Tadus' vollelektrischer Traktor: Nachhaltigkeit auf dem Acker

Im Gespräch mit Dr. Thaddäus Baier, Mitgründer und Geschäftsführer von Tadus

In meiner neuesten Podcast-Folge hatte ich das Vergnügen, mit Dr. Thaddäus Baier, Mitgründer und Geschäftsführer von Tadus, zu sprechen. Tadus fokussiert sich auf die Entwicklung vollelektrischer Traktoren, speziell eines 100-kW-E-Traktors, der vielseitig in landwirtschaftlichen Betrieben einsetzbar ist. Thaddäus bringt eine interessante Mischung aus landwirtschaftlichem Hintergrund und Expertise aus der Luft- und Raumfahrt mit, die zur Idee und Umsetzung dieses innovativen Projekts geführt hat.

Während unseres Gesprächs ging es um die Herausforderungen und Chancen, die ein solcher E-Traktor mit sich bringt. Thaddäus erklärte, dass viele landwirtschaftliche Betriebe ihre eigene Energie durch Photovoltaik erzeugen. „Unser Ziel ist es, diese Energie direkt vor Ort zu nutzen und einen vollelektrischen Traktor anzubieten, der einen konventionellen 100-kW-Schlepper vollständig ersetzen kann“, erläuterte er. Dabei hebt er die Vielseitigkeit des Fahrzeugs hervor, das von leichten Frontladerarbeiten bis hin zu schwereren Zugarbeiten alles leisten kann – und das bei einer vergleichsweise hohen Energieeffizienz.

Ein besonders spannender Punkt des Gesprächs war das Thema Energiemanagement. Der Traktor ist nicht nur ein Arbeitsgerät, sondern ein integraler Bestandteil des gesamten Energiesystems auf dem Hof. „Unser Fahrzeug muss das Gesamtwirken am Hof unterstützen, auch wenn es nicht genutzt wird“, betonte Thaddäus. So könnte der Traktor, wenn er nicht im Einsatz ist, als Energiespeicher dienen und etwa die Milch- oder Stallkühlung mit dem erzeugten PV-Strom versorgen.

Die Entwicklung ist auf einem guten Weg: Ein erstes Funktionsmuster wurde Mitte 2023 erfolgreich in Betrieb genommen. Nun arbeitet das Unternehmen an einer Serienlösung, die Ende 2025 auf den Markt kommen soll. Besonders erwähnenswert ist dabei das bidirektionale Ladesystem, das es ermöglicht, den Traktor flexibel in das Energiemanagement des landwirtschaftlichen Betriebs zu integrieren. „Unser Traktor integriert sich perfekt ins Energiemanagement des Hofes. Das bidirektionale Ladesystem ermöglicht es, den Traktor nicht nur zu laden, sondern auch Energie zurück ins Netz oder den Hof zu speisen, wenn er nicht genutzt wird.“

