Warum Ladepreise wichtiger sind als Kaufprämien für E-Lkw

Im aktuellen Podcast spreche ich mit Christoph Wede, einem ausgewiesenen Experten für Nutzfahrzeuge, über die Lage der Branche zum Jahresende 2025. Schon zu Beginn wird klar, wie sehr die politische Entwicklung die Diskussion prägt. Das mögliche Abrücken der EU vom Verbrenner-Aus ab 2035 sorgt nicht nur im PKW-Segment für Unruhe. Christoph ordnet ein, dass solche Signale auch im Nutzfahrzeugbereich Wirkung entfalten. „Das ist ein absoluter Rückschritt“, sagt er, weil Speditionen und Logistiker damit erneut Unsicherheit erleben – eine Unsicherheit, die schon seit dem Wegfall der Förderungen 2024 zu spüren ist.

Trotz politischem Gegenwind beschreibt Christoph ein Jahr, in dem vieles vorangegangen ist. Die Verfügbarkeit elektrisch betriebener LKWs habe sich spürbar verbessert. Die großen OEMs wie auch kleinere Anbieter hätten reichlich Modelle auf den Markt gebracht, die technisch überzeugen. „Die Fahrzeuge performen“, so Christoph, und Probleme im täglichen Betrieb höre er derzeit kaum. Die Herausforderungen liegen woanders: in der Nachfrage und der immer noch unzureichend ausgebauten Ladeinfrastruktur auf der Strecke. Depotladen funktioniere sehr zuverlässig, aber unterwegs sei das System noch lückenhaft. Gleichzeitig bleibe der Strompreis der zentrale Kostentreiber – und damit ein Hemmschuh für die Skalierung.

Beim Absatz zeigt sich: Die Bereitschaft, auf elektrische Nutzfahrzeuge umzusteigen, ist gedämpft. Ohne Unterstützung etwa über attraktivere Strompreise lohne sich der Umstieg für viele Betriebe schlicht nicht. Christoph bringt es klar auf den Punkt: „Die Kosten draußen zu laden sind aktuell völlig unattraktiv.“ Deshalb würden trotz neuer Modelle weiterhin überwiegend Diesel-LKW gekauft. Sein Vorschlag für eine echte Entlastung ist eindeutig: Strom für definierte Zeiträume subventionieren, speziell für das Laden auf der Strecke. Das wäre seiner Einschätzung nach ein direkter und wirksamer Hebel, um Wirtschaftlichkeit herzustellen und gleichzeitig CO₂-arme Transporte zu fördern.

Unser Gespräch führt uns auch zum ÖPNV. Dort setzt die Politik durchaus positive Zeichen. Christoph verweist auf das neue Depotprojekt der BVG, für das der Bund 1,1 Milliarden Euro bereitstellt. Damit lassen sich mehrere tausend E-Busse fördern – ein starkes Signal für die Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs.

Damit endet ein Gespräch, das zeigt, wie viele Stellschrauben im Nutzfahrzeugbereich aktuell gleichzeitig bewegt werden – technisch, politisch und ökonomisch. Vieles entwickelt sich positiv, doch zentrale Punkte wie Strompreis, Ladeinfrastruktur und klare politische Rahmenbedingungen bleiben entscheidend für die kommenden Jahre. Nun aber genug der Vorrede – steigen wir direkt in das Gespräch ein.

P.S. Zum Zeitpunkt der Aufnahme stand noch zur Diskussion, wie viele E-Busse von BYD beschafft werden. Am Ende waren es 200 statt der erwähnten 700.

