Helmut Kastler: Der Antrieb der Zukunft ist elektrisch

Im Gespräch mit Helmut Kastler, Mitgründer und CEO von Cable Sherpa

In unserer neuesten Podcast-Folge habe ich mich mit Helmut Kastler, Mitgründer und CEO von Cable Sherpa, zusammengesetzt, um über den Wandel vom Verbrenner zum Elektroauto zu sprechen und warum dieser Wandel vielleicht doch nicht so negativ ist, wie es oft in den Massenmedien dargestellt wird. Vor allem, wenn man eher Lösungs- statt Problemorientiert denkt. Klingt einfach, ist es nicht immer.

Helmut, der seit über 20 Jahren im Automobilsektor tätig ist und bereits umfangreiche Erfahrung in der Elektrifizierung und Hybridisierung von Fahrzeugen gesammelt hat, teilt seine Sicht auf die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der Elektromobilität. Er hat eine beeindruckende Karriere hinter sich, die ihn von der Getriebeentwicklung über die Hochvoltintegration bis hin zur Mitgründung seines eigenen Start-ups Cable Sherpa geführt hat. Dabei war er weltweit unterwegs und konnte in den verschiedensten Märkten wertvolle Erfahrungen sammeln.

Eines der zentralen Themen unseres Gesprächs war die Polarisierung in den Medien, die häufig die Schwierigkeiten des Wandels zur Elektromobilität betont. Helmut ist jedoch überzeugt, dass „der Antrieb der Zukunft elektrisch ist“ und sieht die eigentliche Diskussion bei den Energiespeichern, also den Batterien und deren unterschiedlichen chemischen Zusammensetzungen, nicht mehr beim Antrieb an sich. Während in Deutschland oft E-Fuels und Wasserstoff als Alternativen diskutiert werden, sieht Helmut diese eher in Bereichen wie der Luftfahrt und Landtechnik sinnvoll, wo es weniger Alternativen gibt.

Was die Entwicklung von E-Autos angeht, betont Helmut, dass es entscheidend ist, die Nutzer stärker einzubeziehen. „Wir müssen die Benutzer, die Fahrer:innen ein Stück weit mehr mit einbeziehen“, erklärt er. Es wird noch viel zu wenig getan, um die Ladeinfrastruktur und die mit dem E-Auto verbundenen Kosten für die Nutzer attraktiver zu gestalten. Statt nur den Listenpreis von E-Autos zu betrachten, wäre es aus seiner Sicht sinnvoll den Blick auf die Gesamtkosten transparent abzubilden. In der Praxis eher selten gelebt.

Sein Start-Up hingegen nimmt sich Herausforderungen beim Thema Laden an. Cable Sherpa hat eine Lösung entwickelt, die das Laden von Elektroautos komfortabler und sicherer macht: Ein Schwenkarm-System, das dafür sorgt, dass Ladekabel nicht mehr auf dem Boden liegen. „Das Kabel soll sauber geführt und sicher sein“, beschreibt Helmut das Konzept. Diese einfache, aber effektive Idee soll dazu beitragen, die Akzeptanz für E-Autos zu steigern, indem sie das Laden komfortabler und barrierefreier gestaltet. Der Name Cable Sherpa ist dabei kein Zufall: „Ein Sherpa ist ein Unterstützer, ein Lastenträger, der dem Benutzer die Belastung abnimmt“, erklärt er weiter.

Das Produkt, das ursprünglich aus einer persönlichen Erfahrung heraus entwickelt wurde, stößt mittlerweile auf großes Interesse – sowohl bei Privatpersonen als auch bei Unternehmen, die ihre Flotten ausstatten wollen. Helmut sieht hier einen wachsenden Markt: „Wir bekommen mittlerweile bereits Anfragen aus dem gesamten europäischen Raum.“ Besonders in gewerblichen Anwendungen, wo Ordnung und Sicherheit oft weniger strikt eingehalten werden, bietet die Lösung von Cable Sherpa einen klaren Kostenvorteil, da sie Schäden und damit verbundene Reparaturkosten vermeiden kann.