Auf die Frage, warum große Player im Markt bisher nicht in diesem Bereich aktiv sind, meinte der Mitgründer von Tadus: „Vielleicht liegt es daran, dass sie ihr Geld im höheren Leistungsbereich verdienen.“ Er sieht Tadus klar in einer Nische, in der Landwirte vor allem die Möglichkeit schätzen, ihre Betriebskosten signifikant zu senken, indem sie Eigenstrom nutzen. Die Nachfrage nach solchen Lösungen wächst, insbesondere da die Wirtschaftlichkeit des E-Antriebs im Vergleich zu Diesel für viele Betriebe attraktiv ist.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen, wie die Finanzierung und die Suche nach Partnern, um das Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen. „Technologisch sind die Herausforderungen lösbar, aber wir brauchen Partner, um beispielsweise das Servicenetz zu entwickeln“, so Thaddäus. Am Ende unseres Gesprächs sprachen wir darüber, wie Tadus mit Referenzprojekten die Praxistauglichkeit und das Potenzial ihres Traktors demonstrieren möchte. Diese Projekte sollen zeigen, wie sich landwirtschaftliche Betriebe energetisch transformieren und effizienter gestalten lassen. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch mit Thaddäus einsteigen. Lohnt sich.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder mit am Start bist. In der aktuellen Folge habe ich Dr. Thaddäus Baier, Mitgründer von TADUS zu Gast. TADUS ist ein Unternehmen, was sich auf E-Traktoren spezialisiert hat und mit dem gleichnamigen TADUS ein 100 kW Traktor an den Start bringt. Man denkt aber weiter über das reine Nutzfahrzeug hinaus, wieder in diesem ganzen Sektorensegment Energie, Energiespeicherung, als auch eben das Fahrzeug, in dem es genutzt werden kann. Und das macht man mal in einem anderen Umfeld, wie wir es sonst gewohnt sind. Von daher gehen wir direkt rein ins Gespräch mit Thaddeus. Viel Spaß damit. Hi Thaddeus, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir ein wenig über TADUS sprechen. Ihr seid im Bereich der E-Traktoren unterwegs, denkt aber nicht eben nur auf das Nutzfahrzeug ausgerichtet, sondern in dem ganzen Segment. Bevor wir da allerdings tiefer einsteigen, stell dich doch gerne mal selbst vor und verliere auch schon mal ein paar erste Worte zu TADUS.

  3. Dr. Thaddäus Baier:

    Ziel ist die Entwicklung, Produktion und Vermarktung eines 100 kW Traktors, der auf jeweiligem landwirtschaftlichen Betrieb Anwendung finden kann. Ich selber habe einen Ausbildungshintergrund im Bereich der Luft- und Raumfahrt und habe im Bereich Flugregelung promoviert. Vom familiären Hintergrund komme ich aus der Landwirtschaft, kenne alle möglichen verschiedenen Betriebsformen vom ganz normalen, standardkonventionellen Landwirt über den Biobauern bis hin zum Lohnunternehmen. Deswegen kenne ich dieses Umfeld sehr gut und das kombiniert mit meinem ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund hat dann letztendlich zu dieser Idee und der Umsetzung geführt.

  4. Sebastian:

    War das für dich schon immer klar, dass die Ausbildung da Mittel zum Zweck ist und du dann schlussendlich wieder in der Landwirtschaft landen möchtest, um dann eben so ein Projekt voranzutreiben oder hat sich das ergeben?

  5. Dr. Thaddäus Baier:

    Ich würde sagen, es hat sich ergeben. Also natürlich habe ich mich für Landtechnik immer schon umfangreich begeistern können, aber auch durch mein Studium und der verschiedenen Herausforderungen im Bereich der Landwirtschaft Bei Flugzeugentwicklung habe ich auch die Leistungsfähigkeit elektrischer Antriebe und dieser Komponenten eben kennengelernt und dann hat man halt eins zum anderen gepasst und die Idee ist daraus entstanden.

  6. Sebastian:

    Die Idee, du hast es eben schon angerissen gehabt, ist ein 100 kW E-Traktor. Für welchen Bereich? Also ich bin da kompletter Laie, muss ich sagen. Ich gehe davon aus, dass es beim Großteil der ZuhörerInnen auch der Fall ist. Kannst du das noch ein Stück weit einordnen? Wo kommt der zum Einsatz? Für was ist er gedacht?