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einem neuen Voreselektrode-News-Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast. Zu Gast habe ich Christoph Wede, seines Zeichens Nutzfahrzeugexperte und wir haben uns über das Thema Nutzfahrzeuge ausgetauscht. Wer hätte es gedacht? Natürlich elektrifizierte Nutzfahrzeuge, vornehmlich im Bereich LKW, aber eben auch im Bussektor. Wir haben geschaut, was im zweiten Halbjahr 2025 gut gelaufen bzw. weniger gut gelaufen ist, inwiefern das vom Verbrenner aus Auswirkungen auf diesen Sektor haben wird und wohin die Reise 2026 gehen wird. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Christoph. Viel Spaß damit. Servus Christoph, schön, dass du hier wieder am Start bist vom ERN-Podcast und wir uns ein wenig austauschen können über das Thema Nutzfahrzeuge, elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge natürlich. Und dem allen voran steht ja das Verbrenner aus, was jetzt hier so Mitte Dezember 2025 nochmal aufgekommen ist, vor allem im Pkw-Bereich. Es scheint so, als ob die EU Rückschritte machen möchte von dem Verbrenner aus, was für 2035 gesetzt war. Hat das Auswirkungen auf den Lkw-Nutzfahrzeug-Bereich? Wie siehst du das?

  3. Christoph Wede:

    Lieber Sebastian, vielen Dank erstmal, dass ich heute wieder in deinem Podcast sein darf zum Ende des Jahres. Sehr, sehr nett. Ja, gerade heute haben wir ja gehört und gelesen, dass die EU wohl auch von diesem Verbrennerverbot ab 2035 abrückt. Ich denke, grundsätzlich ist schon viel dazu gesagt worden. Meine persönliche Einschätzung ist, ja, es wird Einfluss haben, auch auf den Nutzfahrzeugbereich. Es hat ja schon eine ganze Weile ein Stück weit einen Einfluss auf den Nutzfahrzeugbereich, seit, ich sage mal, 2024 mit dem Wegfall der Förderungen und der Fördersituationen, die wir da vom Bund hatten. Und jetzt nochmal einen Schritt in die Richtung Verbrenner gehen, zeigt ganz klar, dass es schwierig wird, nicht nur im Pkw-Bereich, sondern auch im Nutzfahrzeugbereich. Ich bin ziemlich sicher, dass auch das Auswirkungen haben wird.

  4. Sebastian:

    Wir haben jetzt aber auch schon im Vorgespräch mal kurz über das Jahr 2020 gesprochen, wie hat es sich entwickelt, gerade im Nutzfahrzeugbereich. Was ich mitgenommen habe aus dem Gespräch, die Verfügbarkeit der Fahrzeuge stellt nicht mehr die Herausforderung aktuell dar.

  5. Christoph Wede:

    Ich glaube, es gibt ganz, ganz viel Positives zu berichten im Jahr 2025, was sich entwickelt hat, was im ersten Halbjahr schon sich abgezeichnet hat und jetzt im zweiten Halbjahr nochmal Fahrt aufgenommen hat. Völlig richtig, Sebastian. Ich sage mal, Das Equipment, sprich die Fahrzeuge, sind im Moment nicht die Herausforderung. Die Hersteller, die großen OEMs und auch die kleineren OE-Partner haben Fahrzeuge auf den Markt gebracht. Die Fahrzeuge sind verfügbar. Das ist super. Die Fahrzeuge performen. Also ich kenne im Moment tatsächlich keinen Spediteur oder Logistiker, der Probleme hat in dem Bereich des Fahrzeuges. Das ist gut, das ist klasse und ich würde mir wünschen, dass es auch 2026 und die nächsten Jahre weiterhin Fahrt aufnimmt. So ein bisschen herausfordernd ist, oder was heißt so ein bisschen, ist natürlich jetzt, je mehr Fahrzeuge auf Strecke kommen, die Möglichkeit der Fahrzeuge zu laden. Und ich spreche nicht vom Depotladen, was hervorragend funktioniert, gerade auch im Begegnungsverkehr. Das ist klasse, aber auf Strecke, da tun wir uns noch ein Stück weit schwer, weil die Ladeinfrastruktur am Ende des Tages immer noch sehr schlecht ausgebaut ist. Da haben wir einfach noch zu wenig Fahrt.

  6. Sebastian:

    Nehmen wir das mal alles Schritt für Schritt ein Stück weit auseinander. Du hast gesagt, die Verfügbarkeit der Fahrzeuge über die OEMs, egal ob jetzt größer oder kleiner, ist gegeben, hat sich auf jeden Fall verbessert im vergangenen Jahr. Wie ist es denn mit dem Absatz der Fahrzeuge? Werden sie denn auch so angenommen, wie sie denn zur Verfügung gestellt werden? Also sprich, sind da auch die elektrisch betriebenen Nutzfahrzeuge auf dem Vormarsch? Kannst du das ein Stück weit für uns einordnen?

