Gespräch mit Frederic Aoun über das Team Sonnenwagen Aachen

Oder: Das Streben nach dem effizientesten Auto der Welt

In dieser Folge des Elektroauto-News.net-Podcast habe ich mich mit Frederic Aoun, Mitglied von Team Sonnenwagen Aachen und zuständig für das Sponsoring des Teams, über deren Streben nach dem effizientesten Auto unterhalten. Das Gespräch im Podcast folgt dem bereits geführten schriftlichen Interview von Anfang November 2020; vertieft dies aber bei der ein oder anderen Frage nochmals deutlich.

Aus meiner Sicht bekommst du interessante Einblicke in einen Verein, der wie ein kleines Unternehmen agiert, ein eigenes Fahrzeug erschafft und dabei die Grenzen des technisch machbaren verschieben will. Zeit reinzuhören, oder!?

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des elektroautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit Themen aus der Welt der E-Mobilität beschäftigen. Diese Woche steht ein Solarfahrzeug im Mittelpunkt unseres Podcasts. Oder genauer gesagt, ein nachhaltiges Mobilitätskonzept, das auf Solartechnik aufbaut. Unterhalten habe ich mich dazu mit Frederic Aoun vom Team Sonnenwagen Aachen, die eben ein ganz spezielles Solarauto zur Teilnahme an einem emissionsfreien Rennen quer durch Australien entwickelt haben und auch im Zwei-Jahres-Rhythmus immer neu entwickeln. Wir hatten da zuletzt schon mal ein schriftliches Interview bei uns auf elektroauto-news.net veröffentlicht. Aber ich denke jetzt gerade in dem gemeinsamen Gespräch, das ich mit ihm führe, gehen wir zwar auf einige der Fragen nochmal ein, greifen aber auch andere Schwerpunkte nochmal auf. Was sind die Herausforderungen? Worauf muss man achten? Wo kann das Ganze hinführen? Und warum ist das eher selbstentwickelte Fahrzeug eben halt kein klassischer Pkw, sondern eher ein Technologieträger, der einfach aufzeigt, wie das Streben nach dem effizientesten Auto sozusagen gestaltet werden kann. Aus meiner Sicht ein ganz interessantes Interview, das wir da geführt haben oder Gespräch besser gesagt und würde mich freuen, wenn du reinhörst. Dir vielen Dank fürs Zuhören und vorab schon die Info, weiterführende Links gibt es wie gewohnt in den Shownotes zur heutigen Folge. Bis dahin, mach's gut und jetzt ab ins Gespräch mit Frederik. Servus Frederik und vielen Dank bereits im Vorhinein, dass du dir Zeit für dieses Gespräch hier nimmst über Sonnenwagen. Sonnenwagen ist an sich ein Verein, welcher aus den Studierenden der RWTH und FH Aachen entstanden ist, soweit ich weiß, soweit du mir erklärt hast. Bevor wir da allerdings darauf eingehen, kannst du zunächst ein paar Worte über den Verein an sich verlieren, aber auch über deine Person und welche Rolle du eben bei Team Sonnenwagen spielst.

  3. Frederik Ornheiser:

    Ja, hi, erstmal danke für die Einladung. Genau, ich selbst bin Frederik Ornheiser, ich studiere im dritten Mastersemester Wirtschaftsingenieurwesen an der RWTH Aachen und bin selbst seit 2019 Teil bei Team Sonnenwagen und dort eben in der Sponsoring-Abteilung tätig. Sonnenwagen an sich wurde im Jahr 2015 gegründet. Und hat den Leitsatz, eben die Grenzen des technisch Machbaren zu verschieben. Und dafür entwickeln und bauen wir eben in kompletter Eigenregie solarbetriebene Rennfahrzeuge, mit denen wir eben bei verschiedenen Rennevents auf der ganzen Welt antreten. Darunter eben als Hauptevent die World Solar Challenge in Australien, was so das härteste Solarautorennen der Welt ist. 2017 haben wir unser erstes Auto vorgestellt, den Sonnenwagen 1, 2019 unser zweites und momentan entwickeln wir die dritte Generation unseres Fahrzeugs, welche nächstes Jahr fertiggestellt werden soll.

  4. Sebastian:

    Okay, da habt ihr euch ja nicht gerade wenig vorgenommen, wenn ihr da die Grenzen des technischen Machbaren verschieben wollt. Im Vorgespräch hast du ja auch schon gesagt, dass ihr quasi nach dem effizientesten Auto strebt, dass ihr mit dem Sonnenwagen 1, 2 und 3, um die mal so zu benennen, auf die Straße bringen wollt. Natürlich immer weiter optimiert, effizienter gestaltet. Und ist es so richtig verstanden von meiner Seite aus, dass ihr dann eben tatsächlich diesen Anspruch habt, aber eigentlich nicht ausgerichtet auf den klassischen Pkw in dem Sinne, sondern schon ein bisschen anders? Vielleicht kannst du dazu ein paar Worte verlieren.