  7. Dr. Thaddäus Baier:

    Also vielleicht muss man ein bisschen unterscheiden. Also quasi aus der nicht technischen Perspektive... ist quasi die Idee dahinter steckt, dass die Energie, die vor Ort erzeugt wird, und landwirtschaftliche Betriebe stellen in der Regel oft sehr viel eigene elektrische Energie her, in der Regel durch Dachflächen, Photovoltaikanlagen, vor Ort nutzen kann. Das macht unabhängig und das ist auch extrem gut für den Gärbeutel. Unser Ziel ist ein 100 kW-Schlepper, der ist eigentlich auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb anzufinden. Vielleicht im Süden von Deutschland eher der größere oder der mittelgroße Schlepper, im Norden von Deutschland vielleicht eher der kleinere Universalschlepper. Aber es ist das Fahrzeug, das sehr viel im Teillastbereich operiert, oft auf Grünland angewendet wird, Frontladerarbeiten macht, Transportarbeiten. Also das ist so ein Fahrzeug, mit dem sehr viele verschiedene Arbeiten gemacht werden. können und genau dieses wollen wir durch ein vollelektrisches Fahrzeug ersetzen. Vielleicht um uns da auch ein bisschen noch abzugrenzen, mit diesem Fahrzeug kann man alles das machen, was ein konventioneller 100 kW Schlepper macht, auch schwere Zugarbeiten sind problemlos möglich, wir haben das auch bereits erprobt. Wenn man jetzt einen reinen Ackerschlepper hat, sagen wir mal im Leistungsbereich von 200 oder 300 kW, der mit einer hohen mittleren Auslastung betrieben wird, dann ist es so, dass man das batterieelektrisch nicht mehr machen kann. Man kann dann unsere elektrische Leistungsübertragung verwenden, aber dann muss man vielleicht einen anderen Energiespeicher oder einen Energieträger einbinden. Unsere Leistungsübertragung, aber ich denke, da gehen wir später noch genauer darauf ein, kann man genauso mit einer Brennstoffzelle mit Wasserstoff oder auch mit einem pflanzenbetriebenen oder fossilbetriebenen Verbrennungsmotor mit Generator mit Energie versorgen.

  8. Sebastian:

    Jetzt hast du es schon ein Stück weit eingeordnet, wofür man ihn verwenden kann. Von der Kraft, von der Power, die er mitbringt, ist die Zeit, die er aktiv ist, also die Strecke, die er zurücklegt, ist das ein ausschlaggebender Faktor. Weil aus dem Pkw-Segment reichen ja E-Autos nicht aus, die nur 500 Kilometer in Anführungsstrichen fahren. Man möchte ja immer die 1500 am Stück idealerweise fahren, je nachdem, wenn man bei uns im Portal da liest. Wie ist denn der reale Bedarf in der Landwirtschaft?

  9. Dr. Thaddäus Baier:

    Unser Schlepper ist im Leistungsbereich von ca. 100 kW angesiedelt. Unser Antriebsstrang hat eine extrem hohe Effizienz und weniger Verlustleistung. Darum brauchen wir grundsätzlich ein bisschen weniger Energie als ein vergleichbarer 100 kW Schlepper, weil der im Getriebebereich einfach höhere Verluste mit sich bringt. Wenn man jetzt eine Batterie integriert mit ca. 200 kWh und diese 40% Auslastung, umlegt und das effizientere Getriebe berücksichtigt, dann kommen wir im Durchschnitt auf eine Betriebszeit von fünf bis sechs Stunden. Leichte Arbeiten wie Frontladerarbeiten können bis zu zwölf Stunden gemacht werden, das ist kein Problem. Schwere Zugarbeiten, beispielsweise Tiefenbearbeitung mit einem Pflug oder einem Grupper, sind wir so im Bereich von drei Stunden unterwegs. Dabei ist noch hinzuzusehen, dass wir das Fahrzeug mit einem Batteriewechselsystem ausstatten, Dann ist es möglich, die Batterie zu wechseln. Das macht natürlich auch von den Umgebungsbedingungen absolut großen Sinn, weil man in der Regel auf der Fläche ist, wenn gutes Wetter ist. Also man hat einen hohen PV-Ertrag, wenn man mit dem Traktor draußen ist. Das heißt, man kann die Batterie einfach wechseln und dann kann man auf den Dauerbetrieb arrangieren.

  10. Sebastian:

    Dieser Batteriewechsel oder dieses Batteriewechselsystem, was du jetzt eben angesprochen hast, das zahlt ja auch direkt auf diese Komplettbetrachtungsidee eurerseits dahinter, dass man eben den PV-Strom nutzt und dass ja auch ein E-Traktor, wie du mir eben im Vorgespräch gesagt hast, doch auch die meiste Zeit des Tages oder des Jahres auch steht. Also den kann man auch direkt in dieses Gesamtgebilde Energie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb einbinden.