Die Zukunft sieht Helmut klar elektrisch und ist überzeugt, dass dieser Wandel, trotz aller Herausforderungen, nur durch eine Kombination aus technologischer Innovation und einem Umdenken bei den Konsumenten erfolgreich sein kann. „Das Laden anstelle des Tankens passiert mehr oder weniger nebenbei und das ist perfekt“, fasst Helmut seine Vision zusammen. Nun aber genug der Vorworte lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen und mehr über Helmut Kastlers spannende Ansichten und Projekte erfahren!

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto News 100 Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Helmut Kastler zu Gast, der in der Welt der E-Mobilität ja schon über zwölf Jahre aktiv und unterwegs ist, selbst schon einige Zeit E-Auto fährt, aber auch vor allem in diesem Bereich beruflich Hand angelegt hat. Zuletzt eben im Batteriespeicher-Segment hat er auch maßgeblich Projekte mit vorangetrieben, wie er uns gleich selbst erklären wird oder erläutern wird. Aber im Gespräch sind wir vor allem auf den Wandel von Verbrenner zur E-Mobilität eingegangen, was sich auch in der Denkweise der Menschen ändern muss, damit das eben zum Erfolg wird und dass es eben nicht nur Jobverluste, Abbau von Arbeitsplätzen und so weiter gibt, sondern eben auch sehr viele Chancen, die genutzt werden können, wie er es eben auch selbst macht, gerade mit seinem Startup Cable Sherpa, was er mit zwei anderen Mitgründern gegründet hat, um eben auch Ladeinfrastruktur barrierefrei zugänglich zu machen. Im Frühjahr diesen Jahres gestartet gibt es mittlerweile Anfragen aus Österreich und Deutschland an das Unternehmen und man arbeitet schon an weiteren Produkten. Wir gehen rein ins Gespräch mit Helmut. Servus Helmut, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns hier ein wenig über E-Mobilität und auch so den Wandel vom Verbrenner zum E-Auto unterhalten können und dass vielleicht doch nicht alles so schlecht ist, wie man denkt. Wenn man das so den Massenmedien nimmt, ich sage mal Massenentlassungen auch, die da ja immer wieder zur Sprache kommen. Bevor wir allerdings da vertieft darauf eingehen, stell dich unseren ZuhörerInnen doch gerne mal selbst vor.

  3. Helmut Kastler:

    Guten Tag, also hallo Sebastian, mein Name ist Helmut Kastler. Ich bin schon mittlerweile 20 Jahre oder mehr als 20 Jahre im Automotivbereich tätig, in unterschiedlichen Zulieferunternehmen und ganz stark im Bereich Antriebstechnik. Von beginnend Nutzfahrzeuglastig, das heißt Feuerlöschfahrzeuge, dann habe ich zu einem Antriebsspezialisten in der Zulieferindustrie gewechselt, war dort zuständig für das ganze Thema Getriebeentwicklung, habe dort auch die Möglichkeit bekommen erstmalig eine Elektrifizierung und Hybridisierungsabteilung aufzubauen, wo wir erstmalig Elektromotoren integriert haben, habe dann gewechselt zu einem Entwicklungsdienstleister. dort auch sehr stark im Bereich Hochvolt-Integration globale Zuständigkeiten übernommen. Das heißt, ich war dort zuständig für Elektrifizierung und Hybridisierung. von Nutzfahrzeugen, Baumaschinen und Landmaschinen, war unterwegs in Europa, USA, China, Indien, Japan, also sehr viele Reisetätigkeiten und dann 2016 in ein Startup gewechselt, das damals in der Garage begonnen hat mit Batterieentwicklung. Habe dort, würde man sagen, eine einmalige Gelegenheit im Leben wahrgenommen, habe einige Schritte zurückgemacht und habe hier unterstützen dürfen, Entwicklungsmethodik reinzubringen, die Technologie zu unterstützen und das dann so weit voranzutreiben zu einem globalen Player, der dann 2021 in ein globales Netzwerk übernommen worden ist von einem großen Landtechnikunternehmen und habe mich dann entschieden, in diesem Jahr komplett neu zu starten. Das heißt, ich habe beginnend mit einer Idee oder mit einem Problem eigentlich eine Lösung zu beschreiben und und dann gemeinsam mit Kollegen hier ein Startup gegründet. Das Startup heißt Cable Sherpa und soll mehr oder weniger Probleme lösen, die den Benutzern von Elektrofahrzeugen den Komfort erhöhen sollen und hat parallel dazu aus der Vergangenheit auch noch im Bereich Entwicklung des weiteren Unternehmen und interessierten Zugang zu machen ein zweites Unternehmen für Mechatronikentwicklung begonnen, aber dazu später mehr.