  7. Christoph Wede:

    Ja, da hakt es noch ein bisschen. Das ist natürlich auch gestuldet der geopolitischen Diskussion. Da waren wir eben beim Fremdbrennerverbot. Es gibt Speditionen, Spediteure, Logistiker, ob kleinere oder größere hier in Deutschland, aber auch in der DACH-Region und EU-weit. Die sagen, okay, wenn du keine Förderkulisse hast, um ein E-Fahrzeug ein Stück weit mit zu fördern, ist es einfach schwierig aufgrund der Problematik, dass du für ein E-Fahrzeug, wenn du mit dem Fahrzeug auslieferst, fährst, auf Strecke gehst, ja keinen Cent mehr kriegst für die Frachtkosten. glaube ich, brauchen wir hier nicht beleuchten. Der ist immens. Der ist in der EU sehr stark. Die sind sogar rückläufig an der Stelle. Und das ist sehr, sehr schwierig. Ich bin auch persönlich nicht ein Freund davon, unbedingt das Nutzfahrzeug an sich oder den E-Lkw zu fördern. Es gibt andere Möglichkeiten der Attraktivierung, beispielsweise über das Thema Stromkosten. Und das ist ja ein Thema, was wir dann beim Laden auf der Strecke Ich sage mal, Mylands baut ja Ladeparks, Aral Pulse baut Ladeparks. Aber die Kosten draußen zu laden für den Spediteur ist aktuell völlig unattraktiv. Da haben wir beim letzten Podcast drüber gesprochen. Das hat sich in den letzten Monaten auch nicht wirklich verbessert. Aber da sehe ich einen Hebel und auch einen Hebel, den die Bundesregierung hätte gebraucht. jetzt spielen können, wo wir ein Stück weit Sondervermögen von 500 Milliarden Euro in die Hand genommen haben. Da hätte man das unterstützen können. Natürlich, wir können über die Mautfreiheit diskutieren. Mautfreiheit für E-LKWs, Wasserstoff-LKWs verlängert bis 2031. Aber aus meiner Sicht ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bedenklich ist, dass die Verfügbarkeit da ist, aber die Skalierung dahin aufgrund der immer noch reduzierten Nachfrage oder des aufkommenden Tempos Natürlich schwierig ist, weil Dieselfahrzeuge werden nach wie vor viel gekauft. Überhaupt nicht zu verdammen, aber es ist halt ein Großteil. Bei dem einen oder anderen Hersteller gibt es immer noch 80 Prozent dessen, was die Produktion und den Absatz im Jahr ausmacht. Ja, und jetzt mit dem heute durchgedrungenen Finalen oder nächsten Etappe, das 2035 ausgesetzt wird, Aus meiner Sicht das völlig falsche Signal. Für Deutschland war es schon das völlig falsche Signal. Und das ist es auch jetzt. Und das sehe ich nicht nur im Lkw-Bereich. Ich sehe es auch im Pkw-Bereich. Ich meine, da bist du tiefer drin als ich. Aber es ist ein absoluter Rückschritt. Und ich habe vor einigen Tagen... die Möglichkeit gehabt, hier in München an einem Symposium teilzunehmen, was vom Bayerischen Wirtschaftsministerium war. Da war es ein Thema zum Wasserstoff. Da haben wir lange drüber diskutiert, auch mit Herrn Aiwanger. Wir können über Herrn Aiwanger denken, was man will, aber an der Stelle hat er schon eine klare Position, die da sagt, völlig falsches Signal und auch anders als sein Chef, der Herr Söder hier in Bayern, der das ja propagiert.

