Diskussion: E-Auto laden im öffentlichen Raum - Wohin geht die Reise?

Im Gespräch mit Holger Rapp, CTO von Qwello

Darf der Ladevorgang an einem schnellen DC-Lader mehr kosten, als an einem langsamen AC-Lader? Sollte Elektroauto laden im urbanen Raum günstiger sein, als auf der grünen Wiese? Bedarf es immer einem festen Ladetarif oder wird sich Ad-hoc Laden mit Giro- und Kreditkarte durchsetzen? Diese Fragen haben Holger Rapp, CTO von Qwello und mich in unserer kleinen Diskussion beschäftigt.

Diese haben wir in unserem gemeinsamen Gespräch näher betrachtet. Für und wider für beide Modelle besprochen und versucht einen Ansatz zu finden, welches Modell nun das bessere ist. Eine klare Entscheidung gibt es hier nicht. Denn je nach Bedürfnis des jeweiligen E-Autofahrers bietet sich eher das eine oder das andere Modell an. An der Diskussion lassen wir dich in der aktuellen Folge teilhaben und sind gespannt was deine Meinung dazu ist.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektro-Auto-News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich Holger Rapp von Qwello zu Gast, einem Full-Service-Anbieter für Ladesäulen. Sprich, man designt, konzipiert, entwickelt... Er produziert die Ladezäulen, baut sie auf, betreibt sie und betreibt die Abrechnung. Also One-Man-Show im Bereich der Ladeinfrastruktur mit Fokus auf urbanen Raum, allerdings auch teilweise zumindest aufs Ländliche betrachtet. Mit Holger habe ich mich teilweise über Qwello ausgetauscht, aber eigentlich ging es eher um eine Grundsatzdiskussion. Wie wird das Thema Laden in der Gesellschaft gesehen? Welche Konzepte gibt es da? Der Vergleich zum Mobilfunk und auch zum normalen Tankenfeld, Tankstellenprinzip. Und wir versuchen da... Im Blick darauf zu werfen, wie wird das Laden eingeordnet, wie wird es künftig betrieben, geht es eher in die Richtung Ad-Hoc-Payment, also sprich ich lade und bezahle mit Giro oder Kreditkarte oder werden wir in Zukunft immer noch abhängig von verschiedensten Ladekartenanbietern oder RFID-Karten sein, die genutzt werden müssen, um das eigene E-Auto zu laden. Soll so ein wenig als Gedankenanstoß für eine Diskussion dienen und würde mich freuen, wenn du die mit uns führst in den Kommentaren zum Podcast. Aber jetzt direkt rein ins Gespräch. Viel Spaß mit der aktuellen Folge. Servus Holger, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über das Thema halböffentliches oder öffentliches Laden unterhalten, da ein wenig austauschen, schauen, was es für Standpunkte gibt, die E-Mobilität ein wenig spalten oder die E-Autofahrer zumindest so in zwei Lager, die wir vorab schon so ein wenig abgesteckt haben für uns und dann auch ins Gespräch mit reinbringen. Bevor wir da allerdings eintauchen in das Thema, stell dich doch gerne kurz vor und auch das Unternehmen, für das du tätig bist, weil das hat ja auch eine Verbindung zum Laden an sich.