  4. Sebastian:

    Danke Helmut, dass du uns hier abgeholt hast und dann eben auch schon so einen Einblick auf deine bewegte Vergangenheit in Anführungsstrichen gegeben hast. Da war ja dann wirklich alles mit dabei aus verschiedensten Bereichen und wir hatten es ja im Vorgespräch schon darüber, all diese Entwicklungen und Schritte, die du gegangen bist, die helfen dir jetzt ja auch in deinem aktuellen Startup dann eben weiter und das ist ja auch die Thematik, die wir ja zuvor hatten, dass es eben vielleicht gar nicht, so schlimm ist der Wandel vom Verbrenner hin zur E-Mobilität, wie das auch in den Massenmedien immer kundgetan wird, weil ja doch vieles auch adaptiert werden kann. Oder wie ist da deine Einschätzung dazu?

  5. Helmut Kastler:

    Ja, ganz genau. Meine Einschätzung ist so, in den Massenmedien wird es natürlich sehr polarisiert. Schlussendlich bin ich davon überzeugt, dass wir umdenken müssen und das in der Art und Weise schaffen, damit man wirklich den Konsument mit ins Boot holt. Schlussendlich der Konsument am Ende will mobil bleiben und das zu leistbaren Kosten. Und das ist die Aufgabe von uns als Entwicklungsingenieure, als Unternehmen, als Industrie, schlussendlich, das zu ermöglichen. Und Polarisierung schafft Diskussion, aber schlussendlich muss man auf die Lösung hin. Und die Lösung ist für mich seit mehr als zehn Jahren sehr klar. Das heißt, der Antrieb ist elektrisch. Die Art und Weise, wie dieser Elektromotor versorgt wird, da wird sich noch viel bewegen. Derzeit ist die Batterie, wie wir sie kennen, mit bekannten Chemiezusammensetzungen, ob das LFP oder NMC ist, da wird sich noch sehr viel bewegen. Aber wirklich, das nennen wir Technologieoffenheit oder Technologiediskussion, soll am Energiespeicher passieren, aber nicht auf der Antriebsform.

  6. Sebastian:

    Das ist so ein guter Hinweis deinerseits. Das heißt aber Energiespeicher, Batterie, unterschiedliche Chemien, die da vielleicht kommen sozusagen dann noch, aber Antrieb rein elektrisch. Wie stehst du dann in dem Zusammenhang, also was in Deutschland ja auch immer wieder aufkommt, das Thema E-Fuels, Wasserstoff, HVO. Also da werden ja sämtliche Störfeuer dann noch links und rechts gezündet sozusagen, dass man eben nicht nur gezielt diesen einen Weg verfolgen kann.

  7. Helmut Kastler:

    Ja, das ist natürlich eine sehr wichtige Diskussion und wir benötigen auch diese Energieformen. Aber wenn man sich vor Augen hält, dass die Verbrennungskraftmaschine schlussendlich 20 bis 30 Prozent in Fortbewegung umsetzen kann, ist es eine Verschwendung der Energie. Man soll diese Technologie, ich nenne es erneuerbare Treibstoffe, für jene zugänglich machen, wo es wenige Alternativen gibt. Und da denke ich ganz stark an das Thema Luftfahrt. Auch im Bereich Agrartechnik, ich denke an Landmaschinen, die zum Beispiel 20 Stunden mit sehr hohem Energiebedarf herumfahren und selbst dort haben wir derzeit viel zu wenige erneuerbare Treibstoffe und dort macht es Sinn. Für individuelle Mobilität, Pkw etc., wo wir sehr gute Infrastruktur schon haben, die muss natürlich noch verbessert werden, gebe ich dem ganzen Thema wenig Chancen.