  11. Dr. Thaddäus Baier:

    Absolut richtig. Wir verstehen uns quasi nicht. nicht nur als Hersteller eines Traktors, um Zugkraft bereitzustellen und die mechanische Bearbeitung durchzuführen, sondern wir sehen uns als Hersteller eines Traktors, der sich perfekt in das Gebäude- oder Hofenergiemanagement integriert. Das heißt, das Fahrzeug ersetzt einen konventionellen 100 kW-Schlepper zu 100%, aber so ein 100 kW-Schlepper wird so zwischen 300 und 500 Stunden im Jahr genutzt. Wenn dieses Startfahrzeug steht, dann muss man das sinnig ins Energiemanagement des Gebäudes einbinden. Das heißt, mittags den Strom spreichern und morgens die Milchkühlung oder die Melkmaschine damit betreiben. Das heißt, ich kann damit ein zusätzliches Sparmodell generieren, weil ich meine eigene kostengünstig erzeugte Energie vor Ort nutzen kann. Jetzt kann man noch einen Schritt weitermachen mit den Landwirten, mit denen wir im Austausch sind. Die haben ein großes Interesse daran, das heißt dann nicht die Energie für sich selber zu nutzen, sondern die Energie zu speichern, wenn sie im Überfluss vorhanden ist. Also klassischerweise mittags 12 Uhr, wenn ich einen hohen PV-Attrag habe, diese Energie zu speichern und dann ins Netz einspeisen, wenn sie mit einem hohen Entgelt vergütet wird. Also zusammengefasst, unser Fahrzeug muss nicht nur Zugkraft bereitstellen, sondern unser Fahrzeug muss das Gesamtwirken am Hof unterstützen, auch dann, wenn es nicht genutzt wird.

  12. Sebastian:

    Dann ergibt das ganze System ja aber auch schlussendlich Sinn, wenn du dann eben nicht nur dieses Stehzeug dann da hast, sondern das dann auch tatsächlich nutzen kannst. Du hast eben auch schon ausgeführt, ihr seid im Gespräch natürlich mit Landwirten, neben der eigenen Erfahrung, die ihr mitgesammelt habt. Wie ist denn generell das Thema Antrieb? Wird das da auch, ich sag mal, so emotional betrachtet, behandelt, wie das beim klassischen Pkw der Fall ist? Oder überwiegt da einfach die Kosten-Nutzen-Rechnung der Landwirte und die sagen, okay, wenn wir da ein besseres Ergebnis am Ende vom Tag mit einem E-Antrieb hinbekommen, dann ziehen wir das auch in Betracht?

  13. Dr. Thaddäus Baier:

    Also was wir erleben ist, dass insbesondere letztlich die Kosten-Nutzen-Rechnung ausschlaggebend ist. Viele Landwirte haben die PV-Fläche auf dem Dach, bekommen über einen gewissen Zeitraum eine feste Einspeisevergütung im Rahmen einer Förderung und irgendwann läuft diese aus und dann müssen sie den Strom frei verhandeln. Es ist je nachdem, Also zu welchem Zeitpunkt man sich das genauer anschaut, aber ich sage mal, es ist so um die drei Cent rum und da macht es einfach großen Sinn, diesen kostengünstigen Strom selber zu nutzen. Also die Landwirte, die aktiv auf uns zukommen und die Landwirte, die sich aktiv dafür interessieren und es sind ja nicht wenige, die sind quasi, die betrachten die Sache mit dem gespitzten Bleistift und wollen quasi ihre Wirtschaftlichkeit signifikant verbessern. Also im Vergleich zum Diesel und der Nutzung des Eigenstroms kann man die Kraftstoffkosten um 70 bis 80 Prozent reduzieren, je nachdem, was man als elektrischen Strompreis annimmt und was man als Dieselpreis annimmt.