  8. Sebastian:

    Der Söder mal lieber auf seinen Adjutanten gehört in dem Fall dann tatsächlich. Ich teile da deine Meinung vollkommen. Das ist das falsche Signal, was wir hier senden. Daran werden wir erstmal nichts ändern. Woran man ja was ändern kann, ist ja wahrscheinlich auch die Aufklärung der Thematik noch. Weil die Fahrzeuge an sich werden sich wahrscheinlich auch nicht absetzen, weil dieses TCO-Verständnis teilweise noch fehlt. Zum anderen aber, du hast es ganz deutlich gesagt, der Strompreis ist der behindernde Faktor, weil genau dadurch kriegst du ja die Kosten auch nicht runter. Wobei der Hebel ja relativ simpel umzulegen wäre, zumindest wenn man es denn ernst meinen möchte. Du hast es gesagt mit dem Fördertopf, wo man das Geld reinfließen lassen könnte, um dann eben auch herstellerunabhängig das Ganze voranzutreiben, um eben in breiter Fläche zu verändern.

  9. Christoph Wede:

    Es ist ein super Stellhebel, der Käufer, der ein LKW kauft und der sagt, ich brauche eine Sattelzugmaschine und diese Sattelzugmaschine, die fahre ich mindestens 60 Monate. Wenn du dann hingehst und sagst, okay, für die ersten 24 Monate kriegst du von mir eine Subvention von x Euro für deinen Strom, egal ob du den bei dir im Depot lädst und oder aber, draußen, wobei ich würde es nach draußen geben, ich würde es gar nicht über das Depot, weil da sind die Kosten viel, viel geringer, weil du ihn ja selber betreibst im großen Stile und das über die verschiedensten Mittel, Photovoltaik, Energiespeicher etc. pp. Deswegen ist da gar nicht der Hebel, sondern bewusst auf Strecke geben, bewusst sagen, Da kriegst du von uns eine Subvention für 24 Monate oder aber Kilometer gebunden. Auch das kann man ja machen. Man weiß ungefähr, wie viele Kilometer die Speditionen im Schnitt im Jahr zurücklegen. Und da hältst du einen Hebel. Und da hältst du einen großen Hebel. Und ich glaube, dass das ein guter Ansatz ist. Ich glaube, ich weiß es. Ich spreche fast täglich mit vielen Spediteuren. Ich spreche mit der Politik. Ich spreche auch mit Förderverbänden. Und die sehen das ähnlich. Also das ist keine Idee von mir, ganz und gar nicht. Aber ich setze mich damit sehr lange schon auseinander, abseits einer Fahrzeugförderung hinzugehen und zu sagen, was ist, wenn wir den Strom subventionieren? Aber wir kommen ja nicht an. Die ganzen Verbände diskutieren darüber. Ich bin sehr eng verbunden mit dem VSL hier in Baden-Württemberg. Da habe ich einen sehr, sehr guten Draht hin. Die verkrampfen sich für ihre Mitglieder wirklich in äußerster Konsequenz. Aber am Ende des Tages, die Politik nimmt es entweder, sie hören es und wollen es nicht, oder sie hören es nicht und wollen es nicht. Sowieso nicht. Das ist sehr, sehr schwierig und ein Stück weit auch traurig. Und ich glaube auch, und das ist dann in deinem Feld, ich spiele den Ball mal in deinem Feld, Pkw, auch eine Förderung für einen Pkw. Ich glaube, anstatt jetzt wieder eine Förderung zu geben für gewisse Klientel an Kunden im Pkw, das limitierende Pkw, Thema ist wieder der Strom. Der Strom ist einfach zu teuer. Es gibt x Anbieter an Ladekarten, die du benötigst, zu x Preisen draußen. Und da bist du sicherlich noch viel besser als ich aufgestellt. Aber an der Stelle, es ist so teuer und du hast so eine Spreizung dazwischen. Wenn du den Strom subventionierst anstatt das Fahrzeug, Da hat der Kunde doch am Endeffekt viel, viel mehr von. Und dann würde er auch die E-Mobilität noch mehr annehmen. Das ist meine Meinung. Nochmals, frei von Dogma, es ist meine Meinung dazu.