  8. Sebastian:

    Da teilen wir dann eine Meinung dazu und natürlich sollte man immer offen sein und auch offen diskutieren, aber der eine Weg ist jetzt eingeschlagen, der überzeugt durch die Fakten, du hast das Thema Effizienz mit in den Raum geworfen, das ist schlussendlich das Totschlagargument für alles dann im Endeffekt, wenn wir ehrlich sind. Die Diskussion oder wie hast du den Wandel selbst erlebt sozusagen aus dieser Verbrennerwelt kommend in die Neue Mobilität hinein. War es dir möglich, dein Wissen da zu adaptieren und mit hinüberzutragen? War es schwierig? Also kannst du uns da noch ein Stück weit abholen, wie man eben solche Schritte auch geht und dann eben auch mit gewissen Ängsten, weil ich sage mal, wo du den Schritt gegangen bist, war das ja noch nicht so klar ersichtlich, dass der Pfad da richtig erscheint, in Anführungsstrichen, wie das jetzt vielleicht 2024 der Fall ist.

  9. Helmut Kastler:

    Es war auf alle Fälle schwierig. Die Angst des Unbekannten war selbst bei mir ganz stark vorhanden und das bedingt natürlich ein Verlassen der Komfortzone, sich mit neuen Themen auseinandersetzen und sobald man das einmal geschafft hat, die Art und Weise, wie man das dann ermöglicht hat, auch anderen beizubringen. Ein ganz einfaches Beispiel dazu, bei einem Unternehmen, wo ich tätig war, war ich eben zuständig für das Thema Elektrifizierung von Lampmaschinen, Nutzfahrzeugen etc. und das waren extrem gute und perfekte Ingenieure in der Getriebeentwicklung. Und die Aufgabe war es, ein Hybridgetriebe zu entwickeln mit Integration eines Elektromotors. Durch die Abstraktion der Lösung haben wir es geschafft. Das heißt, die Aufgabe war dann anders. Die Aufgabe hat gelautet, integriere eine metallische Scheibe mit 200 mm Durchmesser, 100 mm Länge, ca. 40 kg, kreiere eine Lagerstelle dazu, es müssen drei Anschlusselemente drauf und das war's. Und dann war das Problem gelöst.

  10. Sebastian:

    Andere Verpackung, gleicher Inhalt sozusagen. Spannend, dass man das so angeht. Du hattest aber auch vorhin den wichtigen Punkt gebracht, auch bei diesem ganzen Wandel von Verbrenner zur E-Mobilität. Wir müssen die Benutzer, die Fahrer, FahrerInnen ein Stück weit mehr mit einbeziehen. Bist du dementsprechend eher der Meinung, dass da am Markt oder an den FahrerInnen vorbei entwickelt wird im Moment?