  14. Sebastian:

    Das ist definitiv eine Ansage. Natürlich kostet auch da der E-Tractor wahrscheinlich mehr in der Anschaffung. Aber schlussendlich über Total Cost of Ownership wirst du ja davon profitieren, dass du da eben günstiger unterwegs bist. Du hast es schon ein Stück weit eingeordnet. Die Nachfrage ist da nach eurem Produkt. Das ist aber in dem Sinne noch gar nicht in Serie auf dem Markt. Ihr seid noch in der Entwicklung. Kannst du uns da zum aktuellen Stand bei euch bei Tatos abholen?

  15. Dr. Thaddäus Baier:

    Ein erstes Funktionsmuster haben wir ungefähr Mitte 2023 in Betrieb genommen. Das hat von der Fahrzeugarchitektur schon unseren voll elektrifizierten Antriebssprang bzw. diese voll elektrifizierte Leistungsübertragung. Dieses Fahrzeug haben wir dieses Jahr oder vor ein paar Wochen eben erfolgreich zulassen können und wir erproben den Antriebsstrang und die Nutzbarkeit intensiv und werden jetzt auch als nächsten Schritt die bidirektionalen Einsatz damit angehen. Gleichzeitig entwickeln wir eine Art Vorserienlösung. Wir hoffen, dass wir mit dem Montagebeginn Ende 2024, Anfang 2025 starten können, sodass wir gegen Ende 2025 eine Serienlösungen präsentieren können. Aus der Fahrzeugperspektive muss man ganz einfach sagen, hier ist alles möglich und es ist eigentlich eine reine Infrastruktursache am Hof. Also das Fahrzeug, das wir letztes Jahr erfolgreich in Betrieb genommen haben, mit dem haben wir schon alles gemacht auf der Ladeseite. Also ganz klassisch mit 22 kW über eine leistungsfähige Wallbox oder halt über den Hauskraftschirmanschluss. Wir haben auch schon wenn man das sozusagen Gleichstromladen gemacht mit entsprechender Leistung. Wir hatten eine Ladesäule bis 180 kW, die Batterie im Fahrzeug ist ungefähr C1 fähig. Das heißt, bei einer 200 kWh Batterie kann man das voll ausnutzen. Die Frage ist, was gibt der Hausabschluss am jeweiligen Gebäude ab? Und somit das Ergebnis, ja, wir können Gleichstrom laden, wir können ganz klassisches Wechselspannungsladen, Wechselspannungsladen ist bei 22 kW, Gleichstrom laden, je nachdem an welchem Batteriepunkt man hängt, ist mit hohen Leistungen weit über der 100 kW-Grenze möglich. Von unserer Seite geht das also problemlos. Die Frage ist, was es an der jeweiligen Hochstelle verfügt.

  16. Sebastian:

    Und was ist schlussendlich natürlich auch notwendig, weil ich sage mal, wenn er dann eh über Nacht steht, dann kann er genauso gut mit 22 kW laden. Da muss ich dann nicht eine riesen Ladeinfrastruktur oder Anschlussleistung zur Verfügung stellen, gehe ich von aus.

  17. Dr. Thaddäus Baier:

    Richtig. Also diese Ladeinfrastruktur und auch die Thematik mit der Wechselbatterie, da muss man einfach den jeweiligen landwirtschaftlichen Betrieb anschauen, wie der aufgestellt ist. Was hat er noch für andere elektrische Verbraucher von der Stallüftung bis zur Getreidetrocknung? Und dann muss man quasi im Rahmen einer energetischen Transformation und einer Wirtschaftlichkeitssteigerung vom Betrieb anschauen, wie kann man das Gesamte sinnvoll zu einem Zusammenspiel bringen. Unsere Komponente muss sich integrieren und dann kann man sich ausrechnen oder auslegen, wie man das fahrzeugladen möchte.

  18. Sebastian:

    Was mich jetzt natürlich noch interessieren würde, wir sehen, es ist ein Bedarf da, es ist ein Markt da, der sich entwickelt oder wo auch die Nachfrage da ist, vor allem wenn man eben dieses gesamte, also diese gesamtlandwirtschaftliche Betrachtung damit einbezieht, also die Sektoren zusammenbringt, Energie, Fahrzeug, Batteriespeicher. Warum machen das große Player am Markt noch nicht oder kommt da was? Also wie ist da die Einschätzung? Habt ihr da einen Vergleich zu Marktbegleitern, die eben vor allem im klassischen Verbrennerbereich vielleicht unterwegs sind?