  5. Frederik Ornheiser:

    An sich hast du recht. Also Energieeffizienz ist bei uns schon ein großes Kernthema, einfach weil wir denken, dass es auch ein Kernthema der Future Mobility ist. Also Wir sind der festen Überzeugung davon, dass die Reichweiten, Ladezeit und Kostenfrage, die eben immer wieder aufkommen, wenn es gerade um E-Mobilität geht, sich eben nicht immer besser mit größeren Batterien lösen lässt. Wenn man die Batterien größer macht, bedeutet das, dass die Autos teurer werden, dass sie schwerer werden und so weiter. Und das einfach nicht immer optimal ist, sowas damit zu lösen. Wir gehen also eher darauf, dass die Autos energieeffizienter werden sollen, dass sie also einfach weniger Strom verbrauchen sollen auf 100 Kilometern. Und dass das eben ein effizienterer Weg ist, die Batterien klein zu halten, sodass die Ladezeit noch gering bleiben, aber dass die Autos trotzdem eine größere Strecke schaffen, was die Kunden eben am Endeffekt wollen. Als Verein treibt uns aber nicht nur die Energieeffizienz an. Also wir haben auch Punkte wie Pioniergeist und Innovationskraft, die uns hauptsächlich auch antreiben. Also gerade als angehende Ingenieure ist uns eben wichtig, dass wir mit unserem Projekt zeigen können, was technologisch schon möglich ist. Und mich persönlich und individuell motiviert dabei auch, dass wir eben in so einem Projekt im kleinen Rahmen schon so recht hochtechnologische Fahrzeuge entwickeln können, die einfach in ihrer besonderen Art sehr einzigartig sind. Und damit sind wir eben auch als Verein in Deutschland neben einem anderen Team aus Bochum sehr einzigartig, genau.

  6. Sebastian:

    Okay, kann man ja gut nachvollziehen. Jetzt hast du eben gerade gesagt, euer Ansatz ist dann eher, auf kleinere Batterien zu setzen, nicht eben diese großen Akkupacks reinzubauen, sondern dann eben auch durch Einsatz von Solarzellen quasi Energie zu gewinnen. Was macht ihr aber noch? Oder ja, ich sage mal, was habt ihr jetzt bei Sonnenwagen 1 und 2 dann noch Besonderes gemacht, um die Reichweite dennoch zu steigern? Weil irgendeine Art der Energiespeicherung muss ja vorhanden sein. Und man kann sie ja nicht nur wahrscheinlich durch die Solarzellen erreichen, dass man da... ja genügend Reichweite aufbaut.

  7. Frederik Ornheiser:

    Ja, also selbstverständlich haben wir auch eine Batterie an Bord. Beim Sonnenwagen 2 waren das jetzt 5 Kilowattstunden. Wenn man sich jetzt mal so anguckt, dass die Elektroautos, die man heute so kaufen kann, bei 90 Kilowattstunden und so weiter liegen, ist das schon, ich finde, ein deutlicher Vergleich. Andererseits sind natürlich die Fahrzeugkonzepte an sich unterschiedlich. Das liegt eben zum Teil auch daran, dass bei uns eben das Ziel ist, auf maximale Effizienz zu gehen in der Fahrzeugklasse, in der wir unterwegs sind im Rennen und das bedeutet, wir haben wenig Platz im Auto, das Auto ist sehr, sehr leicht gebaut, wir legen sehr viel Fokus auf die Aerodynamik und auf ein möglichst aerodynamisches Design, um da einfach auch möglichst effizient unterwegs zu sein und haben dann noch Vom Elektromotor über eigens entwickelten Powertrain, über andere Dinge wie zum Beispiel das Segeln. Also das ist so ein aerodynamisches Tool, was wir eingebaut haben, mehr oder weniger, dass wir quasi nach hinten eine Heckflosse im Sonnenwagen 2 haben, die bei gewissen Seitenwinden wie ein Segel auf dem Seil, auf einem Boot oder auf einem Schiff funktioniert, sodass wir auch noch Vortrieb durch Wind generieren können. Solche Möglichkeiten können wir dann eben schaffen, dass das Auto auch möglichst effizient fahren kann.

  8. Sebastian:

    Okay, klingt sehr interessant und zeigt dann aber auch wieder auf, dass es tatsächlich halt ein Fahrzeug ist, was ja speziell eben jetzt für diese Art von Challenges da eben entwickelt wurde und so ja eigentlich zumindest nicht in der Ausführung im Alltag sozusagen zu nutzen ist, ne?

  9. Frederik Ornheiser:

    Genau, in der Ausführung ist es ein bisschen schwierig. Also ich glaube, abgesehen davon, dass er so wahrscheinlich in Deutschland nicht Straßen zugelassen wird, wäre es auch schwierig. Ich glaube, man wäre schon bei einem kleinen Einkauf, schon kommt man da an seine Grenzen bei unserem Auto. Aber wie du schon meintest, das ist einfach nicht der Sinn der Sache. Es geht einfach nur darum, zu zeigen, was überhaupt möglich ist. Und das macht das Auto relativ eindrucksvoll.

  10. Sebastian:

    Ja, das glaube ich. Oder ich habe das ja auch schon mitbekommen, habe mich ein wenig schlau gemacht darüber und das ist definitiv der Fall. Für euch ist es aber als Studierende, glaube ich, auch ein ganz gutes Trainingsfeld sozusagen, weil ihr jetzt ja auch aus der Theorie in die Praxis euer Wissen übertragen könnt und dann nochmal auf einem anderen Weg sozusagen lernt oder Erfahrungen sammelt. Ist das auch so ein Antrieb dafür, dass ihr euch damit quasi beschäftigt?