  11. Helmut Kastler:

    Ja, zu einem Teil. Großteils versucht man natürlich den Fahrer in den Mittelpunkt oder die Fahrerin, die Benutzer schlussendlich in den Mittelpunkt zu setzen durch Infotainment, also das ganze Thema Benutzerschnittstelle, da passiert sehr viel, aber das ganze drumherum. Das heißt, Lademanagement, wo kann geladen werden, wie kann geladen werden, Reichweitenangst etc. Da passiert noch zu wenig. Und was ganz wichtig ist, dass auch viel zu wenig passiert, ist diese Kostenbetrachtung. Wir wissen, dass ein Elektrofahrzeug ca. 10.000 bis 15.000 Euro teurer ist in der Beschaffung. Und über die Lebenszeit dann der Break-Even nach circa vier bis fünf Jahren passieren und dann über Lebenszeit die Gesamtkosten günstiger sind. Und ein privater Nutzer sieht den Preis auf dem Kaufvertrag. Und dadurch entscheiden sich viele dagegen. Und es braucht auch hier Ansätze, damit man hier Kostenparität schafft und schlussendlich dann diese Diskussion des Anschaffungspreises allbeseitigt, was natürlich dann noch dazu kommt. Das ganze Thema Ladeinfrastruktur, Komfort der Ladeinfrastruktur vollständig zu Ende zu denken. Und deshalb habe ich auch hier ein Unternehmen gegründet, um hier das ganze Thema Kabelmanagement, Komfort, Barrierefreiheit, Sauberkeit, Sicherheit mit dazu zu bringen, weil das Laden passiert großteils an anderen Plätzen, nicht mehr an der Tankstelle. Das heißt, das Laden passiert zu mehr als 80 Prozent im privaten Raum. Das heißt, entweder in der Tiefgarage, am Parkplatz etc., Und dazu braucht es auch noch Lösungen.

  12. Sebastian:

    Eine von diesen Lösungen habt ihr ja entwickelt, so wie du es ja auch schon angerissen hast mit CableSherpa. Es dreht sich um Ladekabel, wie der Firmenname sozusagen schon vermuten lässt. Magst du uns da mal ein Stück weit abholen, was denn euer Produkt ist, was ihr entwickelt habt und welches Problem vor allem damit gelöst wird?

  13. Helmut Kastler:

    Genau, also das Problem aus persönlicher Erfahrung, ich fahre seit mittlerweile... Beinahe zehn Jahre elektrisch. Das Problem liegt darin, dass dieses Kabel, man kennt es von den Smartphones, die liegen herum. Man muss es immer wieder aufwickeln, wenn man eine gewisse Ordnung benötigt. Und es ist dann nicht ein Komforthema, sondern kann sogar ein Sicherheitsthema werden. Es kommt das ganze Thema dazu, das Kabel, das herumliegt, wird verschmutzt. Man muss beim Aufwickeln in irgendeiner Form angreifen, dann wird man schmutzig an den Händen, an der Kleidung. Und das sind alles Komfortthemen, wo ich dann der Meinung war, gibt es doch nicht, dass da keine Lösung dazu gibt. Vor allem dann, wenn wir verlangen, dass die Mobilitätswende rasch voranschreiten soll, dann braucht es hier Lösungen. Das Ziel war sehr einfach formuliert, das Kabel soll nicht am Boden liegen, das Kabel soll sauber geführt und sicher geführt sein und soll funktionieren. mehr oder weniger durch eine mechanische, sehr einfache Einrichtung so unterstützt werden, dass bestehende Infrastruktur unterstützt werden kann, bestehende Wallboxen, als auch neue Systeme. Das war die Idee und das dann zu Ende gedacht, mehr oder weniger dann natürlich auch dieser Name, Cable Sherpa, kommt ja daher, dass wir gesagt haben, ein Sherpa ist ein Unterstützer, ein Lastenträger, ein edler Lastenträger, der mehr oder weniger dem Benutzer die Belastung abnimmt und den Benutzer unterstützt und das Ganze passiert über Kopf mehr oder weniger, ist ein Tragarmsystem und somit werden diese Dinge Das ganze Thema Sauberkeit wird verbessert, Sicherheit wird erhöht, weil die Kabel nicht mehr am Boden liegen. Komfort wird erhöht, weil das Kabel sehr rasch wieder in die Ausgangsposition geht. Man muss es nicht mehr aufrollen, aufwickeln. Das ist nur ein kleiner Mosaikstein, um eben die Akzeptanz auch in der Elektromobilität zu erhöhen.