  10. Sebastian:

    Kann ich nachvollziehen. Also vor allem das Thema Strompreis ist natürlich etwas, was auch extrem diskutiert wird. Mal abgesehen davon, dass man eben den Strom bezuschussen könnte, wäre ja zumindest im Pkw-Bereich mal eine Art der Transparenz wünschenswert, dass man auch weiß, wo wie geladen wird, für welchen Preis. Das ist ja selbst für erfahrene E-Mobilisten oder entsprechende Apps dann immer noch so ein schwieriger Grad, wenn man da in Regionen unterwegs ist, wo man eben nicht so häufig lädt oder fährt in dem Fall. Insofern kann ich das schon nachvollziehen. auch da wird es nicht die eiligende Wollmilchsau geben, die die Ideallösung für alles ist, das ist vollkommen klar, aber mir leuchtet es ein, vor allem jetzt im Nutzfahrzeugbereich, wo wir bei dir unterwegs waren, du hättest die direkte Zuordnung, du könntest über zurückgelegte Kilometer das Ganze steuern, du merkst, okay, wir kriegen auch nicht nur Also was ja auch wieder für die Frachtkosten natürlich entscheidend ist, dass auch eine Firma weiter in dem Wettbewerb bleiben kann, um sich auch diese Fahrzeuge leisten zu können. Sondern du kriegst sie auch grün auf die Straße. Also du kannst dementsprechend nachhaltig fahren, weil du ja auch dementsprechend in die Förderung reingehen kannst und sagen, okay, wir wollen auch die Anbieter entsprechend bezuschussen, beim Ladestrom jetzt wieder die nachhaltigen Strom an den Start bringen. Also man kann es ja auch von dieser Ebene nochmal ein Stück weit sehen.

  11. Christoph Wede:

    Also nochmals, es ist ein Stellhebel und ich glaube, das ist für den Moment aus meiner Sicht und aus anderer Expertensicht einer der größten Hebel. Aber nochmal, wir diskutieren gar nicht darüber und es ist schön, wenn man so einen Podcast mit Fachleuten, so wie du einer bist, einfach mal darüber diskutieren kann. Und je mehr wir darüber diskutieren und je mehr wir es auch an die Lobbyisten tragen, vielleicht wird dann an der Stelle etwas entschieden. Fakt ist, Im Moment haben wir nichts. Aber nochmal, ich finde, es ist sehr, sehr viel Positives passiert. Lass uns bei dem Guten bleiben. Und da hat sich eine Menge in 2025 entwickelt und ich glaube auch in 2026. Gehen wir zu dem ÖPNV ganz kurz rüber. Gestern hat Patrick Stieder, der Bundesverkehrsminister in Berlin, ein Leuchtturmprojekt eröffnet, nämlich von der BVG. den neuen Lade- und Depothof. Und was viele ja gar nicht wissen, ist, dass da die Bundesregierung ja 1,1 Milliarden Euro an Fördermitteln zur Verfügung stellt, um zukünftig den ÖPNV ja vollumfänglich auf E-Busse ein Stück weit umzustellen. Und 1,1 Milliarden Euro, auch da könnte man sagen, das ist nicht viel. Ich finde, es ist ein Ansatz, es ist ein sehr, sehr guter Ansatz, Und runtergebrochen, je nachdem, was du für Fahrzeuge dann auch anschaffst in der Fläche in Deutschland, kannst du damit zwischen 2.000 und 3.000 Busse fördern. Wenn du es richtig machst, vielleicht sogar ein paar mehr. Und das finde ich zum Beispiel ist ein sehr, sehr wichtiger Schritt, ein sehr, sehr richtiger Schritt. Und das finde ich, das macht die Bundesregierung wieder oder das Verkehrsministerium, super, da gibt es das. Und auf der anderen Seite, das vernachlässigt man voll. Und wir dürfen ja nicht vergessen, nochmal ein kurzer Rückschritt zu den Logistikern, den Spediteuren und zu den LKWs. Wir haben im vergangenen Jahr eine Mauterhöhung gehabt an der Stelle und große Teile der Maut geht ja nach wie vor in die Deutsche Bahn, in den Sanierungsbereich für die Deutsche Bahn. Und das passt hinten und vorne nicht zusammen. Das ist überhaupt nicht. Und ich bin 100% bei den Spediteuren, die sagen, Freunde, wir sind etwas Marodes mit einem riesen schwarzen Loch mit unserem Geld am Füttern und gleichzeitig kämpfen wir ums Überleben, sollen aber elektrifizieren oder sollen sogar irgendwann mal Wasserstoff-LKWs anschaffen. Wie sollen wir das machen? Und die 100% richtig. Also es ist nahezu nicht darstellbar. Punkt.