  3. Holger Rapp:

    Ja, sehr gerne. Hallo Sebastian, vielen Dank, dass ich heute da sein kann. Ich freue mich sehr, dieses interessante Thema mit dir zu diskutieren. Ja, über mich. Also mein Name ist Holger. Ich bin so vom Hintergrund so ein Computer-Kit. Ich saß immer schon am Rechner, habe früh angefangen zu programmieren, früh angefangen recht erfolgreich Open Source zu schreiben. Und dann habe ich Mathe und Physik studiert und einen Doktor im Maschinenbau draufgesetzt. Mein erster richtiger Job war dann bei Google. Dort habe ich an Robotik-Themen gearbeitet und an Streetview. Und dann, als ich dort weg bin, habe ich hier für einen amerikanischen Rideshare-Anbieter in München das erste Engineering-Office gegründet für die und habe dort an selbstfahrenden Autos gearbeitet mit 35 Mann. Dann hat mich aber so Greentech gereizt und so bin ich dann eben vor zwei Jahren bei Qwello als CTO eingestiegen, also in den Bereich Elektroautos und Ladeinfrastruktur und dort bin ich jetzt für alle Hard- und Softwarethemen verantwortlich. Ja, und über Qwello, was man da wissen muss, also wir sind eine Firma, wir designen, bauen, installieren und betreiben öffentliche AC-Ladesäulen, speziell für den urbanen Bereich. Und was uns da so besonders macht, ist, dass wir unsere Produkte eben sehr konsequent vom Kunden her denken. Deswegen haben wir so ein paar innovative Features, die unsere Kunden auch wirklich super heiß lieben. Wenn ich darf, würde ich kurz vier davon erwähnen. Ja, okay. Also unser erstes Feature, das ich hier erwähnen möchte, ist, dass bei uns eben das Bezahlen mit Girokarte und mit Kreditkarte, das ist genauso schnell und unkompliziert möglich wie die Nutzung von RFID-Karten und kostet auch genau gleich viel. Und das sehen wir auch. Bei uns sind zum Beispiel 25% der Sessions in Deutschland werden bei uns mit Kreditkarte bezahlt und 45% unserer internationalen Sessions sogar kostenlos. weil es halt einfach leicht geht und fair ist. Ein zweites Feature bei uns ist, wir haben ein eingebautes, siebeneinhalb Meter langes, abrollbares Kabel mit einem Typ-2-Stecker. Und auch da sehen wir, 90 Prozent unserer Sessions verwenden dieses Kabel, obwohl du auch ganz leicht dein eigenes Kabel bei uns einstecken kannst, wie bei anderen Ladesäulen. Drittes wichtiges Feature bei uns ist der Parksensor. Also wenn wir sagen, eine Ladesäule ist frei, dann ist die auch wirklich frei, weil wir haben einen Parksensor, der weiß, ob da ein Auto davor steht oder nicht. Und das haben wir speziell, weil es halt super nervig ist, wenn du an eine Ladesäule hinfährst, wo in der App drin steht, dass die frei ist und dann parkt da aber irgendwie gerade so ein Auto davor, weil der Besitzer nur mal schnell zum Bäcker wollte. Und das letzte Feature, das ich hier erwähnen möchte, ist, dass man unsere Säule auch für 15 Minuten reservieren kann. Du kannst also quasi in unserer App sagen, hey, ich bin jetzt bald da, blockiere mir mal sozusagen die Säule und damit den Parkplatz und dann musst du eben nicht lange nach Parkplatz suchen, sondern du fährst hin, steckst ein, läufst weg und bist hoffentlich ein glücklicher Kunde.

  4. Sebastian:

    Ja, sehr schöne Punkte, die er da mitbringt und auch gerade das Thema Shiro-Kreditkarte beim Bezahlen ist ja jetzt auch ein wichtiger Punkt dann für unser Gespräch. Bevor wir da allerdings eintauchen, noch zwei, drei Fragen zu Qwello an sich. Du hast jetzt gesagt, ihr bringt AC-Datestationen in die Stadt rein. Ihr seid jetzt aktuell in Deutschland gestartet und in Schweden unterwegs, wenn ich es richtig weiß, aus dem Vorgespräch.

  5. Holger Rapp:

    Genau, das ist korrekt, ja.

  6. Sebastian:

    Und aktuell der Fokus dann auf den urbanen Raum sozusagen. Also ihr seid schon in Großstädten eher unterwegs. Kannst du das noch ein wenig einordnen? Und warum AC anstatt DC-Lader?

  7. Holger Rapp:

    Ja, okay. Also tatsächlich ist der urbane Bereich so da, wo unsere Säule wirklich strahlt. Also je weiter du halt rausgehst aus dem Bereich, wo Parkplätze knapp werden, desto weniger macht zum Beispiel der Parksensor Sinn. Außerdem haben wir unsere Säule eben sehr schön und schlank designt, damit sie eben wenig Platz wegnimmt in der Stadt, wo das halt sehr wichtig ist, wo halt eben Platz sehr wichtig und sehr rar ist. Und je weiter du halt nach außen gehst, desto weniger ist es dann wirklich relevant. Es ist nicht per se so, dass wir nur die Städte machen, aber das ist eben unser Hauptjagdgebiet, könnte man sozusagen sagen. Und warum nicht DC? Wir glauben... für so Laternenparker vor allem oder Leute, die jetzt nicht einen Parkplatz zu Hause haben, die eben auch in Ballungsräumen häufiger vorkommen, ist DC jetzt nicht unbedingt hundertprozentig immer das Richtige, weil es ist sehr viel größere Infrastruktur nötig dafür, es ist dann auch unter Umständen teurer für den Kunden und so eine AC-Ladesäule ist eben sehr viel einfacher aufzubauen. Ja, und deswegen konzentrieren wir uns ausschließlich auf AC momentan, ja.