  11. Frederik Ornheiser:

    Selbstverständlich. Also ich möchte jetzt hier nicht gegen unser Studium sprechen. Es ist natürlich wichtig, die theoretischen Grundlagen zu erlernen und auch die bringen einen weiter. Aber ich persönlich bin der Überzeugung, dass ich durch Sonnenwagen alleine schon auch sehr viel mehr und anderes gelernt habe, als ich sonst in der Uni lernen würde und habe dadurch, glaube ich, auch mein persönliches Profil so ein bisschen verändert. Ich sage mal vergrößert und einfach auch Erfahrungswerte gesammelt, die so nicht jeder Student sammeln kann. Also natürlich ist es, glaube ich, für jeden von uns im Verein, nicht nur für mich jetzt, ich kann natürlich jetzt aber gerade nur für mich sprechen, aber ein sehr großer Antrieb und auch deswegen tun wir das. Na klar.

  12. Sebastian:

    Klar. Jetzt hat wer oder hattest du schon zu Beginn gesagt, dass ihr mit eurem Sonnenwagen an der World Solar Challenge in Australien teilgenommen habt und auch wieder teilnehmen werdet, wenn das dann nächstes Jahr auch wieder möglich ist, dann mit eurer dritten Generation des Sonnenwagen. Magst du vielleicht mal noch ein paar Worte zu der Challenge an sich verlieren? Also was hat es damit auf sich? Welche Herausforderungen werden euch dargestellt und wie konntet ihr die bisher meistern?

  13. Frederik Ornheiser:

    Ja, also die World Solar Challenge ist ein echt großes Event. Also die existiert seit über 30 Jahren und ist so ein Rennen, bei dem über 50 Teams aus der ganzen Welt gegeneinander antreten. Die findet in Australien statt. Das bedeutet also mit diesen solarbetriebenen Fahrzeugen, die wir entwickeln und eben auch die anderen Teams entwickeln, wird dann alle zwei Jahre der australische Kontinent gegründet. komplett überquert. Das bedeutet, wir starten da in Darwin an der Nordküste und das Ziel ist dann Adelaide an der Südküste. Das bedeutet also, innerhalb von fünf bis sieben Tagen überquert man diese 3.022 Kilometer quer durch das Outback und dabei werden wir nur angetrieben von der Sonne. Wichtig dabei ist aber noch zu betonen, es gibt zwei Hauptrennenklassen. Ich habe gerade eben schon mal erwähnt, dass unser Auto in unserer Klasse nicht so alltagstauglich ist, denn es gibt die Challenger- und die Cruiser-Klasse als Hauptrennenklasse und Wir fahren in der Challenger-Class. Da sind eben die Fahrzeuge auf die maximale Effizienz ausgelegt, die ich eben auch schon ein bisschen erzählt habe. Also eben null auf Alltagstauglichkeit. Da dürfen die Autos auch nicht aufladen. Das heißt, die Akkus werden einmal vollgeladen, bevor das Rennen startet. Und dann fahren wir mit denen komplett über den Kontinent runter und laden nur noch über die Solarzellen auf. und sind dadurch auch ein bisschen schneller unterwegs. Die Autos sind eben sehr klein und leicht. Und eben die andere Klasse, die Cruiser-Class, da treten Fahrzeuge an, die eher an bekannte Serienfahrzeuge erinnern. Also das sind dann auch wirklich Fahrzeuge mit mehreren Sitzplätzen, die haben einen Kofferraum, die haben gewisse Innenausstattung und ein bisschen komfortablere, ich sag mal, Möglichkeiten des Transports und sind deswegen eben vergleichsweise groß. Die Autos sind schwerer, aerodynamisch nicht ganz so perfekt wie unsere, aber dafür eben... nützlicher im Alltag und genau, die Teams dürfen alle 1200 Kilometer in Australien auch ihre Batterien aufladen, ansonsten ist das Rennkonzept eben vergleichbar, nur dass die Fahrzeuge eben sehr unterschiedlich sind. Ist eigentlich auch immer ganz schön zu sehen, wenn wir uns irgendwie hier in Europa mal treffen, das sind ja viele Teams aus den Niederlanden oder auch das Team aus Bochum, das auch in der Cruiser Class antritt, also wir sind das einzige deutsche Team in der Challenger Class, Bochum das einzige deutsche Team in der Cruiser Class, das ist also immer ganz schön, Dann kommen die auch teilweise mit ihren Fahrzeugen, mit denen die in Australien fahren und fahren uns damit besuchen, weil die Fahrzeuge nämlich Straßen zugelassen sind, anders als unsere Challenger-Class-Fahrzeuge. Das ist immer ganz schön zu sehen.

  14. Sebastian:

    Ja, da sieht man dann doch nochmal den Unterschied, der jetzt auch wichtig ist und den wir jetzt auch genügend betont haben sozusagen, weil das ja auch in dem schriftlichen Interview, das wir ja schon geführt hatten, auch von den Kommentatoren eben erwähnt wurde, warum oder ja eher negativ so in Anführungsstrichen, dass man mit eurem Fahrzeug ja gar nicht auf die Straße kann, ist ja aber auch gar nicht der Anlass oder der Ansatz, den ihr da verfolgt, wie du jetzt ja auch schon deutlichst herausgekehrt hast.