  12. Sebastian:

    Dann sind wir beim Thema ÖPNV, wo du jetzt eben gerade schon so schön angesprochen hast. Das ist ja auch das wunderbare Beispiel, dass dann vor allem Busse aus europäischer Fertigung natürlich gekauft werden bei solchen Förderprojekten. Oder habe ich da ein bisschen was falsch gelesen jetzt die letzten Tage, dass da auch entsprechende Gelder nach China fließen sollen, wo dann eben Busse aus China gekauft werden und nicht hier von Europa, wo man ja vielleicht auch die eigene Wirtschaft vor Ort ankurbeln könnte?

  13. Christoph Wede:

    Sebastian, du bist ein Fuchs. Natürlich hast du das Richtige gelesen. Du sprichst darauf an, was auch in den letzten Tagen durch die Presse gegangen ist, die Ausschreibung der DB über 700 E-Busse und den vermeintlichen wohl erfolgten Zuschlag an ein chinesisches Produkt namens BYD. Ja, ich glaube, da können wir auch vortrefflich darüber diskutieren. Aus meiner Sicht, und das ist meine persönliche Meinung, ein deutsches Unternehmen, was finanziert wird von Steuergeldern, was von vielen Seiten her finanziert wird aus Deutschland, sollte in seinen Ausschreibungen zumindest die Chance geben, dass lokale Anbieter aus Europa, wir im europäischen Segment arbeiten, geht es nur europäisch, nicht auf Deutsch, aber dass europäische Anbieter eine reelle Chance haben und ich sage es auch sehr deutlich, ich habe nichts gegen Chinesen, ich rechne das hoch an, was da passiert und deren Stärke und Speed ist enorm. Das kann man kritisieren. Ich möchte es jetzt nicht kritisieren an der Stelle, sondern ich lasse es einfach im Raum stehen. Aber zurück zur Bahn. Diese europäische Ausschreibung hätte man auf europäische Hersteller beschränken können. Das darfst du, das geht, das ist machbar. Und dann hätte ein europäischer Hersteller den Zuschlag bekommen, dass nun BYD 700 Fahrzeuge bekommt. Passt überhaupt nicht im Einklang. Und wenn wir gestern die Nachrichten lesen, dass Frau Radström, CEO von Daimler Trucks, ankündigen muss, dass im Konzern bis zu 5000 Stellen gestrichen werden müssen und als erster Schritt die Strategieabteilung bei Daimler Trucks. ja wohl geschlossen wird und abgebaut wird, dann habe ich da kein Verständnis für bei so einer Vergabe, wo die Öffentlichkeit und die Bundesbürger darauf schauen. Gleichwohl, wir im IPNV kosteneffizient fahren müssen, alles okay. Aber am Ende des Tages darf da nicht der Preis entscheiden, sondern da muss letztendlich auch die Marktstärke und der Erhalt der wirtschaftlichen Stärke hier in Europa und dann auch in Deutschland im Vordergrund stehen. Und nicht der billige Jakob, sorry, wenn ich das jetzt so deutlich sage, wie vermeintlich ein BYD-Bus ist und ich weiß, was ein BYD-Bus kostet. Das ist aus meiner Sicht nicht zu gutieren. Und da würde ich mir wünschen, dass da auch noch das letzte Wort nicht gesprochen wird. Und ich hoffe, dass die Fachverbände und auch die entsprechenden Bereiche, die es betrifft, gegen dieses Ausschreibungsverfahren und gegen diese Vergabe einen Einspruch einlegen werden. Weil das muss dringend geprüft und hinterfragt werden. Und es ist kein guter erster Schritt von Frau Palla, hier diese Ausschreibung durchzuwinkeln.