  8. Sebastian:

    Vielen Dank für die Einordnung dann nochmal. Jetzt kommen wir auch zu dem Thema, du hast gesagt, ihr denkt, Laden vom Kunden her, sozusagen, wie geht er damit um? Ein wichtiger Punkt, dieses Ad-Hoc-Payment, wo du auch genannt hast, mit Kredit- und Girokarte, ich meine, ein Viertel der Ladevorgänge, die jetzt mit Kreditkarte geladen werden, ist ja schon eine Ansage, muss man ganz klar sagen. Ich denke, das ist auch etwas, wo sich Sinn entwickeln wird, weil... Es nimmt ja eine gewisse Hürde, die man hat, wenn man sich mit dem Thema E-Auto beschäftigt und da jetzt noch nicht so lange drin ist, kommt ja irgendwann mal das Thema Laden auf. Und ich sage mal, in den Anfangszügen oder jetzt die vergangenen Jahre war es dann immer, du hast dann nicht ein Ladestation-Anbieter, wo du eine RFID-Karte oder eine App dazu hast, sondern, ich sage mal, Geldbeutel aufgemacht, dann sind die Ladekarten runtergeploppt dann schlussendlich. Und das sind ja auch so die Modelle, die man hat. Oder es gibt ja wohl... ich sage mal, zwei mentale Modelle, die du ja auch im Vorgespräch schon ins Gespräch gebracht hast. Eben einmal, ja, ich möchte laden, wie mit einer EC oder Kreditkarte, wie ich es halt kenne, vom Tanken dann quasi, wenn ich Benzin in mein Fahrzeug tanke oder dann eben auch so à la Mobilfunkanbieter dann, ich habe hier halt meinen Anbieter in BEW, Plugserving, keine Ahnung, gibt es ja genügend im Markt, mit denen schließe ich meinen Tarif ab und gehe dann dahin. Ähm, Waren das auch Denkanstöße für euch, dann eben zu sagen, okay, wir möchten da eben eine Rundum-Sorglos-Lösung sozusagen zumindest für die Abrechnung bieten?

  9. Holger Rapp:

    Das ist eine gute Frage. Also ich würde sagen, wir haben das wirklich immer aus Kundensicht gedacht, weil wir eben selber Kunden waren. Also wenn wir eben Elektroautofahrer waren und wir kamen an irgendwelche Stationen und du hast da irgendwie so ein Mystery-Tarif, wo du jetzt keine Ahnung hast, was passiert denn, wenn ich jetzt da eine RFID-Karte dann klatsche. Das ist natürlich super unbefriedigend. Und wir kennen es eben von früher, von der Tankstelle, wo es völlig klar ist, du fährst Heute zu Shell, morgen zu Agip und du guckst, was steht denn da irgendwie an dem Preis für Benzin dran? Und dann entscheidest du, ist mir zu teuer, ich fahre weiter oder du sagst, nö, ist okay, da mache ich jetzt den Tank voll. Und so denken wir eben auch unsere Ladesäulen. Natürlich, wenn du jeden Abend an eine unserer Ladesäulen fährst, dann sollte es vielleicht auch noch einen komfortableren Weg geben, irgendwie eine Kundenbindung zu haben, nur einmal im Monat eine Abrechnung zu kriegen oder weiß der Geier, ne? Genauso wie es halt auch beim Tanken der Fall ist, da gibt es auch Gründe, warum du dich dichter an die eine oder andere Tankstelle binden möchtest. Aber der Default Case, den man als Normalbürger eigentlich will, warum soll der beim Laden anders sein als bei der Tankstelle? Das war mehr, glaube ich, unser treibender Faktor dahinter. Es sollte einfach für den Kunden einfach zu verstehen sein und transparent. Und es machte für uns einfach am meisten Sinn zu sagen, nee, Ad-Hoc ist nichts Besonderes. Ad-Hoc ist das Normale und alles andere muss halt auch funktionieren. Aber Ad-Hoc ist eben das, was wir erwarten, dass die Leute am meisten bei uns machen.