  14. Sebastian:

    Im Endeffekt kann ich es mir dann wirklich so wie so einen Schwenkarm vorstellen, der eben flach an der Wand anliegt, der dann, wenn ich an dem Kabel ziehe, nach vorne kommt und ich das Kabel dadurch eben auch an das Auto ranführen kann. Egal, ob ich jetzt vorwärts oder rückwärts eingeparkt habe, egal, ob ich jetzt Front- oder Hecklader bin sozusagen, ich habe einen sehr einfachen Zugang dann dazu. Selbst wenn ich jetzt zum ersten Mal, ich sage mal, das ist eine öffentliche Parkgarage vielleicht, wo euer System installiert ist, muss ich mir nicht noch großartig Gedanken drum machen, wie parke ich jetzt ideal ein, damit mein Kabel auch reinpasst oder dass das Kabel auch an den Stecker passt. Also das macht es auch sehr barrierefrei dann sozusagen.

  15. Helmut Kastler:

    Ganz genau, das ist auch ein wichtiger Punkt, Barrierefreiheit, aber du hast vorhin was anderes noch erwähnt. Das ganze Thema, sich Gedanken zu machen, muss man jetzt rückwärts einpacken, vorwärts einpacken, greift natürlich in die Gewohnheiten der Menschen ein. Und diese Gewohnheiten, ja, wie man weiß, ein Mensch ist ein Gewohnheitstier, sind schwer zu verändern und das war auch für uns der Punkt. Es soll egal sein, ob man es vorwärts oder rückwärts einpackt. Wir wissen, Einsatzfahrzeuge packen rückwärts ein, wenn es zum Einsatz geht, dann muss man rasch weg. Im Pkw-Bereich, im privaten, üblicherweise ist es mehr als 90, wenn nicht sogar 100 Prozent der Nutzer packen vorwärts ein. Und nur jene, die elektrisch fahren, wenn sie wissen, okay, im Heckbereich habe ich mein Ladeport, dann wird rückwärts geparkt. Es wird aber in der Menge nicht funktionieren, meiner Meinung nach, weil der Mensch will sich das nicht nehmen lassen und das ist deshalb auch ein weiterer Punkt, der das unterstützen soll.

  16. Sebastian:

    Das heißt, man holt den Nutzer sozusagen dort ab, wo er eben auch ist und versucht nicht sein Verhalten zu ändern, sondern sich eben dem Verhalten auch ein Stück weit anzupassen.

  17. Helmut Kastler:

    Es ist weniger Aufwand, sich dem Nutzer anzupassen und deshalb werden die Hürden, die Benutzer dann zur Elektromobilität heranzuführen, auch geringer. Und somit kann auch die Akzeptanz gesteigert werden. Und das Thema Barrierefreiheit, wie du erwähnt hast, ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Wir denken immer an gesunde Menschen, Unversehrtheit etc. Es gibt aber auch andere Menschen der Gesellschaft und jetzt gar nicht so sehr, dass man körperlich eingeschränkt ist, sondern es kann auch sein, dass man temporär körperlich eingeschränkt ist. Nicht nur der Fahrer selbst davon betroffen ist, sondern auch alle Passanten. Wenn man jetzt an öffentliche Parkhäuser denkt, etc., ist es für alle... Passanten mehr oder weniger ein Hindernis, wenn Kabel herumliegen. Und das ist auch nicht die Zukunft. Es wird sicher was in die Richtung kommen mit induktiven Ladesystemen, aber das konduktive Laden ist state of the art und wird sicher noch die nächsten Jahre, Jahrzehnte etc. verbreitet sein und ist auch die günstigste Form. Deshalb auch das Thema Barrierefreiheit für uns ganz wichtig.

  18. Sebastian:

    Einen spannenden Fakt, den ich heute Morgen tatsächlich in einem anderen Podcast gehört hatte, hier vor der Aufnahme. Da gab es auch zwei Ladeplätze und Ladekabel natürlich auf dem Boden, so wie man es eigentlich kennt sozusagen. Und der zweite E-Autofahrer hatte auf dem Ladekabel des ersten geparkt, hat sein Auto verlassen und war dann weg. Der andere wollte wegfahren, ging halt nicht, weil er mit dem Reifen drauf stand. Auch so ein Thema, auch wenn es natürlich eher die Nische ist, könnte auch vermeiden.

  19. Helmut Kastler:

    Ja, ist also ein Side-Effekt, ja.