  15. Frederik Ornheiser:

    Genau, also wie gesagt, die anderen Klassen, also die andere Klasse, die hat halt eben den Fokus, eben sowas zu zeigen, dass das eben doch möglich ist, dass man solche Fahrzeuge machen kann. Da sind auch schon zum Beispiel das Startup Lightyear daraus entstanden. Das hatten wir auch im schriftlichen Interview schon mal erwähnt. Das ist aus dem Solar Team in Eindhoven. abgegangen, also nicht aus dem Verein an sich, aber eben von teilnehmenden Studenten und die haben dann eben so ein Unternehmen gegründet. Das Auto von denen soll jetzt, glaube ich, auch nächstes Jahr oder übernächstes Jahr auf den Markt kommen, da bin ich mir nicht ganz so sicher, genau. Aber die haben dann eben ein ähnliches Konzept, eben das, was sie in ihrer Cruiser Class gemacht haben, auch wirklich so transformiert, dass man das als Fahrzeug für die Straße kaufen kann. Das funktioniert auch sehr, sehr effizient bei denen. Bei uns ist eben der Ansatz nur zu zeigen, was ist das Maximale, was man technologisch mit dieser Ich sag mal, mit dieser Technologie oder mit Solarzellen auf dem Dach machen kann und wie effizient kann man überhaupt ein Elektrofahrzeug bauen? Da geht es nur um diese Frage, was wäre, wenn? Und das finde ich irgendwann wieder das Coole, wenn man auch sieht, was andere Teams dann schaffen und wie effizient man dann wirklich auch so einen Kontinent mit der Kraft der Sonne überqueren kann. Das ist immer schon... Sehr, sehr eindrucksvoll. Und eben genau um diese Message geht es uns. Und da sieht man auch, was in den letzten 30 Jahren, die Challenge gibt es ja schon sehr lange, was da so alles passiert ist und was für technologischen Fortschritt man da schon so alles miterleben konnte. Und was sich auch in diesem kleinen Zwei-Jahres-Abstand schon alles tut, das ist schon echt sehr, sehr eindrucksvoll. Und das macht auch immer sehr viel Spaß, wieder zu sehen, unser Auto, was wir vor zwei Jahren dachten, als perfektes Fahrzeug oder zumindest als für unsere Mittel dann perfektes, entwickeltes Fahrzeug da stehen zu sehen. Und dann gerade in der dritten Entwicklung ist vom dritten Fahrzeug eben zu sehen, ey, das können wir hier und dann nochmal besser machen. Und das ist schon immer wieder eine Challenge, die sehr viel Spaß macht.

  16. Sebastian:

    Klar. Ich meine, ihr sammelt ja dann auch nicht nur in Australien Erfahrungen, sondern auch bei anderen Events, wie du schon gesagt hattest im Vorgespräch. Jetzt würde ich aber gerade nochmal auf Australien tatsächlich eingehen. Wie kann man sich denn so einen Renntag vorstellen? Kannst du uns da mal mitnehmen? Einfach, dass wir das so ein bisschen praktisch aus eurer Sicht sehen. Wie läuft das Ganze ab? Wann startet es? Wann hört es auf? Gibt es irgendwelche Camps, wo ihr dann Pause macht, zwischendurch festgelegt? Oder hol uns da mal ein wenig ab.

  17. Frederik Ornheiser:

    Genau, also bei uns in der Klasse, in der Challenger-Klasse, gibt es ja eben nicht diese Ladepunkte, während die Cruiser-Klasse-Autos also an bestimmten Ladepoints dann irgendwann anhalten, alle 1200 Kilometer und da ihre Batterie vollladen, ist das bei uns sehr flexibel. Also das ganze Rennen geht ja von fünf bis sieben Tagen, also das schnellste Team ist meistens innerhalb von fünf Tagen da, die langsamsten Teams insgesamt in der Challenge kommen dann so nach sieben Tagen an. Und hier so ein Renntag, der startet quasi um neun Uhr morgens, da fahren wir dann los. Und dann fahren wir bis 17 Uhr und müssen dann um 17 Uhr schnellstmöglich irgendwo, wo wir dann noch gerade sind, anhalten und schlagen dann auch dort direkt unser Camp auf. Das heißt, es gibt keine fixen Spots bei uns. Wir haben immer das komplette Team quasi als Konvoi noch mit dabei. Da fahren auch manche Autos vor, die sich quasi schon im Vorhinein darum kümmern, dass man vielleicht potenzielle Campingspots schon mal ausmacht, wenn wir uns durchrechnen, wo wir um 17 Uhr ungefähr ankommen werden und so weiter. Und dann gibt es halt immer noch die Möglichkeit, dann wird dort das Camp aufgebaut. Dann haben wir auch eigene Leute im Team quasi, die sich dann nur darum kümmern, dass die Camps, also die Zelte aufgeschlagen werden, das Essen gemacht wird usw. Dann haben wir Leute, die sich nur um die Fahrstrategie kümmern, die quasi im Auto direkt hinter dem Rennwagen sitzen und sich nur darum kümmern, dass das Auto so effizient wie möglich fährt. Und genau, so ist jeder Tag sehr flexibel, jeder hat seine Aufgaben und wir sind da doch als sehr großer Konvoi unterwegs. Und ohne diese fixen Spots kann es auch manchmal eben schwierig werden, wenn wir also nicht um Punkt 17 Uhr an der Stelle sind, wo wir perfekt campen können. Dann fährt man schon mal zehn Minuten länger, dann darf man am nächsten Morgen, aber auch nur zehn Minuten später dann erst starten. Also das sind dann immer so ein bisschen die Abwägungen, die man da treffen muss. Deswegen ist es immer vorteilhaft, so um 17 Uhr relativ pünktlich anzuhalten, weil die Morgensonne dann doch immer ein bisschen vorteilhafter für uns ist.