  10. Sebastian:

    Das heißt im Endeffekt, also ich meine jetzt gerade so in dem Stadtbereich, wo ihr dann auch unterwegs seid im urbanen Raum, da ist ja auch eher das Thema, da ist eine größere Frequenz, dann sage ich mal, an Wechsel an E-Autofahrern, die dort sind, die ihre Fahrzeuge hinstellen. Das ist jetzt weniger wie auf dem Land, wo es vielleicht zwei Ladesäulen gibt und dann dementsprechend wenige E-Autofahrer sozusagen, die dann halt immer dort laden, ihre feste Station. Da wären wir jetzt wieder bei dem Modell Mobilfunk, wo ich halt mit meinem festen Anbieter was abschließe sozusagen. Und haben dahingegen aber auch noch die Alternative, die du jetzt ja betont hattest, sozusagen dieses Ad-Hoc-Laden. Ich bin jetzt gerade beispielsweise in Frankfurt, was ihr jetzt 2022 ein wenig mehr in den Fokus stellt mit euren Ladesäulen und möchte da halt auch kurz meine 20 Minuten laden mit der Giro oder Kreditkarte bezahlen und dann wieder davon gehen. Also das heißt eigentlich eher... Um das mal wieder zu spiegeln oder wiederzugeben, es geht schon nach den einzelnen Bedürfnissen und die sind halt unterschiedlich von Fahrer zu Fahrer.

  11. Holger Rapp:

    Ja, da gebe ich dir recht. Allerdings, und das ist auch ein bisschen der Grund, warum ich das hier mitgebracht habe zur Diskussion, mein Eindruck ist, dass ein bisschen ein verzerrtes Bild existiert in unserer Industrie da dran. Also du hast jetzt gerade ein Beispiel herausgenommen, die Säulen, die irgendwie mehr oder weniger auf der grünen Wiese stehen, ne? Und da haben wir tatsächlich auch welche. Wir haben Erfahrung aus dem kleinen Städtchen Glonn, wo wir sehr früh ein Pilotprojekt aufgebaut haben. Glonn ist ein paar Kilometer außerhalb von München, aber wirklich wunderschön und auf der grünen Wiese. Und auch dort sehen wir, dass sehr viel ad hoc bezahlt wird, sehr viel weniger Leute da tatsächlich oder ungefähr gleiche Verteilung sozusagen. Ähm, und das ist eben was, was mich so ein bisschen beschäftigt irgendwie. Immer wenn ich mit Leuten aus unserer Industrie spreche, habe ich so den Eindruck, die fallen entweder in dieses Camp-Roaming, ne, oder in dieses Camp-Ad-Hoc-Bezahlen. Aber oft habe ich den Eindruck, dass irgendwie nicht so die richtige, äh, das richtige Verständnis da ist, dass es eigentlich so krass unterschiedliche mentale Modelle sind. Ähm, und dass natürlich irgendwie ein Mix aus beiden passieren muss und passieren wird. Ähm, Und auch da, also ich mache das immer an einem sehr markanten Beispiel fest und da würde mich mal interessieren, wie du darüber nachdenkst. Was wäre denn jetzt deine Erwartung, wenn du jetzt, sagen wir, du lädst heute im Zentrum von München, weil du da wohnst und jetzt fährst du auf den letzten Wanderparkplatz in den Alpen, irgendwo ganz weit oben. Und da oben steht jetzt auch eine Ladesäule. Ist jetzt deine Erwartung, dass wenn du dort Strom zapfst, dass der genau gleich viel kostet wie in der Stadt München? Oder würdest du sagen, nee, das macht ja total Sinn, es ist viel schwieriger, diese Ladesäule dahin zu bringen, dass es völlig klar ist, dass der Strom da so ein bisschen teurer ist?

  12. Sebastian:

    Ja, gute Frage deinerseits. Also ich würde vom ersten Gefühl würde ich sagen, natürlich kostet der Strom dort mehr, weil ich ja auch für die Infrastruktur und den Aufbau dort sozusagen der Ladestation mehr investieren muss, als wenn ich jetzt einen AC-Lader dann beispielsweise in der Stadt München aufstelle. Aber schwierig, eine konkrete Aussage zu treffen. Aber rein vom Grundgefühl, der Aufwand, der dahintersteckt, das dort hinzustellen, würde ich schon sagen, ja. Würde mehr kosten. Wobei der Strom dorthin zu bringen ... Sei jetzt mal dahingestellt, ob der Strom an sich dann teurer ist. Da geht es ja eher um die Infrastruktur, um die Basis, um das dort zu errichten.