  19. Dr. Thaddäus Baier:

    Die Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, warum machen das die Großen nicht, weil wir da bei denen nicht drinsetzen. Es gibt verschiedene Gründe vermutlich. Also zum einen machen es vielleicht die Großen nicht, weil sie ihr Geld im höheren Leistungsbereich verdienen. Also ich sage jetzt mal über der 150-200 KB-Schwelle, da laufen die großen Stückzahlen. In dem Bereich macht tatsächlich die batterieelektrische Lösung vielleicht einfach wenig Sinn. Das ist vielleicht ein Hintergrund. Vielleicht hat es auch gewisse Ähnlichkeiten aus dem Bereich der Elektromobilität des klassischen PKWs. Natürlich beginnen wir auch mit einer Nische. Es gibt jetzt die ersten Landwirte, die sich quasi neben der klassischen Lebensmittelerzeugung auch dem Energiesektor interessieren. öffnen. Warum es die Großen nicht machen, Weiß ich nicht genau. zu machen? Also vielleicht die großen Herausforderungen von einem Startup sind, glaube ich, immer die gleichen, dass man Finanzierung braucht, egal ob das jetzt ein Technologie-Startup ist oder in einem anderen Bereich aktiv ist. Also das ist sicher eine große Herausforderung. Dann ist natürlich eine große Herausforderung, dass wir Partner Gewinnen ist natürlich die Zulieferseite, aber auch die Partner gewinnen, dass wir mit dem Produkt an den Markt gehen. Also wir werden jetzt nicht alles alleine aus dem Boden stampfen. Technologisch schon, das Fahrzeug entwickeln, das kriegen wir sehr gut hin. Es gibt zwar technische Herausforderungen, aber die sind für den Ingenieur alle lösbar. aber wir brauchen Partner, wenn es um Service-Netz und dergleichen geht. Da braucht man Unternehmen oder Leute, die innovativ sein wollen und da müssen wir uns gut vernetzen, aber es ist trotzdem eben eine Herausforderung, das entsprechend zu bewerkstelligen. Das sind so die großen Herausforderungen. Also technologische Entwicklung, ja, wobei ich jetzt sagen würde, dass das der klassische Ingenieursalltag ist und da gibt es die organisatorischen Herausforderungen, die passenden Und natürlich die Finanzierung.

  20. Sebastian:

    In unserem Vorgespräch hast du ja auch gesagt, dass es wahrscheinlich Sinn ergeben würde, wenn man das Ganze auch mal ein Stück weit greifbarer werden lässt in Form von Referenzprojekten, wo man eben auch dieses ideale Zusammenspiel aufzeigt und dann eben auch dem Landwirt, der Landwirtin dann eben vorführt, damit die das auch unter alltäglichen Bedingungen sehen und testen können. Magst du das mal noch ein Stück weit ausführen?