  18. Sebastian:

    Ja, sehr interessant, der Einblick. Aber man hat ja jetzt auch schon gehört aus deiner Erzählung hervor, dass ihr eben nicht nur fünf, sechs Mitglieder seid, die da am Team Sonnenwagen mitwirken, sondern einige mehr. Kannst du mal ein paar Worte zu eurem Verein an sich verlieren? Also wie viele Mitglieder habt ihr aktuell? Wie ist die Struktur so? Wie teilt ihr euch auf und organisiert ihr euch dort?

  19. Frederik Ornheiser:

    Ja, kann ich gerne machen. Also wir sind 45 Vereinsmitglieder, die aktiv mitarbeiten jetzt an der dritten Generation. Also es ist doch ein relativ großer Verein. Die Struktur im Verein ist deswegen auch eher wie die eines kleinen Unternehmens, sagen wir mal gerne. Es ist schon eher wie ein Start-up, als dass wir ein klassischer Verein sind. Also wir haben sieben Abteilungen. welche sich aufteilen in technische und nicht-technische Bereiche. Die nicht-technischen Bereiche sind das Marketing oder das Sponsoring-Team. Das sind schon zwei Abteilungen. Ich bin ja auch Teil des Sponsorings, wie gesagt. Und dann gibt es auch die technischen Abteilungen, die sich gliedern in eine Aerodynamikabteilung, in eine Elektrotechnikabteilung, die Strukturabteilung. Das Fahrwerk und am Ende noch die Fahrstrategie. Das sind unsere Abteilungen. Und da es je nach Bauteil oder eben Projekt auch zu Überschneidungen zwischen den Abteilungen kommt, ist halt eben so ein Austausch zwischen den Abteilungen sehr wichtig. Kannst dir sicherlich vorstellen, dass es da ab und zu doch mal ein bisschen schwierig wird mit der Kommunikation, gerade jetzt auch mit Corona. Genau, deswegen haben wir an sich einfach jede Woche immer ein großes Teamtreffen, bei dem sich der ganze Verein trifft, um eben Updates aus allen Abteilungen vorzutragen, wo man dann auch immer mitbekommt, was passiert gerade bei den anderen. Darüber hinaus ist es natürlich aber auch, dass wenn Abteilungen jetzt enger zusammenarbeiten müssen, weil jetzt zum Beispiel für die Aerodynamik wichtig ist, was die Fahrwerkler herausgefunden haben, wie viel Platz die brauchen und so weiter, was sich dann ja wieder auf das Design auswirkt, was wieder eine aerodynamisch wichtige Sache ist, dann stehen die natürlich auch in direktem Austausch. Und deswegen gibt es quasi immer dieses Haupttreffen, wo jeder alles mitbekommt, was ihn jetzt auch nicht persönlich betrifft. Aber dass es eben auch noch eigene Abteilungstreffen gibt zwischen uns im Sponsoring zum Beispiel immer einmal die Woche. Dann gibt es da dann immer noch ein weiteres Treffen mit dem Marketing zusammen, weil da sich ja auch Dinge überschneiden. Also es kommt sehr spezifisch darauf an, was man in unserem Verein genau macht, aber man steht auf jeden Fall immer in regem Austausch. Und wenn gerade keine Treffen sind, nutzen wir auch immer diese Plattform Slack. Da können immer schnell Fragen geklärt werden, Themen besprochen werden und da wird auch immer alles Mögliche organisiert, wie auch solche Treffen oder alles andere eigentlich. Da werden dann auch immer der aktuelle Stand von jedem mit reingeladen. Da kann dann auch jeder immer öffentlich quasi in jeder andere Squad mit reingucken, in jede andere Abteilung und kann dann quasi direkt sehen, okay, da stehen wir gerade, das und das sind die Probleme. Genau. Wichtig ist da auch immer zu sagen, also wir heißen auch Team Sonnenwagen Aachen, das ist der gesamte Name. Da ist uns auch immer wichtig herauszustellen, dass wir als Team arbeiten. Und bei so einem aufwendigen Projekt ist es uns eben auch ganz wichtig, dass wir trotz der Corona-Situation immer noch diesen Team-Faktor möglichst hoch halten.

  20. Sebastian:

    Ich denke, das dürfte auch ein Erfolgsgarant sein dafür, dass ihr eben eure Wagen ja auch auf die Straßen bekommt, dass ihr da eben so ganzheitlich denkt und diesen Teamgedanken da mitbringt. Jetzt ist es ja allerdings so, dass ihr ja die Teammitglieder, alles Studierende von der RWTH oder von der FH Aachen sind. Wie gestaltet sich die ganze Geschichte denn, wenn du dann irgendwann mal dein Studium beendet hast? Kannst du dann weiterhin Mitglied sein in dem Verein? Musst du Platz machen für folgende Mitglieder oder wie wird das im Moment schon gelebt bei euch?