  13. Holger Rapp:

    Genau, und zu betreiben und sowas. Und das ist jetzt genau, ich finde, das ist immer ein Beispiel, wo man jetzt an Leute rantritt. Du kriegst zwei Antworten. Die einen Leute, die sagen, jawohl, ich zahle ja auch für den Sprit auf der Autobahn, zahle ich ja auch mehr als jetzt irgendwie beim Autobahnzubringer. Ist ja völlig klar, dass es da irgendwie teurer ist. Es ist ja mehr Aufwand, ne? Und andere Leute sagen, nee, nee, nee, ich mache ja einen Vertrag irgendwie mit meinem Stromanbieter und deswegen erwarte ich eben auch, dass es überall das Gleiche kostet. Beim Mobilfunk, wenn ich jetzt in die Schweiz fahre oder nach Österreich, da kostet es mich ja auch gleich viel und da haben wir ja sehr lange auch dafür gekämpft, dass eben das Roaming beim Mobilfunk irgendwann verständlich wurde. Und das finde ich interessant, eben diese zwei mentalen Modelle, die man irgendwie beide nachvollziehen kann, aber die irgendwie nicht beide wahr sein können. Und wiederum als Gegenteil, wenn du dann mit Leuten redest, ja, darf DC eigentlich mehr kosten als AC, da sagen eigentlich die meisten, ja, klar, DC ist ja viel aufwendiger und man muss mal viel mehr Infrastruktur aufbauen und sowas. Also, dass das irgendwie jetzt eine ENBW oder einer Lego oder wer auch immer eben für AC-Strom weniger verlangt als für DC, ist generell akzeptiert, obwohl das ja jetzt in die andere Richtung geht. Das geht in die Richtung, dass du sagst, nee, das muss halt irgendwie auch nach Aufwand entlohnt werden, sozusagen.

  14. Sebastian:

    Klar, also ich denke, das ist zum einen natürlich auch stark dadurch getrieben, dass so die Anbieter oder die, ja doch, EnBW, Alego jetzt, die Anbieter das auch schon verstanden haben, so zu vermarkten, Achtung, wir haben beim DC-Laden einen größeren Aufwand dahinter. Das wird dann halt einfach so als gegeben genommen, so wie du, wenn ich jetzt sage, Mercedes oder Opel, dann hast du ja auch eine gewisse Vorstellung, was das Fahrzeug kostet, jetzt ohne... ein spezielles Modell da miteinander zu vergleichen, allein schon durch die Marke, allein schon durch diese Erziehung und das Branding sozusagen, was da betrieben wurde in der Vergangenheit, was ja auch mit DC- und AC-Ladern betrieben wurde durch den gesamten Markt, hast du einfach schon die Erwartungshaltung, DC-Laden ist aufwendiger, teurer, dadurch muss der Strom dort auch mehr kosten.

  15. Holger Rapp:

    Genau, richtig, ja. Aber also die Verwirrung oder diese Unentscheidbarkeit sozusagen, die treffen wir auch in verschiedenen Bereichen an. Also zum Beispiel, wenn wir mit Städten reden. Wir hatten einen interessanten Fall in einer großen deutschen Stadt, wo wir mit den Zuständigen geredet haben. Und denen haben wir gesagt, hey, wir haben auch ein Bezahlterminal und wir möchten das auch in allen unseren Stationen aufbauen. Und dann haben die gesagt, ja super, das finden wir klasse. Und ich meine, jetzt natürlich wird es auch 2023 dann Pflicht und zu erwarten sein. Und dann haben wir gesagt, ja, und dort können wir eben auch den gleichen Tarif anbieten, den wir auch unseren Tarif anbieten. Und der ist im Mittel ein bisschen günstiger, als wenn man eben roamt. Und dann haben die uns mit ganz großen Augen angeguckt und haben gesagt, nee, das geht nicht. Also es darf nicht sein, dass es günstiger ist als roamen, weil das muss ja alles fair sein. Und als wir denen halt quasi dann mal vorgerechnet haben, ja gut, also natürlich können wir mehr Geld nehmen, aber dann damit erhöhen wir unsere Marge, nur damit wir gleich sind, was eben das Roaming kostet. Wollt ihr das wirklich? Und dann haben die gesagt, ja, sonst kostet ja das Laden nicht mehr überall das Gleiche. Also selbst da ist die Stadt an sich noch nicht so richtig in sich ruhend gewesen, in sich klar gewesen, was wollen wir denn erreichen? Wollen wir quasi homogen überall das Gleiche oder wollen wir eben sowas ähnliches wie bei der Tankstelle? Wo man eben völlig akzeptiert, dass eben heute der Strom, sorry, heute das Benzin bei Aral günstiger ist und morgen bei Shell günstiger.