  20. Sebastian:

    Aber das fand ich auch sehr spannend in dem Zusammenhang. Ich hatte es ja im Vorgespräch mit dir auch schon eben drüber gehabt, wo ich dann auch gesagt habe, das wäre jetzt nicht so das erste Produkt, was mir in den Sinn kommen würde, wenn ich an Ladeinfrastruktur denke, egal ob jetzt daheim oder im öffentlichen Laden, weil es doch ein sehr spezielles Problem löst, was so als Problem aus meiner Sicht noch gar nicht erkennbar ist. Ist es so, dass ihr da sehr stark Aufklärung betreiben müsst und dann sozusagen erstmal die Nutzer, NutzerInnen darüber informiert und sagt, hör mal zu, hier ist ein Problem, wir können es euch lösen oder wird tatsächlich auch nach solchen Lösungen schon aktiv gesucht?

  21. Helmut Kastler:

    Also wir sind ja, wie man es so schön bezeichnet, ganz klar in der Bedarfsweckung. Das heißt, jene, die derzeit schon elektrisch fahren, haben sich mit dem Thema arrangiert. Das heißt, es wird akzeptiert. Jedoch müssen wir uns auch vor Augen führen, die derzeitige Marktdurchdrängung oder der Anteil der Neuzulassungen bewegt sich ca. bei 10%. Das heißt, wir sind auch noch sehr stark im Bereich dieser Enthusiasten, dieser Early Adopters, die in den meisten Fällen teilweise sogar damit rühmen, ich habe vier Ladekabel mit fünf Adapter etc., Das wird sich aber ändern und deshalb war das für uns ganz wichtig, hier mit der Bedarfsweckung das Problem zu adressieren und wir haben erst im März diesen Jahres das Unternehmen, gerade im Februar gegründet, im März das Produkt vorgestellt und wir bekommen mittlerweile bereits jetzt Anfragen aus dem deutschsprachigen Raum, aus dem gesamten europäischen Raum von Handelsplattformen, Installationsbetrieben, Infrastrukturunternehmen, sie möchten dieses Produkt haben.

  22. Sebastian:

    Das ist ja spannend, weil das wäre noch die nächste Frage gewesen, ob wir dann eben nur aus dem Privatkundenbereich das dann tatsächlich im Bedarf sehen oder ob es eben auch auf anderer Ebene, so wie du es eben ausgeführt hast, unternehmenseben auch abgerufen wird.

  23. Helmut Kastler:

    Also derzeit sehen wir eine circa 50-50% Verteilung, das heißt Privatnutzer großteils in Garagen und Parkhäusern. Und auch Unternehmen, die eben Fuhrparkflotten damit ausstatten, weil sie eben sehen, und das ist dann nochmal ein riesen Unterschied, eine Privatperson, die sorgt noch eher für Verordnung und Sauberkeit in den eigenen vier Wänden, da wird das Kabel aufgerollt und aufgehängt. Gewerblich sieht es schon etwas anders aus. Da wird das Kabel abgesteckt, irgendwo in die Ecke gelegt, geworfen und das Fahrzeug wird dann in Betrieb genommen. So auf der Art ist nicht mein Eigentum, somit kümmere ich mich nicht wirklich darum. Und somit kommt ein anderer Aspekt auch noch dazu, das ganze Thema Kosten. Ein Kabel, eine Wallbox zum Beispiel, Ein angeschlagenes Kabel, wie man es nennt, das direkt in der Wallbox angeschlossen ist, ein defektes Kabel würde in der Reparatur irgendwo zwischen 500 bis 1000 Euro kosten. Und das ist natürlich auch ein Thema, wo Ladeinfrastrukturbetreiber, Fuhrparkbetreiber danach trachten, eine intakte Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und die Kosten niedrig zu erhalten.

  24. Sebastian:

    Ich glaube, das ist auch tatsächlich ein sehr guter Punkt, um dann eben zu sagen, neben dem Mehrwert kriegt man es auch tatsächlich am Markt abgesetzt, weil wenn du halt siehst, 500 bis 1.000 Euro würde mich das bei einem Kabel kosten, aber eure Lösung kostet vielleicht nur einen Bruchteil davon bzw. verhindert eben, dass diese Kosten überhaupt aufkommen, ist es eigentlich ein No-Brainer, dann eben den Weg dann auch zu gehen schlussendlich.