  21. Frederik Ornheiser:

    Wir sind ja ein relativ junger Verein, also uns gibt es erst seit 2015. Dennoch, also ich sage mal, so ein Studium geht ja tendenziell nicht ganz so lange. Also die Fluktuation ist deshalb relativ groß bei uns. Das heißt, es rotieren immer wieder alle möglichen Mitglieder und es passiert immer relativ viel. Gerade wenn alle zwei Jahre ja quasi eine neue Saison anfängt. Eine Saison bei uns geht quasi immer von einer World Solar Challenge zur nächsten. In der Zeit entwickeln wir eben ein neues Fahrzeug, bauen das und fahren dann da und mit. Und im Jahr dazwischen haben wir noch ein anderes Renn-Event. Das bedeutet, die zwei Jahre sind immer so das Kernding. Aber natürlich steht auch jedem Mitglied frei zu sagen, wenn man dann noch eingeschriebener Student ist, dann kann man natürlich auch noch eine zweite Saison dranhängen. Das steht jedem frei zu. Also da freuen wir uns auch drüber. Es ist natürlich auch vorteilhaft, wenn jemand schon Erfahrungen hat. Gerade wenn es dann in Leitungspositionen geht, wenn man dann also irgendwie die... eine Abteilung übernimmt oder dann auch in den Vorstand möchte oder sowas, dann hat es natürlich auch Vorteile, wenn man eine gewisse Erfahrung mitbringt. Andererseits gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, wenn man sein Studium beendet hat, aber immer noch mehr oder weniger aktiv am Verein und am Geschehen und bei den nächsten Fahrzeugen mitwirken möchte, steht das natürlich auch jedem offen. Da haben wir die sogenannten Alumni, die quasi weiter mitwirken können. Das sind so die Absolventen, wenn man so möchte. Und die können dann quasi, und da haben wir auch einige, die in beratender Funktion immer noch bei uns tätig sind, die also quasi immer noch regelmäßig sich mal anhören, was so in den Abteilungen passiert und dann auch sagen, ey, so ein Problem hatten wir dann und dann auch mal, das haben wir so und so gelöst, schaut euch das nochmal genauer an und so weiter. Also das funktioniert bei uns ganz gut und ist auch immer sehr, sehr hilfreich.

  22. Sebastian:

    Ja, hört sich auch nach einem Ansatz an, der gut gelebt wird bei euch und der ja auch ja einiges mitbringt, gerade wenn man nochmal auf die Frage vorher dann mit der Struktur von so einem Verein, der ja doch eher einem kleinen Unternehmen tatsächlich gleicht, kann man ja auch als Studierender schon viel mitnehmen für das spätere Arbeitsleben dann irgendwo?

  23. Frederik Ornheiser:

    Ja, auf jeden Fall. Also das Interessante ist, dass ich jetzt auch mal mit einem aus dem ersten Team gesprochen habe im Frühjahr. Und der hat mir auch erzählt, dass er in seinem Vorstellungsgespräch für seinen Job, den er jetzt Vollzeit ausübt, der war damals schon in den Endzügen seines Masters und hat quasi mit dem Abschluss des ersten Teams sein Studium auch beendet und arbeitet auch seitdem. Und dass er dort im Vorstellungsgespräch eben sehr viel zurück auf Sonnenwagen führen konnte. Wenn da irgendwie Fragen über seine Persönlichkeit oder über gewisse Problemfälle gestellt wurden, dann konnte er sich immer erinnern, ey, sowas hatten wir bei Sonnenwagen auch und hat das auch immer als Beispiel bringen können. Und hatte deswegen auch schon einfach sehr viel mehr Erfahrung und Erfahrungswerte als viele andere Absolventen, die direkt aus der Uni kommen und sowas vielleicht noch nicht gemacht haben. Und das ist auch immer so das Schöne daran, dass man quasi sich... ich sag mal, freiwillig in Situationen begebt, die vielleicht nicht immer ganz gemütlich sind, aber die einem dann persönlich doch ein bisschen weiterbringen als das Studium alleine. Genau.

  24. Sebastian:

    Ja, definitiv. Also den Eindruck habe ich auch so jetzt von deiner Erläuterung bisher und auch jetzt mit dem Beispiel macht das Ganze ja doch nochmal greifbarer, dass man sich dann ja auch in sowas engagieren kann und da dann eben sozusagen auf mehreren Ebenen profitiert. Zum einen, dass man eben die Theorien, die Praxis überführen kann, aber auch für das spätere Arbeitsleben was mitnimmt. Jetzt möchte ich aber gerne auch nochmal kurz zu dem Thema Finanzen. Das spielt ja auch eine Rolle. Jetzt seid ihr da 45 Vereinsmitglieder, zahlt wahrscheinlich eure Beiträge. Dürfte jetzt aber nicht ausreichen, um da euch, euer Fahrzeug, das ganze Gepäck nach Australien zu bringen. Erfahrt ihr auch Unterstützung aus der Wirtschaft, von der Uni selbst? Wie gestaltet sich das Ganze bei euch? Wie kann man sich das vorstellen?