  16. Sebastian:

    Im Endeffekt ist es ja eigentlich so, wie du jetzt sagst, wir haben jetzt den Vergleich da im Benzin, ist glaube ich ganz gut oder den hast du gut mit reingebracht. Das ist eben unterschiedlich, je nachdem wo ich tanke, ich wollte schon wieder Laden sagen, aber wo ich tanke, egal ob jetzt Autobahn oder Landstraße oder Aral und Schell, sozusagen da gibt es Unterschiede, die sind akzeptiert, weil man einfach das da in Verbindung bringt. Aber worauf du jetzt glaube ich abzielen willst, es gibt ja in Deutschland zumindest, wo ich es jetzt beobachte, schon so ein gewisses festes Preisgefüge, das man über den gesamten Markt dann irgendwo legen kann, dass da eher die Erwartungshaltung ist, es kostet immer gleich viel. Und da wäre ja, ich sage mal, auch der Fortschritt jetzt, für mich wäre es zumindest so, dass man auch sagt, okay, je nach Erwartung, dass Gegebenheiten dort vor Ort, Ladeinfrastruktur, Aufbau, der Unterhalt der Kosten, Roaming oder eben jetzt auch das Ad-Hoc-Payment, dass diese Faktoren dann noch viel mehr mit einlaufen sollten und dass man danach dann quasi die tatsächlichen Kosten berechnet und nicht unnötig aufbläht, so wie das jetzt bei euch dann in deinem Beispiel der Fall war, nur um da gleichgestellt zu sein wieder.

  17. Holger Rapp:

    Ja, aber andererseits kann man auch die Stadt verstehen. Also stell dir mal vor, Qwello käme jetzt wirklich in diese große Stadt, wo schon andere Players am Start sind und du könntest mit Ad-Hoc bei uns, keine Ahnung, ich erfinde eine Zahl, drei Cent günstiger den Strom ziehen als bei anderen bei ungefähr äquivalenter Ladeleistung. Ja. Dann kann ich schon verstehen, dass eben die Stadt nervös wird, weil sie eben vorher mit allen anderen ausgemacht hat, hey, ihr müsst alle untereinander roamen können und ihr müsst alle untereinander irgendwie Tarife ausmachen, die für alle fair sind. Und wenn dann Qwello quasi kommt und sagt, ja, wir unterbieten den jetzt aber einfach, weil das eine akzeptable Preisstruktur ist, die wir für richtig erachten und Roam uns teurer kommt, als eben ad hoc zu bezahlen. dann verstehe ich schon, dass die Städte da auch nervös werden. Also du merkst schon, ich bin, also natürlich wir bei Qwello, wir glauben an Ad-Hoc, aber ich finde es nicht sehr einfach, jetzt hier so einen knarren Schnitt zu machen und zu sagen, ja, das eine ist das Richtige, das andere ist das Falsche, sondern es ist wirklich so ein offener Gedanke. Aber ich denke, wir als Markt sollten uns schon entscheiden, in welche Richtung wir halt aktiv pushen wollen. Weil wenn du quasi versuchst, in beide Richtungen zu pushen, machst du auch viel kaputt. Also zum Beispiel gab es jetzt vom Bund ja diese Ausschreibung für die große DC-Ausschreibung, wo aber quasi der Preis pro Kilowattstunde gedeckelt werden sollte. Ja. was wieder so ein Mix ist. Auf der einen Seite sagt man, ja, natürlich dürft ihr aufbauen, wie ihr wollt, aber auf der anderen Seite soll es überall gleich viel kosten. Dann machst du halt einige Geschäftsmodelle schwieriger und andere machst du leichter. Und ja, du regulierst, also du pustest quasi beides in beide Richtungen sozusagen.