  21. Dr. Thaddäus Baier:

    Also prinzipiell macht unser Traktor bereits Sinn, wenn ich einen konventionellen Traktor durch diesen ersetze und einfach meinen PV-Strom, den ich selber kostenmäßig erzeuge, da rein tanke und dann das Fahrzeug betreibe. Damit spare ich bereits Geld und damit amortisiert sich dieses Fahrzeug auch schneller und besser als ein konventionelles. Aber das ist nicht der ganze Hebel, den dieses Fahrzeug sozusagen bereitstellt. Der eigentliche Hebel kommt eigentlich dann erst zum Wirken, wenn ich mir überlege, wie muss ich meinen Hof energetisch transformieren. Welche Energieträger, welche Energiespeicher habe ich auf dem Hof? Ich habe meistens sehr verschiedene. Ich habe Strom, ich habe fossile Kraftstoffe, ich habe Biomasse. Und ich muss da eine sinnvolle Gesamtlösung zu finden und meinen Energieverbrauch bzw. auch meine Energiekosten auf ein Minimum reduzieren. Und da muss der Landwirt quasi seinen Betrieb energetisch transformieren. Das ist eine große Herausforderung mit großen Investitionen verbunden. Und vermutlich ist der Traktor nur eine Komponente in diesem gesamten Zusammenspiel. Und so ein komplexes Energiemanagement, wo man seine Kosten signifikant senken kann, kann nicht jeder Landwirt für sich selber erfinden, auch wenn jeder landwirtschaftliche Betrieb sozusagen gewisse Eigenhand hat, sondern da würden wir es sinnvoller empfinden, wenn man quasi Referenzmodelle startet, verschiedene Milchviehbetriebe, Ackerbaubetriebe, Obstbaubetriebe und alles, was dazugehört, dort Platz finden und man so eine Art Entscheidungsmatrix entwickeln kann, wo die Landwirte sehen können, was müssen sie machen, dass sie ihren Betrieb energetisch umstellen können, welche Herausforderungen stecken dahinter, was kann man einfach umsetzen, was kann man nicht, wo machen Investitionen Sinn und wo machen Investitionen nicht Sinn. Und das bezieht sich jetzt nicht nur auf die Elektromobilität auf Basis der Batterie, sondern vermutlich werden da auch andere Energiespeicher und Medien eine Rolle einnehmen, egal ob es jetzt pflanzliche Kraftstoffe sind, Landwirt die passende Lösung ist. Die batterieelektrische Lösung macht grundsätzlich Sinn, weil wir die Infrastruktur mit der eigenen Stromerzeugung bereits da haben. Aber der ganze Hof ist sicher eine komplexe Herausforderung, wo nicht jeder Landwirt das Lehrgeld zahlen sollte, sondern wo man das grundsätzlich sich anschauen sollte, Modelle schaffen sollte, wo die Landwirte quasi hinkommen können und sich das ab ihren Betrieb in den nächsten 10, 20 Jahren umbauen können, was die Vorteile sind und was die Nachteile sind und mit was sie am meisten Geld sparen können.

  22. Sebastian:

    Definitiv ein nachvollziehbarer Ansatz, vor allem, weil man dann eben auch das Geld sinnvoll investieren kann und dann noch die eine oder andere energiewirksame oder sparsame Lösung einsetzen kann, was man vielleicht in einem anderen Fall verbrennen würde. Ich fand das sehr spannend, diese Einblicke auf euer Projekt, auf den Tattoos und wir werden das Projekt weiter verfolgen und ich gehe von aus, wir können einfach in einem halben, dreiviertel Jahr nochmal sprechen, um dann zu schauen, wie ihr weiter vorangeschritten seid und wie eben auch die Rückmeldung funktioniert. aus der ersten, ich sag mal, Vorserienproduktion ist, beziehungsweise auch von weiteren Landwirten, die sich vielleicht mehr mit eurem Thema beschäftigt haben. Danke für deine Zeit, Thaddeus.

  23. Dr. Thaddäus Baier:

    Sehr gerne. Vielen Dank für die Einladung und für das Gespräch. Hat mir Freude gemacht.

  24. Sebastian:

    Das war doch definitiv mal eine etwas andere Folge hier auf ERN oder im ERN-Podcast besser gesagt. Ich hoffe, die hat genauso viel Freude bereitet, wie es bei mir der Fall war. Thaddeus hat mir auch erzählt, im Hintergrund sucht man natürlich nach dem einen oder anderen Investor, der unterstützen kann. Entweder mit Kapital und oder Wissen auch eben schlussendlich. Und falls du daran Interesse haben solltest oder jemand kennst, der daran Interesse hat, kannst du gerne bei mir melden. Ich mache das direkte Intro zu Thaddeus und würde mich freuen, wenn wir dann den Tattoos noch schneller auf dem Feld sehen. Dir vielen Dank fürs Zuhören bei der aktuellen Folge. Mach's gut, bis zur nächsten Folge. Ciao.