  25. Frederik Ornheiser:

    Ja, also selbstverständlich zahlen wir alle unsere Mitgliedschaften und haben da gewisse Gebühren, die wir auch tragen und das machen wir auch gerne. Aber das alleine reicht natürlich nicht, um solche Fahrzeuge zu bauen letztendlich. Also das ist ja alles schon sehr hochtechnologisch und deswegen sind wir auch auf die Unterstützung von Unternehmen und Stiftungen und so weiter angewiesen. Also da kommen wir natürlich nicht drum herum. Und durch diese starke internationale Konkurrenz, also ich habe ja eben erzählt, dass wir so viele Teams sind bei der World Solar Challenge, entsteht halt auch so ein richtiger Technologie-Wettkampf. Also da will halt jedes Team natürlich mit den neuesten und innovativsten Technologien nach ganz vorne fahren und möglichst effizient eben den Kontinent überqueren. Und da wollen wir... da wir eben auch immer den Leitsatz haben, we're in it to win it, da wollen wir natürlich auch nach ganz vorne mitfahren und auch am besten Fall ganz, ganz vorne sein. Da kommen dann eben auch hohe Kosten mit, da wir eben das Auto auch dementsprechend entwickeln und bauen. Und natürlich auch, wie du gerade schon meintest, der logistische Aufwand, alles nach Australien zu bekommen, dann haben wir ja dort auch das ganze Team am Start, haben dann die ganze Campingausrüstung und so weiter. Das ist alles nicht unerheblich und da kommt auf jeden Fall eine Menge zusammen. Deswegen haben wir da immer quasi Kooperationen oder Partnerschaften, die quasi über so ein klassisches Sponsoring hinausgehen auch. Also ich bin ja im Sponsoring-Team, dementsprechend kann man da auch immer gerne Sponsoring sagen, aber letztendlich sagen wir immer Partnerschaft oder Kooperation, weil uns auch wichtig ist, dass wir, wenn wir mit Unternehmen zusammenarbeiten, nicht in Anführungszeichen nur Geld beziehen, sondern auch mit ihnen zusammenarbeiten, dass wir quasi zum Beispiel von gewissen Tech-Konzernen auch Know-how und Technologien bekommen können. Wenn die zum Beispiel noch was in der Schublade liegen haben, was bei denen noch im Prototypen-Status ist, dann können die das an unserem Fahrzeug zum Beispiel ausprobieren und dann funktioniert das auch in den meisten Fällen immer sehr, sehr gut. Wir testen natürlich vorher eine Menge und dann können die daraus auch viel für ihre eigene Entwicklung ziehen. So hilft man sich halt auch gegenseitig und natürlich ist es für uns auch cool, weil wir so an Materialien drankommen, die erstens nicht nur unbezahlbar wären, sondern zweitens auch einfach noch nicht auf dem Markt sind. Das ist also eigentlich ganz cool. Und wir sind halt auch marketingtechnisch für die Firmen dafür ganz interessant, wenn die da mit uns zusammenarbeiten, da wir eben, ich glaube, gerade so ein bisschen aus dem Puls der Zeit treffen, so eine energieeffiziente, CO2-neutrale Zukunft zu gestalten und sind da auch eben so ein bisschen ein Leuchtturmprojekt. Und eben auch für die Hochschulen, du hast die eben erwähnt, also wir sind ja hier in Aachen mit der RWTH Aachen und der FH Aachen auch sehr, sehr gut aufgestellt. Aber wir betonen immer ganz gerne, dass wir unabhängig von den beiden Hochschulen agieren. Die sind beide Kooperationspartner, so wie andere Unternehmen bei uns auch Partner sind. Aber wir treffen da definitiv unabhängig von den Hochschulen unsere Entscheidungen. Und genau, arbeiten auch mit denen nur zusammen, nur auch so sehr intensiv, aber eben auch zusammen wie mit anderen Unternehmen und Sponsoren eben auch. Genau.

  26. Sebastian:

    Vielen Dank erstmal für den Einblick. Also hört sich definitiv interessant auch wieder an. Jetzt hast du gesagt, ihr habt dann auch die Möglichkeit an Materialientechnologien zu kommen, die sich eben von normalen Serien oder Standardmaterialien unterscheiden. Ich weiß noch aus unserem Vorgespräch für das schriftliche Interview, dass ihr eben auch mit einer ganz anderen Art Solarzelle arbeitet. Die ist ja auch um einiges effizienter als, ich sag mal, die branchenüblichen Solarzellen. Oder liege ich da falsch?

  27. Frederik Ornheiser:

    Ja, ist sie. Aber die haben wir jetzt tatsächlich nicht bezogen von irgendeinem Prototypen oder so. Die haben wir uns gekauft. Aber die Solarzellen, die wir im Sonnenbank 2 haben, das sind Gallium-Asinid-Solarzellen. Das sind anders als die klassischen Silizium-Solarzellen, die man so von den Photovoltaikanlagen bei sich auf dem Dach zum Beispiel kennt oder eben die man sonst so überall mal in der Wildnis herumstehen sieht. Da unterscheiden die sich, dass der Wirkungsgrad einfach viel höher ist. Also das sind Zellen, die sonst in der Weltraumtechnologie genutzt werden, eben auf Satelliten oder irgendwo anders. Also die haben einen Wirkungsgrad von 35 Prozent, während die normalen Siliziumzellen ungefähr 14 bis 16 Prozent Wirkungsgrad haben. Das hört sich alles erstmal nicht so dramatisch an, aber wenn man sich überlegt, dass die Sonnenenergie ja quasi frei verfügbare Energie ist, die sonst nicht genutzt wird und wenn man da so ein Panel hinhält und dann auf einmal 30% dieser Energie nutzen kann, eben in unserem Fall 35% oder in den anderen Fällen 16-18%, dann ist das je nach Anwendungsfall schon echt nicht unerheblich. Und genau, der Unterschied zu den anderen normalen Zellen ist eben, dass die unseren einfach sehr viel leistungsstärker sind. Und das ist natürlich bei so einem Fahrzeug, bei so einer mobilen Anwendung schon ein sehr, sehr großer Vorteil.

  28. Sebastian:

    Klar, aber ich sage mal, für die klassische Photovoltaikanlage würde es sich wahrscheinlich nicht rechnen, dort dann eben nochmal in die doppelte, fast dreifache Effizienz zu investieren, weil es dann wahrscheinlich vom Kostenpunkt zu teuer wäre.