  18. Sebastian:

    Das heißt im Endeffekt eigentlich, worauf du hinaus willst, der Markt müsste sich jetzt eigentlich mal entscheiden oder es muss zumindest mal irgendwann eine Entwicklung in die eine oder in die andere Richtung geben. Weil der Push in beide Richtungen, ja, ist ja dann auch irgendwie wieder Stillstand, ne?

  19. Holger Rapp:

    Genau, das ist meine Auffassung. Oder man könnte es ein bisschen prägnanter formulieren, wenn du dir in 20 Jahren dein erstes Elektroauto kaufst, keine Ahnung, weil du jetzt erst geboren wirst oder keine Ahnung, ne? Also du warst nicht bei der ganzen Storming-Phase mit dabei. Kaufst du dir dann dazu einen Elektromobilitätsstromvertrag oder bezahlst du mit deiner Kreditkarte, ne? Und ich glaube nicht an eine Welt, wo es quasi so 50-50 ist, sondern es wird ein Default geben. So wie es jetzt gerade das Default ist bei Benzinern, du bezahlst halt einfach mit deiner Kreditkarte. Ja. Und was da auch mit reinspielt, ist dann, welche Tarife sich durchsetzen. Wir sehen jetzt sowas wie Flatrates oder geringere Kosten, wenn du noch einen Stromvertrag von einem Anbieter mitnimmst und so. Das existiert natürlich nicht, wenn Ad-Hoc sozusagen gewinnt, dann existiert sowas nicht. Ja, und ich frage mich, wie die Zukunft aussieht. Ich weiß es natürlich nicht, aber mir erscheint zu wenig Diskussion darüber zu sein, was wollen wir denn erreichen, in welche Richtung wollen wir denn hin und was ist denn die richtige ideale Welt für den EV-Fahrer?

  20. Sebastian:

    Ich glaube, da sind wir aber wieder an dem Punkt, wo dann weniger aus Sicht des EV-Fahrers gedacht wird, sondern eher aus Sicht der... Die Ladestation-Anbieter sozusagen dann auch wieder, weil die haben natürlich die Vorteile auf ihrer Hand, jetzt mal so rein subjektiv betrachtet aus meiner Sicht, wenn ich eine Ladekarte habe, ich habe die Bindung mit einem Stromtarif oder so, da habe ich halt schon mehr Anknüpfungspunkte zu meinem Kunden, kann den auch in unterschiedliche... ja, Themen dann mit einbeziehen, auch aus Marketing-Sicht, als wenn es jetzt ein Ad-Hoc-Lader ist, der eigentlich nur seine Karte vorhält, da gibt es halt keine Kundenbeziehung. Das ist ja wie, wenn du jetzt Dienstwagenfahrer bist, du hast immer deine Shell-Tankstelle, wo du hingehst und lädst, also tankst dort immer, da kommt ja eine ganz andere Bindung auf. Ich kann dir immer mal wieder was anderes noch mit anbieten, sozusagen. Du warst jetzt fünfmal den Monat einladen, jetzt kannst du hier noch mal dein Auto waschen oder was für ein günstigeres Angebot, du schaffst dort mehr Anknüpfungspunkte. Also von daher glaube ich, dass der Markt an sich, der Anbieter, schon eher in die Richtung drängen wird, hier Tarife, Ladekarten.

