, dass die nächste Folge des Podcasts von Elektroautonius online ist. Und wenn du uns was Gutes tun möchtest und die E-Mobilität noch ein wenig mehr in die Welt hinaustragen willst mit uns gemeinsam, kannst du das ganz einfach machen. Schau auf Spotify, iTunes und Co. vorbei, hör unsere Sendung. Und wenn du möchtest, hinterlässt du uns eine Kommentare, eine Kritik bei iTunes, damit einfach auch andere in den Genuss kommen, unseren Podcast zu hören. Vielen Dank für deine Unterstützung. Bis dahin. Mach's gut. Ciao.