  29. Frederik Ornheiser:

    Genau, das ist so der größte Nachteil an der Technologie. Also einerseits ist Arsenit giftig, das ist ein großes Ding. Andererseits sind die Zellen einfach unfassbar teuer. Und das ist eben ein bisschen der Faktor, gerade wenn man dann in der freien Wirtschaft guckt, gerade im Energiehandel, da geht es eben auch einfach darum, dass man Energien produziert, die dann auch wirtschaftlich vergleichbar sind mit den anderen Technologieträgern, die man dann so hat. Und da wären die Zellen einfach zu teuer in der Grundinvestition, auch wenn sie natürlich sehr, sehr gut performen würden. Da ist aber auch wichtig zu erwähnen, es gab eine Reglementänderung. Das heißt, bei der World Solar Challenge nächstes Jahr dürfen wir nicht mehr mit den Gallium Arsenic Zellen fahren, eben weil das Arsenic giftig ist, sondern wir dürfen nur noch mit den Silizium Zellen fahren. Das bedeutet, da werden auch alle Teams angeglichen. Das hat auch wieder Vorteile, dass Dieser wirtschaftliche Faktor, dass sich quasi nur Teams mit sehr guten Sponsoren im Background, die auch viel Geld zur Verfügung haben, sich die teuren Zellen leisten können, das fällt quasi raus. Alle fahren quasi dieselbe Technologie und da kommt es jetzt auch mehr auf die Entwicklung rund um das Fahrzeug an und wie man die Zellen natürlich verschaltet und alles andere. Genau.

  30. Sebastian:

    Das ist ja auch schön zu sehen, dass dieser Vorteil rausgenommen wird, dass der Faktor Geld dann weniger wiegt, in dem Fall zumindest für die Solarzelle an sich. Und dass ihr da eben dann eher durch andere Stellhebel, Stellschrauben agieren müsst. Wie ist es denn aktuell, bevor wir zum Ende vom Gespräch kommen? Was ist denn so der aktuelle Stand an der dritten Generation? Kannst du da schon Ausblick geben? Wo steht ihr aktuell? Wo geht es jetzt weiter hin?

  31. Frederik Ornheiser:

    Ja, klar, gerne. Also ich habe eben schon mal erwähnt, wir entwickeln gerade die dritte Generation des Fahrzeugs, also bald kommt der Sonnenwagen 3, der soll nächstes Jahr vorgestellt werden. Momentan sind wir da also quasi in einem intensiven Austausch zwischen den Abteilungen und da werden viele Simulationen gemacht und es geht darum, eben das optimale Design zu finden und alle dazugehörigen Komponenten eben möglichst optimal zu entwickeln. Und wenn das passiert, wollen wir am Anfang 2021 mit der Fertigung des Fahrzeugs starten. Das machen wir auch selbst. Da haben wir natürlich auch die Unterstützung aus der Industrie, wo wir dann auch verschiedene Maschinen und so weiter, die wir nicht haben, die wir dann quasi eben dort in Auftrag geben können oder dann auch selbst eingeladen werden und das dann dort unter Anleitung machen können, was auch sehr cool ist. Aber ab 2021 startet dann auf jeden Fall die Fertigung des Fahrzeugs, damit wir dann eben im Sommer das Fahrzeug offiziell hier in Deutschland noch vorstellen können. Und dann wollen wir das Fahrzeug natürlich auch noch in Deutschland testen, um es dann rechtzeitig nach Australien zu schicken, damit das Anfang September dann schon dort ist, damit wir dort auch noch zwei Monate mit einem Kernteam testen können. Das heißt, da fliegt schon mal ein kleiner Teil aus dem Team rüber und testet schon mal das Fahrzeug dort, stellt das schon mal auf die Bedingungen dort ein. Das ist natürlich alles ein bisschen anders dort. Es ist sehr viel wärmer. Man hat andere Straßenbedingungen. Das Outback ist da, ja, ich sage mal, ein bisschen skrupelloser. Also die normalen Straßen, die wir hier in Deutschland haben. Und genau, dann kommt der Rest des Teams so Stück für Stück nach, bis es dann im Oktober 2021 mit der World Solar Challenge losgeht.

  32. Sebastian:

    Und dann hoffentlich auf den vorderen Plätzen beendet wird.

  33. Frederik Ornheiser:

    Ja, darauf arbeiten wir hinaus. Das hoffe ich auch, ja.

  34. Sebastian:

    Ja, so ein schöner Ansatz. Ich denke, damit können wir das Gespräch auch beenden. Wir werden es auf jeden Fall weiter im Auge behalten und werden auch Ausschau halten, wie ihr denn abschneidet. Und ja, vielleicht kann ich mich ja nochmal mit dir im Nachgang oder auch mit deinem Nachfolger, je nachdem, oder Nachfolgerin unterhalten, wie es denn dann ausgegangen ist im Oktober oder November 2021.

  35. Frederik Ornheiser:

    Ja, ich plane noch bis Januar, Februar des 2022 mit dabei zu sein, um eben auch den Nachfolgern einen fließenden Übergang zu ermöglichen. Also ich bin da nicht aus der Welt, da können wir sicherlich auch da nochmal reden. Aber ich denke mal, über das Jahr hinweg wirst du sicherlich auch noch hier und da was von uns mitbekommen. Also es würde mich zumindest sehr freuen.

  36. Sebastian:

    Ja, mich auch definitiv und unsere Leser und Hörer bestimmt auch. Dann bleiben wir einfach im Austausch. Dir vielen Dank für das Gespräch und bis demnächst. Danke dir. Ciao.