  25. Helmut Kastler:

    Genau, das sind genau diese zwei Schienen. Das eine ist die Akzeptanz zu finden über den Mehrwert und dann auch den Mehrpreis und dann natürlich gewerblich ist ganz wichtig, auch die Wirtschaftlichkeit zu betrachten. Und dann sieht das ganz anders aus.

  26. Sebastian:

    wo wir ja auch wieder bei den Fakten schlussendlich sind, die du ja auch vorhin bei den PrivatnutzerInnen hattest, TCO, Total Cost of Ownership, eben über die Laufzeit eben nicht immer nur den Anschaffungspreis, wie wir es eben klassisch vom Verbrenner noch kennen zu betrachten, dass mein Listenpreis, und das kostet es mich, sondern eben auch, was spare ich ein über die Laufzeit, wo sind meine Vorteile davon? Also, was man ja festhalten kann, dass mit diesem Verbrennerwechsel hin zur E-Mobilität eben nicht nur ein Antriebswandel stattfindet, sondern es muss eben auch ein Wandel im Kopf schlussendlich stattfinden.

  27. Helmut Kastler:

    Also, Am eigenen Körper erlebt, als ich umgestiegen bin vom Verbrenner auf Elektro. Zu Beginn ein Fahrzeug im Haushalt elektrisch, das war 2016. Das war ein Renault Fluence. Das Fahrzeug hatte 24 Kilowattstunden. Ich glaube, Ladeleistung von 3,6 Kilowatt und eine Reichweite von 100 Kilometer. 2018 habe ich dann umgesattelt auf einen Nissan Leaf, zweite Generation. Der hatte dann schon 40 Kilowattstunden. Und konnte auch schon etwas schneller laden. Mittlerweile sind wir so weit gegangen, wir haben das zweite Auto beseitigt, den Verbrenner raus. Jetzt haben wir im Haushalt zwei Fahrzeuge, beide elektrisch, vollelektrisch, können uns mit eigenem Strom versorgen. Und das Fahrzeug, das derzeitige hat, 87 Kilowattstunden. Und da sind wir schon dort, dass man mit Fug und Recht sagen kann, man braucht keinen Verbrenner mehr, man kann alles mehr oder weniger damit bedienen und die Tankstelle wird besucht vielleicht am Sonntag, wenn die Milch knapp wird. Also das Laden anstelle des Tankens passiert mehr oder weniger nebenbei und das ist perfekt.

  28. Sebastian:

    Sehr schön. Ich fand, das war jetzt auch eine gute Folge, wo wir das eben ein Stück weit zusammengebracht haben, wo wir gesehen haben, wenn man lösungsorientiert denkt und eben nicht immer nur nach dem Problem Ausschau hält, sondern eben schaut, wie kann ich eben auch eine Veränderung in die Welt hineintragen, dann wird das auch möglich sein. Von daher vielen Dank, Helmut, für deine Einblicke, für die Eindrücke aus dem Wandel, in dem du dich ja jetzt mittendrin noch befindest, sozusagen auch mit dem eigenen Startup und viel Erfolg damit.

  29. Helmut Kastler:

    Vielen Dank. Danke für die Zeit und danke für das Gespräch.

  30. Sebastian:

    Das war es da auch mal wieder. Kurz und knapp eine Folge des ERN-Podcasts. Ich hoffe, dir hat sie genauso gut gefallen wie mir. Das Gespräch mit Helmut fand ich doch sehr inspirierend, wie man eben auch Lösungen vorantreiben kann, anstatt Probleme zu suchen, beziehungsweise eben auch einen Markt für sich entwickeln kann, der so noch gar nicht da ist. Spannende Ansätze und hoffe, dir hat es auch genauso gut gefallen. Mach's gut, bis zur nächsten Folge. Ciao.