  14. Sebastian:

    Kann ich es dazufügen? Ich teile deine Meinung und vor allem verstehe ich halt auch nicht, es gibt vor allem im Pkw-Bereich jetzt auch nicht nur Automobil- oder Nutzfahrzeugbereich, sondern eigentlich generell in der Wirtschaft ja immer mehr, wir wollen den europäischen Raum wieder schützen, gerade zu China jetzt auch mit Xi'in und Temo, was ja auch im Konsumerbereich dann hier rüberkommt. Und dann tätigst du eine Investition in solche Busse nach China, wo man sich ja auch zumindest mal als Laie, der ich jetzt bin in dem Bereich, weil ich es nicht einschätzen kann, weiß, da werden ja auch ein paar hundert Millionen dafür ausgegeben werden schlussendlich. Also das Geld könnte man wirklich bei uns im Wirtschaftsraum halten und vor allem mit dem Hintergrund, den du ja auch ausgeführt hast, mit deinen Drugs, die da einsparen müssen. MAN hat auch schon angekündigt gehabt. Also es geht ja die Reihe weg hier durch bei den Herstellern, dass da auch immer mehr der Rotstift angelegt wird. Dann wäre es ja einfach nur konsequent, wenn ich solche Aussagen treffe, die auch einfach konsequent über alle Linien hinweg durchzuziehen und dann nicht an den Punkten, wo es mir jetzt gerade vielleicht gefällt, die Ausnahmen dann so zu gestalten, damit ich da ein Stück weit mehr scheinen kann.

  15. Christoph Wede:

    Absolut. Und das ist genau richtig. Und wir haben ja sehr gute europäische Bushersteller, genauso wie wir sehr gute europäische LKW-Hersteller haben über die Bank. Und jeder hier in Europa hat seine Daseinsberichtigung. Und gerade in dem Segment Busse ist das Thema batterieelektrische Antriebe ja schon sehr, sehr gut und sehr, sehr weit. Gehen wir nochmal zurück zu Berlin, wo es gestern eröffnet ist. Berlin hat sich vor einiger Zeit dazu entschieden in seinen Ausschreibungen, im ersten und auch im zweiten Los Solaris-Busse zu nehmen. Das ist ein polnischer Hersteller beziehungsweise ein spanischer Hersteller durch die CAF-Organisation. Das ist alles gut und richtig. Da haben alle Europäer angeboten und es gab ein klassisches Ausschreibungsverfahren und da hat dann tatsächlich der gewonnen, der das beste Paket von Preis, Leistung, Service, Aftersales gebracht hat. Und so wünschte ich mir das bei der Deutschen Bahn auch. Ich weiß, wovon ich bei der Deutschen Bahn spreche. Ich kenne das Szenario. Aber das, was da jetzt in Richtung dem chinesischen Produkt gelaufen ist, rein unter dem Aspekt Wirtschaftlichkeit, Preis, da habe ich persönlich ein Problem mit und das ist aus meiner Sicht nicht korrekt. Und wie gesagt, ich hoffe und glaube und höre es seit gestern auch, dass man da sicherlich noch das prüfen wird an der Stelle.

  16. Sebastian:

    Und wir behalten es auf jeden Fall im Blick. Das war doch jetzt schon mal wieder ein schönes Roundup nach dem zweiten Halbjahr 2025, spätestens zur Mitte Halbjahr 2026, würde ich sagen, gehen wir wieder in den Austausch, zu schauen, was hat sich positiv entwickelt, was vielleicht nicht so ganz. Wie steht die Vergabe der Deutschen Bahn eben in Richtung China oder dann doch vielleicht Europa? Da wissen wir wahrscheinlich mehr. Vielen lieben Dank für deine Zeit, Christoph.

  17. Christoph Wede:

    Sehr gerne. Sebastian, vielen Dank.

  18. Sebastian:

    Christoph hat uns hier mal wieder spannende Einblicke aus der Welt der Nutzfahrzeuge mit auf den Weg gegeben, wo ich doch auch wieder einiges lernen durfte bzw. auch erfahren konnte, was man eben vom Pkw-Bereich in den Nutzfahrzeugbereich, Stichwort Strom, übertragen kann, was aber eben auch nicht. Ich hoffe, du konntest einiges auch mitnehmen aus dem aktuellen Gespräch mit ihm. Wird nicht das letzte für dieses Jahr gewesen sein, aber ein guter Start in das aktuelle Jahr 2026. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut. Bis zum nächsten Mal. Ciao.