  21. Holger Rapp:

    Vielleicht hast du recht, aber damit kommt natürlich auch was anderes. Und zwar, also das große Argument des Ladeanbieters ist ja sozusagen, hey, wenn ich nicht die Ladekarten machen darf sozusagen oder wenn das nicht das primäre Modell ist, was sind denn dann meine Incentives sozusagen? Also was verleitet mich dazu, dann Ladesäulen auf die grüne Wiese zu stellen? Weil auf der grünen Wiese laden so wenig Leute. Und wenn ich eben quasi das machen soll, lieber Staat oder lieber Stadt oder lieber Bürger, Dann möchte ich doch gerne irgendwie meine Investitionen da irgendwie quasi wieder in der Gesamtheit irgendwie zurückbekommen. Und dafür möchte ich eben überall den gleichen Tarif nehmen. Der ist dann ein bisschen teurer, als der Ad-Hoc-Tarif wäre in der Stadt. Und der ist dafür aber ein bisschen günstiger, als der Ad-Hoc-Tarif wäre auf dem Land. Und ich meine, das war ja die große Argumentation bei Mobilfunk. Also die Mobilfunkanbieter hat man halt dazu verdonnert, sozusagen Mobilfunk auch bis ins letzte Eckchen Deutschlands anbieten zu müssen. Aber dafür kriegen sie eben auch attraktive Towers, attraktive Möglichkeiten eben in den Ballungsräumen und eine Verpflichtung, das eben eine Weile zu betreiben. Bei Tankstellen hat man das nie gemacht. Bei Tankstellen hat man einfach gesagt, gut, das lasst man den Markt dominieren, was jetzt auch dazu führt, dass du überall Tankstellen hast, aber du hast halt weniger auf dem Land und du hast mehr in den Ballungsräumen. Und auch da sehe ich keine Klarheit. Momentan sieht man so ein bisschen Argumentation in die eine und Argumentation in die andere Richtung. Also das Losverfahren der Bundesregierung fällt mir jetzt hier wieder ein von wegen... Ja klar, du kannst hier attraktive DC-Ladepunkte kriegen, aber dann musst du auch ein paar von den nicht attraktiven abnehmen. Ach und übrigens, der Strompreis ist gedeckelt. Auf der anderen Seite aber auch die Verordnung 2023 müssen alle Payment-Terminals haben. Das heißt, man muss auch ohne RFID-Karten bezahlen müssen. Das geht wieder in die andere Richtung. Also es ist so ein bisschen so ein Schlingerkurs. Wir versuchen so ein bisschen beides so ein bisschen zu machen. Ja. Ja, also ganz klar, was sich durchsetzt, ist für mich jetzt momentan noch nicht.

  22. Sebastian:

    Ja, also kann ich so definitiv unterschreiben. Ich denke, das können wir auch einfach mal so als für sich jetzt stehen lassen. Das können unsere Hörerinnen dann ja vielleicht auch mal unser Gespräch als Denkanstoß nehmen und bei uns dann auch in den Kommentaren unter der Podcast-Episode mal mitteilen, was so deren Annahme ist, wo könnte es hingehen, warum könnte es dort hingehen. Vielleicht, dass wir einfach mal so eine Diskussion da auch ein wenig in Gang bekommen, um zu schauen, wo entwickelt es sich jetzt denn aus Sicht der E-Auto-Fahrer-Fahrerinnen tatsächlich hin. Finde ich, haben wir jetzt ganz gute Ansatzpunkte schon mal mit ins Rennen geworfen. Und vielleicht kommt der eine oder andere Punkt auch noch mit dazu, den wir beide jetzt auch noch nicht so auf dem Schirm haben. Bin ich auch mal gespannt, was daraus wird.

  23. Holger Rapp:

    Absolut. Ich auch. Wird auf jeden Fall spannend. Die nächsten zehn Jahre werden sehr spannend in unserer Industrie.

  24. Sebastian:

    Das glaube ich auch, dass die sehr prägend sind. Also von daher vielen Dank, Heuger, für deine Zeit jetzt, für deine Gedanken zum Thema öffentliches, halböffentliches Laden. Wo kann die Reise hingehen? Welches Modell wird sich durchsetzen? Und ich denke, so wie du sagst, spätestens in zehn Jahren wird das eine oder das andere dann die Oberhand haben.

  25. Holger Rapp:

    Genau. Dir auch, Sebastian. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Und bis zum nächsten Mal.

  26. Sebastian:

    Bis dahin. Ciao. War doch durchaus ein spannendes Gespräch, was ich mit Holger Rapp von Qwello geführt habe, zum Thema Laden, wie es gedacht wird, wie es umgesetzt wird und wohin die Reise gehen könnte in den kommenden fünf bis zehn Jahren. Es wird ein Wandel stattfinden, das steht, glaube ich, fest. Und die Frage ist nur, in welche Richtung. Ich hoffe, dir hat die aktuelle Folge auch gefallen. Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn du mitdiskutieren möchtest... Gehe direkt in die Shownotes, da zum Artikel. Dort könnt ihr kommentieren, diskutieren und austauschen. Ansonsten freue ich mich, wenn du kommende Woche wieder einschaltest bei der nächsten Folge des Elektroautonews.net Podcast. Mach's gut, bis dahin, ciao.